08.07.2010 Ideengeber, Gründer und Vorstandsvorsitzender

Porträt des Monats: Michaela Boland befragt Dr. Dr. Benjamin Fritz - Leben zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit, beruflicher Karriere, politischem Engagement und Privatleben

von: Michaela Boland - mit 5 Bildern

Dass ein typischer G8-Gipfel nicht nur als Abstimmungsforum über Fragen der Weltwirtschaft fungieren, sondern durchaus auch hilfreich bei der kreativen Namensfindung für Charity-Hilfsprojekte sein kann, weiß er noch ganz genau:

Dr. Dr. Benjamin Fritz. Dem promovierten Zahnarzt und Radiologen aus Düsseldorf lag aufgrund einer persönlichen Verbindung zum Kölner Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße nämlich eine Sache besonders am Herzen:

Wegen seiner gesammelten Erfahrungen während seines PJs (Anm. d. Red.: praktisches Jahr im Rahmen der Ärzteausbildung) hatte er sich vor elf Jahren in den Kopf gesetzt, Gutes für Kinder zu tun.

Nach einer spektakulären Hilfsveranstaltung in der Kölner Flora zugunsten jenes Kinderkrankenhauses an der Amsterdamer Straße, bei welcher 1800 geladene Gäste gediegen für den guten Zweck feiern und insgesamt 16.000 DM Spenden für die hilfsbedürftigen Kinder gesammelt werden konnten, lag eins auf der Hand.

Fortan sollte regelmäßig Gutes getan werden. Für den neu zu gründenden Verein, der auch in Zukunft Hilfsprojekte für die kleinsten Einwohner der Stadt finanzieren sollte, musste schnellstens ein Name her. Der 1999 stattgefundene G8-Gipfel lieferte insoweit dann die zündende Idee.

Weil hier nämlich die Spitzen, also die Regierungschefs der acht führenden Industrienationen gerade in Köln in gemeinschaftlichen Dialog traten, um einen Konsens in Weltwirtschaftsfragen zu erörtern, war irgendwie naheliegend, die Spitzen der „Stadte am Rhing“ gleichwohl namentlich ins Gespräch zu bringen.

Und da das Wahrzeichen der Rhein-Metroplole nun mal der Kölner Dom ist, und dieser mit seinen Türmen zu jener Zeit wohl auch zu den höchsten Erhebungen der Stadt zählte, ward das Namenskompositum schnell geboren. Domspitzen eV.

Mit unterschiedlichsten Hilfsprojekten setzen sich die Domspitzen seitdem für Kinder in Not ein, veranstalten ausgefallenste Benefiz-Events mit Bezug zu vor allem lokal unterstützen Hilfsprojekten und demonstrieren auf diese Weise soziales Engagement zum Mitmachen.

Vor kurzem feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen. Im Rahmen einer fulminanten Feier auf der Belle Étage der Kölner „Villa“ wurde bei aufwendigem Bühnenprogramm, Kaiserschoten-Feinkostschmaus, Champagner, Bier und Wein auf eine hilfreiche Zukunft des Domspitzen eV angestoßen.

Wie Ideengeber, Gründer und Vorstandsvorsitzender, Benjamin Fritz, den Ballance-Akt zwischen langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit, beruflicher Karriere, politischem Engagement und Privatleben meistert, hat er Michaela Boland für das Porträt des Monats im Gespräch verraten.

Das Belgische Viertel in Köln liebt er. Hier fühlt er sich zuhause, kennt sich aus, wie in seiner Westentasche. Hatte er doch bis vor fünf Jahren noch selbst in der Domstadt gelebt. Grund genug für Dr. Dr. Benjamin Fritz, mich bei lauer Sommerabendatmosphäre her zu führen.

Die Medienberichte der letzten Wochen über das bunte Treiben in den Straßen jenes Viertels treffen zu: Hunderte junger und junggebliebener Leute tummeln sich hier bis in die frühen Morgenstunden, übrigens zum Leidwesen der Anwohner, die seither kaum noch Schlaf, dafür jedoch regelmäßig jede Menge hinterlassenen Dreck vorfinden.

