21.09.2013 Stelldichein der DDR-Unterhaltungskunst

Der Unterschied liegt in guter oder schlechter Musik

von: GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Horst Fliegel, Jahrgang 1938, lebt in Berlin. Er ist ein musikalisches Urgestein der Unterhaltungskunst in der DDR und kennt die Granden der DDR-Schlagerszene von A bis Z, denn er hat großen Anteil an deren Erfolgen. Bekannt ist der Komponist, Arrangeur, Produzent und Autor aber unter dem Pseudonym Ralf Petersen.

Michael H. Max Ragwitz hat mit ihm am Rande der Aufzeichnung der 400. Kofferradio-Sendung von Siegfried "Siggi" Trzoß, das ist sozusagen ein wöchentlicher musikalischer Rückblick auf 40 Jahre DDR-Schlager im Alex Radio Berlin, ein Gespräch geführt und bemerkenswerte Antworten erhalten.

MHR: Wie verlief Ihr beruflicher Weg zur Musik?

Horst Fliegel: Ein wenig war mir die Musik schon in die Wiege gelegt. Meine Mutter hatte in ihrer Jugend Klavier- und Gesangsunterricht, mein Vater spielte Geige. 1949 erhielt ich bei Werner Wolf (Konzertpianist und Klassik-Tonmeister bei der Deutschen Grammophon) meinen ersten Klavierunterricht. 1951 wechselte ich zu Gerda von Reibnitz, die mich bis zur Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik Berlin begleitete. Von ihr erfuhr ich, dass ich eigentlich Schüler von Joseph Haydn war, denn sie übergab mir halb im Ernst und halb im Spaß eine Liste von prominenten Lehrern und Schülern, in der neben Liszt und Beethoven auch Haydn stand.

Von 1954 bis 1960 hatte ich im damaligen Westberlin Unterricht in Komposition bei dem Komponisten und Musikwissenschaftler Wolfgang Munser, der im Phonogrammarchiv des Völkerkundemuseums in Dahlem arbeitete. Von 1956-61 studierte ich Dirigieren und Komposition an der Hochschule für Musik Berlin. Mein wichtigster Hauptfachlehrer war Prof. Horst Stein, seinerzeit Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden. Er bot seinen Schülern die Möglichkeit, alle Inszenierungen seines Hauses kennen zu lernen und vermittelte uns die Technik des Dirigierens.

MHR: Ernste- und Unterhaltungsmusik-Musik - was lag Ihnen zu Beginn Ihrer Laufbahn näher?

Horst Fliegel: Von Anfang an, also schon während des Klavierunterrichts, interessierten mich die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten von Kompositionen. Deshalb belegte ich das Fach Komposition an der Hochschule und nahm zusätzlich Unterricht bei Munser. Ich war also erst einmal auf die sogenannte E-Musik fixiert. Sehr bald bemerkte ich aber, dass die Trennung in E und U ein typisch deutsches Phänomen ist. Die übrige Welt unterscheidet nur nach guter und schlechter Musik. So sehe ich es auch.

MHR:Trotzdem sind Sie schon bald ins sogenannte U-Fach gewechselt, so suspekt Ihnen die Einteilung auch sein mag.


Horst Fliegel: Das kann ich erklären: In meiner musikalischen Prägung auf die Klassik gab es während der Oberschulzeit einen Bruch. Man bat mich, bei einem Jugendabend zum Tanz zu spielen. Da ich in diesem Genre über keinerlei Repertoirekenntnisse verfügte, habe ich mich gründlich blamiert. Ich war ehrgeizig und wollte die Scharte auswetzen. Innerhalb weniger Monate besorgte ich mir einschlägige Noten und schrieb die aktuellen Hits aus dem Radio mit. Ich gründete mit drei weiteren Schülern die „Blue Band“ und spielte kurze Zeit nach der Blamage in der Aula unserer Oberschule zum Tanz. Es war ein Erfolg.

MHR: Das war also Ihr Ausstieg aus der E- in die U-Musik?

Horst Fliegel: Nur indirekt.  Während des Studiums absolvierte ich eine Reihe von Praktika an Theatern. Mein Berufsziel war ja, Kapellmeister zu werden. So war ich unter anderem in Stralsund, Potsdam und Dessau tätig. Ich lernte nicht nur prominente Dirigenten kennen, sondern machte auch Bekanntschaft mit der Atmosphäre und dem Leben hinter den Kulissen. Und da bemerkte ich, dass das nicht meine Welt sein würde.

