21.03.2013 10:14 WAZ-Axt zerstört weitere 200 Arbeitsplätze

Eine Zeitung völlig ohne Mitarbeiter - Der WAZ Konzern ist nicht mehr an Mitarbeitern interessiert

Gottfried Böhmer bei Protesten in Lissabon

Gottfried Böhmer bei Protesten in Lissabon

„Die WAZ-Axt schlägt wieder zu!“ oder „WAZ-Gier kostet Meinungsvielfalt“ Fotos: Eva Horstick-Schmitt

„Die WAZ-Axt schlägt wieder zu!“ oder „WAZ-Gier kostet Meinungsvielfalt“ Fotos: Eva Horstick-Schmitt

Von: GFDK - DJV

Die WAZ-Axt schlägt erneut zu – und zerstört die Arbeitsplätze von 200 Mitarbeitern der Funke-Mediengruppe, wie sich der WAZ-Konzern seit Anfang des Jahres nennt. Erst vor zwei Monaten war das Aus für 120 Redakteure der Westfälischen Rundschau verkündet worden. Nun bestätigen sich seit Wochen kursierende Gerüchte, schlimmste Befürchtungen werden wahr. Wohin will dieser Verlag eigentlich noch? Plant er jetzt Zeitungen völlig ohne Mitarbeiter?

Die Geschäftsführung der Funke-Mediengruppe verkündete heute um 15.40 Uhr den Wegfall von 200 Stellen in NRW im Redaktions- und Verwaltungsbereich. Betroffen sein sollen: der Content Desk, die Anzeigenblätter, der Bereich Anzeigen. Wohl auch noch mehr, aber Details wollten Manfred Braun, Christian Nienhaus und Thomas Ziegler in ihrer Mitarbeiter-Information nicht nennen. Sukzessive werden die betroffenen Bereiche nun informiert.

„Es ist unfassbar, was in diesem Medienhaus geschieht“, kritisiert Helmut Dahlmann, Vorsitzender des DJV-NRW. „Statt in Inhalte und Anzeigenakquise zu investieren, scheint der Konzern nicht mehr an Mitarbeitern interessiert zu sein, die sich für das Produkt Tageszeitung engagieren.“

Derweil vergießen die Geschäftsführer reichlich Krokodilstränen. Sie bezeichnen die Mitarbeiter in ihrem Schreiben als die „Säulen eines Unternehmens“. Warum nur schlägt die WAZ-Axt dann auf diese Säulen ein? „Sparen ist das einzige erkennbare Konzept dieses Konzerns, zur Zukunft des Unternehmens fallen nur Worthülsen“, sagt der DJV-Landesvorsitzende.

Dahlmann verweist auch auf die zwei Maßstäbe, die in der Mediengruppe gelten: Bei den Mitarbeitern werde mit Blick auf die Rendite konzeptlos mit der Axt gekappt. Auf der Führungsebene hingegen scheine es nach oben keine Grenzen zu geben. Schon lange kolportiert wird etwa, dass der Abschied eines Geschäftsführers 20 Mio. Euro gekostet hat (die Hälfte davon steht übrigens für den Sozialplan aller 120 entlassenen Redakteurinnen und Redakteure der Westfälischen Rundschau zur Verfügung).

Das Schreiben der drei Geschäftsführer endet bitter: „Mit dem neuen Namen ‚Funke‘ betonen wir unsere Tradition als Familienunternehmen.“ Helmut Dahlmann kontert: „So handelt aber kein Konzern, der auf eine Tradition als Familienunternehmen setzt. Wo bleibt denn die Verantwortung für die Mitarbeiter?“

Bereits vor Wochen waren an die Journalistengewerkschaft Informationen herangetragen worden, dass die WAZ-Kreisredaktion Recklinghausen geschlossen und die lokalen Inhalte nach dem neuen WAZ-Modell „Mogelpackung“ vom Bauer-Verlag zugeliefert werden sollen. „Wie diese absurden Entwicklungen im WAZ-Konzern noch mit der Aussage übereinstimmen, man wolle das Kerngeschäft Tageszeitungen weiter vorantreiben, bleibt ein Mysterium dieser Geschäftsführung“, so Helmut Dahlmann.