08.12.2012 10:11 bildende und darstellende Kunst, Musik und Literatur

Anna Vogel ist dabei - Düsseldorf vergibt sieben Förderpreise für vielversprechende Künstler

Anna Vogel erhält einen der beiden Förderpreise für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf. Der Preis ist mit 4000,- € dotiert. Ein Katalog und eine Ausstellung im Kunstraum Düsseldorf runden den Preis ab.

Anna Vogel erhält einen der beiden Förderpreise für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf.

Von: GFDK - Düsseldorf.de

Alljährlich in der Vorweihnachtszeit ehrt die Landeshauptstadt Düsseldorf junge, vielversprechende Künstlerinnen und Künstler mit Förderpreisen; sie sind jeweils mit 4.000 Euro dotiert. Bürgermeisterin Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann übereichte die Förderpreise in Vertretung des Oberbürgermeisters am Dienstag (4. Dezember) im Kunstraum Düsseldorf.

In diesem Jahr wurden sieben Auszeichnungen in folgenden Gattungen vergeben: Förderpreise für bildende Kunst: Leunora Salihu (Bildhauerin) und Anna Vogel (Fotografin); Förderpreise für darstellende Kunst: Marlúcia do Amaral (Tänzerin) und Anna Malunat (Regisseurin); Förderpreise für Musik: Stefan Honig (Singer-Songwriter) und Bojan Vuletic (Komponist); Förderpreis für Literatur: Axel von Ernst (Autor). In den Jury-Begründungen heißt es unter anderem:

Förderpreise für bildende Kunst

Leunora Salihu studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und ist Meisterschülerin von Tony Cragg. Sie greift in ihrer bildnerischen Tätigkeit die Formensprache modernistischer Architektur auf und erkundet mit feinen, gezielten Modifikationen die Brüchigkeit dieser uns so vertrauten Modelle und Muster. Ihre auf den ersten Blick rein konzeptuell konstruierten Skulpturen teilen sich bei längerem Betrachten viel mehr über ihre durchdringende Wirkung von organischen Strukturen und deren fortsetzender Ausbreitung mit. Salihus Werke kombinieren überzeugend die einst getrennten Zonen von Sockel und Objekt zu einer spannungsintensiven Synthese und lassen generell ein beachtliches Potential der Künstlerin im Umgang mit großen raumübergreifenden Dimensionen erkennen.

Anna Vogel spielt in ihren Werken mit den Zeitebenen der Fotografie und denen des collagierten Motivs. Sie erzeugt assoziative Arbeiten, welche geschickt zwischen der Tiefe der Darstellung und der Oberfläche des Mediums changieren. Die Künstlerin nutzt selbst fotografiertes, aber auch gefundenes Bildmaterial und erstellt relativ kleinformatige Arbeiten. Persönliche Erlebnisse motivieren - von eigenen Fotografien ausgehend - zur Bildrecherche im Internet nach ähnlichen Motiven oder Ergänzungen. Sind auf einem Foto zu viele klare Details, so bearbeitet die Künstlerin diese. Die dabei entstehenden gekratzten, gemalten oder gedruckten Linien stehen für die Unschärfe der Erinnerung, aber auch für die Unschärfe von Bewegung, wie bei einem aus dem Zug geschossenen Foto. Vogels Arbeiten lassen die Betrachter nicht passiv schauen, sondern dank der geschaffenen Freiräume zu aktiven Mitgestaltern der Motivebenen werden.

Förderpreisträgerinnen im Kunstraum Düsseldorf

Beispiele der Arbeiten von Leunora Salihu und Anna Vogel sind vom 7. Dezember bis 20. Januar im Kunstraum Düsseldorf, Himmelgeister Straße 107e, zu sehen. Der Kunstraum ist jeweils donnerstags und freitags von 15 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Förderpreise für darstellende Kunst

Marlúcia do Amaral ist eine Bühnenkünstlerin im groß gemeinten Sinne des Wortes. Ihr Leuchten etikettieren manche mit den altmodischen Begriffen Star oder Diva. Besser würde hier Generosity passen, Großzügigkeit. Wer die Blicke so ansaugt, kann auch mit vollen Händen austeilen. Der ganze Körper ist dann die Hand, die sich ausstreckt, die lockt, füttert, foppt, streichelt. In den Partien, die Martin Schläpfer für sie und mit ihr choreographiert, wird das besonders sichtbar.

