05.08.2014 Gesellschaftsporträt

Coming-of-Age-Drama mit überzeugender Laien-Besetzung: Die langen hellen Tage

von: Kino.de

Die in der damals russischen Teilrepublik Georgien geborene Regisseurin erzählt mit ihrem Berliner Koregisseur Simon Groß (beide arbeiteten bereits an "Fata Morgana") so überzeugend von zwei 14-jährigen Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden im postsowjetischen Tiflis, dass sie Dutzende Festivalpreise erhielt und "Die langen hellen Tage" zum Auslandsoscarkandidat seines Landes erkoren wurde. Nicht unerheblichen Anteil daran haben die kühlen, klaren Bilder von Kameramann Oleg Mutu, der hier freundlicheres Licht findet als in "Der Tod des Herrn Lazarescu" oder "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage". In den Sommertagen 1992 blühen die Bäume zwischen alten Fassaden in sonnigen Gassen. Bausubstanz und Gesellschaft mögen verrottet sein, verströmen aber einen eigenen Charme.

Im Klima eines heraufziehenden Bürgerkriegs versuchen die besten Freundinnen Eka und Natia (zwei tolle Laien-Besetzungen: Lika Babluani und Mariam Bokeria) einer unsicheren, männlich dominierten Gesellschaft mit Lebenslust und Rebellion zu trotzen. Sie grenzen sich von ihren Elternhäusern ab, wo viel getrunken und gestritten oder befehligt wird. Mit ihren Schulkameraden begehren sie gegen die repressive und rassistische Lehrerin auf. Doch müssen sie in ihrem Kampf um Eigenständigkeit auch vor den rauen Sitten kapitulieren. Ein Verehrer schenkt Natia eine Pistole als Liebesbeweis und die Versuchung ist für beide groß, die Waffe auch einzusetzen. Als Natia der archaischen Tradition der Brautentführung zum Opfer fällt und den agressiven Kote heiratet, fühlt sich Eka verraten. Ein ungeschnitten gefilmter Hochzeitstanz ist der stilistische und inhaltliche Höhepunkt. "Die langen hellen Tage" zeichnet ein überaus anschauliches Gesellschaftsporträt en miniature mittels zweier Mädchen und ihrer Familien. tk.

Kinostart: 21.08.2014

Quelle: kino.de