Im Kiosk um die Ecke, der vermutlich derzeit das Geschäft „seines Lebens“ macht, versorgen sich die einen mit reichlich Getränken und Süßigkeiten, andere sitzen in den Außenbereichen der Bars und Restaurants, speisen genüsslich und beobachten das Geschehen.

Um einen Geschenkartikelladen, mitten im Wohngebiet, haben sich Trauben von Menschen gruppiert, denn im Schaufenster des Lädchens, stehen zwei ausgesprochen gutaussehende Gitarristen, die einfach mal drauflos spielen und ihre Akkorde mittels vor dem Eingangsbereich aufgestellter Lautsprecher einem tatsächlich noch größeren Publikum schmackhaft machen. Hier also fühlt sich Mediziner Fritz wohl, was keineswegs schwer nachzuvollziehen ist.

Nachdem sich für unser Gespräch ein wenig mehr Ruhe günstig auswirken könnte, begeben wir uns zu einem nahegelegnen Kinderspielplatz, der ein wenig abseits liegt und zu fortgeschrittener Stunde kaum mehr Kinder aufweist.

Zuerst noch mit etwas, sagen wir mal, Proviant, bei besagtem Kiosk ausgestattet, denn so macht man das hier, setzen wir uns auf eine Bank. Benjamin, der eigentlich Lars Benjamin heißt und vornehmlich Ben genannt wird, zeigt mir einen „Laden“, der eng mit seiner Jugend verbunden ist.

Das „Hallmackenreuther“, am Brüsseler Platz. Eine traditionsreiche Bar, in der er früher regelmäßig vor der Schule gejobbt hat, um sich etwas hinzuzuverdienen. Das war lange bevor er zum Wohltäter wurde.

Schon jetzt blickt der sympathische Dr. Dr. mit jungenhaftem Charme auf eine beachtliche Laufbahn zurück. „Ich freue mich zwar immer über das, was passiert ist, aber irgendwie sehe ich das ständig so, dass ich noch am Anfang stehe, sozusagen noch ein Anfänger bin“, klingt er bescheiden. 

Dabei ist Fritz ist ein Macher, auf der ganzen Linie und offenbar seit jeher. Davon jedenfalls zeugen schon seine beruflichen Qualifikationen. Bereits im zweiten Studiensemester der Zahnmedizin nahm das Mittlere von drei Kindern zeitgleich ein reguläres Medizinstudium auf, und brachte nicht nur beide Studiengänge erfolgreich zu Ende, sondern promovierte in jedem.

Nach vollbrachter Arbeit hing der Mann mit den schönen blauen Augen dann sogar noch ein international anerkanntes Wirtschaftsstudium, welches er mit dem MBA (Anm. d. Red: Master of Business Administration) abschloss.

„Aus welchem Grund hast du dich beim Studium gerade für die medizinische Fachrichtung entschieden“, möchte ich von Ben Fritz wissen. „Die ursprüngliche Motivation aus welcher heraus ich zuerst Zahnmedizin studiert habe war die, dass ich Ende der Achtziger Jahre einen Schüleraustausch in die USA gemacht und mein großer Bruder in der Zwischenzeit einen Zahnmedizinstudium begonnen hatte.

Das habe ich nur so am Rande mitbekommen und als ich zurückkehrte war mein Bruder einfach plötzlich in Berlin und studierte dort. Das fand ich super, er war schließlich mein großer Bruder.

Wir unterhielten uns dann wiederholt darüber und das hat mich eigentlich zu dem Entschluss gebracht, ebenfalls Zahnmedizin zu studieren“, erinnert sich der gebürtige Neusser, der in Köln aufwuchs.

Ziemlich clever fand Fritz, der sich auf Kieferchirurgie spezialisieren wollte, gemeinsam mit zwei Freundinnen und Kommilitoninnen heraus, dass ein altes Landesgesetz aus den 70er Jahren existierte, wonach es möglich war, in Köln parallel zur Zahnmedizin auch noch Medizin zu studieren.

Fortan musste der junge Fritz sich denn auch in Fächern wie Biologie, Physik, Mikrobiologie, Physiologie, Biochemie und Pathologie beweisen.

