Exklusive Interviews mit interessanten Menschen

26.03.2019 Kalligraphie-Performance

GFDK - Interview und Portraits

Die Opernsängerin Junko Baba bekam neben Klavier- von klein auf Kalligraphie-Unterricht und folgte damit einer Familientradition: Ihr Urgroßvater gründete eine der ersten Kalligraphie-Schulen in Kyushu/Japan. Ihr Großvater war ebenso ein Meister seines Fachs, ihre Mutter ist es noch heute.

Unter Kalligraphie, auch „Shodo“ genannt, versteht man nicht nur die Kunst des Schönschreibens, sondern sie gilt auch als Philosophie für Geist und Seele.

Junko Baba leitet die Europäische Zweigstelle der Nihon Shuji Kalligraphie Gesellschaft, ist Lehrbeauftragte an der Universität Wien und eine der aktivsten Performance-Künstlerinnen der japanischen Kalligraphie in Europa.

Sie unterrichtet das Programm „Shodo – Die Kunst der Kalligraphie“ des österreichischen Reiseanbieters Indigourlaub. Im veranstaltereigenen Mountain Retreat Center bei Sachrang im Chiemgau/Oberbayern sind 3 Ü im DZ inkl. Workshop mit Junko Baba und vegetarischer Vollverpflegung ab 475 €/Pers. zu haben (18. bis 21. Mai und 7. bis 10. Dezember 2019). Im Folgenden verrät sie, was die Faszination der Kalligraphie ausmacht.

Welche Werkzeuge benutzt man im „Shodo“? 

Junko Baba: Die sogenannten „Vier Schätze“ – Pinsel, Tusche, Reibstein sowie Papier – werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Pinsel können aus Schaf-, Pferde-, Wiesel- oder Dachshaar sein oder eine Mischung daraus.

Auch das Papier besteht aus verschiedenen Materialien und Stärken. Die Tusche aus Ruß und Leim riecht ein bisschen nach Weihrauch. Das meditative Anrühren mit Wasser auf dem Reibstein ist die ideale Einstimmung auf das Schreiben.

Muss man für „Shodo“ still sitzen können?

In Japan bekommen schon Drittklässler Unterricht in Kalligraphie. Dadurch lernen sie, ruhig zu sitzen und konzentriert zu arbeiten. „Shodo“ ist eine gute Hilfe, um zur Ruhe zu kommen. Übung macht natürlich auch dort den Meister.

Wie läuft eine Unterrichtsstunde ab?

Das Anrühren der Tusche dient zur Vorbereitung auf das Schreiben. Grundregeln hinsichtlich korrekter Körper- und Pinselhaltung sowie Strichrichtung werden erklärt, dann beginnt der Schüler. Schon nach einiger Zeit kann man ein vollständiges Schriftzeichen schreiben. Wichtig dabei ist, keine Linie ein zweites Mal nachzuziehen.

Sie gelten als eine der aktivsten Performance-Künstlerinnen japanischer Kalligraphie in Europa.

Stimmt. Ich schreibe japanische Schriftzeichen mit sehr großen Pinseln und Papieren vor Publikum. Je nach Thema der Veranstaltung bereite ich mich einige Wochen darauf vor. Dabei arbeite ich meist mit einem Trommelspieler zusammen, der mich während meines Schreibens – von ein paar Sekunden bis zu ein paar Minuten – begleitet.

Zudem sind Sie auch ausgebildete Opernsängerin. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Berührungspunkte zwischen beiden Kunstformen.

Musik und Kalligraphie haben viel gemeinsam. Bei beidem bereitet man sich gut vor, muss ständig üben. Grundregeln gelten für alle, die Interpretation jedoch gewährt Raum für Persönliches.

Und wer auf der Bühne arbeitet – sowohl in der Musik als auch in der Performance-Kalligraphie – weiß, dass es nur eine Chance gibt: perfekt performen. Vor Publikum einfach nochmal von vorne anzufangen, geht nicht. 

Musik haben Sie in Tokio und in Salzburg studiert. Worin sehen Sie Unterschiede?

Ich musste schon von klein auf sehr viel Disziplin in meinem Alltag aufbringen, um das tägliche Unterrichts- und Übungspensum für Schule und Kunst zu bewältigen. Mein Tagesablauf war sehr straff gestaltet.

Außerdem gilt Pünktlichkeit in Japan als eines der ganz großen „Gesetze“, man sieht es auch gut am Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der stets sekundengenau nach Fahrplan fährt.

In Österreich hingegen nehmen viele es mit Pünktlichkeit und Disziplin nicht ganz so genau. „Mach‘ ma scho“, „passt schon“, „schau‘ ma mal“ sind bis zum heutigen Tag oft eine große Herausforderung für mich, ermahnen mich andererseits aber, es selbst mal ein bisschen lockerer zu nehmen.

Interview: Vera von Wolffersdorff/AHM PR

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23.03.2019 Kurztrips sind sehr angesagt

GFDK - Interview und Portraits

Mit Abenteuern und Urlaub kennt er sich aus: Gemeinsam mit Jochen Schweizer baute Dirk Handel die gleichnamige GmbH für Erlebnisgeschenke auf. Nun veranstaltet er als Geschäftsführer von INVENT und urlaubsbox Kurztrips und ist überzeugt:

Diese sind über das Jahr gesehen entspannender als eine lange Auszeit. Im Interview spricht er darüber, wie wir bei der Wahl des Reiseziels beeinflusst werden, warum unsere Ansprüche steigen und wie Chefs von dem Wunsch ihrer Mitarbeiter nach einer Work-Life-Balance profitieren.

Herr Handel, wie haben die Menschen vor 25 Jahren Urlaub gemacht?

Dirk Handel: Damals hatte fast niemand Internet. Die Informationsbreite und -tiefe über Reiseziele war also deutlich kleiner. Die Menschen gingen in Reisebüros, blätterten dicke Kataloge durch oder folgten Empfehlungen.

Den größten Teil machten Fernreisen aus, vor allem an die Mittelmeerküsten von Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei. Die Urlaube waren lange im Voraus geplant und dauerten normalerweise rund zwei Wochen.

Welche Trends zeichnen sich für die nahe Zukunft ab?

Reisen werden immer individueller. Hip sind Secret Spots, exotische Ziele, unverbrauchte Paradise – stark geprägt durch das Fernsehen, Reiseblogger sowie fantastische Fotos auf Instagram & Co. Vor allem aber ist der Trend weg von langen Urlauben hin zu mehreren Kurzreisen nach wie vor steigend.

Städtetrips, romantische Kuscheltage, Wellness-Wochenenden, aber auch zum Beispiel Wandern oder Biken in der Natur sind verstärkt die schnellen Kraftspender und Erholungsoasen der Gegenwart.

Haben sich auch die Ansprüche der Urlauber verändert?

Ja sehr, vor allem durch das Internet. Reisende nutzen es für Planung, Preisvergleich, Qualitätscheck und Bewertung. Unendlich viele Informationsquellen und Buchungsplattformen sprechen jede Zielgruppe an. Damit herrscht absolute Transparenz.

Es macht die Reisenden aber auch anspruchsvoller, weil sie auf Knopfdruck wissen, wo welche Leistung zu welchem Preis möglich ist. Das bevorzugte Hotelniveau beginnt bei Drei-Sterne-Superior und geht einher mit dem Wunsch nach vielfältiger Freizeitgestaltung.

Wie können Arbeitgeber von diesen Entwicklungen profitieren?

Erholte Mitarbeiter sind leistungsfähiger und seltener krank. Die logische Folge sind Kurzurlaube als Mitarbeitergeschenk, etwa zu Weihnachten oder zum Firmenjubiläum. Im Vergleich zu Geld oder einem Sachgeschenk löst der Wochenendtrip Emotionen aus, man erinnert sich positiv an das Erlebte und somit an den Schenker. Das erzeugt eine nachhaltige Verbindung und verstärkt die Identifikation mit dem Unternehmen.

Welche Ziele sind im Sommer 2019 besonders beliebt? Warum?

Zwei Drittel der Deutschen planen dieses Jahr einen Urlaub in der Heimat. Bei den Städten sind Berlin, Hamburg, Dresden und Köln besonders beliebt. 2018 reisten viele an die Küsten und Seen Mecklenburg-Vorpommerns.

Das beliebteste Kurzreiseziel der Österreicher ist ebenfalls die Heimat. Danach kommen Kroatien, Italien, Deutschland und Tschechien.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie „urlauben“ wir in zehn Jahren?

Noch individueller, flexibler und spontaner. Die Daten, die wir im Netz hinterlassen, werden unser Online-Profil extrem schärfen und in Zukunft viele Details über uns preisgeben. Über Apps erhalten wir dadurch präzise auf unsere geheimsten Bedürfnisse abgestimmte Angebote, noch während des Urlaubs um lokale Angebote wie Fitness, Kulinarik oder Wellness ergänzt.

Interview: Bettina Beck, AHM PR

Info zu Dirk Handel

Gemeinsam mit Jochen Schweizer baute der gelernte Kommunikationswirt und Werbetexter die gleichnamige GmbH für Erlebnisgeschenke auf. Nach acht Jahren steigt er 2014 als 50-prozentiger Gesellschafter bei dem Unternehmen INVENT ein, das Hotel- und Erlebnisschecks für den B2B-Incentive-Bereich bietet. Dort entwickelte er zusätzlich die Endverbraucher-Marke urlaubsbox und zählt damit zu den ersten Anbietern im deutschsprachigen Reisemarkt.

