12.04.2012 07:37 24. FILMFEST DRESDEN 2012

24. FILMFEST DRESDEN 2012 - »OSTWIND« Das Filmspektrum der osteuropäischen Länder in Dresden

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Das Filmfest Dresden widmet sich in diesem Jahr in seiner Schwerpunktreihe „OSTWIND“ dem Filmspektrum der osteuropäischen Länder. Während des Kalten Krieges entstandene osteuropäische Kurzfilme wurden bislang - bis auf wenige Ausnahmen - meist als skurrile Randerscheinungen betrachtet.

OSTWIND jedoch zeigt, dass in den 1960er Jahren jenseits von Propaganda und staatskonformer Filmerzählung neue Erzählformen und eine frische Ästhetik entstanden, die sich quer durch alle filmischen Gattungen zogen.


Zu jener Zeit war es nicht nur die „Nouvelle Vague“ des Westens, die die Filmästhetik maßgeblich beeinflusste, auch aus den osteuropäischen Ländern drangen zeitgemäße Ausdrucksformen und Entwicklungen in ihren Platz in der Filmgeschichte. Außergewöhnliche Karrieren später weltweit bekannter Regisseure wie Andrej Tarkowski, Miloš Forman, Roman Polanski oder István Szabó entsprangen diesem Hintergrund.


Im Bereich des Experimental-, Animations-, Dokumentar- und Kurzspielfilms entstanden in nahezu allen Ländern des „Ostblocks“ hochinteressante Arbeiten, die bis heute nur wenig bekannt sind. Das 24. Filmfest Dresden hat den Anspruch, die Entwicklung in den einzelnen Ländern gesondert zu betrachten.


Während sich in Ungarn, Polen, der ČSSR und sogar der Sowjetunion relativ viele Beispiele für künstlerischen Ungehorsam finden, fällt beispielsweise der Fundus in der DDR schon weitaus geringer aus. OSTWIND bietet so die Gelegenheit einer ersten Bestandsaufnahme:

Große Namen wie die von Jan Švankmajer, Jan Lenica oder Otar Iosseliani stehen neben denen von heute zu Unrecht vergessenen Regisseuren,
von denen stellvertretend nur die von Wojciech Wiszniewski (Polen) und Karpo Ačimović-Godina (Jugoslawien) genannt sein sollen.

Gleichzeitig entführt OSTWIND in surreale Welten („Glasharmonika“), lässt an musikalischen Exzessen teilnehmen („Junger Mann spielt Gitarre in der Galerie der Alten Meister“), gewährt Einblicke in harte soziale Realitäten („Heute in der neuen Stadt“) und konfrontiert mit dramatischen politischen Situationen („Jan ’69“).


Die Filmreihe unternimmt somit erste Schritte in ein bislang weitaus unerschlossenes filmisches Terrain und verdeutlicht damit, dass von einer einseitigen Beeinflussung des Ostens durch den Westen keine Rede
sein kann.

Die insgesamt 38 gezeigten Filme veranschaulichen nur zu gut, dass auch der Osten eine große Rolle in der Filmgeschichte spielte und diese maßgeblich mit beeinflusst hat. Ein Ansatz, der in der Filmfestwoche zusätzlich in einer Programm-begleitenden Gesprächsrunde thematisiert wird.

Übersicht über die sechs Programme:


o Träume und Sinnsuche
o Utopie und Realität
o Die subversive Kraft der Musik
o Experiment und Abstraktion
o Macht und Ohnmacht
o Willkür, Widerstand und Scheitern


Das Filmprogramm wurde kuratiert und wird präsentiert von der Kunst- und Filmwissenschaftlerin Anja Ellenberger und dem Autor und Filmkritiker Dr. Claus Löser. Realisiert werden konnte die Retroperspektive durch die Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die DEFA-Stiftung.
PROGRAMM IM FILMTHEATER SCHAUBURG


Dienstag, 17.4.2012
22:00 Uhr: Ostwind 1: Träume und Sinnsuche
Mittwoch, 18.4.2012
22.15 Uhr: Ostwind 2: Utopie und Realität
Donnerstag, 19.4.2012
16:30 Uhr: Ostwind 5: Macht und Ohnmacht
19:00 Uhr: Ostwind 3: Die subversive Kraft der Musik
21:30 Uhr: Ostwind 4: Experiment und Abstraktion
Freitag, 20.4.2012
17:00 Uhr: Ostwind 1: Träume und Sinnsuche
19:30 Uhr: Ostwind 6: Willkür, Widerstand und Scheitern
Samstag, 21.4.2012
14:30 Uhr: Ostwind 3: Die subversive Kraft der Musik
19:00 Uhr: Ostwind 5: Macht und Ohnmacht
21:30 Uhr: Ostwind 2: Utopie und Realität
Sonntag, 22.4. 2012
14:30 Uhr: Ostwind 4: Experiment und Abstraktion
19:30 Uhr: Ostwind 6: Willkür, Widerstand und Scheitern

Sonderveranstaltung


Samstag, 21.4. 16 Uhr, Schauburg, Tarkowski-Saal


Gespräch: Aufbruch zum Rückzug? Neue filmische Wellen Osteuropas im Spiegel der Zeitgeschichte. Das Panel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die Erneuerungsbewegungen in den osteuropäischen Kinematographien der 1960er Jahre von Vornherein zum Scheitern verurteilt waren oder ob sich in ihnen eine konkrete Utopie mit entsprechender Nachhaltigkeit realisiert hat.

Es diskutieren Künstler und Multiplikatoren aus Ländern Osteuropas und aus Deutschland.


Über das Filmfest Dresden


Das Filmfest Dresden wurde im Frühjahr 1989 gegründet und hat sich seitdem von einem Forum verbotener bzw. selten gezeigter Spielfilme zu einem der renommiertesten Kurzfilmfestivals in Deutschland und Europa entwickelt. Die Veranstalter zeigen im Wettbewerb Animations- und Kurzspielfilme und vergeben Preise im Gesamtwert von 64.000 Euro.

Neben den Wettbewerben gibt es eine Vielzahl von thematischen
Sonderprogrammen, in denen neben Animations- und Spielfilmen auch Dokumentationen und Experimentalfilme gezeigt werden. Die Veranstaltung versteht sich als Publikumsfestival, wie auch als Plattform für Branchenvertreter. Das Filmfest Dresden ist auch außerhalb der Festivalwoche aktiv.

So geht es mit ausgewählten Programmen auf Tournee im In- und Ausland. Das Filmfest Dresden wird von der Filminitiative Dresden e.V. veranstaltet.

24. Filmfest Dresden vom 17. bis 22. April 2012


F.d.R.d.A.
www.filmfest-dresden.de


Viktoria Franke


Pressearbeit im Auftrag des Filmfestes Dresden
c/o Zastrow + Zastrow | T: 0351-899110

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