Er hat die Brasilianerin - frisch von der Akademie weg - vor zwölf Jahren an sein neu aufgestelltes Ballett Mainz engagiert. Schon dort fiel sie auf; er ließ sie auffallen. Auf ihr starkes tanztechnisches Fundament baut sie Charaktere, oder besser: Charakterfacetten. Sie kann ernst und hart wirken wie eine Waffe. Sie kann auch die Brüchigkeit solcher Kraft verkörpern, wie in "Ramifications". Sie kann lustig und ausgelassen. Im "Forellenquintett" zappelt sie wie naive, überbordend weibliche Lebenslust. Düsseldorf umarmt sein Ballett. Anerkennung, Begeisterung sind allenthalben zu bemerken, Bewunderung für die Tänzer, die so viel arbeiten in zwei Städten, die gut sind, so unterschiedlich und doch ein Ensemble bilden. Den Preis erhält eine Einzelne. Aber es sind im Umkreis dieses erfreulichen Wirbels auch ein wenig das ganze Ballett, sein Chef und das Team im Hintergrund damit gemeint. Denn zum Leuchten gehören auch diejenigen, die sie leuchten lassen.

Anna Malunat macht Musik, wenn sie Theater inszeniert, und Theater, wenn sie mit Sängern und Musikern arbeitet. Die Regisseurin inszeniert Oper, Konzert, theatralen Essay, virtuos und gleichzeitig mit unglaublicher Leichtigkeit. Bei ihr sind die Übergänge zwischen Musik, Sprache, Geräusch und Geste fließend. Sie bewegt sich gemeinsam mit ihren Schauspielern, Sängern und Musikern von einem Bereich in den anderen, selten hat man bei einem jungen Regisseur solch eine gute Schauspielerführung gesehen.

Seit 2005 arbeitet sie regelmäßig am Forum Freies Theater Düsseldorf, wo sie eine künstlerische Heimat gefunden hat. 2009 entstand die Uraufführung von "Sitt Marie-Rose" nach dem gleichnamigen Roman der libanesischen Autorin Etel Adnan, 2010 "Peter Pan and the Lost Boys" nach James M. Barrie, 2011 "Halt Dich am Zaun, der Himmel ist hoch" und in diesem Jahr "Jesus ich möchte viel Glück beim Angeln" - als die beiden ersten Teile einer Heimat-Trilogie, die drei Generationen Deutscher porträtiert. Malunats Musik-Theater berührt, bringt zum Lachen, widerspricht sich, bricht auf, konfrontiert plötzlich mit Stille, erzählt Geschichten von Menschen aus Beirut, aus Kaliningrad, befragt Mythen und deutsche Geschichte.

Förderpreise für Musik

Stefan Honig ist eine Bereicherung für die Musikszene unserer Stadt. Der 34-Jährige steht für hochwertigen Gitarrenpop, er ist ein melancholischer Singer-Songwriter, der manchmal grübelt, oft träumt und immer bereit ist für die große Schwärmerei. Mit seiner Band "Benevolent" erspielte er sich eine große Anhängerschaft, nachdem er die Gruppe auflöste, musiziert er alleine. Stefan Honig ist längst über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff. Er hat dies über viele Jahre mit Beharrlichkeit und großem Einsatz erreicht. Bilk ist durch ihn zu einem der musikalisch bedeutsamen Orte auf dem Stadtplan geworden. Er organisiert Konzerte im Kulturverein "Brause", lädt Musiker ein und sorgt dafür, dass man sich wohlfühlen kann in Düsseldorf, dass es hier nicht langweilig wird. Kürzlich gab er seinen Beruf als Erzieher auf, um sich ganz der Musik widmen zu können.