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21.03.2019 Beauty Fashion Day in Baden Baden

GFDK - Portrait des Monats

Wenn Susann Nicole Rek am Samstag, dem 21. April 2018 ihre Gäste im Roomers Hotel Baden-Baden an der Lange Straße 100 zum „Beauty Fashion Day“ willkommen heißt, denkt sie dabei auch an die vielen Kinder, die keinen guten Start ins Leben hatten.

Denn was Leid und Vernachlässigung bedeuten, hat die 36-jährige schmerzhaft am eigenen Leib erleben müssen: „Ich war die Jüngste von drei Mädchen. Meine Mutter hat uns den ganzen Tag zu Hause an Bett, Tisch und Stuhl festgebunden und ist einfach weggegangen“, erinnert sich Susann.

Wenn ihre älteste Schwester sich befreien konnte, suchte sie nach Essen und versorgte auch die Anderen.

Susann Nicole Rek war fasziniert von der Schönheitsbranche

An viel mehr kann sich Susann Nicole Rek, die heute erfolgreich hochwertige Kosmetik und modernste Verfahren der Schönheitsmedizin mit ihrer eigenen Firma vermarktet, nicht mehr erinnern. Geblieben ist die traurige Erkenntnis: Blut ist nicht immer dicker als Wasser.

Als sie zweieinhalb Jahre alt war, endete dieser Teil ihrer Lebensgeschichte: Ihre Eltern fuhren mit den drei Mädchen nach Schwäbisch Gmünd, stellten ihre Kinder vor das Canisiushaus, eine Einrichtung franziskanischer Nonnen, klingelten und verschwanden.

Susann Nicole Rek hat ihre leiblichen Eltern seit diesem Tag nie wieder gesehen. Bei den Nonnen erlebten die drei Schwestern zum ersten Mal Nähe, Güte und Geborgenheit.

Doch all zu lange konnten sie dort nicht bleiben, weil die Einrichtung eigentlich ein Jungenheim war. Mit der Zeit fand man ein Ehepaar, dass bereit war, alle drei Mädchen bei sich aufzunehmen, obwohl es schon drei leibliche Kinder hatte.

„Wir erfuhren zum ersten Mal tiefe Liebe“, strahlt Susann Nicole Rek. Sie fährt fort: „Meine Pflegemutter hat ein großes Herz und so begann mein schönes Leben.“ Natürlich gab es auch Probleme. Durch die Vernachlässigung litt sie unter einer verzögerten Sprachentwicklung und brauchte Förderunterricht.

Doch sie gab nicht auf, machte die mittlere Reife an einer kaufmännischen Schule und begann eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Zudem war sie als Model tätig und gewann 2005 einen Modelwettbewerb in Schwäbisch Gmünd – ein weiterer Wendepunkt in ihrem Leben.

Fasziniert von der Schönheitsbranche wurde sie Trainerin in einem Center für Zahnbleaching und behandelte Stars und Sternchen in ganz Deutschland. Heute ist sie glücklich verheiratet, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Stuttgart.

Dort gründete sie ihre eigene Firma: „Die Einfach Schön GmbH“ Rek. „Ich mache das, was mir liegt – Die Schönheit im Lande verbreiten.“

Mit der Veranstaltung in Baden-Baden, die von den beiden Stars Jana Ina Zarella und Papis Loveday (Trainer bei Germany´s Next Topmodel) moderiert wird, möchte Susann Rek sich auch bei den Franziskanerinnen bedanken, die ihr ein glückliches Leben erst ermöglicht haben.

Einen Teil des Erlöses spendet sie an die Agnes Philippine Walter Stiftung der „Schwestern der Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen“ in Schwäbisch Gmünd, die unter anderem Brunnen und sanitäre Anlagen für die Ärmsten der Armen in Afrika baut.

Beauty Fashion Day

21. April 2018

Roomers Hotel

Lange Straße 100

76530 Baden-Baden

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20.03.2019 Christina Ager im Interview

GFDK - Exklusiv Interviews - Gregor Staltmaier

Sie selbst bezeichnet sich als „Mädel von der Alm“, die Medien nennen sie respektvoll „Sensation von der Alm“. Auf die Söller Ski-Rennläuferin Christina Ager, 23, trifft beides zu. Aufgewachsen auf der Stöcklalm inmitten der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, startete sie bereits mit 18 Jahren im Ski-Weltcup.

Mittlerweile gehört sie zu den besten Super-G-Läuferinnen weltweit und hat für die folgende Saison große Pläne: „Für mich ist die Vorbereitung ganz hervorragend gelaufen. Jetzt kann der Winter kommen. Ich möchte 2018/19 im Weltcup endgültig Fuß fassen“.

Mehr als 250 Tage ist die Österreicherin pro Jahr in den Bergen unterwegs und kennt die größten und renommiertesten Skigebiete zwischen den Alpen und Aspen/Colorado. Im Folgenden verrät Christina Ager, was ihre Heimat für sie so außergewöhnlich macht und welche Abfahrten sie Anfängern oder Könnern empfiehlt.

Was macht den Wilden Kaiser für Sie so besonders?

Christina Ager: Allein schon der Anblick auf dieses unglaublich markante Bergmassiv. Wenn ich nach einem Weltcuprennen von Kufstein kommend Richtung Söll fahre, steht auf einmal der Wilde Kaiser vor mir. Das ist für mich der Moment, in dem ich merke, dass ich zu Hause bin und nirgendwo anders leben möchte. Dieses Gebirge ist magisch und erscheint jeden Tag in einem anderen Licht.

Wie viele Tage sind Sie pro Jahr am Wilden Kaiser?

Ich bin jedes Jahr etwa 250 Tage unterwegs und demnach nur ganz wenig daheim. Speziell im Winter kann ich nur zwischendurch mal einen Tag freimachen. Dann gehe ich mit Freunden und Familie selbstverständlich zum Skifahren.

Beschreiben Sie Ihren perfekten Skitag am Wilden Kaiser …

Wenn frühmorgens um acht Uhr die Lifte öffnen, ist die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental für mich besonders reizvoll. Dann sind die Pisten frisch gewalzt wie ein Teppich und die Luft ist besonders klar. Von der Söller Mittelstation mit der Stöcklalm, die meine Eltern bewirtschaften, fahre ich mit der Gondel zur Hohen Salve auf 1.800 Meter.

Dort genieße ich zuerst den Blick vom Gipfel auf den gegenüber liegenden Wilden Kaiser und gönne mir dann einige Talabfahrten nach Söll, zwischendurch immer wieder eine Kaffeepause. Die Talabfahrten sind morgens schon sonnig, der Schnee aber noch schön hart und nicht sulzig. Dies gilt auch für die Talabfahrten zu den anderen Skiorten der SkiWelt, speziell für Ellmau und Brixen.

Mittags folgt dann der große Einkehrschwung?

Ganz genau. Meine erste große Verschnaufpause lege ich spätestens gegen 12 Uhr ein und zwar bei Tiroler Hausmannskost. Am liebsten esse ich Ofenkartoffel mit Gemüse und Sauerrahm, danach natürlich Kaiserschmarrn, beides von meiner Mama auf unserer Stöcklalm zubereitet.

Und nachmittags geht‘s frisch gestärkt auf die Nordhänge?

Korrekt, zum Beispiel nach Scheffau. Dort ist der Schnee auch am Nachmittag besonders pulvrig und griffig. Begeistert bin ich von der Moderer-Skiroute, die vom Brandstadl aus in Richtung Talstation Scheffau führt. Sie ist ziemlich steil – und nicht präpariert, also ideal für wirklich erfahrene Wintersportler.

Falls dann noch Zeit bleibt, liftle ich nach Going ganz im Osten der Region. Rund um den Astberg lässt sich wunderbar entschleunigt Skifahren: perfekt für Familien und alle, die sonnige Hänge schätzen. Und obendrein hat man einen super Blick bis zum Kitzbüheler Horn.

Ausruhen ist aber auch mal erlaubt?

Nachmittags bei schönem Wetter schnappe ich mir statt Carving-Ski auch mal einen Liegestuhl und trinke vielleicht einen Spritzer, wie wir in Österreich sagen. Ein freier Skitag soll sich ja auch ein bisschen wie Urlaub anfühlen. 

Wie lange stehen Sie schon auf Skiern?

Seit meinem zweiten Lebensjahr. Das ist aber kein Wunder, wenn man auf einer Alm direkt an der Skipiste aufwächst. Ich musste ja nur vor die Tür gehen und stand schon im tiefsten Schnee. Meine Eltern hatten zwar nie viel Zeit für mich, haben den Skisport aber immer gefördert. Daher war ich schon früh Mitglied im Skiclub Söll. Später bin ich dann sogar auf Ski in die Schule gefahren.

Gibt es einen besonders „kaiserlichen“ Moment, der Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Auf jeden Fall. Im Oktober bin ich frühmorgens auf die Ellmauer Halt am Wilden Kaiser gestiegen und habe den Sonnenaufgang beobachtet. Dieser Augenblick wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Wenn ich daran denke, komme ich innerlich zur Ruhe, selbst wenn ich am Start vor einem Rennen im Stress bin. Dann besinne ich mich darauf zurück, wie schön ich es daheim habe.