MHR: Was war dann der Ansporn für den Wechsel?

Horst Fliegel: Ich setzte mich mit der Spezifik von Schlagerkompositionen auseinander und fand sehr bald Gefallen daran, selbst Schlager zu schreiben. Noch während der Hochschulzeit erschienen meine ersten Titel in den Sendungen des Rundfunks. Ab dem dritten Studienjahr verdiente ich mir als Korrepetitor im Nachwuchsstudio des Rundfunks ein paar Mark dazu und begann, für die Schüler des Studios zu komponieren und zu produzieren. Darunter auch einen Lied für Wolfgang Lucas  mit dem schönen Titel "Liebes kleines Mädel aus Berlin". Ob der später auch produziert wurde, ist mir nicht bekannt.

MHR: Ja, dieser Hinweis hat mich sehr bewegt, denn Wolfgang Lucas war der Bruder meiner Mutter. Dass Sie in kannten, haben wir ja eher zufällig im Gespräch herausgefunden. Der Titel ist meines Wissens übrigens produziert worden, denn er erklang des Öfteren im Berliner Rundfunk, wie mir meine Mutter stolz erzählte. Nannten Sie sich damals eigentlich schon Ralf Petersen?

Horst Fliegel: An der Hochschule galt Tanzmusik in den 50er Jahren als minderwertig. Und so empfahl mir mein Theorielehrer Prof. Wolfram Heicking, mir als Komponist einen Künstlernamen zuzulegen. Und so kam es zu dem Namen Ralf Petersen, der mich bis heute begleitet.

MHR: Sie sind ja dann auch recht schnell als Leitender Angestellter zum Rundfunk gegangen. Wie kam es dazu?

Horst Fliegel: Nach dem Staatsexamen 1961 bot mir Klaus Hugo, Leiter der Redaktion Tanzmusik des Berliner Rundfunks, eine feste Stelle als Programmredakteur an. Ich nahm sein Angebot an, zumal ich so in Berlin bleiben, am Nachwuchsstudio weiter arbeiten und meine kompositorischen Ambitionen realisieren konnte. Außerdem war ich 1961 bereits fest liiert. Diese Liaison ist noch heute meine Frau. Somit führte mein Weg eindeutig in Richtung der Tanz- und Unterhaltungsmusik. Das Komponieren fiel mir leicht, machte Spaß und war schließlich von der finanziellen Seite her ganz lukrativ. Allmählich etablierte ich mich im Musikleben der DDR.

MHR: Wie vereinbarte sich aber die feste Anstellung mit kompositorischen Ambitionen?

Horst Fliegel: Ich habe immer genau darauf geachtet, dienstliche und freischaffende Tätigkeit nicht zu vermischen. Meine Arbeit als Autor fand grundsätzlich nach Feierabend, an Wochenenden oder im Urlaub statt. Dieses Prinzip hat sich bewährt. Ich begann als Redakteur, wurde 1966 Redaktionsleiter, 1971 Chefredakteur Musik des Berliner Rundfunks und 1973 bis 1991 Leiter der Hauptabteilung Musik und Mitglied des Staatlichen Komitees für Rundfunk.

In diesen verschiedenen Funktionen hatte ich es quasi täglich mit musikfachlichen Problemen, Entscheidungen über Produktions- und Konzertpläne sowie den 12 fest angestellten Klangkörpern und deren oft sehr prominenten Dirigenten zu tun.

MHR: Diesbezüglich machte sich doch Ihr fachliches Wissen quasi bezahlt?

Horst Fliegel: Ich will nicht übertreiben, aber ohne profunde Kenntnisse in allen musikalischen Bereichen hätte ich nicht bestehen können. Meine Gesprächspartner, also Musiker, Choristen, Dirigenten, Komponisten, Textautoren, Redakteure und Produzenten, aber auch Vertreter von Ministerien, der AWA (Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte), des Komponistenverbandes, der Künstleragentur, des Komitees für Unterhaltungskunst etc. wussten, dass sie es mit jemandem zu tun hatten, der gute Berater hatte und überall sachkundig war.