„Was ist das eigentlich für ein Gefühl, innerhalb der Anatomiekurse plötzlich an Leichen herumschneiden zu müssen“, frage ich den passionierten Arzt. „Man musste präparieren, erst die Haut entfernen, dann wurde als nächstes immer der Kopf aufgeschnitten, damit man das Gehirn heraus nehmen konnte.

Gruselig wurde es für mich nur einmal als ich irgendwann zu Hause in meiner Tasche das Jochbein einer Leiche entdeckte, das irgendwie dort hinein gekommen sein muss“, erschaudert Fritz noch jetzt.

Es sei schon komisch gewesen, jenes fremde tote Körperteil zu Hause in der Wohnung zu haben, erzählt Benjamin, und daher habe er es auch schnellstmöglich zurückgebracht. Schließlich sollte die „arme“ Leiche nicht ohne ihr Jochbein bestattet werden.

Auch habe er den Geruch des Formalin, also dem Präparat, welches man üblicherweise zum Frischhalten der Leichen benutzt, kaum mehr aus der Nase bekommen. „Ich hatte oft auch in der Straßenbahn, wenn ich Leute vor mir hatte, den Eindruck, dass es überall nach Leichen roch.

Da fragte ich mich ständig, ob ich mich gerade in einem Michael Jackson-Video befände“, beschreibt der Domspitzengründer. Nach diesen Erfahrungen eigentlich verwunderlich, dass Fritz die leichte Roman-Polanski Gruselkomödie „Tanz der Vampire“ als einen der schlimmsten Filme beschreibt, den er je im Leben gesehen habe.

„So wenig von einem Film habe ich, glaube ich, noch nie gesehen, weil ich immer das Kopfkissen vor die Augen gehalten habe, denn es war so gruselig, besonders als dieser Buckelige im Sarg den Berg hinunter fuhr.“

Nach 16 Semestern schloss Fritz seine Studien sodann erfolgreich ab, promovierte 1999 in Zahnmedizin, worin er auch approbiert ist, in dem Thema „Minimal invasive Kavitätenpräparation“ (Anm.: der Red.: Methoden, bei denen kein rotierendes Gerät mehr benutzt wird, um eine Zahnaushöhlung vorzunehmen, sondern ein oszillierendes, um weniger Zahnsubstanzverlust und Nachbardentalverletzungen beim Aushöhlen des Zahnes zu gewährleisten).

2004 promovierte er darüber hinaus auch noch in Medizin. In seiner Dissertation, die er übrigens in den USA am Bostoner Mass(achusetts) General Hospital der Harvard Universität anfertigte, geht es um „die Rotatorenmanschette im Schultergelenk“, ferner Kernspinntomographie von Schultermuskelrissen im Vergleich zum operativen Befund. Seine Forschung hierfür betrieb der Arzt an 300 lebenden Probanden.

Damals wie heute steht sein Wirken jedoch zu einem großen Teil unter dem Zeichen der Hilfsbereitschaft 

Gutes tun und darüber reden stellt ja seit jeher eine geschickte Kombination dar. So ist denn auch auf der Homepage des Domspitzen eV vom Mehrwert die Rede, der durch schlichte Motivation in emotionaler, persönlicher und beruflicher Hinsicht bei Helfern und Partnerfirmen erzielt werden könne.

Und jenen Mehrwert könnten Helfer und Partnerfirmen schlichtweg aus ihrem eigenen Engagement ziehen und sich hierdurch zum Weitermachen motivieren.

Bei Dr. Dr. Fritz war mangelnde Motivation jedenfalls zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Der 39-Jährige Sohn einer auch in Psychodrama (Anm. d. Red: Form der Psychotherapie) ausgebildeten Lehrerin und eines Architekten scheint das Organisationstalent im Blut zu haben.

Schon als junger Student rief der blonde damals noch angehende Arzt legendäre Partys im Rahmen seiner PanAm-Geschäftsidee ins Leben. Für sein eigenes Geld zu arbeiten, erlernte der pfiffige Ben außerdem schon im Alter von 12 Jahren.

Damals begann Fritz damit, morgens Brötchen oder Zeitungen auszutragen. In der Oberstufe kurz vorm Abi ging er sogar regelmäßig vor der Schule oder am Wochenende im „Hallmackenreuther“ putzen.

