21.04.2020 den Agenturen brechen die Aufträge weg

Die Kultur- und Kreativszene steht vor der Existenzfrage

von: GFDK - Marketing News - W&V Rolf Schröter

Erst einmal schauen wir nach Amerika, und da schaut es auch nicht gut aus. Krisen-Maßnahmen: Entlassungswelle bei US-Agenturen geht weiter. Nachdem bereits in den vergangenen Wochen mehrere amerikanische Agenturen Arbeitsplätze abgebaut haben (W&V Online berichtete), folgen jetzt zahlreiche weitere Dienstleister mit einschneidenden Kostensenkungsmaßnahmen. So trennt sich die IPG-Agentur Hill Holliday von zehn Prozent der Mitarbeiter in Boston und New York.

Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, meint auch in Deutschland sieht es nicht besser aus.

Lieber Herr Böhmer,

die Vielfalt ist in Gefahr

Im Jahr 2018 gab es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland rund 28.000 Werbeagenturen mit einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 Euro. Im Branchenverband GWA sind derzeit rund 120 von ihnen als Mitglieder gelistet. Wir fokussieren uns in der Berichterstattung also meist auf die Spitze des Bergs.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns klarmachen: Die Corona-Krise führt zu einer Konzentration.

Eine Umfrage von Agenturberater Hans-Gerhard Kühn zeigt momentan folgendes Bild: Ein gutes Drittel aller Agenturen rechnet wegen verschobener oder stornierter Aufträge mit Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent und ein weiteres Drittel von bis zu 50 Prozent und mehr. Immer drängender stellt sich für viele von ihnen die Existenzfrage.

Dabei geht es nicht nur um die Agenturen selbst. Gerade kleinere Dienstleister arbeiten mit Freelancern, also so genannten Solo-Selbstständigen.

2018 waren 4,8 Prozent aller Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in Deutschland selbstständig ohne weitere Mitarbeiter.

Diese Menschen müssen die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung eigenverantwortlich finanzieren. Urlaub ist für sie immer ein Problem, und sie tragen ein hohes unternehmerisches Risiko.

Die bisherigen Hilfen der Bundesregierung reichen nicht aus. Und es geht nicht allein um Geld. Sondern auch um Würde. Föderale Wirrnis, kompliziertes Amtsdeutsch und impliziertes Misstrauen schrecken ab.

Die Gesellschaft muss sich auch und insbesondere um diese Menschen kümmern. Die Kultur- und Kreativszene lebt nicht allein von großen Marken und Unternehmen. Es ist die Vielfalt, die Innovationen schafft und unsere Welt bunt und lebendig macht.

Nochmal zurück zu den Werbeagenturen. Ihre Zahl ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr der Finanzkrise 2009 gab es hierzulande noch mehr als 36.000 Werbeagenturen.

Deutschland wird ärmer.

Schönen Abend noch,

Rolf Schröter

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