MHR: Gibt es da Unterschiede zu heute?

Horst Fliegel: Allgemein muss ich feststellen, dass das fachliche Niveau heutzutage oft zu wünschen übrig lässt, da es an solider Ausbildung mangelt. Wenn ein Kompositionsstudent heute nicht mehr weiß, in welcher Tonlage eine Trompete am typischsten klingt oder welchen Tonumfang eine Oboe hat, fehlen ihm grundlegende Kenntnisse, die auch nicht durch die Beherrschung von Musikcomputern zu kompensieren sind. Es geht, das ist meine feste Überzeugung und Erfahrung aus jahrzehntelanger beruflicher Tätigkeit in dem Bereich, nichts über eine umfassende Ausbildung. Allerdings gibt es immer Ausnahmen, und es liegt mir fern, zu verallgemeinern.


MHR: Gab es so etwas wie Vorbilder für Ihre Arbeit als Komponist und Arrangeur?

Horst Fliegel: Während der 60er und 70er Jahre gefielen mir besonders musikalisch und technisch gut gemachte Schlager, wie sie Christian Bruhn lieferte. Titel von Manuela, Roy Black, Katja Ebstein, Wencke Myhre, Drafi Deutscher oder Mireille Matthieu sind nur einige Beispiele.

MHR: Haben Sie davon in irgendeiner Weise profitiert?

Horst Fliegel: Ich analysierte deren Struktur, die Instrumentation und die produktionstechnischen Eigenheiten. Es ist ja kein Geheimnis, dass die musikproduzierenden Einrichtungen der DDR sich bemühten, etwas dagegen zu setzen, das in etwa dem Publikumsgeschmack entsprach. Und so waren in der Schlagerrevue von Radio DDR oder im Schlagermagazin des Berliner Rundfunks jene Titel besonders erfolgreich, die den „Westschlagern“ ähnelten. Hier liegt auch eine der Erklärungen für den Erfolg von Ralf-Petersen-Titeln.

MHR: Wie machte sich das musikalisch bemerkbar?

Horst Fliegel: Zu Beginn der 70er Jahre erkannte man, dass man auch der immer populärer werdenden internationalen Rockmusik etwas entgegen setzen muss. Es wurde ein Kampagne ins Leben gerufen, die sich „Rhythmus 71“, „Rhythmus 72“ usw. nannte. Ich wurde mit der Leitung einer Arbeitsgruppe beauftragt, in der Rundfunk, Fernsehen, AMIGA, Komitee für Unterhaltungskunst, Kulturministerium, ZK-Abteilungen, FDJ-Zentralrat und Presse vertreten waren.

Diese Arbeitsgruppe hatte nur eine Aufgabe: neue Rocktitel zu entwickeln und zu popularisieren. Das gelang eigentlich recht gut. Gruppen wie Karat, Stern-Combo Meißen, Elektra, Puhdys, Klaus Renft, City oder Silly waren wichtige Träger der Initiative. Es wurde deutsch gesungen, und so waren die Texte oft ein Problem.

MHR: Worin bestanden solche Probleme?

Horst Fliegel: Ich erinnere mich an einen stundenlangen Disput zwischen mir und der Renft-Combo um das Lied „Ketten werden knapper“. Der schmale Grat bestand darin, den feinen Unterschied zwischen „progressiv“ und „zu progressiv“ zu beschreiten, ohne abzustürzen. Ein positives Ergebnis der Rhythmus-Aktionen war eine deutliche Vertiefung des Vertrauensverhältnisses zwischen Musikern und Produzenten.

Lektorate alten Stils wurden weitgehend durch ein gut entwickeltes Auftragswesen ersetzt. Im Gegensatz zur heutigen Praxis wurde gründlich diskutiert und am Ende gemeinsam entschieden. Heute bestimmt häufig ein Produzent ohne nennenswerte Kompetenz, beispielsweise über den Einsatz im Rundfunk- oder TV-Programm.

MHR: Welchen "Zwängen" waren Sie in Ihrer Tätigkeit beim Rundfunk unterlegen?

