19.04.2021 VIER PFOTEN ist besorgt

Gesuchter weißer Löwe Mojo bleibt weiter verschwunden

von: GFDK - Kultur und Medien

VIER PFOTEN ist besorgt über den Verbleib des Löwen, fordert umgehend Aufklärung sowie strengere Gesetze für Handel und Haltung von Wildtieren.

Eines der gefährlichsten Raubtiere der Welt verschwindet spurlos und keiner weiß, wohin. Kein Scherz, denn der seit über einem Monat vermisste Löwe Mojo ist den Behörden durch die Lappen gegangen.

Nachdem ein Gericht dem Besitzer die Haltung der Großkatze wegen nicht tierschutzgerechter Haltung untersagt hatte, hatte VIER PFOTEN zusammen mit internationalen Partnerorganisationen angeboten, den Löwen in einem Schutzzentrum tierschutzgemäß unterzubringen.

Doch wo sich Mojo derzeit befindet, bleibt unklar und auch die Behörden wissen nicht, wo das Tier verblieben ist.

VIER PFOTEN arbeitet an einer sofortigen Aufklärung und fordert die Bundesregierung auf, den Handel mit Wildtieren und deren Privathaltung bundesweit zu regulieren.

„Es ist ein Skandal. Der ehemalige Halter und Eigentümer von Mojo hat dem Amt erklärt, dass der Löwe in den Niederlanden ist.

Die niederländischen Behörden indes haben den deutschen Behörden mitgeteilt, dass er nicht in den Niederlanden angekommen sei.

Daraufhin wurde ein Zwangsgeld gegen den Eigentümer von Mojo festgesetzt und ihm eine Frist gesetzt, den wirklichen Aufenthaltsort von Mojo zu nennen.", berichtet Sven Wirth, Kampagnenverantwortlicher für Wildtiere bei VIER PFOTEN, nach seiner neuesten Anfrage beim Landkreis Börde am gestrigen Donnerstag.

„Der Fall Mojo zeigt sehr deutlich, wie marode die Gesetzeslage bezüglich des Handels und der Privathaltung von Wildtieren ist.

Schon 2015 musste der Halter von Mojo nach gerichtlicher Anordnung zwei von ihm gehaltene Löwenbabys abgeben. Trotzdem hat er sich, vollkommen legal, erneut einen Löwen gekauft.

Über Internetplattformen sind Löwen aus Zuchten in Osteuropa bereits ab 2.000 Euro erhältlich. Wahrscheinlich hat der Halter Mojo über einen solchen Kanal erworben.

Und obgleich das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt ihm nun die Haltung von Mojo untersagt hat, dürfte er sich nach gültigem Recht durchaus wieder eine andere Großkatze anschaffen, lediglich das Halten von Löwen wurde ihm per Gerichtsbeschluss untersagt.

VIER PFOTEN fordert die Bundesregierung nachdrücklich auf, die Privathaltung von exotischen Tieren bundesweit einheitlich durch eine Positivliste zu regulieren, die mit strengen Haltungskriterien einhergeht“, so Sven Wirth.

Wildtierhaltung in Deutschland

Bislang gibt es in Deutschland keine bundesweit einheitliche Regelung zur Privathaltung von Wildtieren.

In Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt etwa, dürfen Löwen, Krokodile oder auch Affen legal und uneingeschränkt gehalten werden.

Lediglich in neun Bundesländern regeln Verordnungen die Privathaltung von potenziell gefährlichen oder giftigen Tieren. „Wildtiere wie Tiger oder Löwen werden bisher vollkommen legal in Europa gehandelt.

Wo die Tiere letztlich enden, ist vielen Händlern egal. Doch Wildtiere haben besondere Haltungsansprüche und erfordern artspezifische Kenntnisse.

Dass die Regierung den Handel und die Haltung von gefährlichen Exoten toleriert, ist nicht nur aus Tierschutzsicht dramatisch, sondern auch grob fahrlässig“, so Wirth.

Der Fall Mojo

Der weiße Löwe Mojo wurde von einem Nebenerwerbslandwirt aus Sachsen-Anhalt bis 2020 auf seinem Hof bei Magdeburg gehalten.

Aufgrund tierschutzwidriger Haltung musste der Privatmann das ausgewachsene Löwen-Männchen abgeben.

Kurzfristig kam Mojo dann zunächst für einige Wochen im Bergzoo in Halle unter, ging dann aber wieder zurück zu dem vormaligen Halter.

Dieser klagte gegen die Entscheidung des Gerichts – und verlor. Das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt bestätigte das vorausgegangene Urteil und ordnete im Februar 2021 erneut an, Mojo tierschutzgerecht unterzubringen.

„VIER PFOTEN wird weiter an dem Fall dranbleiben und alles dafür tun, des Mojo in ein adäquates Schutzzentrum kommt.

Damit der Löwe endlich ein besseres Leben haben kann, als ihm bisher vergönnt war“, erklärt Sven Wirth.