15.07.2018 15:01 Der Zorn der Verbraucher

Die einen nutzen ihre Markenkraft nicht, Edeka verspielt sie gerade

Das kam nicht gut an. Der Lebensmittelhaendler hat die Verbraucher unterschaetzt. Auch die Auszeichnung des Fleisches durch die Initiative Tierwohl zog den Zorn auf Edeka

Das kam nicht gut an. Der Lebensmittelhändler hat die Verbraucher unterschätzt. Auch die Auszeichnung des Fleisches durch die Initiative Tierwohl zog den Zorn auf Edeka.

Von: GFDk - Marketing News - W&V Jochen Kalka

Gestern noch schrieb mir Frank Zimmer, Redaktionsleiter Online von W&V, dass Marken sich an gesellschaftspolitischen Trend orientieren. Was dabei raus kommt, sieht man bei Citroen: "Kind muss nicht mehr kotzen - dank der Brille." Dabei sollte Citroen doch einfach nur Autos bauen, wenn es geht bessere, meinten wir.

Nun schreibt mir Jochen Kalka, Chefredakteur von W&V, dass viele Medienmenschen den Wert ihrer Marke und die Markenkraft wohl unterschätzen. Es gibt aber auch, wie wir wissen, Marketer, die den Wert ihrer Marke überschätzen. Das beste Beispiel lieferte EDEKA ab.

Allen ernstes haben die geglaubt, sie könnten Billig-Fleisch mit einem Tierschutzlabel verkaufen, und der Verbraucher würde das hinnehmen. Der Schuß ging nach hinten los. Hier hat die Markenkraft in den Markensaft geschossen.

Lieber Herr Böhmer,

irgendwie peinlich. Und schade. Dass viele Medienmenschen immer noch nicht um den Wert ihrer Marken wissen, Markenkraft ihrer Medien nutzen oder gar über diverse Medienkanäle stärken. Längst geht es nicht mehr darum, mit einem Printprodukt, einem TV-Format oder einem Online-Auftritt direkt 1:1 Gewinn zu erzielen.

So haben vielleicht Verleger und Manager im vergangenen Jahrhundert gedacht – und so denken noch einzelne dieser Spezies heute.

Heute muss von der Kraft der aufgebauten Marken profitiert werden. Geschäftsmodelle müssen an die Medienmarken angedockt werden. Ganz gleich, ob in Form von Events, Büchern, Spielen oder gar ganz neuen Ideen, etwa Testaten.

Eine starke Marke hat der Sender Vox aufgebaut: Die Höhle der Löwen. Dass Gruner + Jahr nun ein Magazin dazu starten will, erhöht das Vermarktungspotenzial. Und zwar für Sender wie Verlag, die ja beide zu Mama Bertelsmann gehören.

Was genau hinter dem Konzept steckt, hat unsere W&V-Kollegin Manuela Pauker skizziert.

Und was gab es noch? - Der Zorn der Verbraucher

Edeka verkauft Hähnchenschenkel für 15 Cent pro 100 Gramm

Über Edeka brauste zu Recht ein Shitstorm durch die sozialen Medien, weil die Einzelhandelskette im Wochenangebot das Fleisch zu billig angeboten hat. Selbst eine Auszeichnung des Fleisches durch die "Initiative Tierwohl" konnte Edeka nicht vor dem Zorn der Kunden schützen.

Auf Facebook schrieb ein Nutzer

Zu Ihrem Montagsknüller für diese Woche:

Ihr Montagsknüller ist wirklich ein Knüller. Aber ein abscheulicher, abstoßender und unfassbarer.

Dass Sie Fleisch, welches von einem fühlenden Lebewesen stammt, für so einen Preis verschachern, ist eigentlich schon unsagbar traurig und derart herabwürdigend (nicht nur für das Tier), aber dass Sie es dann noch mit dem einem "Tierwohllabel" auszeichen, ist wirklich der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

Somit suggerieren Sie den Verbrauchern sogar noch, dass diese etwas Gutes tun, wenn sie dieses Billig-Fleisch kaufen. Damit unterstützen Sie, dass die Menschen immer mehr den Bezug zu dem was sie dort auf dem Teller haben und es vor allem nicht mehr schätzen.

Wie soll der Verbraucher sich bewusst werden, dass es ein lebendes Tier war, welches aufgezogen und versorgt werden musste, wenn Sie es für einen Preis von 0,15 cent / 100 Gramm verkaufen? Sogar eine billige qualitativ schlechte Tafel Schokolade kostet mehr das 3-fache!

Auch ein "frisches Hähnchen" für EUR 3,33 ist ein Schlag ins Gesicht, für alle empathischen Menschen, die sich für unsere sogenannten "Nutz"tiere sorgen und einsetzen. Dazu muss man noch nicht einmal Vegetarier sein, dass sowas weh tut.

Es dürfte sich auch bis zu Ihnen herumgesprochen haben, welche schrecklichen Zustände in der Massentierhaltung herrschen. Wie erbärmlich diese 745 Mio. Tieren leben und sterben, jedes Jahr in Deutschland. Daher bin ich sehr empört, dass Sie diese Zustände noch fördern, indem Sie solche Angebote machen.

Ich kann Sie nur bitten, dieses bei Ihren künftigen Aktionsplanungen zu berücksichten.

Soweit dazu: Ein Kg Hähnschenschenkel für 1.50 Euro mit dem Tierschutzlabel zu bewerben, das ist der Hammer der Woche.


Ich wünsche Ihnen angenehme Lektüre.

Jochen Kalka

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