Wann ist die beste Zeit für Wintersport am Wilden Kaiser?

Eigentlich ist der Januar ein super Monat zum Skifahren. Der Schnee ist toll, sprich die Verhältnisse bestens, eben richtiger Winter. Nicht umsonst haben wir dann auch die meisten Rennen.

Ihr Plädoyer: Warum sollen Kinder Skifahren lernen?

Schon allein deshalb, weil es auf jedem Niveau Spaß macht, selbst wenn man gerade angefangen hat. Spaß ist dabei für mich der entscheidende Faktor. Wir müssen die richtigen Hänge wählen, dürfen die Kids keinesfalls überfordern.

Ich würde die Kleinen auch nicht bei schlechtem Wetter zum Skifahren schicken, sonst kann die anfängliche Begeisterung ganz schnell wieder vorbei sein. Wenn Kinder länger brauchen, bis sie den Skisport beherrschen, ist das halt so.

Finden Sie es schade, dass in der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental keine Weltcup-Rennen stattfinden

Es wäre natürlich schon toll, einen Bewerb vor heimischem Publikum zu fahren, zumal es früher eine Abfahrt an der Hohen Salve gab.  Aber ich weiß, wie viel Zeit und Geld man für die Austragung investieren muss. Daher kann ich es total verstehen, dass es bei uns keine internationalen Rennen gibt.

Interview: Gregor Staltmaier, Angelika Hermann-Meier PR

 

 

 

 

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14.03.2019 michaela boland trifft...

GFDK - Michaela Boland

Erstveröffentlichung am 10.02.2016 - Was kann schon eine Scherbe? Die meisten Leute werfen sie schlichtweg achtlos weg. Wird doch der Wert einer Sache regelmäßig an deren Tauglichkeit, der Neuheit, ihrer Funktionalität und vor allem ihrer Schönheit gemessen. Perfektion lautet die Devise.

Zerbrechlichkeit oder gar Zerbrochenes kommt eigentlich nicht in die Tüte. Ein Schlingel, wer dabei Übles denkt und auf die Idee kommt, diese Betrachtungsweise könne womöglich gleichsam für die Bewertung von Menschen gelten. Oder vielleicht doch?

Pari Moradi sieht in den Trümmerstücken einst schön anzusehender Tongefäße weitaus mehr als wertlosen Müll. Die Künstlerin nimmt sich der Einzigartigkeit jener Restbestände an und mehr noch: In ihnen sieht sie eine Metapher für den Menschen. Und? Ist diese Sichtweise wirklich so weit von der Realität entfernt?

Wie einzelne Scherben andere stützen, sehr wohl Wertigkeit besitzen und Kraft haben, hat die gebürtige Perserin in ihren Werken umgesetzt.

Im Rahmen der aktuellen AusstellungBerge begegnen sich nicht – Sechs iranische KünstlerInnen“ können die sehenswerten Bilder noch bis zum 20. März in den Räumlichkeiten der Michael Horbach Stiftung in Köln betrachtet werden. Dabei sollte man nicht vergessen: Scherben bringen Glück.

Michaela Boland: Die AusstellungBerge begegnen sich nicht“ ist noch bis zum 20. März 2016 in den Kölner Räumlichkeiten der Michael Horbach Stiftung in der Wormser Straße 23 zu sehen und besteht aus Exponaten der Künstler Mahssa Askari, Bahar Batvant, Gila Abutalebi, Linda Nadji, Reza Nadji und Ihnen, Pari Moradi. Gibt es abgesehen vom iranischen Hintergrund noch weitere Gemeinsamkeiten mit den anderen Künstlern dieses Projekts?

Pari Moradi: Nein, überhaupt nicht. Zwei der Künstler kannte ich zuvor noch nicht. Sie waren eine Empfehlung des Kurators. Die drei anderen kannte ich bereits durch Michael Horbach, einen davon hatte er nämlich früher bei seinem Projekt unterstützt. Daraufhin haben wir dann auch dessen Schwester kennengelernt. Eine weitere Künstlerin war eine Bekannte von Michael.

Michaela Boland: Wie ist die Idee zu dieser Gemeinschaftsausstellung entstanden?

Pari Moradi: Die Idee war zu zeigen wie Künstler, die selbst im Iran geboren oder iranischer Abstammung sind, sich in Europa weiterentwickelt haben. Welche Kunst machen sie unter dem Einfluss europäischer Kunst? Wären wir im Iran geblieben, würden wir heute bestimmt andere Kunst machen.

Michaela Boland: Haben Sie die Werke im Hinblick auf dieses Projekt erst geschaffen, oder gab es sie bereits und wurden nun alle lediglich zusammengestellt?

Pari Moradi: Die Scherben male ich seit zwei Jahren, da war diese Ausstellung noch nicht geplant. Dann entstand aber die Idee hierzu und das passte natürlich, weil ich eben auch iranischer Abstammung bin. Aber speziell für dieses Projekt waren die Bilder nicht geplant.

Michaela Boland: Bei dem Ausspruch „Berge begegnen sich nicht“ (Menschen schon) soll es sich um eine persische Redensart bzw. Weisheit handeln. Was ist damit gemeint und wie findet sie sich konkret in Ihrer Gemeinschaftsausstellung wieder?

Pari Moradi: Es bedeutet, dass sich entfernte Freunde oder Bekannte immer nochmal an einem neutralen Ort treffen. So ist die Redensart zu interpretieren. Bei uns Künstlern ist es auch so, dass wir uns vorher quasi gar nicht kannten. Die Gemeinsamkeit zwischen uns besteht aber darin, dass wir aus dem Iran kommen und dann treffen wir uns eben hier in dieser Galerie in der Südstadt und stellen alle zusammen aus.

Michaela Boland: Wurde denn von einem der insgesamt sechs beteiligten Künstler dieses Thema des Ausstellungstitels, also das iranische Wiedertreffen an neutraler Stelle, nochmal in irgendeiner Weise umgesetzt?

Pari Moradi: Nein.

Michaela Boland: Sie selbst sind Perserin und 1977 in Teheran geboren, haben auch einige Zeit dort gelebt. Was bedeutet es heute in Deutschland als Gegenwartskünstlerin mit Migrationshintergrund zu arbeiten?

Pari Moradi: Schwierige Frage. Also, die Kunst, die ich mache, ist unabhängig von meiner Kultur oder meinem Land. Auch versuche ich neutrale Kunst zu machen, denn ich sage immer, „wir wurden zufällig irgendwo geboren und das ist alles“. Da, wo wir gerade sind, da gehören wir hin. So ist das auch in meiner Kunst. Diese ist überhaupt nicht persisch, sondern das bin ich einfach. Ich bin zwar im Iran geboren und aufgewachsen und seit 14 Jahren in Deutschland, aber, ich mache Kunst, die zu mir, also zu meiner Person passt.

Michaela Boland: Anlässlich Ihrer Gemeinschaftsausstellung war im offiziellen Pressetext auf der Seite der Michael Horbach Stiftung zu lesen, dass alle beteiligten Künstler Pate stünden für eine junge bis mittlere Generation deutscher Gegenwartskünstler mit Migrationshintergründen. Was sollte dieser Hinweis insoweit zum Ausdruck bringen?

Pari Moradi: Ich denke, man sieht das. Das, was unser Land und unsere Kultur ausmacht, kommt irgendwie auch in unserer Kunst rüber. Vielleicht manchmal nur anhand von Kleinigkeiten.

Michaela Boland: Was würden sie als Beispiel benennen?

Pari Moradi: Zum Beispiel bei Gila Abutalebi. Ihre Arbeiten sind sehr persisch. Sie arbeitet mit Buchstaben. Diese sind zwar nicht persisch, da sie gar nicht persisch schreiben kann, denn das hat sie nicht gelernt, weil sie hier aufgewachsen ist. Aber die Art wie sie arbeitet, daran sieht man, dass es persisch ist. Oder auch die Arbeiten von Reza. Seine Bilder handeln von Teheran.

Michaela Boland: Sie zeichnen Sich dadurch aus, vorwiegend in Serien zu arbeiten mit immer wiederkehrenden Themenkomplexen. Jetzt haben Sie Tonscherben gemalt. Was hat es damit auf sich?

Pari Moradi: Die Tonscherben sind für mich eine Metapher für Menschen. Keine zwei Scherben sind gleich. Ebenso wie wir Menschen. Wir sind alle einzigartig. Gemeint sind eher schwächere Menschen. Und das sind wir alle. Wir haben alle immer mal eine oder mehrere Phasen im Leben, in denen wir schwach sind. Doch auch in der Schwäche haben wir sehr viele Stärken.

Ältere oder kranke Menschen sehe ich genauso als Scherben. Genau die habe ich in der Mitte meiner Bilder positioniert, um zu zeigen, die haben auch ihre Werte. Ich habe sie sogar erhoben. Normalerweise ist eine Scherbe ja etwas, das du wegschmeißt. Dadurch jedoch, dass ich sie als Objekt in die Mitte meiner Bilder genommen haben, habe ich ihnen einen Wert gegeben. Es ist doch so: egal wie alt, wie groß, wie reich oder wie schön wir sind, oder gar krank, wir haben alle unsere Stärken und Werte.

