02.01.2010 Drei junge VOC `N Roller erobern die Musikwelt

Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT THE BASEBALLS

von: GFDK - MICHAELA BOLAND

GFDK Exklusiv, die The Baseballs

Wußten Sie schon, was Voc `n Roll ist? Nie gehört? Ich auch nicht, aber jetzt kommt`s: Unter Voc `n Roll versteht man Rock `n Roll mit dreistimmigen Harmonien. Warum das wichtig ist? Ganz einfach:

Nicht immer muss Tokio Hotel der Grund dafür sein, wenn Teeniekreischalarm angezeigt ist und Ohnmachtsanfälle auf der Tagesordnung stehen. Dass auch etwas völlig Neuartiges und eigentlich doch längst Bekanntes dazu geeignet sein kann, Pulsschlag und Herzfrequenz ganz Junger und solcher, die sich zu den ewig Junggebliebenen zählen, blitzartig in die Höhe schnellen zu lassen, stellen derzeit drei menschliche Hotspots lautstark unter Beweis.

The Baseballs lautet der verheißungsvolle Name dreier männlicher Hüftschwungvirtuosen, welche das Publikum nicht nur gedanklich, sondern auch visuell in Warpgeschwindigkeit in ein fast vergessenes Zeitalter zurückblicken lassen: The 50s are back again. Nach Künstlern wie Winehouse oder Duffy, welche uns ein gelungenes Revival der Sechziger durchleben ließen, wagt sich das Groß-Label Warner Music mit The Baseballs nun noch eine weitere Dekade zurück in die Vergangenheit.

Und gelungen ist es. Die einfache Rezeptur scheint aufgegangen: Die drei süßen Midzwanziger, SAM, Basti und Digger, mit Tolle, Entenbürzel, Lederjacke und obligatorischem Kamm in der Gesäßtasche hätten Travolta in Grease im Wettstreit um Olivia Newton-John wohl in arge Bedrängnis gebracht. Davon ist jedenfalls auszugehen, wenn man beobachtet, in welch kurzem Zeitraum die drei unterschiedlichen jungen Männer augenblicklich zu neuen Stars avancieren.

Das Besondere: Mit Pomade im Haar und dem King of Rock in der Stimme verwandeln die Rock `n`Roller einfach brandaktuelle Chartbreaker in Fifties-Klassiker. Jetzt drehte das modeltaugliche Terzett sein erstes Rockabillyvideo in der Kölner Innenstadt ab. Der Journalistin Michaela Boland haben die schönen Jungstars eine Rolle in ihrem Clip zugedacht.

Auch ohne Petticoat und Cadillac konnte Michaela pfeilschnell in die fünfziger Jahre abtauchen und mit ihr gleichsam Hunderte von neuen Fans des musikalischen Gespanns. Von ihrem ersten Mal beim Dreh eines Musikvideos berichtet Boland exclusiv auf Freundederkuenste.de.  

Ganz schön ärgerlich, wenn man sich abhetzt, um nur ja pünktlich um 8.00 Uhr morgens beim verabredeten Treffpunkt aufzuschlagen, um dann vom Set-Aufnahmeleiter zu erfahren, dass aufgrund eines Dispositionsfehlers sämtliche Mitwirkende etliche Stunden zu früh bestellt wurden. Am Ende der Schildergasse inmitten der belebten  Kölner Fußgängerzone verwandelt sich das eigens leergeräumte Schaufenster einer Oberbekleidungsboutique gerade in ein filmtaugliches Set.

Heute auf dem Programm: The Baseballs. Das sind das 1,92 m große Kraftpaket, Sam (25) aus Reutlingen  mit bestechend hellblauen Augen und einem Hüftschwung, der Hypnosetauglich scheint, außerdem Digger (26), kreativer Geist des Trios und aus Rheine stammend, sowie sein gleichaltriger Berliner Kollege Basti, der als der „Streber“ der Band firmiert.

Doch The Baseballs sind noch lange nicht am Set. Gemunkelt wird, dass die letzte Nacht mit vorangegangenem Auftritt  wohl bis in die frühen Morgenstunden angedauert haben soll und daher nicht mit dem baldigen Erscheinen der großartig angepriesenen Jungmusiker zu rechnen sei.

Was aber auch völlig unerheblich ist, da gerade zehn weitere, ebenfalls zu früh angereiste Darsteller, mit dem Regieassistenten die Frage diskutieren, ob der Vorschlag, nun noch einmal zurück nach Hause zu fahren oder sich schlappe vier Stunden in der Kölner City herumzudrücken, die praktikablere Alternative sei.