Horst Fliegel: Zwänge waren häufig ökonomischer Natur. Es mangelte permanent an der technischen Ausrüstung. Es bedurfte erheblichen Drucks der Hauptabteilung Musik und dort vor allem der Produzenten und Tonregisseure, Valutamittel, und um die handelte es sich dabei ausschließlich, zu beantragen. Während AMIGA seine technische Ausrüstung aus dem Verkauf von CDs und Lizenzen finanzierte, mussten wir direkt um Subventionen aus dem Finanzministerium kämpfen.

MHR: Und wie sind Sie diesen Zwängen begegnet? Man sagt ja immer, in der DDR musste man organisieren können und Beziehungen haben?

Horst Fliegel: Wir holten den Deutschen Fernsehfunk mit ins Boot. Schließlich gelang es uns, ein so genanntes Popstudio auf dem Gelände des Rundfunks zu errichten und auszustatten, in dem wir hervorragende Aufnahmen herstellten und in dem nach der Wende das Filmorchester Babelsberg einzog. Ich werde nicht vergessen, wie heiß es herging, als wir in der Leitung des Rundfunks gemeinsam mit Heinz Adameck und seinen Fernsehexperten über das Popstudio verhandelten. Wir versuchten, den Leitungen zu suggerieren, dass es bei neuer Technik um eine zutiefst ideologische Frage ging. Dieses Argument hat schließlich überzeugt. Gekauft wurde dann japanische Digitaltechnik in bester Qualität.

MHR: Wer nutzt diese Technik nach der Abwicklung des DDR-Rundfunks?

Horst Fliegel: Unmittelbar nach der Wende wurde diese kostbare Ausrüstung im Zuge der „Abwicklung der Einrichtung“ aus den Fenstern des Blocks B geworfen. Nur das Popstudio blieb erst einmal verschont.

MHR: Gelegentlich wird kolportiert, der DDR-U-Musik hat es an technischer Raffinesse gemangelt. Wie ist dazu Ihre Meinung?

Horst Fliegel: Die Substanz der DDR-Schlager und die Qualität der Interpretationen waren den Produkten aus der damaligen Bundesrepublik ebenbürtig. Wir verfügten über perfekt ausgebildete Musiker. Tonregisseure mit Hochschulabschluss betreuten die Aufnahmen kompetent und professionell. Die technischen Defizite versuchten wir wie beschrieben mit viel Argumentationskraft zu überwinden.

MHR: Woraus haben Sie ihre Virtuosität geschöpft? Aus den Texten, dem Bezug zu den Interpreten, aus Eingebung und Fachwissen/fachlichem Können? Einem Mix daraus...?

Horst Fliegel: Von Virtuosität würde ich hier nicht sprechen. Eher von Erfahrung, Fachwissen und Routine im besten Sinne. In 90 Prozent der Fälle schrieb ich zuerst die Musik. Die Vorstellung, eine neue Komposition entstünde am Klavier oder am Schreibtisch, trifft nur in wenigen Fällen zu. Meist fällt einem eine neue Melodie beim Autofahren, Spazierengehen oder in einer Sitzungspause ein. Und wenn ich eine neue Musik erfand, hatte ich auch fast immer einen Interpreten bzw. eine Interpretin sowie eine Titelzeile im Kopf.

MHR: Ich würde den Begriff Virtuosität schon beibehalten wollen, wenn man ihn als perfekte künstlerische Leistung definiert. Und Sie waren ja offensichtlich mehr als "nur" Komponist.

Horst Fliegel: Letzteres stimmt schon genau genommen: Die Refrainzeilen vieler meiner Titel habe ich selbst erfunden, so „Blau ist die Nacht“, „Eine kleine Burg im weißen Sand“, „Dankeschön für die Stunden mit dir“, „Fahr mit mir in das Glück hinein“, „Das ist der Bikini-Shake“, „Erst kam ein verliebter Blick“ oder „Blumen aus Eis“. Die Arrangements habe ich von Anfang bis Ende des Titels genau konzipiert und dann mit dem Arrangeur besprochen.

Er war in jedem Falle routinierter als ich. Er brauchte fünf Stunden für das Schreiben der Partitur, ich hätte die doppelte Zeit einplanen müssen. Und die hatte ich nicht. Meine Titel habe ich in den meisten Fällen mit den Interpreten am Klavier einstudiert, so dass sie dann im Studio meine stilistischen Vorstellungen realisieren konnten.

MHR: Welchen Stellenwert ordnen Sie der DDR Schlagerszene heute ein?