Michaela Boland: Also Tongefäßscherben als Metapher für Menschen – Wie ist die Ursprungsidee dazu entstanden? Sie beschäftigen sich ja seit Jahren beinahe ausschließlich mit jener Thematik.

Pari Moradi: Das kam so: Wir sind ja im Sommer immer auf Mallorca und die Serie, die ich vor den Scherben hatte, waren die Vasen. Die habe ich erst auf Mallorca gesehen, denn dort gibt es in allen Häusern und auf Fincas immer sehr schöne Vasen. Damals habe ich die Vasen-Serie auch als Metapher für Menschen gesehen. Stichwort: Zerbrechlichkeit.

Eine Vase kann schließlich sehr schnell hinfallen. Aber: Sie kann wieder zusammengesetzt und restauriert werden. So wie wir Menschen alle Narben und Verletzungen aus der Vergangenheit tragen, so sind auch die alten Vasen. Auf diese Weise hat es also vor vier Jahren auf Mallorca angefangen. Nach dieser Serie habe ich dann quasi nochmal reduziert und sozusagen die Scherben aus den Vasen umgesetzt. Danach sogar erneut reduziert und einzelne Scherben nochmals als Metapher für Menschen herangezogen.

Michaela Boland: Sozusagen eine logische Weiterführung der Thematik?

Pari Moradi: Genau, eine Fortsetzung der Vasen.

Michaela Boland: Was könnte danach kommen?

Pari Moradi: Ich weiß es noch nicht.

Michaela Boland: Die Inspiration kam Ihnen auf Mallorca. Erinnern Sie Sich auch an besondere Momente, in denen Ihnen Ideen zu speziellen Bildern kamen?

Pari Moradi: Meistens ist es so, dass ich male, was ich denke und was ich gerade fühle. Als ich die Vasen-Serie begonnen habe, war eine schwierige Zeit. Als ich eine kaputte und anschließend wieder zusammengeflickte Vase auf der Finca gesehen habe, dachte ich, „ja, das bin ich“. In der Vase, die so viele Narben und Brüche hatte, habe ich mich gesehen.

So habe ich das erste Bild gemalt und dann wurde auch schon eine Serie daraus. Genauso war es mit den Scherben. Es sind für mich Menschen und Gefühle. Manchmal hält eine kleine Scherbe eine große. Hin und wieder können wir, obwohl wir schwächer sind, trotzdem Stärkeren Halt geben. Auch Kinder können Eltern oder Erwachsenen Halt geben. Bei zwei oder drei Scherben auf einem Bild sind meistens die Beziehungen zwischen den Menschen gemeint.

Michaela Boland: Wie gehen Sie technisch am liebsten bei der Anfertigung Ihrer Bilder vor?

Pari Moradi: Ich habe Bleistift-Zeichnungen auf Büttenpapier und Acryl auf Leinwand-Gemälde bei dieser Serie.

Michaela Boland: Sind das grundsätzlich Ihre präferierten Materialien oder könnten Sie Sich beispielsweise auch Öl vorstellen?

Pari Moradi: Nein, mit Öl möchte ich nicht arbeiten. Öl riecht auch sehr stark. Ich habe bereits damit gearbeitet, habe es ausprobiert und ein paar Bilder damit gemacht, doch es war nicht meins. Damit fühle ich mich nicht wohl. Da passt Acryl besser zu mir. Noch lieber als mit Acryl auf Leinwand zu arbeiten, zeichne ich übrigens. Zeichnen ist für mich intimer, zerbrechlicher und sinnlicher.

Michaela Boland: In welcher Preisspanne bewegen sich Ihre Bilder?

Pari Moradi: Ich habe die Preise nicht so genau im Kopf, aber zwischen 600/800,- bis zweieinhalb Tausend Euro.

Michaela Boland: Als Kurator für die “Berge begegnen sich nicht“ – Ausstellung konnten Sie den früheren Christie`s-Mitarbeiter und später geschassten Art Cologne – Chef, Gérard A. Goodrow, gewinnen. Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem promovierten Kunsthistoriker, der jetzt als freier Kurator tätig ist?

Pari Moradi: Er hat bereits häufiger mit Michael Horbach gearbeitet und Projekte gemacht. Er hat die Künstler zusammengebracht und hat dies auch sehr gut gemacht. Auch der Titel der Ausstellung, “Berge begegnen sich nicht“ wurde von ihm beigesteuert.

Ich war zwar sehr überrascht, dass er als Amerikaner, der seit 30 Jahren in Köln lebt, dieses persische Sprichwort kannte. Es war seine Idee und wir waren alle sofort begeistert davon, denn es passt super. Immerhin ist es nicht erklärend, sondern es macht neugierig. Insofern war es wirklich eine sehr schöne Zusammenarbeit.

Michaela Boland: Wie entspannt ist man, wenn ein Gérard Goodrow, der bereits beim traditionsreichen Auktionshaus Christie`s in London die Abteilung für zeitgenössische Kunst geleitet und mit Gemälden von Malern mit Weltruhm gehandelt hat, die eigenen Bilder unter die Lupe nimmt?

Pari Moradi: Also, ich bin entspannt und ich bin immer dankbar, wenn er mir Tipps gibt. Ich schätze seine Meinung sehr und es ist immer schön, wenn er diese über meine Bilder kundtut. Auch ist es toll, wann immer ich Fragen oder neue Ideen habe, mit ihm zu reden.

Michaela Boland: Sie befassen Sich auch mit Themen wie Traum und Realität und geben Ihren Exponaten durch eine farbliche Unterscheidung verschiedener Realitätsebenen oftmals eine melancholische Wirkung. Als wie melancholisch würden Sie Sich selbst beschreiben?

Pari Moradi: Traum und Realität war vor ungefähr fünf Jahren meine erste Serie. Seither habe ich die Farben immer mehr reduziert. Es wird immer weniger. Bei den Vasen gab es nur noch Tonfarbe und jetzt bei den Scherben ebenfalls. Ich selbst bin nicht jemand, der immer so lachen kann und fröhlich ist. Ich bin eher zurückhaltend und ruhig und sicherlich auch ein bisschen melancholisch.

Michaela Boland: Sie erwähnten, seit 14 Jahren hier in Deutschland zu wohnen. Wie ist Ihr Leben zuvor im Iran verlaufen?

Pari Moradi: Ich bin ganz normal zur Schule gegangen und dann habe ich mein Studium gemacht. Wenn ich zurückblicke, war das alles sehr schön. Ich könnte mir heute zwar nicht mehr vorstellen, nochmal dort zu leben, da ich mich verändert habe. Damals war ich auch nicht mit allem zufrieden, weil es sehr viele Einschränkungen gegeben hat. Wenn man dort wohnt, gewöhnt man sich zwar daran, da man weiß, wie man damit umzugehen hat. Trotz aller Verbote hast du auch deinen Spaß. Man hat Freunde und, was man da nicht alles machen kann. Also, es war schön, aber leben möchte ich dort nicht mehr.

Michaela Boland: Wie häufig sind Sie noch vor Ort?

Pari Moradi: Innerhalb der letzten 14 Jahre war ich einmal dort, im Jahre 2010, und musste feststellen, dass sich vieles geändert hat. Oder ich habe mich sehr verändert. In jedem Fall war es nicht mehr mein Zuhause.

Michaela Boland: Hat sich das Leben für Ihre Familie nach der Revolution und dem Krieg im Iran damals extrem verändert?

Pari Moradi: Ja, sehr. Ich war zwei Jahre alt, als die Revolution kam und zwei Jahre später begann der Krieg zwischen dem Iran und Irak. Als Kind bekommst du zwar nicht viel mit, es kann sogar manchmal abenteuerlich sein, aber es war nicht einfach. Die Schulen waren einige Zeit geschlossen und man musste dann zu Hause lernen, lediglich die Prüfungen in der Lehranstalt ablegen. Mehrmals am Tag haben wir dann in der Schule die Sirenen gehört und mussten in den Keller gehen.

Jedes Mal wurde natürlich der Unterricht unterbrochen. Auch haben die Eltern selbstverständlich aus Angst um die Kinder sehr gelitten. Das spürt man als Kind. Es ist immer so eine traurige Stimmung gewesen. Es gab Zeiten, in denen es ruhiger war, aber auch solche Zeiten, in denen Teheran jeden Abend bombardiert wurde. Wenn man drin steckt, muss man sich damit abfinden, aber im Nachhinein frage ich mich manchmal, wenn ich zurückdenke, „oh Gott, wie haben wir gelebt und wie haben wir das nur alles ausgehalten“?

Michaela Boland: Wie verarbeitet man solche Erlebnisse?

Pari Moradi: Ich habe manchmal immer noch Alpträume, in denen ich vom Krieg oder den Sirenen träume. Dann stehe ich vor lauter Angst auf und denke schließlich, „o.k., ich bin sicher“. Das ist insofern interessant, da ich inzwischen 38 Jahre alt bin, aber diese Angst und Unsicherheit noch immer in mir ist.

Michaela Boland: Haben Sie jetzt noch Familie im Iran?

Pari Moradi: Ich habe meine Eltern noch dort. Sie bleiben auch dort.