Während des Studiums kam der 1,84m große Blondschopf dann jedoch auf die gute und vor allem lukrative Idee, Studentenpartys zu organisieren. Diese seien immer mehr geworden und so erhielt Ben gemeinsam mit einem Freund schließlich sogar das Angebot des Geschäftsführers einer großen Kölner Disco, den kompletten Samstag regelmäßig in jener Lokalität zu gestalten.

Fortan gründete Fritz mit besagtem Freund den sogenannten PanAm-Club, eine Houseparty, die zur festen Institution wurde. Stilecht statteten die Jungs die Location möglichst naturgetreu aus.

Auf der Grundlage eines Buches über die PanAM-Maschine „Heritage Clipper“ wurde das komplette Event sodann gestaltet. Kellnerinnen schoben im Stewardessenoutfit klassische „Saftschubsen“ , Eintrittskarten waren im Flugticketstil gehalten.

Nach annähernd zwei Jahren und insgesamt 103 Wochenenden Party war dann aber Schluss. Zum einen sei die Luft ein wenig heraus gewesen, und der Geschäftspartner musste ins Ausland. Andererseits fast schon schicksalhaft:

Auch der reale PanAM Flug103 stellte historisch betrachtet einen Abschluss dar, so besiegelte er seinerzeit doch das Schicksal des schottischen Städtchens Lockerbie (Anm. d. Red: Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug der amerikanischen Fluglinie Pan-American World Airways – PanAm-Flug 103 im Jahre 1988).

Schon hier ersichtlich: Die Passion Fritz: Die Leidenschaft fürs Organisatorische. „Genau dies habe ihn auch zu den Domspitzen gebracht“, weiß Ben Fritz genau. Zu der Zeit, als sein PJ beginnen sollte, stand Fritz plötzlich allein da.

Nun hatte er zwar zwei Studiengänge parallel studiert, war sich jedoch keineswegs sicher, ob er auch tatsächlich seine Approbation erhalten und alles wie gewünscht mit der Landesregierung hinbekommen würde.

Man hatte ihm und den beiden Kommilitoninnen zwar im Vorfeld gesagt, dass auf Grundlage des alten „ausgegrabenen“ Gesetztes schon alles glatt gehen würde, aber nun, hatten die beiden Fritz-Freundinnen längst unterwegs „schlapp gemacht“.

Während die eine sich doch lieber wieder ausschließlich auf Zahnmedizin zurückbesonnen hatte, hatte die andere kurzerhand komplett in die Medizin gewechselt und das Dasein als Dentalfachfrau ad acta gelegt. Übrig geblieben war einzig Ben Fritz, der beide Studiengänge bis zum vorläufigen Ende gebracht hatte.

Erleichterung erfuhr der angehende Doppelmediziner dann erst als er im Landesprüfungsamt alles anerkannt und problemlos zugelassen wurde. Dann endlich begann 1998/99 sein PJ und er musste einsehen, dass dies nicht unbedingt ein Zuckerschlecken sein würde. So sagt er denn auch: „ Das ist viel Arbeit, da kann man keine Partys mehr machen.“

Nach Beendigung des arbeitsintensiven PJs sah es dann jedoch schon wieder ganz anders aus: Ebenso wie Vorbild und Kinderradiologe Dr. med. Dipl. chem. Maximilian Kellner aus Köln Ben Fritz an die Kinderradiologie herangeführt habe, sei es dann aber der damalige Chef des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße, Prof. Dr. Alexander Holschneider, gewesen, welcher Fritz seinerzeit durch seine schillernde Persönlichkeit dazu gebracht habe, sich auch karitativ für Kinder einsetzen zu wollen.

Da der junge Fritz im „Party-Veranstalten“ bereits geübt war, lag auf der Hand, wie vorzugehen war. Somit wurde zunächst jene große Flora-Charity –Party, anschließend der neue Hilfsverein aus der Taufe gehoben.. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Nuklearmediziner Karma Ali Kameruddin, habe Fritz sodann in Anlehnung an das Kölner G8 Gipfeltreffen den Namen für seinen neuen Domspitzen eV ausgeklügelt.

