21.08.2020 KURATIERT VON DANIEL KOTHENSCHULTE

Das Kino ist ein Garten der Lüste - EIN EINHORN IM GARTEN

von: GFDK - Kultur und Medien - Filme Kino und TV

Das Kino ist ein Garten der Lüste, voller ebenso appetitlicher wie manchmal auch verbotener Früchte.

Schon im ersten Filmprogramm der Geschichte, das die Brüder Lumière am 28. Dezember 1895 im Pariser Grand Café aufführten, fand sich – als erster Slapstickfilm überhaupt - der 50-Sekunden-Film „Der begossene Gärtner“.

In einer Reise durch alle Epochen der Filmkunst und Avantgarde erweisen sich Gärten als Schauplätze zwischen Realität und Phantasie.

Im frühen Farbfilm „A Day with John Burroughs“ (1918) zeigt der hochbetagte literarische Naturforscher Kindern die geliebte Wildnis vor seiner Blockhütte.

Orson Welles gab sein Regiedebüt in einem Stummfilm als 17-jähriger in einer improvisierten Version von Shakespeare’s Twelveth Night, gefilmt mit Freundin im Garten seines Internats. Spätere Avantgardefilmer scheinen nahtlos anzuknüpfen an die frühen Experimente:

Der legendäre amerikanische Filmkünstler Kenneth Anger drehte 1953 seinen Klassiker Eaux d’Artifice im Garten der Villa d’Este in Tivoli, wo er grandiose Wasserspiele zu einem suggestiv-erotischen Bildgedicht montierte.

Die Schottin Margaret Tait war bereits 80, als sie 1998 in Garden Pieces einen Gleichklang aus fotografierten Blumen und abstrakter Zeichnung herstellte.

Ihre peruanische Kollegin Rose Lowder dokumentierte blühende Gärten in delirierend flatternden Einzelbildern – gar nicht unähnlich zu Walt Disneys Farbkaskaden zum Hummelflug in „Bumble Boogie“ (1946).

Doch auch ein gewöhnlicher Vorstadtgarten bietet Potential für mythologische Begegnungen: Im Trickfilmklassiker „A Unicorn in the Garden“ (William T. Hurtz, 1953) versucht ein Ehemann vergeblich, seine skeptische Frau davon zu überzeugen, wenigstens einen Blick auf den seltenen Besucher im Garten zu werfen.

Zum Abschluss führt die Kölner Filmemacherin Undine Siepker in ihrem Dokumentarfilm "Ali sein Garten" an den mythischen Urgrund (klein-)bürgerlicher Gartenträume - einen Schrebergarten im Ruhrgebiet.

Alle Stummfilme des Programms werden vom Kurator Daniel Kothenschulte selbst auf dem Klavier begleitet.

BURG LEDE BONN, SAMSTAG 22. AUGUST 2020, 21 UHR – ANMELDUNG ERFORDERLICH