Michaela Boland: Was machen bzw. haben Ihre Eltern beruflich gemacht? Haben sie ebenfalls mit Kunst zu tun?

Pari Moradi: Überhaupt nicht. Meine Mutter war Hausfrau und mein Papa war Geschäftsmann. Er hatte mehrere Schreibwarenläden. Darüber hinaus habe ich noch einen Bruder, der Kurzfilme macht und in Kanada lebt. Ein weiterer Bruder, der jüngste von uns, er ist 30, lebt ebenfalls in Deutschland und studiert Musik in Münster.

Michaela Boland: Was war Ihr konkreter Beweggrund im Alter von 24 Jahren nach Deutschland zu kommen?

Pari Moradi: Ich habe mein Studium in Teheran gemacht und wollte gerne noch ein weiteres anhängen. Sehr gerne hätte ich Kunst studiert. In Teheran habe ich es nicht geschafft, da ich leider die sehr schwierige Aufnahmeprüfung nicht bestanden hatte. Diese sog. Konkur-Prüfung hatte ich für Sprachen bestanden, für Kunst bedauerlicher Weise nicht.

So habe ich dann Englisch studiert und wollte gerne ein weiteres Studium machen. Ich hatte meinen Bruder bereits hier Deutschland und der sagte, „Ich helfe Dir“. So war er mir dann beim Zulassungsantrag behilflich. Auch habe ich es hier dann noch einmal mit der Aufnahme eines Kunststudiums probiert, aber es war nicht so einfach, weil ich ja eben zuvor nicht schon Kunst studiert hatte und weil es hier, noch dazu in einer anderen Sprache, auch recht schwierig ist. Also habe ich dann Indogermanistik in Münster studiert.

Michaela Boland: Konnten Sie denn schon Deutsch sprechen, bevor sie hierher kamen?

Pari Moradi: Überhaupt nicht. Ich habe erst in Münster angefangen an der Uni einen Kurs zu machen. Allerdings musste man hierfür bereits ein gewisses Mindestlevel beherrschen. Also, habe ich nur Kontakt zu Deutschen, und extra keinen zu den Iranern, gehabt, um ausschließlich Deutsch sprechen zu müssen und nicht in die Versuchung zu geraten, es mir leicht zu machen und es einfach auf Persisch zu sagen.

Insgesamt habe ich wirklich sehr viel Glück gehabt und viele Leute kennengelernt, die mir geholfen haben. Eine Zeitlang habe ich sogar bei einer älteren Dame gewohnt, die ich betreut habe und mit ihr musste ich ohnehin den ganzen Tag Deutsch sprechen. Das war perfekt. Auch für sie.

Michaela Boland: Sie haben Englisch und Indogermanistik studiert. Haben Sie beides abgeschlossen?

Pari Moradi: Englisch ja, Indogermanistik nicht. Indogermanistik habe ich vier Jahre in Münster studiert und dann habe ich abgebrochen, um nur noch Kunst zu machen.

Michaela Boland: Die Malerei haben Sie als Autodidaktin begonnen. Wie hat sich das entwickelt?

Pari Moradi: Ich habe schon als Kind gezeichnet. Es war also immer schon ein Hobby und ich wollte es ja auch studieren, aber das ging nicht, doch trotzdem habe ich immer weiter gezeichnet. Früher waren es zuerst Figuren aus Comic-Cartoons oder auch alles, was ich mir als Kind gewünscht habe. Irgendwann später begann ich dann mit Porträts, da ich in der Schule immer wieder darum gebeten wurde, welche von meinen Schulkameradinnen anzufertigen.

Also, in Porträts, so kann ich sagen, bin ich dadurch wirklich gut. Auch Hände zeichnete ich früher häufig. Nachdem ich mein Studium in Münster abgebrochen hatte, habe ich mit Serien begonnen und damit angefangen in Acryl zu malen, aber gezeichnet habe ich schon immer.

Michaela Boland: In Teheran steht das bedeutendste Museum für zeitgenössische Kunst im Iran (Museum of Contemporary Art/ TMoCA) und beherbergt die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst außerhalb Europas und den USA . Haben Sie dort womöglich auch in Ihrer Jugend Zeit verbracht?

Pari Moradi: Ja, Galeriebesuche und kleine Ausstellungen gab es. Als ich studiert habe, habe ich mit meinen Freunden oft Galerien besucht. In Teheran gibt es ja auch viele. Allerdings trifft die iranische Kunst, die im Iran gemacht wird, heute nicht mehr meinen Geschmack. Das, was die dort machen, ist eher figurativ. Früher fand ich das toll, heute nicht mehr. Einerseits denke ich, dass sich der Geschmack mit der Zeit ändert, andererseits glaube ich, dass es einen schon beeinflusst, wenn man viele Jahre hier ist und ständig europäische Kunst erfährt.

Michaela Boland: Ist das, was Sie als figurativ bezeichnen, der entscheidendste Unterschied zwischen iranischer Kunst und dem, was hier geschaffen wird? Oder gibt es darüber hinaus noch weitere typische Unterscheidungskriterien?

Pari Moradi: Zwar gibt es in den letzten Jahren auch recht viele abstrakte Bilder, aber meistens ist die Kunst, die im Iran gemacht und auch vom Volk dort sehr gemocht wird, eher figurativ und sehr viel mehr traditionell. In den Bildern ist also sehr viel Kultur und Tradition enthalten und auch sehr viele Farben. Vor allem persische, orientalische Farben.

Michaela Boland: Sie waren die erste Stipendiatin der Michael Horbach Stiftung. Die Auswahlkommission bei der Vergabe der Stipendien für junge ausländische Künstlerinnen ist eine Ein-Mann-Jury, wie der Kölner Stadt-Anzeiger schon 2013 berichtete. Nämlich einzig Michael Horbach. Mit ihm sind Sie seit einigen Jahren auch privat liiert. Wirkt sich das auf die Anerkennung Ihrer autodidaktischen Malerei in irgendeiner Form aus?

Pari Moradi: Ich muss sagen, in der Kunst ist es immer schön, wenn du Unterstützung hast. Ich habe diese von Michael. Aber, er ist auch sehr kritisch, genauso wie seine Freunde. Wenn wir Leute einladen, die etwas mit Kunst zu tun haben, dann hält er sich sehr oft zurück, damit sie wirklich ihre ehrliche Meinung sagen.

Ich möchte das auch so, weil ich nicht einfach nur deshalb Lob hören möchte, weil ich die Freundin von Michael bin. Mit Michael kann ich aber auch sehr gut über meine Kunst und meine Entwicklung reden. Er beeinflusst mich und wartet immer mit seiner ehrlichen Meinung auf. Das hilft mir sehr.

Michaela Boland: Ist er womöglich noch kritischer, als es unter Umständen ein herkömmlicher Lebenspartner wäre?

Pari Moradi: Ja, das ist er. Ich sehe, dass er bei den anderen Künstlern vorsichtig ist, wenn er seine Meinung abgibt. Bei mir ist er ehrlicher. Er kennt mich, weiß wie ich arbeite und was ich damit sagen will. In meiner Arbeit ist er irgendwie drin, er weiß mehr darüber und kann dementsprechend auch mehr kritisieren. Ich profitiere einfach von seiner Erfahrung.

Michaela Boland: Michael Horbach war lange Zeit als ausgesprochen erfolgreicher Unternehmer tätig – millionenschwer. Als Kunst-Förderer und –Sammler ist er ebenfalls seit vielen Jahren renommiert. Inwieweit profitieren Sie als Künstlerin auch davon?

Pari Moradi: Sehr viel. Er weiß sehr viel über Kunst und in vielerlei Hinsicht mehr als ich, auch wegen seines Alters. Wir sprechen abends sehr oft über Kunst, wenn wir essen gehen. Wenn ich über einen Künstler mehr wissen will, drucke ich aus dem Internet einen Artikel aus, wir lesen ihn gemeinsam und dann sprechen wir darüber. Über den Künstler, über seine Arbeiten. Es hilft mir immer wieder sehr zu sehen, wie Michael das sieht oder wie er es interpretiert. Manchmal stellt er auch Vergleiche meiner Arbeiten mit der von anderen Künstlern an, erzählt mir von anderen, die auch Autodidakten waren, so wie ich. Michael ist wie ein Lehrer für mich.

Michaela Boland: Wie sieht es in puncto Kontakte, die Ihr Lebensgefährte hat, aus? Ist das förderlich?

Pari Moradi: Ja, klar. Er unterstützt sehr bei den Ausstellungen. Aber umgekehrt hat er durch mich auch viele Leute aus der Kunstszene auf Mallorca kennengelernt, die er vorher nicht kannte. Er hatte zuvor bereits 14 oder 15 Jahre auf Mallorca gelebt, aber nicht viele Leute kennengelernt, die mit Kunst zu tun hatten.

Weil er versucht, mich zu fördern, fragt er eben nach: „Welche Galerie würde zu Pari passen? Wo könnte sie ausstellen? Ist sie schon so weit, in dieser oder jener Galerie auszustellen oder noch nicht?“ Dadurch, das sagt er selbst, habe er viele Menschen getroffen, die mit Kunst zu tun haben.

