12.11.2020 Tigerhandel endlich verbieten

Den kommerziellen Handel mit Tigern und ihren Körperteilen verbieten

von: GFDK - Kultur und Medien - Tierschutz

VIER PFOTEN veröffentlicht neue Dokumentation von Karl Ammann, Ermittler gegen Wildtierkriminalität. Zuchtfarmen mit tausenden Tigern, Tiger-Streichelzoos, Schmuck und traditionelle Medizin aus Tiger-Körperteilen: Die neue Dokumentation „The Tiger Mafia“ von Karl Ammann bringt erschreckende Entdeckungen aus zehn Jahren Recherche zum Tigerhandel in Asien ans Licht.

Die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN ergänzt Ammanns Recherchen mit Investigationen in Europa, wo geschätzt 1.600 Tiger in Gefangenschaft leben.

Um wilde, aber auch in Gefangenschaft lebende Tiger vor grausamer Ausbeutung zu schützen, fordert VIER PFOTEN die EU-Kommission auf, den kommerziellen Handel mit Tigern und ihren Körperteilen zu verbieten.

Für die Dokumentation „The Tiger Mafia“, die ihre virtuelle Weltpremiere am 12. November feiert, hat sich Karl Ammann ein Jahrzehnt lang mit den mafiösen Strukturen des Tigerhandels, vor allem in China und Südostasien, befasst.

Dort werden Tiger im großen Stil legal gezüchtet, wie Ammanns Entdeckung von über 200 chinesischen Tigerfarmen mit insgesamt rund 6.000 Großkatzen zeigt. Die vom Aussterben bedrohten Tiere werden für die Unterhaltungsindustrie und die Nachfrage nach Tigerteilen missbraucht.

Amman filmte auch Massentierhaltungsbetriebe, die jeweils geschätzt 1.000 Tiger in tierquälerischen Zuständen halten. Zum Vergleich: Nur noch rund 3.900 Tiger leben in freier Wildbahn. Zur Gewinnmaximierung betreiben viele Tigerfarmen Streichelzoos.

Wenn die Tiger zwei Jahre alt sind, werden sie gefährlich und die Zoobetreiber können sie nicht mehr als Touristenattraktion einsetzen. In der Regel werden die Großkatzen dann getötet und entweder für die traditionelle Medizin oder für Luxusartikel, wie Schmuck und Teppiche, verarbeitet.

„Die gefangenen Tiere leiden an psychischen und physischen Schäden. In der Wildnis bleiben Tiger bis zu zwei Jahre lang bei ihren Müttern. In den meisten Einrichtungen werden sie aber schon mit zwei Monaten von ihren Müttern entrissen, um Touristen zu bespaßen und für Fotos zu posieren.

Jegliches natürliche Verhalten bleibt ihnen auf den Tigerfarmen und in den Streichelzoos verwehrt. In China lässt man die in Gefangenschaft lebenden Tiger oft bewusst verhungern, denn nur wenn sie eines natürlichen Todes sterben, ist es legal, ihre Körperteile zu nutzen“, sagt Kieran Harkin, Internationaler Kampagnenleiter für Wildtierhandel bei VIER PFOTEN.

Lukratives Geschäft mit vom Aussterben bedrohter Art

Die Untersuchungen von VIER PFOTEN zeigen einen regen Handel zwischen EU-Ländern und China, Vietnam und Thailand. Allein zwischen 2014 und 2018 wurden laut dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) 120 Import- und Exportgeschäfte mit lebenden Tigern und ihren Körperteilen zwischen EU-Staaten und Asien legal abgeschlossen.

Die Dunkelziffer des illegalen Handels liegt vermutlich weitaus höher. Ein lebender Tiger, gezüchtet in Europa, bringt zwar laut VIER PFOTEN-Recherchen bis zu 22.000 Euro, aber auch tot sind die Tiere sehr wertvoll.

Ein kleiner Tigerzahn kostet rund 800 Euro, ein Fläschchen Tigerwein – eine angeblich heilende Tinktur, hergestellt aus Tigerknochen – etwa 220 Euro.

Auch Krallen, Augäpfel, Hirn, Schwanz, Innereien und Fell werden laut Ammanns Recherchen für traditionelle Medizin und Schmuck verarbeitet. Als besonderes Luxusgut gelten rosafarbene Tigerknochen.

In Ammanns Dokumentation berichtet eine Schmuckverkäuferin in Laos, dass die grausame Gewinnung der Knochen für die spezielle Färbung maßgeblich sein soll. So sollen Tiger sediert und ihnen die Knochen, während sie schlafen, entfernt werden.

Produkte, hergestellt aus Tigern, sind nicht nur in Asien begehrt, auch europäische Behörden melden immer wieder Beschlagnahmungen. VIER PFOTEN Recherchen belegen, dass in der EU zwischen 1998 und 2017 über 8.000 illegale Tigerprodukte, wie zum Beispiel Tigerwein, konfisziert wurden.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen – unterzeichnet von 183 Ländern, darunter auch China, Thailand, Vietnam und Laos – verbietet eigentlich den Handel mit Tigerteilen.

Dieses Verbot hat jedoch bisher kaum dazu beigetragen, die Anzahl der in Gefangenschaft gezüchteten Tiger, die für den kommerziellen Handel mit ihren Körperteilen getötet werden, zu reduzieren.
 
Ähnliche Entwicklungen auch in Europa

Ammanns Dokumentation sowie Recherchen von VIER PFOTEN zeigen, dass die Tigermafia mit einem weitreichenden Netzwerk arbeitet, das auch mitten in Europa zu finden ist. „Es ist in der EU legal, Tiger für den kommerziellen Handel zu züchten.

In etlichen EU-Ländern gibt es fragwürdige Streichelzoos, die Interaktionen mit Großkatzen anbieten. Was mit den Tigern passiert, wenn sie zu alt sind, weiß niemand genau“, sagt Harkin. Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben keine zentralen Register.

Tigerzüchter können offizielle Papiere problemlos fälschen, Jungtiere werden zum Teil nicht angegeben. „Auch in Europa werden Tiger als Ware angesehen. Sie werden für Zucht, Handel und Ausbeutung herumgereicht.

Einige Tiger werden auch nach Asien exportiert, denn die dortigen Käufer glauben, dass europäische Großkatzen größer und stärker sind. Damit sind sie besonders beliebt bei Züchtern.

Nur wenn wir den kommerziellen Tigerhandel in Europa verbieten, können wir auch gegen die global agierende Tigermafia vorgehen“, so Harkin.