Dass die zugrundeliegende Idee des Domspitzenvereins, nämlich Kinderleicht helfen, gut ankam, zeigte wohl auch die Tatsache, dass sich statt der vereinsrechtlich vorgeschriebenen sieben Gründungsmitglieder, sogleich 27 begeisterte Menschen gefunden haben, die von Anbeginn für die gute Sache einstehen wollten. Unter ihnen auch TV-Star und Nachttalker Jürgen Domian.

„Ein Freund von mir, Jürgen Domian und ich waren damals im selben Fitness-Studio“, erläutert Ben Fritz, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Prominenten kam. „Und er ist immer mit dem Aufzug gefahren, da hat der ganze Aufzug ständig stark nach Parfüm gerochen“, lacht Fritz herzhaft.

Da er den Duft anders nicht hätte bemerken können, gibt der Arzt auch ehrlich zu, selbst ebenfalls regelmäßig jenen Aufzug benutzt zu haben.

Das Studio habe sich eben im fünften Stockwerk befunden und gleichermaßen hätten sie sich aber auch darüber ausgetauscht, wie schwachsinnig es eigentlich sei, ein Fitnessstudio zu besuchen, um sich „künstlich“ Muskeln anzutrainieren, jedoch eine für die alltägliche Fortbewegung vorgesehene Treppe schlichtweg zu ignorieren und stattdessen lieber Strom für die Aufzugnutzung zu verbrauchen.

Nichts desto trotz habe Fritz Domian damals in Sachen Domspitzen eV angesprochen. Der Moderator hielt die Idee für ausgesprochen gut, bot seine Unterstützung an und wurde kurzerhand Gründungsmitglied. Insgesamt zählen die Domspitzen sogar bereits über 120 Mitglieder.

Engagiert wird sich beispielsweise auch für Hilfsprojekte wie „Lesewelten“, eine Aktion der Kölner Freiwilligen Agentur. Damit die Lesefähigkeit von Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren gefördert wird, werden ihnen in Bibliotheken, Museen, Schulen und Kinderkliniken Geschichten vorgelesen.

Domspitzen eV sponserte hier sämtliche Exemplare eines von den Kindern gewünschten Buches. Außerdem sammelte der Verein Spenden für Kinder der Kölner Frauenhäuser, um ihnen Unternehmungen zu ermöglichen, die sonst aus Geldmangel nicht durchführbar wären.

Weiterhin zählt auch das heilpädagogische Voltigieren, welches bei Kindern nicht nur die soziale und emotionale, sondern gleichwohl die geistige Ebene anspricht, zu den Projekten, welche die Domspitzen im Rahmen von Kostenübernahmen für Reit-Therapien, fördern.

Durch eine Kooperation mit Streetkids international E.V. betätigte sich Domspitzen eV jetzt sogar auch international und spendete 35.000 Euro für den Bau eines Waisenhauses in Dar es Salaam in Tansania.

Reine Basisarbeit wird bei den Domspitzen nicht geleistet. „Der Domspitzen eV hat zwei Seiten an denen wir arbeiten, das eine sind die Events, Benefiz-Charity-Events, von denen vier bis fünf pro Jahr durchgeführt werden.

Mit ihnen holen wir Spendengelder rein, motivieren und akquirieren neue Mitglieder Außerdem betreiben wir damit natürlich auch Marketing für den Verein, um uns bekannt zu machen.

Dann gibt es natürlich die Seite der Hilfsprojekte, also die Seite, auf der wir unterstützen , insoweit das Geld ausgeben. Im Prinzip sind wir ein Zwischenglied zwischen jenen, die Geld zur Verfügung haben und denjenigen, die an der Basis die Hilfsprojekte durchführen“ erklärt Fritz.

Motto der Vereinsarbeit von jeher: Unermüdliche, kontinuierliche Arbeit. Ben Fritz kann kaum noch zusammenfassen, wie viele Stunden er bisher in seine ehrenamtliche Tätigkeit investiert habe .

Jetzt aber komme er gerade in eine Lebensphase, in der es auch um seine persönliche berufliche Karriere gehe. Zur Zeit nämlich ist der Vater eines sechsjährigen Sohnes dabei, sich als niedergelassener Radiologe einen Namen zu machen, nachdem er mehrerer Jahre Forschungsarbeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf betrieben, intensive Weiterbildung in Radiologie absolviert und sich bei Herbert-Grönemeyers-Bruder, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, ein Jahr lang in Schmerztherapie in Bochum ausbilden lassen hat.