Michaela Boland: Die Welt befindet sich in Aufruhr – nicht zuletzt auch durch den Iran. Im Zusammenhang mit dem Atomprogramm des Landes waren Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik verhängt worden. Erst im Januar wurden diese Einschränkungen aufgehoben. Der Iran war Ihre Heimat und darauf, dass Sie Sich noch mit ihm verbunden fühlen, weist bereits der Untertitel Ihrer aktuellen Ausstellung hin, der da lautet: “Sechs iranische KünstlerInnen“. Wie wirken sich solche Geschehnisse auf Sie und Ihre künstlerische Arbeit aus? Hat all dies überhaupt in irgendeiner Weise Einfluss auf Sie?

Pari Moradi: Einfluss auf mich insofern, als dass ich mich dafür interessiere, weil meine Familie dort ist. Ich lese auch viel darüber. Jedoch können die Leute, die vor Ort leben mehr Wahrheit berichten, als das, was man so über die Medien mitbekommt. Das ist immer so. Wenn wir allerdings telefonieren, versuche ich nicht darüber zu reden, denn das könnte für meine Familie vielleicht gefährlich sein. Aber auf meine Kunst, so muss ich sagen, hat das keinen Einfluss. Der Einfluss ist die ganze Umwelt, das, was man mitbekommt. Mein Leben ist eher hier. Was mit mir als Person privat passiert, das sieht man in der Kunst. Was ich mitbekomme von der Welt, ist auch mehr hier, denn meine Welt ist einfach mehr hier. So hat das, was derzeit im Iran passiert, wenig oder eigentlich gar keine Auswirkungen auf meine Kunst.

Michaela Boland: Der Untertitel Ihrer Ausstellung, bei dem das Iranische hervorgehoben wird, hat sozusagen in keiner Weise künstlerische Bewandtnis?

Pari Moradi: Überhaupt nicht. Was wir gemeinsam haben, ist wirklich nur, dass wir fast alle im Iran geboren wurden.

Michaela Boland: Was wissen Sie über den Kunstmarkt im Iran? Hatten die Sanktionen auf dem Wirtschafts- und Finanzsektor möglicherweise auch immense Auswirkungen innerhalb der Kunst?

Pari Moradi: Darüber kann ich nichts sagen, denn ich weiß darüber wirklich nicht allzu viel. Ich bekomme diesbezüglich nicht viel mit. Wenn ich mit meinen Eltern telefoniere, dann sprechen wir nur über ganz herkömmliche Sachen. Nicht über Politik. Ich weiß nur, dass selbst ganz normale Menschen durch Sanktionen sehr gelitten haben, weil sie beispielsweise Medikamente, die sie dringend benötigt haben, nicht bekommen konnten. Wie sich das jedoch in der Kunst vollzogen hat, kann ich nicht sagen, da meine Familie ja nichts mit Kunst zu tun hat.

Michaela Boland: Sie selbst unterhalten auch keinerlei Kontakte zu iranischen Künstlern in der alten Heimat?

Pari Moradi: Nein, überhaupt nicht.

Michaela Boland: Im Februar letzten Jahres startete die Ausstellung des ZERO-Künstlers, Max Piene, im TMoCA (Museum für zeitgenössische Künste in Teheran). Der Museumsleiter, Madschid Mollanorusi, bezeichnete die Ausstellung damals als Brücke des kulturellen Austauschs zwischen dem Iran und Deutschland. Kennen Sie weitere ähnliche Projekte?

Pari Moradi: Gerade in letzter Zeit habe ich häufiger gelesen, dass iranische Künstler für eine kurze Zeit hierher kommen, beispielsweise im Rahmen eines Stipendiums, um europäische Kunst zu sehen. Wenn sie dann zurückgehen, hat das Auswirkungen auf ihre Arbeit, was ich sehr gut finde. Dies war damals nicht möglich. Aber seit dem neuen Präsidenten ist jetzt vieles offener geworden.

Das finde ich sehr wichtig, dass man voneinander lernt. Wenn ein Land ganz zu ist, hat man keinerlei Austausch mit den anderen. Dass sich Künstler bewegen können, auch iranische, halte ich für ausgesprochen wichtig. Dass sie auch mal nach Europa oder Amerika können. Das ist in letzter Zeit, Gott sei Dank, auch für Schauspieler immer mehr möglich.

Michaela Boland: Könnten Sie Sich auch vorstellen, im Iran auszustellen?

Pari Moradi: Ja, das kann ich mir vorstellen. Es wäre auch interessant für mich zu sehen, wie die Iraner auf meine Kunst reagieren. Immerhin ist es für mich weder iranische, noch europäische Kunst, sondern einfach neutrale.

Michaela Boland: Was sind Ihre nächsten Projekte oder gibt es jetzt erst mal eine Babypause, da Sie und Michael Horbach in wenigen Wochen Ihr erstes gemeinsames Kind erwarten?

Pari Moradi: Also, Babypause möchte ich eigentlich nicht unbedingt machen, aber ich glaube, in nächster Zeit muss ich. Da werde ich nicht viel malen können. Ich würde sagen, es kommt darauf an, wann mir die nächste Idee kommt. Dann würde ich sofort anfangen. Ich denke auch trotz des Babys. Auch glaube ich, es würde mir sehr fehlen, wenn ich eine lange Zeit nicht zeichnen könnte.

Michaela Boland: Liebe Pari Moradi. Herzlichen Dank für das ausführliche Interview und für die bevorstehende Geburt sowie alle künftigen Projekte alles Gute.

 

 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

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11.03.2019 Zuhause auf den Weltbühnen

GFDK - Interview und Portraits

Ein Künstler wie Michael Gielen, kann nicht Sterben, gestorben wäre er nur, wenn man ihn vergessen hätte. Das wird noch lange nicht geschehen. In Michael Gielens Biographie spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die politische wie die musikalische.

Geboren in Dresden als Sohn des prominenten Opern- und Schauspielregisseurs Josef Gielen kam er 1936 nach Berlin. Auf Druck der Nationalsozialisten ging die Familie zwei Jahre darauf nach Wien, um 1940 nach Buenos Aires zu emigrieren, da der Vater dem Regime kritisch gegenüberstand und die Mutter jüdischer Abkunft war.

In Buenos Aires, wo Josef Gielen am Teatro Colón engagiert war, kam der junge Michael Gielen u. a. mit Erich Kleiber in Kontakt, der ihn sehr prägte, zudem auch mit Wilhelm Furtwängler. Er studierte Klavier und Musiktheorie, darüber hinaus begann er auch zu komponieren.

Seine musikalische Tätigkeit begann er als Korrepetitor am Teatro Colón, nach seiner Rückkehr nach Europa arbeitete er ab 1950 in gleicher Funktion an der Wiener Staatsoper, wo er von Dirigenten wie Herbert von Karajan, Karl Böhm und Clemens Krauss beeinflusst wurde.

Große Stationen auf den Weltbühnen

Ab 1960 hatte Michael Gielen dann Leitungspositionen an Opernhäusern sowie bei Orchestern inne – zunächst an der Königlichen Oper in Stockholm, ab 1969 dann beim Belgischen Nationalorchester in Brüssel, ab 1973 dann an der Niederländischen Oper in Amsterdam.

Das Jahrzehnt zwischen 1977 und 1987, als Michael Gielen gemeinsam mit Ruth Berghaus legendäre Produktionen an der Oper Frankfurt realisierte (zudem war er Leiter der Frankfurter Museumskonzerte), gehört zu den wichtigsten seiner Laufbahn, ebenso die Zeit als Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden zwischen 1986 und 1999, in der er große sinfonische Zyklen, u. a. mit Werken von Beethoven, Bruckner und Mahler erarbeitete.

Darüber hinaus leitete Michael Gielen auch das BBC Symphony Orchestra und das Cincinnati Symphony Orchestra, in Berlin neben der Staatskapelle häufig auch das Konzerthausorchester.

Im Mittelpunkt seiner musikalischen Interessen standen die Werken der großen Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts (insbesondere Bach, Beethoven, Schubert, Bruckner und Mahler), vor allem aber die Musik der Wiener Schule mit ihren Protagonisten Schönberg, Berg und Webern, desgleichen aber auch deren Zeitgenossen Schreker und Zemlinsky und die Komponisten der Nachkriegszeit, u. a. Bernd Alois Zimmermann – dessen seinerzeit als unspielbar geltende Oper »Die Soldaten« er 1965 in Köln zur Aufführung brachte –, Karlheinz Stockhausen oder Luigi Nono.

Michael Gielen ging es immer um die Wahrheit der Musik, um die »utopischen« und »ersehnten Momente«, wie er es in seiner 2005 veröffentlichten Autobiographie »Unbedingt Musik« ausgedrückt hat.

Die Musikwelt verliert mit ihm einen engagierten Streiter für diese, unsere Kunst, einen wachen, reflektierten Geist, der um ihre Gefährdungen wusste und sich immer neu für sie eingesetzt hat.

Die Staatsoper Unter den Linden und die Staatskapelle Berlin, die Michael Gielen so viel verdanken, werden ihm ihr ehrendes Andenken bewahren.

