20.02.2017 11:04 erhält kunstpreis

art KARLSRUHE - Jonathan Meese fordert Diktatur der Kunst

Autor Florian Illies und Kuenstler und Preistraeger Jonathan Meese auf art Karlsruhe 17

Juror Florian Illies (Autor und Geschäftsführer der Villa Grisebach) und Hans Platschek Preisträger Jonathan Meese nach der Preisverleihung auf der art KARLSRUHE. Foto: KMK / Jürgen Rösner

Von: GFDK - art Karlsruhe

Jonathan Meese ist ein Ausnahmekünstler und als Preisverweigerer bekannt. Als er von Juror Florian Illies, Autor und Geschäftsführer der Villa Grisebach, zum Preisträger des zehnten Hans Platschek Preises für Kunst und Schrift gewählt wurde, hat er seine Prinzipien gebrochen und nahm den Preis auf der art KARLSRUHE entgegen.

Stiftungsgründer Kurt Groenewold wies auf die besondere Bedeutung des malenden Schriftstellers und schreibenden Malers Platschek hin, der von 1923 bis 2000 lebte: "Er betrachtete Künstler als Vertreter der Freiheit." Kunsthistoriker und Publizist Florian Illies, dem die Aufgabe zufiel, den Preisträger zu bestimmen, betonte in seiner Laudatio: „Präzision, Verschlossenheit und Witz verbindet Meese mit Platschek.“

Illies zitierte Ad Reinhardts Bonmot, Kunst sei Kunst, alles andere sei alles andere, um auf die besondere Hermetik von Meeses Werk hinzudeuten. Kaum ein Kritiker habe sich mit ihm wirklich beschäftigt. Er sei ein "ungeheurer sprachlicher Wiederkäuer", und am Ende bleibe der "ERZ-Meese", der "Nietzsche und Wagner überlebt".

Jonathan Meese: Kunst braucht keine Revolution

Es folgte ein neunzigminütiger Auftritt des Künstlers, in dem er über die Notwendigkeit des Endes aller Ideologien performte. „Wir brauchen Evolution, keine Revolution" – war ein Kernsatz Meeses. Mache die Menschheit ernst mit seiner Diktatur der Kunst, flösse kein Blut mehr. Meese redete an gegen jede Ideologie und Vereinnahmung, sei sie nun religiös oder politisch motiviert. Es ist ihm ernst mit der Aussage, dass er für eine lebenswertere, menschlichere Welt schreibt und malt.

art KARLSURHE-Preis geht an Galerie SMUDAJESCHECK

Die Gewinner des zehnten art KARLSRUHE-Preises des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe stehen fest. Die Fachjury wählte aus den 193 One-Artist-Shows der Messe, die überzeugendste Einzelpräsentation: die Galerie SMUDAJESCHECK aus München mit der litauischen Künstlerin Neringa Vasiliauskaite (dm-arena/Halle 4, Stand M07).

Künstlerin Neringa Vasiliauskaite ausgezeichnet

„Neringa Vasiliauskaite arbeitet mit Spiegelflächen. Sie greift damit ein altes Thema der bildenden Kunst auf und überträgt es zugleich in überaus avancierte Formulierungen. In mehreren Schichten baut die Künstlerin ihre Arbeiten so auf, dass sie gleichermaßen als Spiegel wie als monochrome Farbereignisse wirken. Dem Betrachter kommt dabei besondere Bedeutung zu. Zum einen wird er in der Begegnung mit seinem Spiegelbild immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen, zum anderen verändert sich, während er sich zwischen den Arbeiten bewegt, deren Farbwirkung:

Opalisierende Effekte entstehen, die den Arbeiten von Vasiliauskaite eine nachgerade surreale Aura verleihen. Zugleich reflektieren die mit höchstem technischen Raffinement gefertigten Flächen in ihrer hyperperfekten Coolness eine Gesellschaft, in der sich das einzelne Subjekt in einer von glatter Hightech-Ästhetik geprägten Umgebung zu fortlaufender Selbstvervollkommnung herausgefordert oder genötigt fühlt.“, begründet die Jury ihre Auswahl.

Neringa Vasiliauskaite ist 1984 in Litauen geboren und hat zunächst an der Kunstakademie Vilnius ein Studium in Glaskunst absolviert, das sie 2008 mit dem Master abschloss. 2011 begann sie ein Aufbaustudium an der Kunstakademie München, wo unter anderem Norbert Prangenberg zu ihren Lehrern gehörte. Vasiliauskaite lebt in München und wird auf der art Karlsruhe von der Galerie SMUDAJESCHECK vertreten.