05.12.2009 Swingender, federnder Bach, der glücklich macht

David Fray: Klavierkonzerte Bwv 1052,55,56,58 Johann Sebastian Bach

von: EMI Classics

Er ist einer der großen Gewinner des diesjährigen ECHO Klassik 2009:  Für seine hinreißend „swingende“ Einspielung von Bach-Konzerten mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wurde der junge französische Pianist David Fray mit einem ECHO Klassik 2009 in der Kategorie Instrumentalist des Jahres (Klavier) ausgezeichnet. Bereits im Vorjahr hatte er einen ECHO Klassik für seine aufsehenerregende Bach/Boulez-CD erhalten, diesmal in der Kategorie Solistische Einspielung Klavier – 20./21. Jahrh. Für dieses Album kürte ihn das renommierte BBC Music Magazine außerdem zum „Newcomer of the Year“.

 

Ein besonders einfacher Mensch ist er nicht, dieser David Fray. Wer in seinen Konzerten ständig hustet, erntet Kopfschütteln und durchbohrende Blicke. Als all das bei einem Auftritt in Madrid nichts nutzte, wurde es dem 29-jährigen Pianisten zu viel. Ohne ein Wort verließ er die Bühne, wenig später bat er das Publikum über Lautsprecher, beim folgenden Stück „sehr, sehr leise“ zu sein, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete.

 

Es sind solche Anekdoten, die sich bei Künstlern über die Jahre hinweg, Mosaikstein für Mosaikstein, zu einem Gesamtbild verdichten. Und zu dem, was von dem französischen Klavier-Shootingstar derzeit entsteht, scheint die kleine Katarrh-Katastrophe gut zu passen. Auf jungenhafte Weise gut aussehend, mit einer Schmalztolle, die er immer wieder aus der Stirn schaufeln muss, fühlt man sich an den frühen Glenn Gould erinnert.

 

Eine Assoziation, die nicht nur deshalb nahe liegt, weil Johann Sebastian Bach sein Lieblingskomponist ist. Und wenn man David Fray am Klavier sieht, scheint das Image des Gould-Doppelgängers fast perfekt. Genauso geduckt hockt er an der Tastatur, und auch die Neigung zum Mitsingen scheint er vom großen Kanadier übernommen zu haben. Aber spätestens hier haben die Vergleiche dann auch ihr Ende. Nicht Glenn Gould, dem Fray eher reserviert gegenüber steht, ist sein Vorbild, sondern die Verkörperung von dessen schierem Gegensatz: Wilhelm Kempff. Dessen Spuren finden sich denn auch in David Frays ungemein sanglicher und freier Bach-Auffassung.

 

Frays Liebe zur Musik des großen Thomaskantors reifte schon früh. 1981 in Tardes, einer Kleinstadt in den Pyrenäen geboren, begeisterte er sich als Jugendlicher für dessen große Passionen und Klavierwerke. Doch einen „persönlichen Zugang“, fand er erst nach Beendigung seines Studiums am renommierten Pariser Conservatoire: „Von da an war mir klar, dass Bach mich mein Leben lang begleiten wird.“

 

Johann Sebastian Bach war auch Frays CD-Debüt bei Virgin Classics gewidmet. Er kombinierte Bach mit Werken des Grandseigneurs der französischen Avantgarde, Pierre Boulez, der auch zu den Musikerpersönlichkeiten gehört, deren Förderung Fray im Lauf seiner Karriere erfahren durfte. Neben Menahem Pressler, Paul Badura-Skoda und Christoph Eschenbach zählt auch Riccardo Muti dazu, der ihn für eine ausgedehnte Italientournee verpflichtete. Mit dem italienischen Maestro verbinden Fray inzwischen auch familiäre Bande, ist er doch mit Mutis Tochter verheiratet.

 

David Fray ist bereits auf den bedeutendsten Konzertpodien und Festivals in Europa, Amerika und Asien aufgetreten, darunter dem Pariser Théâtre des Champs-Elysées, dem Place des Arts in Montréal, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Palais des Beaux-Arts in Brüssel und in der Alti Hall von Kyoto, beim „Ludwig van Beethoven Oster-Festival“ in Warschau und beim französischen Klavierfestival in La Roque d'Anthéron. Im Juni 2006 sprang David Fray mit großem Erfolg für Hélène Grimaud bei Konzerten der Deutsche Kammerphilharmonie Bremen in Paris und Brüssel ein.

 

Für seine zweite CD hat der Virgin-Classics-Exklusivkünstler Klavierkonzerte Johann Sebastian Bachs eingespielt, bei der der junge Pianist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen vom Klavier aus dirigiert. Eine gleichzeitig erschienene Video-DVD dokumentiert auch die Probenarbeit mit dem Orchester. „Swing, Sing and Think“ lautet der Titel des Films. Gedreht hat ihn übrigens kein Geringerer als Bruno Monsaingeon, der vor allem durch seine Dokumentationen über Glenn Gould bekannt wurde. Da ist er also wieder, jener große Name, der im Zusammenhang mit Fray fällt. Aber keine Angst: Wer hört, wie er seinen eigensinnigen, individuellen Stil entwickelt, hat keinen Zweifel daran, dass David Fray solche Vergleiche bald abschüttelt und nicht mehr nötig hat …

Juli 2009

Weitere Infos, Fotos & Videos unter www.david-fray.de

Quelle: Emi Classics www.emiclassics.de Erschienen November 2008

 

Auch erhältlich bei: www.amazon.de/Klavierkonzerte-Bwv-1052-55-56