Eine Fülle an eindrucksvollen Abenden verdankt die Staatsoper Unter den Linden und die Staatskapelle Berlin  Michael Gielen:

Die Erstaufführung von Alban Bergs Oper »Lulu« etwa, die 1997 im Haus Unter den Linden stattfand (zwei Jahre zuvor hatte er dieses Werk gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin bereits bei den Salzburger Festspielen zur Aufführung gebracht), die vom Publikum wie der Presse gefeierte Premiere von Franz Schrekers

»Der ferne Klang« 2001 in der Regie von Peter Mussbach, aber auch die Neuproduktionen von Bellinis »Norma« und Verdis »Macbeth« mit ihren innovativen künstlerischen Ansätzen.

Seit 1999 dirigierte er regelmäßig die Staatskapelle Berlin, wobei er pro Saison ein sinfonisches Programm mit dem Orchester einstudierte und präsentierte, weit gefächert mit Musik von Beethoven und Schubert, Bruckner und Mahler, über Schönberg und seine Schüler bis hin zu Bernd Alois Zimmermann und Aribert Reimann.

Mit hoher künstlerischer Verantwortung hat sich Michael Gielen dabei den aufführungspraktisch herausfordernden Werken der Neuen und Neuesten Musik zugewandt, aber auch den Klassikern der sinfonischen Literatur, die er in einer von allen unreflektierten Traditionen gereinigten Art und Weise wiederzugeben und zu vermitteln wusste.

Die von ihm dirigierten Aufführungen in Oper wie Konzert haben eindrucksvoll bewiesen, das vermeintlich Bekannte in einem überraschend neuen und klaren Licht erscheinen zu lassen, im Zuge eines auf die Werke selbst hin konzentrierten, dirigentisch souveränen und gedankentiefen Musizierens, dessen Unbedingtheit und Energie sich auf alle, die es erlebt haben, unmittelbar übertragen hat.

Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0 de-Magnussen, Friedrich

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09.03.2019 Botschafter für Kunst und Kulinarik

GFDK - Interview und Portaits

Michael H. Max Ragwitz wurde im Erzgebirge geboren und wuchs dort und in Thüringen auf. Bereits in sehr jungen Jahren galt seine große Liebe der Literatur und dem geschriebenen Wort. Das wurde vor allem durch seine Großmutter mütterlicherseits genährt, die eine sehr kluge und musisch veranlagte Frau war.


Der ursprüngliche Berufswunsch, Schriftsteller oder Journalist zu werden, ließ sich nach Abschluss der Schule nicht umsetzen. So begann für ihn nach Abitur und Berufsausbildung ein wechselvoller und durchaus nicht geradliniger Weg der Berufsfindung.

Nach einem Teilstudium der Maschinenbautechnologie wandte er sich ab Anfang der 1980er Jahre dem Archivwesen zu und erlernte diesen Beruf von der Pike auf, studierte in Potsdam und ab 1988 noch zwei Jahre Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Botschafter für Kunst und Kulinarik


Zu seinen erfülltesten beruflichen Aufgaben der folgenden Jahre zählte für ihn seine Arbeit als Archivars und Leiter der Bibliothek beim Bezirksgericht Erfurt, dem späteren Landgericht, die mit zahlreichen Kontroll- und Anleitungsaufgaben verbunden war.

Diese Aufgabe hat er mit viel Herzblut und abseits aller staatlichen Zwänge ausgefüllt. In diesem Zusammenhang ist er auch heute noch stolz darauf, 1989 den Titel Oberarchivar verliehen bekommen zu haben.


Er war und ist außerdem ein kreativer Organisator. Schon in der Schule galt er als Spiritus rector vieler Aktivitäten. Das setzte sich seiner vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeit in zahlreichen gesellschaftlichen Organisationen wie der Historiker-Gesellschaft und des Bibliotheksverbandes fort, im Rahmen derer er in hohem Maße auch Aufgaben in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen hatte.

Dass er diese Arbeit mit dem Abstand der Erkenntnisse aus heutiger Zeit betrachtet, schließt nicht aus, dass er sie mit großem Engagement verrichtet hat.


Erst Anfang der 1990er Jahre konnte er sich seinem ursprünglichen Berufswunsch zuwenden. Er betätigte sich fortan als freier Journalist und gründete 1997 das Redaktionsbüro MHR. Ein kurzes Intermezzo als Verleger einer eigenen Zeitung war nicht wie erhofft erfolgreich.

Das hielt ihn aber nicht ab, seine journalistische Arbeit konsequent fortzusetzen und trotz Höhen und Tiefen bis heute beizubehalten. Er schreibt für Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und Online-Portale.


Er hat ein besonderes Faible für die Feinheiten und die Vielfalt der deutschen Sprache und gilt als ebenso kritischer wie pointenreicher, nicht unumstrittener Kommentator. Er sagt von sich selbst, dass er sein Herz eigentlich immer drei Schritt' vor sich herträgt und in vielen Dingen ein wenig besessen ist. Sein Lebenscredo ist das Tucholsky'sche Wort: "Es ist eine Frage der Kraft. Wenn man sich selber treu bleibt."

Kulinarische  Entdeckungsreise durch Sachsen


Kunst ist für ihn Genuss. Und Genuss versteht er in einer großen Breite. Dazu zählen Musik ebenso wie Darstellende und Bildende Kunst, aber auch die Kochkunst, Kulinarik im weitesten Sinne des Wortes. Genuss ist für ihn auch die Entdeckung der Schönheiten der Natur und seiner Heimat. Und er fühlt sich den neuen Bundesländer verbunden. Deren Vielfalt an Kunst, Kultur und Genuss will er sich als Botschafter im Besonderen widmen.


Er ist Autor mehrerer Sachbücher, darunter des Bildbands "Best Hotels of the World" und "Kulinarische  Entdeckungsreise durch Sachsen". Gegenwärtig schreibt er ein Buch über die Prignitz im Nordwesten Brandenburgs. Weitere Projekte mit kulinarischer Ausrichtung sind im Entstehen.
Michael H. Max Ragwitz ist aus erster Ehe Vater einer Tochter und eines Sohnes. Er lebt heute mit seiner Frau Marion in Hagenow Heide in Mecklenburg.

www.ragwitz.de

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08.03.2019 Kunst- und Kulturfest The Exhibition OK 2

GFDK - Interview und Portraits - Rebecca Noy-Shay

Das Kunst- und Kulturfest wurde mit einer Laudatio von Dr. Reinhold Misselbeck, Kurator Museum Ludwig Köln eröffnet. 600 geladene Gäste aus dem Gesellschafts-, Politik- und Kulturleben Düsseldorfs und Kölns konnte Gottfried Böhmer, der künstlerische Direktor des Kunstvereins Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf – Berlin zur Ausstellungseröffnung am 24. August 2001 begrüßen.


Robert Ingenhoven von Roden, Vorsitzender des Beirats bedankte sich zunächst bei den vielen Freunden, die den Kunstverein seit vielen Jahren unterstützen. Dr. Misselbeck, Kurator Museum Ludwig Köln hielt die Laudatio für die ausstellenden Künstlerinnen Anke Stalpers (Fotografie), Petra Peschkes (Malerei) und Mutsumi Aoki (Objekte).

Einheitlich war die Meinung des Publikum „die beste Laudatio in der 5-jährigen Geschichte der Freunde der Künste“. Hier wurde nicht nur ausführlich auf die Werke der Künstler eingegangen. Dr. Misselbeck verstand es auch die anwesenden Gäste mit seiner Rede zu begeistern.

Anschließend präsentierte die Medienkünstlerin Ute Janssen, das von den Freunden der Künste 1999 initiierte Videoprojekt 250 Jahre Goethe „das ist die Kunst, das ist die Welt, das eins ums andere gefällt“.

Das Projekt wurde mit 10 Künstlerinnen umgesetzt und umfasste eine Ausstellungsreihe über 6 Stationen März `99 - Dezember `99, von der Heinrich-Heine-Universität bis zum Goethe-Museum. Nach dem offiziellen Teil konnten sich die Gäste bis 4 Uhr morgens mit den Künstlerinnen und deren Kunstwerken auseinandersetzen wobei es zum Teil zu lebhaften Diskussionen kam.

Fotografie von Anke Stalpers

Die großformatigen Fotoarbeiten von Anke Stalpers  wurden oft als Körperteile identifiziert. Dabei handelte es sich um Blüten und Gemüse! Anke Stalpers: „Wenn Betrachter in meiner abstrakt aufgenommenen Tulpe Körperteile entdecken, wird es doch erst spannend." Anke Stalpers arbeitet mit großformatigen Serien.


Der Kunstverein zeigt in der Ausstellung Werke aus Flowers, Botanic und Feeling of Release. Die Motive löst die Künstlerin so auf, dass die einen neuen Sinn ergeben. Somit kommt es zu Sinnestäuschungen. Anke Stalpers blickt auf eine umfangreiche Ausstellungsreihe zurück:

Von der Association of International Photography Art Dealers, New York, Michael Papst, München, Landes-Museum Bonn, Aschenbach, Amsterdam, Konrad Fischer, Düsseldorf sowie regelmäßige Präsentationen auf der Art-Cologne.


Insgesamt sind schon 3 Publikationen über ihre Arbeiten erschienen: Profi Foto, Museum Reif, Museum Ludwig Köln Die andere Seite der Schönheit, Reinhold Verlag und Signaturen des Sichtbaren. Repro Verlag.
Am 25. August gaben die Freunde der Künste die Party zum Kulturfest, „Kunst darf auch unterhalten und sollte keine biederernste Sache sein" - so sehen dies die Verantwortlichen des Kunstvereins.

