10.01.2019 Kniefall vor der Wirtschaft

Wirtschaft als Schulfach - Keine ideologischen Scheuklappen

von: GFDK - Kultur und Medien - Jörg Schwarz

Die Landesregierung von NRW hat beschlossen, „an allen Schulformen der Sekundarstufe I bis zum Schuljahr 2020/21 das Schulfach Wirtschaft einzuführen, beziehungsweise dessen Stellung im Fächerkanon zu verstärken“. (Auszug aus dem Faktenblatt des Ministeriums für Schule und Bildung).

Damit entspricht die Politik endlich dem Wunsch von Eltern, Lehrern, Schülern, Wissenschaftlern und Verbänden. Vor allem DIE FAMILIENUNTERNEHMER und DIE JUNGEN UNTERNEHMER fordern seit langem, die ökonomische Kompetenz der Schüler mit einem eigenständigen Pflichtfach Wirtschaft deutlich zu verbessern. Doch es gibt auch Gegenwind.

Der Unternehmer Christian Tscharke, Vorstandsvorsitzender von DIE JUNGEN UNTERNEHMER/Düsseldorf/Niederrhein, kommentiert das Thema wie folgt:

Wirtschaft als Schulfach - Keine ideologischen Scheuklappen

Ein Kommentar von Christian Tscharke

„Beginnend mit den Gymnasien wird das Schulministerium an allen Schulformen der Sekundarstufe I bis zum Schuljahr 2020/21 das Schulfach Wirtschaft einführen, beziehungsweise dessen Stellung im Fächerkanon verstärken“, heißt es im Faktenblatt des Ministeriums für Schule und Bildung der schwarz-gelben Landesregierung in NRW.

Na endlich, möchte man erleichtert rufen. Denn seit Jahren fordern Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und Verbände sowie Eltern, Lehrer und Schüler in seltener Einigkeit diesen längst überfälligen Schritt. Bereits 2015 twitterte eine Schülerin: „Ich hab keine Ahnung von Steuern oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen“.

Ein Aufschrei ging damals quer durch die Medien der Republik. Die Resonanz: Gymnasiasten in Deutschland sind ökonomische Analphabeten, es muss dringend etwas passieren. Wir haben verstanden! Tatsächlich?

Die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg führte im Sommer 2017 Wirtschaft als Pflichtfach an allen allgemeinbildenden Schulen ein. Die einstige grüne Schulministerin in NRW hatte dagegen einen bis dahin höchst erfolgreichen Modellversuch an den Realschulen kurzerhand eingestampft.

Und jetzt?

Trotz krachender Niederlage bei der letzten Landtagswahl versuchen SPD und Grüne selbst jetzt noch mit allen Mitteln, die geplante Einführung in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Dabei sind sie nicht allein: Anja Weber, NRW-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), bezeichnet das geplante Projekt sogar als „Kniefall vor der Wirtschaft“.

Und einige Sozialwissenschaftler befürchten  eine einseitige Erziehung der Schüler zum „homo economicus“.

Vernunft hat es offensichtlich schwer, sich gegen eine ideologisch geprägte Wahrnehmung der Realität durchzusetzen. Immer noch werden weltanschauliche Grabenkämpfe auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen – und die Zukunft unseres Landes aufs Spiel gesetzt. Wollen wir wirklich, dass junge Menschen im 21. Jahrhundert, die Herausforderungen wie Klimawandel und Veränderungen der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz meistern müssen, noch nicht einmal ihren Handyvertrag verstehen, geschweige denn die Zusammenhänge der globalen Wirtschaft?

„Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen“, sagte der Nobelpreisträger George Bernard Shaw (1856-1950). Dieses kluge Bonmot sollten alle Politiker im Kopf haben, wenn sie demnächst über „Wirtschaft als Schulfach“ diskutieren.