23.03.2012 14:00 Wolfgang Niedecken sichtlich gerührt

Berlin - ECHO für Wolfgang Niedecken - BAP-Frontmann für sein Lebenswerk geehrt; Laudatio von Campino

Wolfgang Niedecken (c)Tina Niedecken

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Wolfgang Niedecken ist in diesem Jahr mit dem Deutschen Musikpreis ECHO für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie e. V. (BVMI), ehrte den bald 61-jährigen Kölner während der Verleihung am 22. März in Berlin als einen außergewöhnlich vielfältigen Künstler, der als Texter, Komponist, Sänger, Gitarrist und Produzent, aber auch als Maler, Grafiker, politischer Aktivist und Persönlichkeit stets glaubwürdig und authentisch seine Positionen vertritt und dessen sich kontinuierlich weiter entwickelndes Werk eine ungeheure Schaffenskraft widerspiegelt.

»Wolfgang Niedecken gehört ohne Zweifel zu den prägenden und kreativsten Köpfen der deutschen Rockgeschichte. Kaum ein deutscher Rockmusiker hat seine eigene Geschichte in seinen Songs über mehr als drei Jahrzehnte so persönlich und so erfolgreich erzählt wie er«, so BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke im Vorfeld der Veranstaltung.

Unter Standing Ovations nahm Wolfgang Niedecken sichtlich gerührt den ECHO für sein Lebenswerk aus den Händen seines Freundes Wim Wenders entgegen. Die Laudatio hielt Campino, Leadsänger der Toten Hosen. Nach der Verleihung spielten Niedecken und BAP zusammen mit Clueso »All die Augenblicke«.

Die Aufnahme des Song ist übrigens seit dem 23. März ab 00:01 Uhr als Download auf allen digitalen Plattformen erhältlich. Alle Einnahmen daraus werden an das Kinderschutzprojekt »Rebound« gespendet, das sich in Uganda und im Ostkongo für die Resozialisierung ehemaliger Kindersoldaten einsetzt.

Den würdigen Schlusspunkt der Show setzten BAP schließlich zusammen mit Thomas D von den Fantastischen Vier: eine mitreißende Version des Klassikers »Verdamp lang her«, an der sich auch Die Toten Hosen, Clueso, sowie die beiden Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Ina Müller beiteiligten.  

Der Gründer und Frontmann der legendären Kölschrock-Band BAP engagiert sich nicht nur mit seinen Liedern auf der Bühne, sondern zeigt auch daneben seit über drei Jahrzehnten soziale und gesellschaftliche Initiative.

So gehörte er 1992 zu den Mitorganisatoren des Kölner »Arsch huh, Zäng ussenander«-Konzertes gegen Rassismus und Fremdenhass, für das er 1993 den von Bundespräsident Herzog das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Außerdem ist Niedecken seit 2004 Sonderbotschafter der Dachorganisation »Gemeinsam für Afrika« und setzt sich mit seinem

"Project Rebound" zusammen mit World Vision und Jack Wolfskin für die Rehabilitation ehemaliger Kindersoldaten und für die Unterstützung vergewaltigter Mädchen in der ostkongolesischen Stadt Beni ein.

Wolfgang Niedecken veröffentlichte zudem zwei Alben als Solist sowie eins mit der WDR-Big Band Köln. Mit BAP und solo geht er seit Jahrzehnten auf ausgedehnte Tourneen durch die deutschsprachigen Länder.

Hinzu kamen bislang Konzerte in Holland, Belgien, Dänemark, China, Nicaragua, Russland und Mosambik. Von den 23 BAP-Alben erreichten allein 19 die Top 10, zehn wurden sogar Nummer 1. Im Laufe seiner Karriere arbeitete Wolfgang Niedecken mit zahlreichen

Künstlern zusammen, darunter Kölner Musiker wie die Bläck Fööss und Jürgen Zeltinger aber auch internationale Größen wie Sheryl Crow, Ray Davis und Bruce Springsteen, mit dem ihn heute eine Freundschaft verbindet.

Hinzu kommen Auftritte und Kooperationen mit so unterschiedlichen Künstlern wie Die Toten Hosen, Paul Kuhn, den H-Blockx oder der WDR-Big Band Köln.

Zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr erschien die Autobiografie »Für 'ne Moment«, in der er ausführlich Auskunft über sein Leben und seine Arbeit als Musiker und Künstler gibt.

Nach einer USA-Reise und kurz vor dem Start einer BAP-Tournee erlitt er im November 2011 einen Schlaganfall, von dem er sich gut erholt hat, so dass die ursprünglich für November geplante Tour nun im Mai 2012 nachgeholt wird.