22.09.2018 Ernie und Bert

Die beiden Sesamstraße-Kerle sind doch nicht schwul

von: GFDK - Marketing News - W&V Rolf Schröter

Rolf Schröter, Ressortleiter Marketing von W&V schreibt mir tolle Geschichten aus der Werbe und Marketing-Welt.

Lieber Herr Böhmer,

Vorsicht, Tony Petersen! Ja, der Sparwahn bei Filmproduktionen gehört gegeißelt. Aber die Aussage des Vorstandsmitglieds des Verbands der Werbefilmproduzenten, dass wir „irgendwann in Kasachstan landen werden“, ist seltsam.

Denn seit „Borat“ haben wir gelernt, dass Kasachstan zwar ein völlig rückständiger Staat ist, in dem Minderheiten diskriminiert werden, Prostitution und Kriminalität alltäglich sind und man fermentierten Pferde-Urin trinkt. Aber Borat Sagdiyev, alias Sacha Baron Cohen, lässt keinen Zweifel daran, dass Kasachstan in jeder Hinsicht ein großartiges Land ist.

Wer sich übrigens gefragt hat, warum Ernie und Bert noch nie in Kasachstan waren, hat nun eine zufriedenstellende Erklärung. Oder doch nicht? Erst hieß es: Die beiden Sesamstraße-Kerle sind schwul. Das enthüllte Serien-Autor Mark Saltzman.

Doch dann ruderte Saltzman wieder zurück. In der „New York Times“ ergänzte der Fernsehschaffende, er wolle die beiden Puppen nicht auf eine sexuelle Orientierung festlegen.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass es der Zielgruppe zu recht völlig wurscht ist, ob Ernie und Bert schwul sind oder nicht, und kommen wir zurück zum Thema Minderheitendiskriminierung. Nein, in Kasachstan werden Minderheiten nicht diskriminiert.

Als der Schauspieler Sacha Baron Cohen seinen Film „Borat“ auf die Öffentlichkeit losließ, kam es zunächst zu heftigen Reaktionen der Entrüstung aus Kasachstan und einem Film-Verbot. Doch einige Jahre später bedankte sich Kasachstans Außenminister überraschend für die Satire des britischen Komikers. Sie hatte nämlich einen Tourismus-Boom ausgelöst.

Auf einen ähnlichen Effekt hofft Diesel. Die italienische Modemarke widmet ihre neue Kollektion dem Hass in den sozialen Medien. Hassbotschaften sollten in all ihrer Lächerlichkeit offensiv nach außen getragen werden, um ihre Wirkung zu brechen. Satirische Überhöhung als Waffe der Aufklärung.

Wenn das mal gut geht. Vielleicht würde es einfach schon ausreichen, Haltung zu zeigen – und auch zu bewahren.

Einen schönen Abend.

Rolf Schröter

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