16.03.2013 09:23 Tarifpolitik - Der Egoismus der Verlage

Erfindungspotential der Verlage - kreativ sind sie bei der Tarifflucht

Die WAZ-Axt schlägt wieder zu! oder WAZ-Gier kostet Meinungsvielfalt Fotos: Eva Horstick-Schmitt

Die WAZ-Axt schlägt wieder zu! oder WAZ-Gier kostet Meinungsvielfalt Fotos: Eva Horstick-Schmitt

Von: GFDK - Hendrik Zörner

Flächentarifverträge haben gleiche Arbeits- und Einkommensbedingungen für die Mitarbeiter einer Branche zum Ziel. So auch im Journalismus: Ob ein Redakteur in Ostfriesland oder Oberbayern arbeitet, soll nach dem Tarif keine Rolle spielen. Doch für manche Zeitungsverlage ist das bloße Theorie.

Sie mogeln sich aus den Tarifverträgen, indem sie ihrem Arbeitgeberverband BDZV den Rücken kehren oder von dessen Möglichkeit der Mitgliedschaft ohne Tarifbindung Gebrauch machen. Der DJV hat die schwarzen Schafe aufgelistet. Die Übersicht zeigt: So unflexibel die Verleger auf die wachsende Konkurrenz durch das Internet reagiert haben, so kreativ sind sie bei der Tarifflucht.

 

Das größte Erfindungspotential steckt in den großen Verlagen. So hat der WAZ-Konzern von einem Tag auf den anderen die Redaktionsbelegschaft der Westfälischen Rundschau auf die Straße gesetzt, um die Zeitung jetzt von der Konkurrenz machen zu lassen. Die Magdeburger Volksstimme, ein Spross des Hamburger Bauer-Verlags, hat die Mantelredaktion zerschlagen und die Beschäftigten in drei GmbH's gesteckt. Einige Mitarbeiter wurden auch entlassen, darunter ein Betriebsrat. Und dem Vorsitzenden des DJV Sachsen-Anhalt verwehrte ein Sicherheitsdienst den Zutritt zu einer Betriebsratssitzung.

Dass solche Verleger Schlimmeres anrichten als ein wenig Porzellan zu zerschlagen, wissen die Kollegen in den Redaktionen zur Genüge. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn sich in diesem Jahr der Vorhang zu den nächsten Tarifverhandlungen öffnet.