10.04.2014 09:11 Preisverleihung am 10. April

Freiburg: Der Reinhold–Schneider-Preis in der Sparte Literatur geht an Klaus Theweleit

Klaus Theweleit erhaelt Reinhold-Schneider-Preis

Die Stadt Freiburg ehrt Klaus Theweleit mit dem Reinhold-Schneider-Preis 2014 (c) Stroemfeld Verlag

Foerderpreis geht an Lisa Kraenzler

Der Förderpreis geht an die junge Künstlerin Lisa Kränzler (c) privat

Von: GFDK - Martina Schickle

Mit dem Reinhold–Schneider-Preis, der in diesem Jahr in der Sparte Literatur verliehen wird, zeichnet die Stadt Freiburg den Freiburger Kulturwissenschaftler und Schriftsteller Klaus Theweleit aus. Der Reinhold-Schneider-Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Die junge Autorin und bildende Künstlerin Lisa Kränzler erhält den diesjährigen Förderpreis von 6.000 Euro. Oberbürgermeister Dieter Salomon übergibt die Preise in einem Festakt am 10. April um 19.30 Uhr im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses am Münsterplatz. Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach tagende Jury aus Mitgliedern des Gemeinderats und Literaturexpertinnen und -experten das in Themen und Stil außergewöhnliche und seit Jahrzehnten international viel beachtete Werk des in Freiburg lebenden Autors.

Klaus Theweleit wurde 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg und war von 1969 bis 1972 als freier Mitarbeiter des Südwestfunks tätig. Theweleit lehrte am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin. Bis zu seiner Emeritierung hatte er über zehn Jahre eine Professur für Kunsttheorie an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe inne und versieht derzeit wechselnde Lehraufträge in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich.

Unkonventionellen Grenzgänger und Querdenker

Seine Dissertation über die „Freikorpsliteratur und den Körper des soldatischen Mannes“ war die Grundlage für seinen bahnbrechenden zweibändigen Klassiker „Männerphantasien“ (1977/78), in dem Theweleit eine neue psychoanalytische Faschismus-Theorie entwickelte. Theweleits "Männerphantasien" gelten als eines der ersten Werke der deutschen und internationalen Männerforschung – mit  Langzeitwirkung und rezipiert weit über die linke Subkultur hinaus. Weitere Publikationen sind unter anderem „Buch der Könige" (1988-1994), "Objektwahl" (1990), „Das Land, das Ausland heißt. Essays, Reden, Interviews zu Politik und Kunst" (1995), "Heiner Müller. Traumtext" (1996), „Deutschlandfilme. Godard. Hitchcock. Pasolini. Filmdenken & Gewalt“ (2003), „Tor zur Welt: Fußball als Realitätsmodell“(2004), „Absolute(ly) Sigmund Freud. Songbook“ (2006) und der auf vier Bände angelegte „Pocahontas-Komplex" (1999 und 2013).

Die Jury würdigt mit ihrer Entscheidung den unkonventionellen Grenzgänger und Querdenker zwischen Psychoanalyse, Literatur, Kunst und Popkultur bis zur Politik.

Klaus Theweleit nutzt die Sprache der Bilder

Theweleits Hauptthemen, die Analyse von Geschlechterverhältnissen als Machtverhältnis werden tabufrei in wechselnden Kontexten erörtert. Zugleich erweitert der Autor in einzigartiger Weise seine textlich angelegten Assoziationsketten durch die Sprache der Bilder, die er in seinen meist opulenten Büchern in allen Formen von Werbebild bis Comic zu ihrem eigenen Recht kommen lässt.

Der ihm ganz eigene „Theweleit-Sound“ schlägt sich in extensiven, lustvollen Abschweifungen und kühnen Assoziationen nieder, die Grenzen zwischen den Gattungen, Sprachcodes, Zitaten und Kommentaren sind fast aufgehoben, was immer auch eine Herausforderung für die Leser darstellt, die in einen Prozess des Frage-Stellens und Entdeckens gesogen werden.

Förderpreis geht an Lisa Kränzler

Den Förderpreis zum Reinhold Schneider-Preis hat die Jury in diesem Jahr Lisa Kränzler zugesprochen. Die 1983 in Ravensburg geborene Kränzler studierte Freie Kunst (Studiengang Malerei/Grafik) an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Außenstelle Freiburg, und war 2010/11 Meisterschülerin bei Tatjana Doll.

Neben und für ihre Malerei wurde das Schreiben immer wichtiger. Die 30jährige Lisa Kränzler debütierte 2012 mit ihrem Roman „Export A". Mit ihrem Erstling wurde sie für den Klaus-Michael Kühne-Preis 2012 und für den Rauriser Literaturpreis 2013 nominiert. In Rückblicken und Monatagetechnik werden die Themen Erwachsenwerden, Destruktion, Exzess und Schuld anhand der Geschichte einer 16jährigen Austauschschülerin in Kanada erzählt. Beim letztjährigen Ingeborg Bachmann-Wettbewerb erhielt Kränzler den 3Sat-Preis. Ihr zweiter Roman „Nachhinein", der die  Geschichte einer ungleichen Mädchenfreundschaft erzählt, bescherte Kränzler 2013 die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Mit dem Förderpreis würdigt die Jury Kränzlers sprachlichen und erzählerischen Wagemut in ihren beiden radikal -konsequenten Debüt - Romanen, durch den sich die junge Autorin deutlich aus den Veröffentlichungen ihrer Generation heraus hebt. Kränzlers Texte überzeugen, weil sie äußerst ausdrucks-und bildstark komponiert sind und selbst böseste  alltägliche Grausamkeiten schonungslos als soziale Realität abbilden. Frühere Preisträger Innen und  - träger der Sparte Literatur waren unter anderen Wolfgang Heidenreich, Kyra Stromberg, Swetlana Geier, Peter Huchel und Christoph Meckel.

Der seit 1960 existierende Reinhold-Schneider-Preis wird alle zwei Jahre verliehen – abwechselnd in den Sparten Musik, Literatur und Bildende Kunst.

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