19.11.2022 Start ins neue Leben für Polarfuchs-Baby Wukk

Das Polarfuchs-Baby Wukk hat ein neues Zuhause

von: GFDK - Tierschutz

Eine artgemäße Haltung von Wildtieren ist in Privathand nicht möglich: Das Polarfuchs-Baby Wukk vegetierte in einem winzigen Käfig in einer Privatwohnung bei Wien vor sich hin, bis Behörden das exotische Wildtier beschlagnahmten.

In der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN hat Wukk jetzt ein dauerhaftes Zuhause gefunden, das seinen natürlichen Bedürfnissen entspricht.

Der etwa sieben Monate alte Wukk wurde in Ungarn gekauft und anschließend in einem Privathaushalt unter sehr schlechten Bedingungen gehalten. Zum Glück wurden die Behörden auf den Fall aufmerksam und schritten ein. „Wukk hatte Glück im Unglück.

Polarfüchse stammen aus arktischen Gefilden, besiedeln riesige Territorien und leben in der Regel mit Artgenossen zusammen. Viele Menschen sehen dieses flauschige, weiße Fuchsbaby und wünschen es sich als Haustier.

Aber Füchse sind Wildtiere. Sie haben Bedürfnisse, die in privater Haltung nicht erfüllt werden können. Auch wenn wir Wukk bei uns leider kein arktisches Klima bieten können, wird er hier ein artgemäßes Leben, umgeben von Artgenossen führen können“, sagt Eva Lindenschmidt, stellvertretende Betriebsleiterin der TIERART Wildtierstation und VIER PFOTEN Wildtierexpertin.

Bislang gibt es in Deutschland keine einheitliche Regelung für die Privathaltung von Wildtieren. Die internationale Tierschutzstiftung VIER PFOTEN fordert verbindliche Gesetze, um die Haltung von Wildtieren in privater Hand zu verbieten.

„Privatpersonen, die sich ein Wildtier als Haustier anschaffen, sind in der Regel nach kurzer Zeit mit den hohen Haltungsansprüchen der Tiere überfordert.

Spätestens wenn die Tiere geschlechtsreif werden, tauchen die ersten Probleme auf. Aus diesen Gründen werden Wildtiere oft abgegeben oder ausgesetzt“, so VIER PFOTEN Expertin Lindenschmidt.

Wukk ist nicht der einzige Fuchs in der TIERART Wildtierstation: „Zum Teil handelt es sich um Zuchttiere aus der Pelzindustrie oder auch Rotfüchse, die nicht mehr ausgewildert werden können. Wukk wird künftig gemeinsam mit den Füchsen Jackson und SingSing in einem Gehege leben.

Wir gehen davon aus, dass die Vergesellschaftung ohne Probleme möglich ist und die drei sich gut verstehen werden. Natürlich bleiben sie anfangs unter Beobachtung, so dass wir im Falle bösartiger Kämpfe eingreifen und Wukk separieren könnten.

Allerdings ist es äußerst unwahrscheinlich, dass das passiert. SingSing und Jackson sind das Zusammenleben mit Artgenossen gewohnt und sind sehr friedlich. Zudem gibt es genügend Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten im Gehege, so dass sich die Tiere aus dem Weg gehen können“, erklärt Eva Lindenschmidt.

Problematisch: private Wildtierhaltung in Deutschland

Solange es keine einheitliche Regelung auf Bundesebene gibt, obliegt es den Bundesländern, aus Gründen der Gefahrenabwehr landeseigene Regelungen zur Privathaltung von Wildtieren festzulegen.

Bislang haben bereits neun Bundesländer auf das Fehlen bundeseinheitlicher Gesetze reagiert und Verordnungen über die Haltung gefährlicher oder giftiger Tiere, so genannte Gefahrtierverordnungen, erlassen.

In den Bundesländern Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt dürfen Löwen oder Krokodile aber leider weiterhin legal gehalten werden.

Um Fälle wie Wukk in Deutschland zu vermeiden, fordert VIER PFOTEN die verbleibenden Bundesländer nachdrücklich auf, eigene umfassende und weitreichende Gefahrtierverordnungen einzuführen.

TIERART Wildtierstation
Die TIERART Wildtierstation beherbergt und pflegt zahlreiche heimische Wildtiere wie Füchse, Dachse, Wildkatzen, Waschbären, Hasen oder Igel. Manche Schützlinge sind nur vorübergehende Gäste.

Nachdem sie medizinisch versorgt wurden und wieder genesen sind, werden sie wieder in die Wildnis entlassen. Tiere, die nicht wieder in die freie Natur ausgewildert werden können, finden hier ein dauerhaftes, artgemäßes Zuhause.