Da fällt viel Arbeit an. Gerade im Hinblick auf gewisse Strukturen, in denen sich der zweifach promovierte Mediziner nun unvermittelt wiederfindet und kritisch feststellt: „Ich stecke da ganz persönlich plötzlich in einer Situation, in der ich mich einer Planwirtschaft unterwerfen muss, wenn ich so arbeiten will, wie ich es gerne möchte“, beklagt Fritz.

„Auf der einen Seite herrscht innerhalb des Gesundheitssystems richtiggehende Planwirtschaft vor, aber auf der anderen Seite, also dort, wo all diejenigen im Gesundheitssystem Arbeitenden Geld ausgeben müssen, wie z.B. beim Einkauf von medizinischen Geräten bei Siemens oder Ähnliches, herrscht wiederum Marktwirtschaft vor.

Die Schnittstelle ist letztendlich das Gesundheitssystem und das ist meiner Meinung nach ein Grund, warum es nicht funktioniert“, folgert der Arzt und vergleicht, „bei Planwirtschaft auf der einen Seite, nämlich der Einnahmeseite und Marktwirtschaft auf der anderen, der Ausgabenseite, verhält es sich ja sozusagen wie Sozialismus zum Kapitalismus.

Das kann nicht funktionieren, denn gerade an der Schnittstele entstehe das Problem.“ Dies sei allerdings nur ein Grund, warum es im Gesundheitssystem Schwierigkeiten gebe, meint der 39-Jährige.

Hiermit will er sich jedoch nicht zufrieden geben , daher erklärt sich womöglich auch Ben Fritz` Interesse, sich berufspolitisch zu engagieren. Lösungsansätze finden und umsetzen, also, etwas bewegen, macht womöglich dann Sinn, wenn man auch an entscheidender Stelle „anpacken“ kann.

Insoweit stellt sich der Umstand, dass der augenblickliche Wahl-Düsseldorfer seit kurzem im Vorstand der 52.000 Mitglieder umfassenden Ärztekammer Nordrhein sitzt, wohl nicht gerade nachteilig dar.

Im Rahmen seines fünfjährigen Mandats beschäftigt er sich als Mitglied der Weiterbildungs- sowie der Ethikkommission mit Diskussionen rund um medizinische Grundsatzfragen und Forschungsthemen.

Weiteren Grund zur Freude gibt es außerdem: Als dieser aus Berlin in der Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf zu Besuch war, traf Dr. Dr. Fritz Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler .

Jener schien Fritz` Denkansätze, den Arztberuf künftig nicht mehr nur ausschließlich als technisch-wissenschaftliche Tätigkeit aufzufassen, sondern ihn ein Stück weit wieder zurück zum ursprünglich historischen Verständnis zurückzuführen, nämlich auch die reine Kunst des ärztlichen Handelns wieder aufleben zu lassen, recht interessant zu finden.

Und wer weiß, womöglich ist ein baldiges Wiedersehen der beiden Ärzte in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen. Nachdem „Die Zeit“ erst vor wenigen Wochen mit „Neues Deutschland“, was die neue Regierungsmannschaft über die Republik verrät, titelte und den jungen Popstars der Politszene, Karl-Theodor zu Guttenberg, Philipp Rösler und Norbert Röttgen den Leitartikel unter der Überschrift „Merkels Boygroup“ widmete, frage ich Benjamin Fritz nach seinem Bild von Philipp Rösler.

„Ich kann mir vorstellen, dass er sehr gute Dinge im Gesundheitssystem bewegen kann, weil er Arzt ist, weil er jung ist und weil er der Mensch ist, der er ist. Und ich habe mich ja auch sehr mit dem Geistigen aus der asiatischen Kultur auseinandergesetzt, diese Ausstrahlung bringt er mit“, sagt Fritz.

Das kann man in der Tat laut sagen, denn abgesehen von dem Umstand, dass der Mediziner seit sieben Jahren jeden Tag mindestens 11 Minuten lang eine Mischung aus Yoga und Meditation praktiziert, verbrachte er auch etliche Wochen in der Abgeschiedenheit eines indischen Klosters.

