11.09.2019 Tierquälerei für die Unterhaltungsindustrie

Ausbeutung von Wildtieren - Elefantenreiten und Tiger-Selfies auch in Deutschland?

von: GFDK - Kultur und Medien - Tierschutz

VIER PFOTEN deckt Ausbeutung von Wildtieren in Deutschland, Spanien, Frankreich und Tschechien auf.

Hamburg, 10. September 2019 – Der skrupellose Missbrauch von Wildtieren zu Unterhaltungszwecken findet nicht nur in Asien, sondern auch mitten in Europa statt.

Das belegen aktuelle Recherchen der internationalen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. Das der Organisation zugespielte Material zeigt Touristenattraktionen in Deutschland, Spanien, Frankreich und Tschechien.

VIER PFOTEN fordert die betroffenen Länder auf, Wildtiere endgültig aus der Unterhaltungsindustrie zu verbannen. Touristen werden dazu aufgerufen, derartige Attraktionen zu meiden und an VIER PFOTEN zu melden.  

Überall in Europa werden Wildtiere unter nicht artgemäßen Bedingungen für Unterhaltungszwecke gehalten und gezwungen, Tricks vorzuführen, die ihren natürlichen Instinkten widersprechen. Doch, um ein Wildtier zu solch einem Verhalten zu bringen, muss sein Wille gebrochen werden.

„Dies ist meist nur durch die frühe Trennung von der Mutter und durch gewaltsames Training möglich. Daneben sind diese Touristenattraktionen nicht nur Tierquälerei, sondern befeuern auch die unregulierte Zucht und den Handel mit Wildtieren", sagt Kieran Harkin, Leiter Internationale Wildtierkampagnen bei VIER PFOTEN.

Mit schmerzhaften Methoden gefügig gemacht

Für nur fünf Euro kann man in Deutschland auf einem Elefanten reiten. Für 180 Euro kann man noch mehr Zeit mit einem Elefanten verbringen. Dann darf das Tier auch gefüttert, gewaschen und spazieren geführt werden. Sind die Elefanten gerade nicht gebucht, müssen sie in der Manege Kunststücke vorführen.

Dabei sitzen sie auf kleinen Stühlen, spielen Fußball, stehen auf einem Bein oder lassen Artisten auf sich klettern. „Elefanten sind sensible Herdentiere. Um sie gefügig zu machen, werden schmerzhafte Methoden angewendet.

Durch den Bewegungsmangel in Gefangenschaft leiden die Tiere unter Gelenk- und Rückenproblemen. In freier Wildbahn wandern sie kilometerweit, suchen frische Nahrung, spielen oder baden", so Kieran Harkin.

Als Ware gehandelt

Außerhalb der spanischen Hauptstadt Madrid lebt Tigerin Noa gemeinsam mit einhundert weiteren Tieren, die für Filmproduktionen vermietet werden. Für einhundertfünfzig Euro pro Stunde dürfen Touristen mit der Großkatze an der Leine spazieren gehen, sie streicheln und Selfies mit ihr machen.

„In freier Wildnis leben nur noch etwa 3.900 Tiger. Es ist erschreckend, dass diese Tiere weiterhin kommerziell gehandelt und wie Ware behandelt werden“, erklärt Harkin.

Touristenattraktionen mit Wildtieren sind Tierquälerei

Bei einem Volksfest in Watten/Nordfrankreich können Besucher zusehen, wie Wölfe durch Reifen springen und auf schmalen Balken balancieren. Ein Bär unterhält die Touristen mit Rutschen und Tanzen.

Zwischen und nach den Aufführungen werden die Wildtiere in kleine Anhänger gesperrt. In einem Zirkus in Tschechien muss ein sichtlich geschwächter Bär aufwendige Tricks wie Skateboardfahren oder Tanzen mit einem Hula-Hoop-Reifen aufführen.

"Touristenattraktionen mit Wildtieren sind Tierquälerei. Bis strengere Gesetze zum Schutz der Wildtiere in Europa durchgesetzt werden, bittet VIER PFOTEN Touristen darum, wachsam zu sein und Wildtier-Attraktionen umgehend zu melden: wildlife-tourism@four-paws.org.", so Kieran Harkin, Leiter der Internationalen Wildtierkampagnen bei VIER PFOTEN.