09.02.2020 klare Kante nach Thüringen Wahl

Demokratiedesaster, aber nicht Fritz-Kola und Lemonaid

von: GFDK - Marketing News - W&V Rolf Schröter

Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V meint, Marken zeigen klare Kante nach Thüringen-Debakel

Lieber Herr Böhmer,

ein Mensch hat nicht zuerst Haltung gezeigt, sondern kalkuliert. Und schon steht fast die gesamte deutsche Parteienlandschaft beschädigt da. Das anfängliche Lavieren des Kurzzeitministerpräsidenten Thomas Kemmerich von der FDP in Thüringen hat sich zu einem Demokratiedesaster entwickelt.

Marken wie Fritz-Kola und Lemonaid haben umgehend reagiert – mit lustigen und nachdenklichen Motiven. Das ist nicht unbedingt überraschend. Sie haben auch in der Vergangenheit aus ihrer anti-rechten Haltung keinen Hehl gemacht.

Interessant sind vielmehr die Marken, die normalerweise schnell bei der Sache sind, aber diesmal still bleiben. Zum Beispiel Sixt. Die Autovermieter hatten erst vor Kurzem mehrfach den britischen Premierminister Boris Johnson mit Werbemotiven aufs Korn genommen und damit hohe Aufmerksamkeit geerntet.

Schön und gut. Aber eins muss klar sein: Wellenreiten und Haltung einnehmen sind sehr verschiedene Kommunikationsformen.

Alle reden von Mut. Aber wer ist schon wirklich mutig? Oliviero Toscani? Der Starfotograf hatte in einem Radiointerview vor wenigen Tagen über den Brückeneinsturz von Genua, bei dem 43 Menschen starben, gesagt:

„Wen kümmert es schon, wenn eine Brücke einstürzt.“ Nein, das war nicht mutig. Es war unüberlegt und dumm. Dabei ist Toscani kein Misanthrop. Im Gegenteil.

Aber der 77-Jährige hat halt schon immer provoziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Jetzt hat Toscani mit dieser Kommunikationsmasche eine Grenze überschritten. „Sein“ Unternehmen Benetton trennt sich von ihm als Kreativdirektor.

Dazu sollte man wissen, dass die eingestürzte Morandi-Brücke von dem Unternehmen Autostrade per l’Italia gewartet wurde, das über die Holding Atlantia wiederum von der Familie Benetton kontrolliert wird.

Haltung kann man Oliviero Toscani nicht absprechen. Im Gegensatz zu manchem Politiker.

Schönen Abend noch.

Ihr Rolf Schröter

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