Bojan Vuletic ist ein Musiker und Komponist, dessen Schaffen weit über die Grenzen des Alltäglichen hinausgeht. Kennzeichnend für seine Arbeit ist, dass er Zeit seines Lebens mit großem Forschergeist und Tatendrang immer wieder auf der Suche nach Neuland unterwegs gewesen ist. Dabei ist interessant, dass er nie den einfachen, unkomplizierten Weg gewählt hat: So studierte er zuerst Astrophysik, später dann Gitarre und im Anschluss daran Komposition. Alle Studiengänge schloss er auch ab; diese Kombination aus Konsequenz und Vielseitigkeit zeigt sich auch in seiner Arbeit: als Musiker, Komponist, Arrangeur, musikalischer Leiter, Festival-Veranstalter, Ideengeber und Visionär agiert er immer wieder als phantasievoller Jongleur, sowohl in seiner Heimatstadt Düsseldorf als auch auf den verschiedensten Bühnen der Welt. Seine kompositorische Bandbreite umfasst dabei Kammer -und Orchestermusik, zeitgenössische Musik, Jazz, Pop, Musik für Film, Theater, Tanz und Performance und Hörspiele.

Zu seinen jüngsten Arbeiten gehören Kompositionen mit dem Titel "Unschärfe" , inspiriert von Bildern des Malers Gerhart Richter, das genreübergreifende "Asphaltfestival" sowie die Komposition einer Bühnenmusik für das Theaterstück "Hiob" nach einem Roman von Joseph Roth am Neusser Landestheater. Auffallend bei seiner Arbeit ist, dass sein Fokus ganz offensichtlich nicht auf kurzfristigen Erfolg oder Karriere ausgerichtet ist, sondern weit über den persönlichen Horizont hinausgeht, gleichermaßen mit Sinn für das ganz Kleine als auch für das ganz Große. Trotz aller Vielseitigkeit ist dabei immer wieder eine klare Handschrift zu erkennen, ein sehr wichtiges Merkmal, das er mit vielen großen Künstlern gemeinsam hat.

Förderpreis für Literatur

Axel von Ernst, Dramatiker, Schriftsteller und Verleger, wird der Förderpreis in der Sparte Literatur zuerkannt. Seine Theaterstücke, unter anderem "High Definition", "Hanneli Himmeli" und "Das Unerforschliche der Thermodynamik", wurden im FFT Düsseldorf mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht, fanden aber auch außerhalb Düsseldorfs auf überregionalen Theaterfestivals Beifall und Beachtung. Seine Werke beschäftigen sich auf zeitgenössischer Ebene mit Themen, die die Menschheit seit eh und je umtreiben: Was ist der Sinn des Lebens, in was für einer Welt leben wir, wie organisiere ich mein eigenes Leben, wer bin ICH? Dabei zeichnen sich die Stücke durch Witz, Ironie und hintergründigen Humor aus.

Seine oftmals harmlos anmutenden, dabei jedoch menschlichen Abgründe auslotenden Prosatexte erscheinen in renommierten Literaturzeitschriften wie "edit", "Proto" und "sprachgebunden", aber auch in Anthologien und Kunstkatalogen. Darüber hinaus ist Axel von Ernst regelmäßig publizistisch tätig für quaranta.de, ein Internetportal der Deutschen Welle zur islamischen Welt und hilft mit, literarische Brücken zwischen Orient und Okzident zu bauen. Seit 2006 zeichnet Axel von Ernst als Co-Verleger des Lilienfeld Verlages mitverantwortlich für literarische Wiederentdeckungen faszinierender Texte der Vergangenheit und gibt Bücher heraus, die in kleinen Auflagen mit künstlerisch gestaltetem Cover erscheinen. Der Lilienfeld Verlag wurde für sein Programm bereits mit dem Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung ausgezeichnet und stellt eine "Perle" in der dünn besiedelten Verlagslandschaft Düsseldorfs dar.

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