13.11.2019 mit 30‘000 Franken dotiert

Der Schweizer Buchpreis 2019 geht an Sibylle Berg

von: GFDK - Kultur und Medien

Wir gratulieren unserer Autorin Sibylle Berg sehr herzlich, die gestern in Basel den diesjährigen Schweizer Buchpreis für ihren Roman »GRM. Brainfuck« erhalten hat. 

In der Begründung der Jury heißt es: »Sibylle Berg ist das Kunststück gelungen, einen Roman zu schreiben, der formal Avantgarde ist und inhaltlich die Lesenden im Innersten packt. Mit sarkastischem Ingrimm begleitet sie vier Londoner Jugendliche aus kaputten Familien durch die Horrorszenarien einer deregulierten Gesellschaft und weiter in die Zukunft, in die Diktatur der künstlichen Intelligenz.

Dem entfesselten Kapitalismus setzt die Autorin ihre entfesselte Fantasie entgegen. Eine kompromisslose Gesellschaftskritik in hochexplosiver Sprache, mit Spreng-Sätzen und bösem Witz.«

Der Buchpreis gehört zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen der Schweiz und ist mit 30‘000 Franken dotiert. Die Preisverleihung fand am 10. November im Theater Basel vor rund 500 Gästen statt.

GRM. Brainfuck

Die Überwachungsdiktatur ist fast perfekt. Jeden Tag wird ein anderes Land im Westen autokratisch. Algorithmen ersetzen Menschen, Menschen ersetzen einander, es gibt kaum noch Platz für Träume, außer in der Musik. Aber vier Jugendliche versuchen sich in einer Revolution. Begleitet von Grime, der besten britischen Erfindung seit Punk.

Das ist keine Dystopie, es ist die Welt, in der wir leben. heute. und vielleicht morgen. Es wird nicht schlimm. Nur - anders. Willkommen in der Welt von GRM.

Was ist da los? Sibylle Berg ist los

Laudatio von Christine Richard auf Sibylle Berg und »GRM. Brainfuck«

»Sehr geehrte Damen und Herren,
mir ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, den neuen Roman von Sibylle Berg zu würdigen. Das Buch heißt GRM – Brainfuck . GRM wie Grime, Schmutz, Dreck – ein schneller, wütender Musikstil. Brainfuck wie eine Warnung: Vorsicht, bissiges Buch. Der Schauplatz ist London, irgendwann bald. Kinder verrotten in Kellerwohnungen. Hass.

Mütter saufen das Elend nieder und prostituieren sich bei reichen Russen. Die Väter sind abgehauen. Kommen nur noch zurück, um sich die Frau vorzunehmen und die Kinder zu verprügeln. Hass. Die Männer sind arbeitslos, frauenlos, nutzlos und wütend. Hass. Es gibt Attentäter und Avatare, Vatermörder, Kinderschänder, Rechtsextremisten. Und Hass, Hass, Hass. Es ist schlimm und auf grausame Weise komisch. [...]«