Faszinierend sei für ihn „diese unheimliche Weisheit, die im Yoga liegt“. Nachdem es aus den ältesten religiösen Schriften, die es auf der Welt gebe, den Veden, entstamme. Was so alt sei, sei weise, denn es habe seither Bestand, meint Fritz.

Die Auseinandersetzung mit Körper und Geist und der Versuch, mit beidem im Einklang zu sein , mache es aus. „Es ist, glaube ich, ganz wichtig, dass man im Leben versteht, dass die Veränderung das Leben ist.

Dauerhaftigkeit ist zwar etwas Schönes, stellt aber lediglich eine Vorstellung des Menschen dar, aber das Wesentliche ist die Veränderung auf dieser Welt. Nichts bleibt auch nur eine Sekunde gleich“, weiß der Mediziner.

Sein rundes Zafu-Kissen benutzt der Arzt für Zen-Meditation. Während seiner Zeit im Kloster, wo er morgens um halb fünf habe aufstehen und abends um halb elf das Licht ausschalten müssen, habe er sehr viel Wichtiges für sich gelernt, erzählt mir Ben.

Sein schlichtes Interesse für das Bewusstsein und den Sinn habe ihn 2006 dorthin geführt. Es seien viele harte Wochen gewesen, erinnert sich der Radiologe, jedoch sei der immer wiederkehrende, typische, klare Tagesablauf und das disziplinierte, einfache Leben, wie beispielsweise im Schneidersitz am Boden von einfachen Blechtellern zu speisen, etwas gewesen, wovon er noch heute zehre, betont Fritz.

„Jeder andere sechswöchige Sommerurlaub am Strand mit voller Erholung wäre verpufft“, glaubt der Arzt. So beschreibt er denn auch, wie er noch heute von jenem Aufenthalt wie von einer Art Anker profitiere, wenn er beispielsweise im NLP (Anm. d. Red.: Neurolinguistische Programmierung) sitze, womit er sich ebenfalls auseinandergesetzt habe, könne er sich innerhalb weniger Sekunden in den Kloster-Zustand zurückversetzen und alles sei gut.

Auf die Frage, ob er ein demütiger Mensch sei, antwortet Ben Fritz, „ich denke schon.“ „Demut und Dankbarkeit sind ja nahe beieinander“, fügt er hinzu und fährt fort, „ich denke jetzt daran, dass mein Sternzeichen Fisch ist, ich weiß nicht, ob es daran liegt?“.

Demut habe ja auch etwas von Leidenschaft und sich dem hinzugeben, was passiere, Teil zu werden und zu sein, sowie nicht ständig zu sehen, dass man Dinge steuern könne, philosophiert Benjamin Fritz.

Ob er an Gott glaube, frage ich den Arzt aus Leidenschaft. „Gott ist für mich die Referenz, anhand derer wir sagen, alles verändert sich “, antwortet der Mediziner. „Wir brauchen ja einen Punkt, von dem wir sagen, der bleibt gleich und das ist für mich Gott“, schließt Ben Fritz.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre, sieht sich der zielstrebige Ben, dessen Familie ihn schon jetzt häufig entbehren muss, privat dort, wo er momentan sei, nämlich in Düsseldorf.

Seine enge Verbundenheit zu Köln werde ihm jedoch nicht verloren gehen, so könnte er sich sogar weit in der Zukunft vorstellen, wieder komplett in der Domstadt ansässig zu sein.

Beruflich hoffe er, zum einen ein funktionierendes System in Form eines Unternehmens aufbauen zu können, in welchem er anderen Menschen die Möglichkeit geben möchte, ihre Existenz aufzubauen. Außerdem wünsche er sich, niemals auszulernen.

Da hat er sich zwar Einiges vorgenommen, allerdings scheint schon jetzt nahezu sicher: Von diesem jungen Mann werden wir in Zukunft bestimmt noch eine ganze Menge hören. 

Infos unter:

www.kinderleichthelfen.de 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR-Sonntags-Nachmittags-Show „HOLLYMÜND“. Für „Guten-Abend-RTL“ arbeitete sie als Redakteurin und On-Reporterin.

Auf 3-Sat moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, außerdem die Casinoshow „Casinolife“ auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland/Freunde der Kuenste.de