09.04.2012 07:44 „Verantwortungsdiffusion“

Fehlende Zivilcourage - Paul Plamper in hr2-kultur über die Konfrontation mit Gewalt

Paul Plamper Foto: hr/Christian Thiel

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Ein verbaler Streit in der Öffentlichkeit schlägt um in Gewalt. Die Situation, die er in seinem prämierten Stück „Ruhe 1“ beschreibt, hat der Hörspielautor Paul Plamper selbst erlebt.

„Es war tatsächlich so“, erzählt Plamper in hr2-kultur, „dass ich mal Anfang der 90er Jahre in einer Schlange stand, und etwas entfernt von uns haben sich ein Mann und eine Frau gestritten, und das wurde dann handgreiflich. Ich habe zu spät reagiert. Der hat sie in einen Hauseingang gezerrt, und weg waren sie. Dann hab ich zwar noch an allen Türen geklingelt, aber da war Ruhe in diesem Treppenhaus.“

Sein 2008 realisiertes Stück zum Thema „Verantwortungsdiffusion“ spielt in einem Café. Die Stimmen der 29 Gäste verhallen, als ein Mann und eine Frau von draußen gegen die Scheibe knallen. „Und dann“, so Plamper über das Hörspiel, „kommt ein Moment der Stille.

Danach beginnen an allen Tischen wieder die Gespräche, und man kriegt mit, was für Strategien aus dem Ärmel gezaubert werden, sich diesen Vorgang vom Leib zu halten, weil niemand reagiert.“

Paul Plamper, 1972 in Ulm geboren, ist einer der erfolgreichsten Regisseure und Autoren für Theater und Hörspiel. Seine Stücke wurden unter anderem mit dem Deutschen Hörspielpreis („Ruhe 1“), dem Prix Europa („Top Hit leicht gemacht“ und „Tacet“) und dem Hörspielpreis der Kriegsblinden („Ruhe 1“) ausgezeichnet.

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