02.04.2019 Gerhard Harvan – Bilder und Objekte

Männer liebt den Zyklus! Damen nehmt ihn nicht so ernst

von: GFDK - Kultur und Medien - Ausstellung

Was ist Zeit? Diese Frage ließ den Düsseldorfer Künstler Gerhard Harvan sein Leben lang nicht los. Er starb bereits im Alter von 30 Jahren, geriet nach seinem plötzlichen, frühen Tod 1971 in Vergessenheit.

Zu Unrecht, wie die Ausstellungseröffnung „Gerhard Harvan – Bilder und Objekte“ am Sonntag, dem 14. April 2019 um 11 Uhr im Uhrenturm an der Grafenberger Allee 300 beweist.

Dank der Initiative seiner Witwe, Renate Harvan, und der Unterstützung des Vorstands des Uhrenturms erwartet uns dort eine aufregende Zeitreise durch den faszinierenden Kunst-Kosmos eines Besessenen.

„Gerhard schuf unermüdlich, beschäftigte sich mit der Darstellung von mechanischen Bauteilen, konstruierte Zeitröhren aus durchsichtigem Plexiglas, in denen ein Uhrwerk war“, erinnert sich Renate Harvan und betont:

„Ich freue mich, dass sein künstlerisches Wirken jetzt wiederentdeckt wird. Mehrere Galerien interessieren sich bereits für seine Arbeiten. Das ist einfach großartig.“

Gerhard Harvan, 1941 in Wien geboren und in Görlitz aufgewachsen, studierte in den 60er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem bei Rolf Sackenheim und Joseph Beuys, der ihn auch zu unkonventionellen Aktionen ermutigte.

Für Aufsehen sorgte er 1969 mit seinem Kunst-Happening „Männer liebt den Zyklus! Damen nehmt ihn nicht so ernst“ vor der Düsseldorfer Kunsthalle. Menstruation als Kunst-Event – damals wie heute ein Tabubruch. In der Kunstszene galt er als „Senkrechtstarter“, dem man eine große Karriere prognostizierte.

Sein Thema:  „Zeit“ als Spannungsbogen zwischen Geburt und Tod wurde schnell zur künstlerischen Obsession. Ähnlich wie Samuel Beckett in „Warten auf Godot“ verknüpfte Gerhard Harvan in seiner Kunst die Grundfrage nach dem Sein mit dem Phänomen des menschlichen Zeitempfindens.

In seinem Notizbuch findet sich folgender Eintrag: „Haben Sie schon einmal bewußt gewartet und begriffen, dass Warten der Ursprung des Lebens ist…?“

Im Uhrenturm werden insgesamt sechzehn Radierungen, acht Collagen und drei Bilder gezeigt

Zeitmaschinen im Uhrenturm

Gerhard Harvan – Bilder und Objekte

Dreifach ist der Schritt der Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,

Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,

Ewig still steht die Vergangenheit.

(Friedrich Schiller)

Die Ausstellung ist vom 15. April bis zum 2. September jeden Montag von 18 Uhr bis 20 Uhr für Besucher geöffnet. Private Führungen mit Renate Harvan sind möglich. Anmeldung unter: harvan@renate-harvan.de