28.07.2021 am 29. Juli wird er 75 Jahre alt

David Geringas gibt sieben Konzerte auf dem Usedomer Musikfestival

von: GFDK - Kultur und Medien

 „Lernen macht glücklicher als Können. Das Lernen bringt dich weiter, das Können nicht“, so lautet ein Credo des Cellisten David Geringas, der aufgrund seines spielerischen Könnens und seiner Repertoirekenntnis als einer der Meister unter den Cellisten dieser Welt gilt.

Das Usedomer Musikfestival würdigt vom 19. September bis 9. Oktober den aus Litauen stammenden Musiker. Am Donnerstag, den 29. Juli wird er 75 Jahre alt.

„Zu sagen, dass David Geringas einer der besten Cellisten der Welt sei, ist stark untertrieben. Denn seine Begabung wird damit nicht ausgeschöpft“, so Dr. Jan Brachmann, der Dramaturg des Usedomer Musikfestivals.

„Er ist zugleich einer der erfolgreichsten Pädagogen Europas, der fast alle deutschen Spitzenorchester mit Solocellisten aus seinen Klassen an den Musikhochschulen in Lübeck und Berlin versorgt hat.“

Seit dem Jahr 2000 ist David Geringas dem Usedomer Musikfestival verbunden, seit 2006 gibt er regelmäßig Meisterkurse auf Schloss Stolpe, in dem vom Usedomer Musikfestival, dem Tonkünstlerverband Mecklenburg-Vorpommern und dem Norddeutschen Rundfunk initiierten Ostsee-Musikforum.

Während des 28. Usedomer Musikfestivals wird er als Artist in Residence sieben Konzerte u.a. mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester in einem großen Peenemünder Konzert mit Richard Strauss' „Don Quixot“ zum Abschluss des 28. Usedomer Musikfestivals am 9. Oktober geben, ein Werk, das den Cellisten seit seinem Studium bei Mstislaw Rostropowitsch begleitete.

Zur Eröffnung am 19. September konzertiert er u. a. mit dem Kammerorchester Klaipeda im Kaiserbädersaal in Seebad Heringsdorf.

Besucher können David Geringas in weiteren Konzerten erleben, u. a. mit „Pop im Dom“ in der Ev. Kirche Wolgast und dem New Ideas Chamber Orchestra aus Litauen, Freunden und Wegbegleitern auf Schloss Stolpe und im Dom Kultury in Swinemünde.

Das Glück des Lernens

David Geringas wurde am 29. Juli 1946 in Vilnius, der Hauptstadt der damaligen sozialistischen Sowjetrepublik Litauen in eine jüdische Familie geboren. Im September 1963 kam er zum prägenden Lehrer seines Lebens: zu Mstislaw Rostropowitsch nach Moskau.

1970 gewann David Geringas die Goldmedaille beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Schon drei Jahre zuvor hatte er die Pianistin Tatjana Schatz geheiratet und mit ihr seitdem im Duo konzertiert.

Beide waren eng involviert in das Engagement von Rostropowitsch für den Dissidenten Alexander Solschenizyn. Nachdem Rostropowitsch 1974 infolge der sowjetischen Schikane gegen ihn das Land verlassen hatte, emigrierte 1975 auch das Ehepaar Geringas mit seinem kleinen Sohn gen Westen.

Ein Jahr später wurde David Geringas Erster Solocellist des damaligen NDR-Sinfonieorchesters (heute: NDR Elbphilharmonie Orchester) in Hamburg und zugleich der jüngste Hochschulprofessor Deutschlands.

Eine Reihe der bedeutendsten Komponisten hat mit David Geringas zusammengearbeitet: Dmitri Schostakowitsch in Moskau, György Ligeti in Hamburg, Henri Dutilleux in Paris, Ernst Krenek bei den Salzburger Festspielen, Krzysztof Penderecki in Jerusalem.

Rodion Schtschedrin machte mit ihm CD-Aufnahmen, Sofia Gubaidulina schrieb ihr zweites Cellokonzert für ihn.

Der Einsatz des Ehepaars Geringas für das Werk von Alfred Schnittke wurde vom Land Schleswig-Holstein mit dem „Kultur heute”-Preis ausgezeichnet, was David Geringas in die Lage versetzte, fünf neue Werke bei Komponisten im wieder unabhängig gewordenen Litauen in Auftrag zu geben.

Die sieben Konzerte, die er in diesem Jahr beim Usedomer Musikfestival gibt, stehen nicht nur für seine Vielseitigkeit, sondern auch für seine Haltung als Mensch und Musiker:

„Man muss neugierig, wissensdurstig und ehrgeizig bleiben, um immer Neues zu entdecken“, sagt er. „Lernen macht süchtig, und das ist eine gesunde Sucht:

Du willst, wenn du etwas entdeckst, weitergehen und mehr herausfinden. So erging es mir schon als Kind, so geht es mir jetzt, mit Mitte siebzig, immer noch. Ich habe das große Glück des Hineingezogen-Werdens in einen Lernprozess nie verloren.”