10.12.2012 08:09 ein "gottbegnadeter Erzähler"

Kommentar zum Literaturnobelpreis: Wohlstand ohne Freiheit? Preisträger Mo Yan entkoppelt Kunst und Freiheit voneinander

Kommentar zum Literaturnobelpreis: Wohlstand ohne Freiheit? Preisträger Mo Yan entkoppelt Kunst und Freiheit voneinander

Mo Yan, Wikipedia: Johannes Kolfhaus, Gymn. Marienthal

Von: Neue OZ

Mo Yan hat den Nobelpreis für seine literarischen Werke erhalten, nicht für politische Statements oder die Unterschrift unter einen Freiheitsappell. Dennoch verstört der chinesische Autor auch jene Menschen tief, die Fragen der literarischen Qualität und der politischen Haltung nicht voreilig vermischt sehen wollen. Denn Mo Yan schert sich erkennbar wenig um das Recht eines jeden, sich frei äußern zu dürfen - auch und gerade dann, wenn derjenige nicht prominent ist.

Die Stockholmer Jury hat einen Autor ausgezeichnet, der Kunst und Freiheit voneinander entkoppelt. Mo Yan vollzieht damit in fataler Kongruenz jene Zumutung nach, mit der China die Welt konfrontiert: Das Regime betreibt wirtschaftlichen Fortschritt, bremst aber bei den Bürgerrechten. Materieller Wohlstand unter den Bedingungen der Unfreiheit - kann das eine lebenswerte Zukunft sein?

Wer jetzt über Mo Yan und sein Statement streitet, der diskutiert auch das große Ganze der Verhältnisse Chinas mit. Literatur und Politik lassen sich in diesem Fall nicht auseinanderhalten. Das Stockholmer Nobelpreisvotum provoziert weiter. Und das ist nur gut so.



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