25.06.2018 07:42 Spieler bringen es auf den Punkt

Die Reaktionen der Sportler nach der Niederlage der Deutschen Nationalmannschaft

Nicolas Fink, Experte fuer Markenmanagement und Oeffentlichkeitsarbeit im Sport an der SRH Fernhochschule - The Mobile University

Nicolas Fink, Experte für Markenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Sport an der SRH Fernhochschule - The Mobile University. Quelle SRH Fernhochschule

Von: GFDK - Medien

Nach dem misslungenen Start der Deutschen Nationalmannschaft in die Weltmeisterschaft in Russland, wartete die Öffentlichkeit gespannt auf die Reaktionen der Sportler.

Wie das öffentliche Feedback auf die Äußerungen der Spieler ausfiel, hat Nicolas Fink, Experte für Markenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Sport an der SRH Fernhochschule - The Mobile University, genauer analysiert.

Die deutsche Nationalmannschaft startet mit einer Niederlage in die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Für Fanexperten oder Fußball-Neulinge wäre es nicht weiter ungewöhnlich gewesen, wenn die Berichterstattung und das öffentliche Feedback in den Social-Media-Kanälen in den Folgetagen verheerend ausgefallen wären. So ist es allerdings nicht gekommen.

„Wir können in den letzten Wochen und Monaten einen interessanten Wandel in der Kommunikation von Fußballspielern, Trainern und Funktionären feststellen“, erklärt Nicolas Fink, Experte für Markenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Sport an der SRH Fernhochschule – The Mobile University und Geschäftsführer des BASF Tennisclub e.V.

„Nach langer Zeit treffen Spieler, wie z. B. Mats Hummels, endlich wieder klare Aussagen und keine emotionslosen Standard-Phrasen. Das Erstaunliche ist: Die Öffentlichkeit versteht die Gefühlswelt und spendet Verständnis.“

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, wird deutlich, dass vor allem Spieler, Trainer oder Funktionäre mit Charakter in Erinnerung geblieben sind. Mario Basler oder Oliver Kahn äußerten bereits im Jahr 2010, dass Spieler mit Ecken und Kanten fehlten, die geradeaus ihre Meinung sagen.

Ein Grund liegt hier in den sozialen Medien. „Personen öffentlichen Interesses können mit voller Wucht durch einen Shitstorm und die anschließende mediale Berichterstattung getroffen werden. Früher blieb die Kritik, die einzelne Fans äußerten, im Familien-, Bekannten- oder Arbeitskollegenkreis“, erklärt Fink.

„Aus diesem Grund ist es auch verständlich, dass Sportler sich über die Jahre hinweg gewisse Verhaltens-, Aussagen- und Gedankenmuster angeeignet haben, um sich zu schützen“, der Experte weiter.

So erklärt Mario Götze in einer kürzlich erschienenen Dokumentation, dass es gegenüber der Presse immer besser sei, gewisse Situationen abzuschwächen, um niemand anderen – gewollt oder ungewollt – zu kritisieren.

In den letzten Wochen gab es jedoch mehrere Fälle von Fußballern, die sportliche Talfahrten oder ein Fehlverhalten deutlich angeprangert haben.

So fanden Mats Hummels und Jerome Boateng deutliche Worte für das Spiel Deutschland gegen Mexiko und gaben somit einen Einblick in die eigene Gefühlswelt und die Einstellung zur restlichen Mannschaft.

Auch andere Spieler formulierten deutlich, dass es im Nachgang zum verlorenen Spiel in der Mannschaft zu lauten Auseinandersetzungen gekommen sei.

Erstaunlich ist: Die große Öffentlichkeit reagierte positiv und mit Verständnis auf diese Aussagen. „Nur wenige Stimmen sprachen von einem ‚Tabubruch‘ durch die öffentlich geübte Kritik“, sagt Fink. Denn das Publikum verstehe die geäußerten Gefühlswelten und könne sich in die Menschen, die hinter diesen Aussagen stehen, hineinversetzen.

Eine gerechtfertigte, verhältnismäßige Kritik, die die Probleme auf den Punkt trifft, ist authentisch und wertvoll für die Öffentlichkeit.

Die Emotion um den Sport wächst auch durch emotionale Spieler, die sich nicht aktiv vor der Presse und Öffentlichkeit verschließen und sich zu mehr als nur Standardantworten hinreißen lassen. „Der Fußball ist wieder bereit für Charaktere“, schließt Fink.