Horst Fliegel: Die DDR-Schlagerszene ist heutzutage bewusst unterdrückt. Die Gründe sind sicher sehr vielfältig. Das geht von simpler Ignoranz, Unkenntnis, Überheblichkeit und Konkurrenzdenken bis hin zu dem Bestreben, bestimmte Zielgruppen wie ältere DDR-Hörer auszuklammern. Wenn man heute öffentlich-rechtliche Radiosender hört, ist ein DDR-Schlager etwas Exotisches. Der Komponist Arndt Bause erzählte mir einmal, wie ihn ein Münchener Tonstudio in seiner Arbeit beengte, indem extrem hohe Kosten und knapp gehaltene Termine ein gutes Ergebnis unmöglich machten. Ich will nichts verallgemeinern, aber gewisse Tendenzen stehen in krassem Gegensatz zur deutschen Einheit.

MHR: Was sind für Sie die Granden in Komposition, Texter, Band-Leader, Sänger in Ost und West?

Horst Fliegel: Die Frage nach den „Granden“ zu beantworten fällt mir schwer. Es gibt so viele großartige Titel und Interpreten, dass man bei der Nennung von Namen unwillkürlich viele vergisst. Das wird dann sofort als Wertung verstanden. Im übrigen beurteile ich Musik nach klaren Kriterien wie Qualität des kompositorischen Einfalls, Originalität der Interpretation und aufnahmetechnischer Realisierung. Und da sind wir wieder bei der Unterscheidung zwischen guter und schlechter Musik.

MHR: Apropos Granden: Mit welchen Interpreten haben Sie besonders gern gearbeitet? Soll auch heißen: Mögen Sie "Typen" auf der Bühne oder solche, die nur ihren Titel abspulen?

Horst Fliegel: Ich mag Typen, die Charakter haben und ihn auch zeigen. Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass nicht jeder Interpret jedes Lied erfolgreich singen kann. Wichtig ist immer, dass eine Sängerin oder ein Sänger Eigenes in eine Aufnahme einbringt. Wenn es nicht passt, kann man es jederzeit wieder weglassen oder verändern. Eine stattliche Zahl meiner Titel wurde auch von Westinterpreten gesungen, so „Regen in der Nacht“ von Udo Jürgens oder „Blau ist die Nacht“ von Bob Benny. Ich habe über 100 Instrumentaltitel geschrieben, von denen viele ins Ausland gingen, unter anderem auch in die USA.

MHR: Was ist für Sie noch heute Ihr größter musikalischer Erfolg ?

Horst Fliegel: Mein größter Erfolg ist die Bostella „Blau ist die Nacht“, im Original gesungen vom Gerd-Michaelis-Chor im Jahre 1968. Es gibt davon über 20 Versionen. Aus musikalischer Sicht mag ich besonders meine Titel „Regen in der Nacht“ (Michael Hansen), „Sag ja“ (Rec Demont), „Mädchen, du mein Traum“ (Andreas Holm), „Zwei Küsse beim Nachhausegehn“ (Ina Martell) und „Red nicht über die Liebe“ (Ruth Brandin).

MHR: Zu guter Letzt: Würden Sie gern noch einmal etwas komponieren? Wie müsste sich das anhören? Melodiös mit großem Orchester, mehr Ballade und auf den Interpreten fixiert oder was ganz "Neumodisches"? Soll auch heißen: Was ist ein unerfüllter musikalischer Traum von Ihnen?

Horst Fliegel: Ich würde nur etwas Neues komponieren, wenn ich einen seriösen Auftraggeber hätte. Was mir besonders liegt, sind große Melodien. Natürlich müsste man genau wissen, welcher Interpret bzw. welche Interpretin das Lied singen soll. Vielleicht schreibe ich auch ganz was Anderes: Einen Chorzyklus nach Texten von Wilhelm Busch.

MHR: Lieber Horst Fliegel, lieber Ralf Petersen, ich wünsche Ihnen von Herzen, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen und sich jemand bei Ihnen meldet, der vielleicht auch durch dieses Interview angeregt wird und erkennt, wie viel Potenzial noch in Ihnen steckt.


Fotos: Michael H. Max Ragwitz - Redaktionsbüro MHR

Kunst, Kulur und Kulinarik

Michael H. Max Ragwitz
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