Es soll heiß werden an diesem letzten Augusttag, daher entscheide ich mich, vor Ort zu bleiben und den Aufenthaltsraum, der für alle Mitwirkenden zur Entspannung und als Kantine vorgesehen ist, etwas genauer zu inspizieren. Im zweiten Stockwerk hat die Geschäftsführung der Boutique Platz für das Filmteam geschafft. Ein heller Raum mit vielen Fenstern, die einen gigantischen Ausblick über die Dächer der Stadt gewähren.

Einziger Wermutstropfen: Der Kühlschrank. Auch dieser war der Crew überlassen worden, jedoch derartig verranzt und schmutzig, dass der Setrunner, also der Praktikant, der als Mädchen für alles fungiert, kurzerhand dazu verdonnert wird, sich mit  Putzzeug zu bewaffnen und mit dem Schrubben zu beginnen.

Die junge „Frau vom Catering“, die zweifelsfrei selbst mit Modelqualitäten aufwarten kann, schleppt pausenlos riesige Tabletts mit Leckereien und große Kisten  voller Teller, Gläser und Besteck mit ihrer Assistentin in den Raum. In Handumdrehen zaubert sie auf einer wundervoll dekorierten Tafel eine kulinarische Augenweide, an der sich wenig später die Filmschaffenden laben können.

Und diese lassen, gelockt vom verführerischen Duft heißen Kaffees und ofenfrischer Brötchen, auch nicht lange auf sich warten. Ein schlanker mit Headset und Walkietalkie bewaffneter Aufnahmeleiter stellt sich als Markus vor und präsentiert seine blonde Kollegin als Katja. Die beiden zeichnen heute für den reibungslosen Ablauf des Drehs mit verantwortlich. Schon am nächsten Tag nämlich, soll das Video fertig geschnitten und ab nächster Woche bei  Musiksendern wie VIVA zu sehen sein.

Beeindruckt von der Reichhaltigkeit des Caterings, welches ich von meinen Fernsehproduktionen wesentlich spärlicher kenne, genehmige ich mir etwas Lachs und Meerrettich und schnappe mir einen der Ikea-Klappstühle als das angehendende Werbe-Model Daniela Kastl den Raum betritt. Auch sie soll heute beim Video für The Baseballs mitwirken und war ebenfalls zu früh bestellt worden.

Nachdem die schöne 24-Jährige ihre mitgebrachte Wechselgarderobe unter einem Stuhl verstaut hat, berichtet sie, sich bereits ausführlich über The Baseballs informiert und über das Internetportal My Space mit der Band in Verbindung gesetzt zu haben.

„Die Jungs verwandeln moderne Hits wie Rihanna`s Umbrella oder „Don`t cha“ von den Pussycat Dolls so umwerfend brillant in Fifties Klassiker, dass man das Gefühl hat, der Song stamme jeweils tatsächlich aus dem Petticoatzeitalter.“ Und die hübsche Kölnerin sollte Recht behalten – aber dazu später mehr.

Als Daniela und ich uns dazu entschließen, nach unten zu gehen, entdecken wir, dass das Filmteam bereits ein komplettes riesiges Schaufenster im Ladenlokal leergeräumt, mit silbernem Stoff als Hintergrund abgeklebt und drei Mikrofone im Retrostil auf der Werbefläche aufgestellt hat. Ein Fahrzeug fährt bis zum Schaufenster vor und drei schwarzgekleidete Musiker mit frisch geföhnter Haar-Tolle steigen aus.

Altersmäßig scheinen die Männer, von denen einer Götz Alsmann wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, die Mitte Zwanzig bereits deutlich überschritten zu haben. Einer der sympathischen Unbekannten erklärt dann, dass sie als professionelle Musiker die drei Sänger von The Baseballs mit Klavier, Kontrabass und Drums begleiten würden.

Wir sind schon gespannt, aber vor uns liegen um zwölf Uhr mittags noch weitere drei Stunden Wartezeit. So ist das halt schon mal beim Film. Mein heutiger Part besteht darin, eine Geschäftsfrau zu mimen, die sich eigentlich eiligen Schrittes auf dem Weg durch die Stadt zu einer Geschäftsbesorgung befindet als sie völlig unerwartet am Ladenschaufenster vorbeikommt, in welchem die smarten Baseballs gerade ihren neusten Hit „HOT N COLD“ (im Original von Katy Perry) performen und geradezu stehen bleiben, verweilen und mitswingen muß.

