28.07.2013 08:26 Hans-Olaf Henkel rechnet mit der Euro-Rettung ab

Hans-Olaf Henkel „Die Politiker haben wirklich sämtliche Versprechen gebrochen“

Den luxemburgischen Premier und früheren Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, bezeichnet er woertlich als Luegner. Hans-Olaf Henkel

Hans-Olaf Henkel - Den luxemburgischen Premier und früheren Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, bezeichnet er wörtlich als Lügner.

Von: GFDK - Hartmut Hoefer

„Ich bin wütend“, sagt Hans-Olaf Henkel in „hr1-Talk“ am Sonntag, 28. Juli, und rechnet – passend zu seinem neuen Buch „Die Euro-Lügner“ - in der Sendung mit den Verantwortlichen ab. „Die Politiker haben sämtliche, aber auch wirklich sämtliche Versprechen, die sie uns bei der Aufgabe der D-Mark gegeben haben, gebrochen.“

Die derzeitige Situation in der Euro-Zone gleiche einem „Scherbenhaufen“, sagt der frühere Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Den luxemburgischen Premier und früheren Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, bezeichnet er wörtlich als Lügner: „Er hat mehrfach die Politiker und die Öffentlichkeit belogen. Er hat selbst gesagt, man muss lügen, um den Euro zu retten.“ Bundeskanzlerin Merkel rede beim Thema Euro „mit zwei Zungen“.

Versprechen gebrochen

Finanzminister Schäuble, den Henkel „immer sehr geschätzt“ habe, würde bei der Euro-Rettung in Kauf nehmen, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit verliere. Henkel lehnt die aktuelle Europolitik ab und plädiert für eine Aufspaltung in einen Nord- und einen Süd-Euro.

Auch die Bild-Zeitung, für die er früher Kolumnen schrieb, greift Hans-Olaf Henkel an. „Mich haben sie Wendehals genannt, weil ich meine Meinung geändert habe“, sagt der frühere Euro-Befürworter. „Dabei sind die Politiker die Wendehälse, aber das schreiben sie nicht.“ Dass die Bild-Zeitung sogar seine randlose Brille aufs Korn genommen hatte, nimmt Henkel mit Humor.

Lügner und Betrüger

Er könne natürlich wie der Bild-Chefredakteur ständig sein Äußeres verändern, wie zum Beispiel „eine schwarze Randbrille kaufen, einen Bart stehen lassen oder Gel ins Haar schmieren“. So etwas „Fadenscheiniges“ habe er aber nicht nötig.

Bundesverdienstkreuz abgelehnt

Im Gespräch mit hr1-Moderator Uwe Berndt begründet der 73-jährige Henkel, warum er einst das ihm angebotene Bundesverdienstkreuz abgelehnt hatte: „Es gibt in Hamburg eine alte hanseatische Tradition, dass ihre Dienste für das Vaterland eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Deswegen habe ich es nicht angenommen.“ Helmut Schmidt beispielsweise habe ebenfalls abgelehnt. Es ärgere ihn heute noch, dass dieser Vorgang öffentlich gemacht wurde. „Es ist eigentlich furchtbar, solch einen Orden abzulehnen und dann dafür gelobt zu werden. Das gehört sich nicht.“

Hans-Olaf Henkel, der immer als FDP-nah galt, unterstützt inzwischen die euroskeptische Partei „Alternative für Deutschland.“ Die Liberalen haben nach seiner Meinung „ihre liberalen Grundsätze“ über Bord geworfen. „Deshalb ist mit mir und der FDP nichts mehr anzufangen.“


„hr1-Talk“ kommt immer sonntags zwischen 10.00 und 12.00 Uhr in hr1.

Auch als Podcast zum Nachhören auf www.hr1.de.

hartmut.hoefer@remove-this.hr.de