03.03.2017 09:05 ewige Suche nach Utopien

Förderpreis Videokunst im Kunstmuseum Bern vergeben

Kunstpreis-Gewinner Samuel Lecocq

Samuel Lecocq Videoarbeit widmet sich der ewigen Suche nach Utopien und überzeugte die Jury durch seine dichte Montage. (c) Samuel Lecocq

Von: GFDK - Kunstmuseum Bern

Am 23. Februar wurde bereits zum sechsten Mal der Credit Suisse Förderpreis Videokunst im Kunstmuseum Bern vergeben. In diesem Jahr ging der mit CHF 10’000 dotierte Preis an den gerade mal 24-jährigen Samuel Lecocq, der an der Haute école d’art et de design in Genf studiert.

Seine Videoarbeit «A FUTURISTIC (MOVIE) SET-UP» widmet sich der ewigen Suche nach Utopien und überzeugte die Jury durch seine dichte Montage sowie die spannende Verschränkung von Fiktion und Realität, Raum und Zeit. 2011 wurde der Credit Suisse Förderpreis Videokunst zum ersten Mal an den nationalen Fachhochschulen ausgeschrieben. 2016 gingen für den aktuellen Wettbewerb 52 Bewerbungen aus der ganzen Schweiz ein.

Förderpreis Videokunst

Der Credit Suisse Förderpreis Videokunst ging 2011 aus der langjährigen Partnerschaft zwischen dem Kunstmuseum Bern und der Credit Suisse hervor und soll die Karriere von jungen Videokunstschaffenden beflügeln. Aus Anlass des fünfjährigen Bestehens hat die Credit Suisse 2016 das Preisgeld von CHF 8’000 auf CHF 10’000 erhöht. Der zudem mit einem Platz in der Sammlung des Kunstmuseums Bern dotierte Preis richtet sich an Studierende an Schweizer Fachhochschulen und der F+F Schule in Zürich, die mit dem Medium Video arbeiten. Der Wettbewerb stösst auf grosses Interesse und verzeichnete in seiner sechsten Auflage 52 eingegangene Bewerbungen. 45 Arbeiten wurden schliesslich zugelassen, neun davon schafften es auf die Jury-Shortlist.

Förderpreis an Samuel Lecocq

Einstimmig beschloss die Jury, den Preis an Samuel Lecocq und sein Video «A FUTURISTIC (MOVIE) SET-UP» (2016, Full-HD-Video, Farbe, Ton, 8:18 Min.) zu verleihen. Der Preisträger ist 1992 in Paris geboren und hat seine Ausbildung im Studienbereich «Information-Fiction» absolviert. Zurzeit arbeitet er an einem Master-Abschluss an der Haute école d’art et de design in Genf (HEAD).

A FUTURISTIC (MOVIE) SET-UP
Samuel Lecocq widmet sich in «A FUTURISTIC (MOVIE) SET-UP» der ewigen Sehnsucht nach Utopien, wie sie in den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre durch architektonische Entwürfe sowie den Themenpark «Futuroscope» in Poitiers (Frankreich) verwirklicht worden sind. In kurzweiligen acht Minuten spannt der Film einen Bogen von den 1980er Jahren, als der sich den Medientechnologien der Zukunft widmende Science-Fiction-Park von Denis Laming gebaut wurde, bis zum Interview mit einer (fiktiven) russischen Studentin, die ihre Begegnung mit diesem beschreibt.

Das Video ist eine Mischung aus Dokumentarfilm, Trailer, Animation und Kurzfilm. Laut dem Urteil der Jury durchdringen sich in Lecocqs Video Raum und Zeit, Vision und Erinnerung, Fiktion und Realität in «vollendeter Weise». Beeindruckt war die Jury von der dichten Montage des Films, der ein beziehungsreiches Geflecht zwischen der Technologie-Begeisterung der 1980er Jahre und deren Resonanz in Russland und Frankreich aufbaut.

Hohes qualitatives Niveau
Das hohe Qualitätsniveau der Beiträge blieb erfreulicherweise auch dieses Jahr konstant. Die Werke deckten verschiedene Genres ab. Unter ihnen gab es sowohl Kurzfilme mit Spielfilmhandlung als auch poetische Filmgedichte oder essayistische Dokumentarfilme. Bei der Auswahl der Werke legt die Jury jeweils besonderes Augenmerk auf eine eigenständige stilistische Position, einen präzisen Einsatz der filmischen Mittel, ein zeitgenössisches Thema und erzählerische bzw. darstellerische Prägnanz. Das Gewinnerwerk hat die Jury in all diesen Punkten überzeugt.

Präsentation des Gewinners und der Shortlist
Um Samuel Lecocqs «A FUTURISTIC (MOVIE) SET-UP» einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, wird das Video im Fenster zur Gegenwart des Kunstmuseums Bern im PROGR/Stadtgalerie vom 23. Februar bis zum 23. März 2017 präsentiert. Der Gewinnerbeitrag und die Werke der Shortlist werden am 17. März 2017 von 18.00 bis 2.00 Uhr in der Credit Suisse Geschäftsstelle am Bundesplatz 2 anlässlich der Museumsnacht Bern gezeigt.