Und eigentlich, ergeht es allen beteiligten Darstellern, welche Menschen aus allen Bevölkerungsschichten geben müssen, beim Anblick der fröhlichen Band ähnlich. So das Konzept. Regisseur Dieter Claus erteilt klare Anweisungen und kalauert mit Daniela kontinuierlich mit Sprüchen wie: „Du weißt, dass Du in der Szene an Haken, welche direkt an Deiner Haut befestigt werden müssen, von einem Heli aus der Fußgängerzone gezogen wirst?“

Völlig gelassen und seelenruhig agiert der erfahrene Spielleiter, der sich bewusst darüber ist, dass noch eine Nachtschicht Schnittarbeit vor ihm liegt, wenn das Videomaterial am Abend im Kasten sein wird. Gegen 13.00 Uhr trudeln nach und nach die übrigen Darsteller wieder ein. Gebucht waren unter anderem auch ein paar Cheerleader der Langenfelder Longhorns, die vor dem Schaufenster atemberaubende Akrobatik zum besten geben sollten.

Dann ist es endlich soweit: Basti, Sam und Digger, die Stars des heutigen Nachmittags, treffen ein. Im originalgetreuen Fifties-Look mit karierten Hemden über Feinripp-Muscleshirts und allwettertauglichen Markenzeichen-Tollen lächeln die sympathischen Newcomer ihre kleine Verspätung so charmant hinweg, dass niemand den Zeitverzug verübelt.

Die erste Probe beginnt. Zunächst wird nur die Band im schmuck hergerichteten Schaufenster und ein Lautsprecher , der den vollen Sound auch nach draußen tragen soll, vor  der Tür platziert. Als Regisseur Claus das „Und bitte“ gibt, hat sich bereits eine riesige Menschenmasse vor dem Fenster auf der Schildergasse angesammelt.

Unvermittelt gerät  diese schon beim Erklingen der ersten Akkorde in frenetische Begeisterungsstürme, bewegt sich  rhythmisch im Takt und schnippt mit den Fingern, während die Baseballs in ihrem Schaufenster die perfekt einstudierte Choreographie zum schönen Gesang präsentieren. The Baseballs erweisen sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als echter Publikumsmagnet.

Dies dürfte wohl nicht zuletzt daran liegen, dass die Newcomer, die sich in den musikalischen Sphären von Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly & Co bewegen, wirklich gut singen. Beinahe möchte man dem Gefühl erliegen, dass die Jungs den Originaltitel Hot N Cold geprägt hätten und Katy Perry es später kopiert habe, so authentisch bringen die Basebälle das Stück herüber.

Wäre man nicht  zu jung, um tatsächlich selbst mit Milchshakes im Autokino der 50er Jahre gesessen zu haben, könnte man schwören, die Melodien von früher zu kennen. Die ersten Durchläufe mit der Band sind zu Ende. Jetzt schlägt die Stunde der Darsteller. Aber schnell stellt sich heraus, dass dies beinahe kaum erforderlich gewesen wäre, denn die immer größer werdende Ansammlung von Passanten übernimmt die Rolle der Darsteller ganz automatisch.

Hunderte staunende Menschen haben sich versammelt und alle machen mit, tanzen, lachen, klatschen und schnippen im Takt, begeistert von den Sympathieträgern hinter der Scheibe. Kreischende Teenies und rüstige Greise werden plötzlich eins. Sie ist also gefunden: eine spektakuläre Alternative zu Tokio Hotel und US 5, noch dazu eine, die Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern scheint.

Den Clip gibt es übrigens ab nächster Woche bei Viva zu sehen. Und von The Baseballs werden wir künftig gewiss noch eine ganze Menge hören. Bleibt nur zu sagen: Let`s  Voc `n Roll.  

THE BASEBALLS: Infos unter: www.thebaseballs.com 

MICHAELA BOLAND ist Journalistin und TV-Moderatorin. Für den Westdeutschen Rundfunk stand sie nach dem Jura-Studium seit 1996 als jüngste deutsche Fernsehmoderatorin eines Unterhaltungsformates für die sonntagnachmittägliche Sommer-Familien-Talk-Show „Hollymünd“ vor der Kamera.

In der ARD präsentierte sie neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin der creatv-Fernsehproduktions GmbH für die Daily-Talk-Formate „Hans Meiser“ und „Oliver Geissen“, die Vorabend Live-Show „Studio Eins“. Als Guten-Abend-RTL-Reporterin berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Außerdem war sie Gastgeberin der Freitag-Abend-Gala-TV-Show „Casino Life“auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats