05.08.2014 Rückert's Quartett

Jochen Rückert: We Make The Rules - ein Album, das ein ganzes Leben in instrumentaler Musik destilliert

von: GFDK - Uwe Kerkau Promotion

We Make the Rules ist das WhirlWindRecordings-Debüt des facettenreichen Schlagzeugers und Komponisten Jochen Rückert, der seit 1995 in New York lebt, wo er sich zu einem der interessantesten Musiker seiner Generation entwickelte. Jochen ist bekannt für seine Zusammenarbeit mit Marc Copland, Kurt Rosenwinkel, Nils Wogram's  Root 70, Sam Yahel, Will Vinson und Seamus Blake, seiner Präsenz in der elektronischen Musik als "Wolff Parkinson White" sowie seiner Buchreihe “Read the Rueckert- travel observations and pictures of hotel rooms”.

Rueckert's Quartett mit langjährigen musikalischen Kohorten Mark Turner am Tenorsaxophon, Lage Lund an der Gitarre und Matt Penman am Kontrabass bummelt seit 2009 um die Welt. Rueckert erklärt: "Ich kenne Mark über 18 Jahre, ich helfe gelegentlich in seiner Band aus und habe viel mit ihm in Kurt's Band gespielt. Mark ist mein absoluter Lieblingssaxofonist, ich war kurz nach meiner Ankunft in NYC jeden Dienstag im Smalls, wo er mit Kurt spielte. Lage kenne ich seit 10 Jahren und ich mag seinen Ton und den harmonischen Fluss, den er mitbringt. Wir haben eine Menge in Will Vinson's Band gespielt. Matt ist der erste richtig gute Bassist, mit dem ich das Vergnügen hatte, spielen zu dürfen, und es war ein absolutes Aha- Erlebnis. Wir kennen uns nun seit über 20 Jahren und wohnten  für ungefähr vier Jahre zusammen. Wir spielen seit über 12 Jahren in Nils Wogram's  Bands und seit einem Jahrzehnt in Sam Yahel's Trio. Mit ihm zu spielen, ist wie Fahrradfahren- wenn man es einmal kann, muss man nie wieder darüber nachdenken“.

Diese reiche Spielerfahrung und Bindekraft der Gruppe ist ab der ersten Note von We Make the Rules zu hören. Die 2011 ausschließlich von Rueckert komponierten Stücke wurden erst mal auf einigen internationalen Touren feingeschliffen bevor sie im Februar 2014 in NYC aufgenommen wurden. "Ich reagiere in letzter Zeit etwas allergisch auf sogenannte "Projekte", wo man im Studio etwas aufnimmt was nicht live gespielt wurde" fügt Rueckert zu. "Wir haben meine Platte in 7 Stunden aufgenommen, es gibt 6 'first takes' und der Rest sind 'second takes' - Vorteile einer 'working' Band." Obendrein besticht eine ausgezeichnete Klangqualität; das Album wurde von alt-bewährtem akustischem Guru James Farber gemischt.

Kompositorisch wurde die Musik auf dem Album auf alle Bandmitglieder maßgeschneidert und umfasst ein weites musikalisches Terrain, wobei Rueckert's Vorliebe für dezente Melodien klar heraussticht. "Yellow Bottoms" zum Beispiel erinnert an die Feder eines Wayne Shorter oder Herbie Hancock, Anfang der 60er Jahre. Angelehnt an die kontrastvollen Kompositionsstile seiner Kollegen Hayden Chisholm und Nils Wogram etwa, fängt "Pretty From Afar" hymnisch an, löst sich fast auf, zieht dann wieder an, nur um letztlich kurz vor der Zielgeraden wieder schlapp zu machen - ein unerwartet sanftes Ende mit einem Hauch Verzweiflung und Enttäuschung.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Andere Einflüsse sind offensichtlich aus den für Rueckert prägenden 90er Jahren: Kurt Rosenwinkel, Mark Turner und Reid Anderson; anderswo hört man Einflüsse von klassischer Musik des frühen 20. Jahrhunderts -  sogar ein unverschämtes Zitat von den Deftones auf "Saul Goodman".

 Erfahrungen als Sideman kommen auch ins Spiel: "oft frustriert es mich, wenn ich unnötig komplizierte Formen lesen muss, oder wenn die Solos dann eine vereinfachte oder nicht in dem eigentlichen Stück verankerte Form haben. Ich habe gezielt drauf geachtet, daß bei den meisten meiner Stücke über die Gesamtstruktur improvisiert wird um der Sache mehr Zusammenhang zu geben. Ich habe mich auch nicht gescheut, eine gesunde Anzahl von swingenden Stücken dabei zu haben, etwas was ich oft bei anderen aktuellen Alben vermisse."

 Obwohl die Stücke als Vehikel für die brillianten Improvisationsausflüge seiner Bandkollegen geschrieben wurden, sind sie auch von Jochen's Lebenserfahrungen inspiriert. Wie er erkläutert: " ‚Alloplasty‘ bezieht sich auf die psychoanalytische Bedeutung, nicht die Operation; Ich bin von intensiver Flugangst geplagt und es ist einer der Begriffe, der in der Therapie vorkommt. 'Pretty From Afar' handelt von einem attraktiven Mädchen, das die Band bei einem Auftritt in Helsinki fasziniert beobachtete - sie befand sich in der letzten Reihe. Während der Pause starrten wir nervös und spekulierend in Ihre Richtung, als sie später an die Bar kam um Hallo zu sagen, stellte sich allerdings raus, daß sie weniger schmeichelhaft aussah, als uns das vorgekommen war. Seitdem geht die Band schneller ins Hotel nach den Konzerten.‘Manong Twilight at the Whatever Hotel‘ ist nach einer Skulptur von meinem Onkel Carlos Villa aus San Francisco benannt. Er war ein begeisterter Jazzfan und hat alle meine Idole in den 60er Jahren spielen gesehen in. Er starb, Stunden nachdem ich dieses Stück geschrieben hatte an Lungenkrebs.

Eine Jochen's grosser Stärken (und ein wenig auch sein Motto) ist die Fähigkeit,"viele Stimmungen zur Auswahl zu haben" und als Komponist weiß er dies zu repräsentieren - es gelang ihm ein Album, das erfolgreich ein ganzes Leben in instrumentaler Musik destilliert. Ohne Zweifel wird We Make The Rules seinen Ruf als führender Schlagzeuger und Bandleader untermauern.

 

Uwe Kerkau Promotion
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