06.03.2013 09:15 Er kann charmant sein. Aber er bietet sich nie an

Der König des Monologs und Gottbegeisterte, Jürgen Holtz bekommt den Theaterpreis Berlin 2013

Schauspieler Jürgen Holtz bei einer Hörspielproduktion, Bild: rbb/Hanna Lippmann

Schauspieler Jürgen Holtz bei einer Hörspielproduktion, Bild: rbb/Hanna Lippmann

Von: GFDK - Jagoda Engelbrecht

Für seine herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater zeichnet die Stiftung Preußische Seehandlung den Schauspieler Jürgen Holtz mit dem Theaterpreis Berlin 2013 aus.

Die Entscheidung über die Auszeichnung traf die Preisjury, der der Intendant der Berliner Festspiele, Dr. Thomas Oberender, die Theaterkritikerin Christine Wahl und der Intendant des Hans-Otto-Theaters Potsdam, Tobias Wellemeyer, sowie mit beratender Stimme die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, angehören.

Hochmut, Besserwisserei, Selbstgefälligkeit und Fremdenhass

In der Jurybegründung heißt es: „Geehrt wird mit Jürgen Holtz ein Grantler, ein feiner Gedankenverfertiger im Sprechen, ein König des Monologs. Er ist gegen die sogenannten Ensembles, die, wie er sagt, heilige Kühe hüten in ungesunden Ställen und ansteckende Krankheiten pflegen wie Hochmut, Besserwisserei, Selbstgefälligkeit und Fremdenhass. Manchmal scheint es, wenn man ihn spielen sieht, dass er die seltene Qualität wirklicher Ensembles als Einzelner überliefern möchte – ein hohes Bewusstsein von Konvention und attraktiver Besonderheit.

Er spricht aus einer Form von Begreifen auf der Bühne, wie sie selten geworden ist. Er ist ein Schauspielersouverän, der durch Pausen regiert, Tempodehnungen, Affektmodulation.

Er kann charmant sein. Aber er bietet sich nie an.

Geehrt wird Jürgen Holtz als einer, der berühmt dafür wurde, dass sein Zuschauer schnell merkt, wogegen er ist: als Moritz Tasso, als Motzki, als Kreon. Wenn man ihm länger zuschaut, spürt der Betrachter zugleich untrüglich, wofür Jürgen Holtz ist: Er ist ein Enthusiast. Wiederum, in seinen Worten, wörtlich genommen, ein „Gottbegeisterter".

Schauspielertheater im noblen Sinne

Kunst und Politik gehören für ihn untrennbar zusammen. Nicht im Sinne von Rechthaberei, sondern als Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen der Macht. Ohne das gefährliche Leben und Denken zu suchen, wäre ihm sein Beruf zu harmlos. Er floh vor Zensur aus der DDR, vor Routine aus den Betrieben, kämpft gegen die Traumlosigkeit der eigenen Arbeit. Jürgen Holtz lebt vor, was Schauspielertheater im noblen Sinne ist: geistvoll, in einer kollektiven Verabredung geborgen und befreit zugleich."

Der mit 20.000 Euro dotierte Theaterpreis Berlin wird wieder im Rahmen des Berliner Theatertreffens vom Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung Klaus Wowereit verliehen.

Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 5. Mai 2013 um 12.00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele statt: als Matinee, die Kollegen des Preisträgers ausrichten. Alle Theaterfreunde sind herzlich dazu eingeladen. Der Eintritt ist frei; Einladungen werden versandt; Anmeldungen bei der Stiftung sind erforderlich.

Berlin, den 5. März 2013

Walter Rasch, Senator a. D.

Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Preußische Seehandlung

Dr. Ute Bredemeyer

Stiftung Preußische Seehandlung,

bredemeyer@stiftung-seehandlung.de

Jagoda Engelbrecht

Leiterin Pressebüro / Head of Press

Berliner Festspiele

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jagoda.engelbrecht@berlinerfestspiele.de