27.10.2022 Gericht setzt falsches Zeichen

Skandal in Hamburg - Lapidare Geldstrafen für illegale Welpenhändler

von: GFDK - Kultur und Medien

Das Amtsgericht Hamburg-Harburg hat heute zwei Angeklagte verurteilt: Wladislaw M. wurde wegen tierquälerischem Tiermissbrauch und Tiertötung zu 30 Tagessätzen zu 60 Euro verurteilt, Denis J. wegen derselben Anklagepunkte zu 30 Tagessätzen zu 45 Euro.

Die dritte Angeklagte Monika P. wurde freigesprochen. Die Angeklagten haben nach Auffassung des Gerichts mindestens zehn zu junge und kranke Hundewelpen aus Polen nach Hamburg geschmuggelt, um sie hier gewinnbringend zu verkaufen.

Laut Anklage waren die Welpen untergewichtig, ungeimpft und müssen über einen längeren Zeitraum schlimme Qualen erlitten haben. VIER PFOTEN kritisiert das Urteil scharf.

„Wir sind fassungslos über das Urteil, das heute gegen drei Welpenhändler vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg gesprochen wurde. 

Illegaler Welpenhandel ist eine ernstzunehmende Straftat und sollte auch so behandelt und verurteilt werden. Noch schwerer wiegt die Tierquälerei durch die sogar mindestens ein Welpe verstorben ist. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz können mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden.

 Die Justiz hat die Schwere des Falls nicht erkannt und mit dem Urteil ein falsches Zeichen gesetzt. Die unzureichende Beweisaufnahme und das scheinbar mangelnde Interesse an tiefergehenden Untersuchungen an den vorangegangenen Prozesstagen konnten heute schlicht keinen anderen Urteilsspruch erwarten lassen.

Eine Farce, wenn man bedenkt, wie schnell die Beschuldigten mit zukünftigen Welpenverkäufen das Geld, das sie zur Strafe zahlen müssen, wieder hereinholen können. 

Allein aus Tierschutzsicht, aber auch zum Schutz der ahnungslosen Käuferinnen und Käufer, muss es in solchen Fällen daher unbedingt nicht nur konsequente Strafen, sondern auch ein Tierhaltungs- und Tierhandelsverbot geben. 

Damit es gar nicht erst zu tierquälerischen Handlungen und Verkäufen illegaler Welpen kommt, müssen die im Koalitionsvertrag verankerten Pläne einer Identitätsprüfung auf Online-Plattformen sowie einer bundesweiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde unbedingt zeitnah umgesetzt werden“, sagt Birgitt Thiesmann, Expertin illegaler Welpenhandel bei VIER PFOTEN.

Hintergrundinformationen zum Fall
Wie üblich im illegalen Welpenhandel wurden die Welpen mutmaßlich auch in diesen Fällen viel zu früh von ihrer Mutter getrennt und unzureichend versorgt.

Die Mischlings- und Labrador-Welpen wurden in einer Kleingartenparzelle in Hamburg gehalten. Ein Vertrag über eine weitere angemietete Parzelle konnte bei der Durchsuchung sichergestellt werden.

Mehrere Welpen verschiedener Rassen wurden zwischen November 2018 und März 2019 über Ebay Kleinanzeigen für Preise um jeweils rund 400 Euro zum Verkauf angeboten.

Mehrere Geschädigte hatten sich bei der Hamburger Polizeibehörde oder dem zuständigen Veterinäramt gemeldet. Als zehn Welpen im März 2019 schließlich durch die Behörden sichergestellt werden konnten, waren sie stark untergewichtig, krank und ungeimpft. Mindestens ein Welpe starb – dieser war laut der Tierärztin, die als Sachverständige geladen war, gerade mal fünf oder sechs Wochen alt. 

Der Angeklagte Denis J. war der offizielle Pächter der Kleingartenparzelle, lies aber über seinen Anwalt bereits zu Beginn des Prozesses mitteilen, dass er unschuldig sei.

Dennoch stand er namentlich als Verkäufer in einigen Kaufverträgen, die dem Gericht vorliegen. Die Angeklagte Monika P. will von den Machenschaften bis zuletzt nichts gewusst haben und wollte sich weder an die Angebotsinserate der Welpen auf Ebay Kleinanzeigen, noch an ein angebliches Verkaufsgespräch erinnern.

Sie habe die Welpen lediglich hin und wieder mit Wasser versorgt und räumte ein, dass die Welpen heulten und winselten. Der dritte Angeklagte Wladislaw M. schwieg zu den Vorwürfen.

Hintergrundinformationen zum illegalen Welpenhandel 
Der Hauptverkaufskanal illegaler Welpenhändler:innen sind Online-Plattformen. Die Anzeigen der Kriminellen sind häufig professionell gestaltet und geben keinen Aufschluss darüber, wer in Wahrheit hinter den Inseraten steckt.

So sind diese häufig mit süßen Bildern und ausführlichen, aber erfundenen Geschichten gestaltet. Auch die Dokumente sind in der Regel gefälscht. 

Die Welpen werden meist in Osteuropa unter grausamen Bedingungen in verdreckten Verschlägen und Kellern geboren, bekommen keine Impfungen, keine medizinische Versorgung und kein geeignetes Futter.

Wenn die Tiere dann viel zu jung von ihren Müttern getrennt werden, sind viele krank und manche sogar zu schwach, um den Transport quer durch Europa zu überleben.

Kriminelle Welpenhändler:innen nutzen Kleinanzeigen-Portale, um die geschmuggelten Tiere möglichst profitabel ahnungslosen Käufer:innen anzubieten.