Die Kraft des Lachens

Am 29. August begann Petra Peschkes mit ihrer Malperformance „The Exhibition OK 2". In den folgenden 6-8 Wochen will die Künstlerin ein 6 x 1,6 m großes Gemälde malen, auf dem sie alle Aktivitäten während des Festes dokumentiert. Petra Peschkes bringt den Betrachter ihrer Bilder oft zum Lachen.

Titel wie „Die Busenfreunde" mit wenigen Strichen Comics entlehnt und skurril dargestellt, treffen mitten ins Herz, und so manch einer fühlt sich „wohl angesprochen". Die Porträts von Petra Peschkes haben keine Nasen und keine Ohren, dafür großen Augen, nur 3 Finger pro Hand, sind quitschebunt und was das Wesen der dargestellten Person ausmacht:

Sie lachen. Das charakteristische dieser Gesichter liegt im Fehlen von Teilen der Sinnesorgane, welches einem aber wegen der so auffallend strahlenden Augen und lachenden Münder nicht auffallen wird. Mit Spannung wird die Vollendung des Bildes Exhibition OK 2 erwartet.

Objekte & Installationen von Mutsumi Aoki

Den schwierigsten Teil der Ausstellung musste Michael Selbach, technischer Leiter des Kunstvereins, lösen. Eine Kegelbahn musste er für die aus Japan kommende Künstlerin zu einer Ausstellungshalle umbauen. 14 Tage waren Techniker, Schreiner, Maler und viele Hilfskräfte mit dem Umbau des Sassafras beschäftigt. Michael Selbach: „Ich hatte in den letzten 5 Jahren noch nie mehr Zeit als 14 Tage, um ganze Hallen für die Veranstaltung des Kunstvereins umzubauen. Von daher ist nichts neues auf mich zugekommen".


Mutsumi Aoki studierte am Kunstinstitut Ochanamizu in Tokio bei Prof. Sato und bekam 1984 den Förderpreis für Bildende Künste. Über das Deutsche Kulturzentrum Tokio fand sie den Weg nach Düsseldorf. Seither ist Düsseldorf zu ihrer zweiten Heimat geworden.

Seit 5.000 Jahren gehört die Kunst mit Papier zu arbeiten zur Domäne asiatischer Kunst. So war es nur eine Frage der Zeit und der künstlerischen Entwicklung, die dazu führte, dass die Künstlerin sich mit diesem Material auseinandersetzte.

Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit dem Material, bearbeitet mit Harz und Bienenwachs konnte die Ausstellungsgäste bestaunen. Die Kleiderhüllen aus Papier, die wie Kokons an den weißen Wänden hängen, so als sei der Mensch gerade aus ihnen geschlüpft waren eine kleine Attraktion in dem Ausstellungskonzept. Die Künstlerin wollte mit dieser Installation den Gegensatz asiatischer und europäischer Kleiderkultur aufzeigen.


Die Höhepunkte des Festes begannen am 31. August. Zwei Open-Air-Konzerte sollten nun folgen. Gottfried Böhmer und Michael Selbach plagte nur eine Sorge: Hält das Wetter? Es hielt und so konnte der erste große Abend beginnen.

Klassik

Die 21-jährige Pianistin Melissa Pawlik, die schon zahlreiche Preise bei Jugend musiziert gewonnen hat, spielte gut auf: von Franz Liszt Sonetto 104 del Petraca bis Manuel Ponce Estrellita bekamen die Zuhörer einen musikalischen Genuss sondergleichen geboten.

Begleitet wurde die junge Pianistin von ihrem Bruder Baptiste Pawlik. Der erst 17-jährige Virtuose an der Violine ist ebenfalls kein Unbekannter; schon mit 5 Jahren bekam er von dem weltberühmten Dirigenten und Geiger Menuhin dessen Taktstock als Glücksbringer geschenkt. Als Zugabe spielten die beiden Gershwins Summertime und Armstrongs What a wonderful world.


Die Konzertgäste waren derart begeistert, dass sich der Kunstverein entschloss, 2002 zwei weitere Konzerte in Köln und Hamburg mit den jungen Künstlern zu veranstalten. Der Höhepunkt des Festivals folgte einen Tag später. Balladen aus Musical, Pop und Filmmusik.

Der Theater-, Film- und Musicalstar Gabriele Weinspach hatte seinen großen Auftritt und brachte gleich reihenweise Prominenz zum Konzert. Unter den vielen Gästen waren die Schauspieler Imke Brügger, Timo Ben Schöfer, Claudelle Deckert (alle RTL) und Freja Trampert (macht zur Zeit Pause von Verbotene Liebe und hat gerade ihre erste CD veröffentlicht).

Angelo Franke (ARD) und Volle Kanne Susanne-Moderator Ingo Nommsen waren ebenfalls anwesend. Franjo Pooth, der mit den Vorsitzenden des Kunstvereins seit 10 Jahren befreundet ist, war tags zuvor zum Konzert von Melissa Pawlik gekommen. Gabriele Weinspach stellte unter Beweis, dass sie tatsächlich ein Multitalent ist.

Ihre Schauspielausbildung machte sie von 1989 bis 1991 an der Hamburger Stage School of Dance and Drama sowie am Bühnenstudio der Darstellenden Künste in Hamburg.

Sie spielte Theaterrollen in Der Entertainer, Der Froschkönig und Mein Vater der Junggeselle sowie im Musical Grease. Im Fernsehen war sie u.a. in Gegen den Wind, der Hochstapler und Großstadtrevier zu sehen bevor sie zu Unter Uns kam.
Gottfried Böhmer konnte sie im Mai davor überzeugen, ein Solokonzert für den Kunstverein zu geben.

Überzeugender Auftritt

Mit Titel wie Send in the Clowns, Evergreen, Over the rainbow, Cabaret, Summertime oder My way of living begeisterte sie die Konzertgäste.

Am Flügel John Lehr Opfar

Gabriele Weinspach war es gelungen den berühmten Dirigenten John Lehr Opfar für ihren Auftritt, den Kunstverein und dessen Ziele, Künstlerinnen zu fördern, zu gewinnen. John blickt bereits auf viele Produktionen zurück, für die er als Dirigent oder Musikalischer Direktor tätig war:

Er arbeitet für She loves me und Quilters, für das Totem Playhouse, für Forever Plaid, für Bells are ringing and Falsettos und bei Good News war er dabei. Als musikalischer Direktor zeichnete er für die New York Premiere von Joe Grams Merle verantwortlich.

Und gemeinsam mit Michael Forest von der Metropolitan Opera hat er 24 geistliche Lieder aufgenommen. In Düsseldorf arbeitete er zweieinhalb Jahre als Musikalischer Direktor bei Grease im Capitol Theater und hat dort als Mitveranstalter die erfolgreiche Aids-Benefiz-Gala All Together Now und die UNICEF-Gala 98 ins Leben gerufen.

Zur Zeit ist er als Musikalischer Direktor und Dirigent von Saturday Night Fever - Musical Dome, Köln- John versprach Gottfried Böhmer, dass er jederzeit bereit ist, für den Kunstverein aufzutreten. Die fast zweieinhalb Monate laufende Ausstellung war trotz Risiko ein großer Erfolg.

Zum ersten Mal hat es der Kunstverein gewagt, eine Kneipe in einen Kunstsalon zu verwandeln. Bislang hatte die Gesellschaft Freunde der Künste nur große Hallen, historische Häuser oder Museen in Kunstforen verwandelt. Die Inhaberin Sabine Sanchez will in Zukunft im kleineren Rahmen den Künstlertreff neu beleben.

Künstlerstammtische, Lesungen und Kunstaktionen sollen zum festen Bestandteil des Sassafras werden. Der Kunstverein, so Gottfried Böhmer, wird weiterziehen und sein Publikum wie gewohnt an immer neuen Ausstellungsorten mit neuen Ideen überraschen. Am 2. November endet The Exhibition OK 2 mit der Vernissage im Sassafras

 

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08.03.2019 Stimme und der Liebe zur Sprache

GFDK - Interview und Portraits

Über Angelika Wende: Die Frau mit der berührenden Stimme und der Liebe zur Sprache

Angelika Wende ist Sprecherin, Moderatorin und Autorin. Ihre Karriere startete sie beim Münchner Sender Pro 7. Schon nach kurzer Zeit wurde die dunkelhaarige Moderatorin mit der warmen Stimme und der charismatischen Kamerapräsenz vom ZDF in Mainz abgeworben.

Dort moderierte sie als eine der beliebtesten Fernsehansagerinnen das Programm und war Sprecherin der heute Nachrichten. Auch für die Sender Arte und Phönix verlieh sie vielen Beiträgen ihre Stimme. Die Intensität und die Kraft ihrer Stimme wirken auch ohne Bilder und wecken Emotionen.

Die letzte Ansage, die je im Zweiten Deutschen Fernsehen lief, war im Jahr 2003 auch Angelika Wendes Abschied vom Leben vor der Kamera. Seither arbeitet die studierte Literaturwissenschaftlerin und Psychologische Beraterin erfolgreich und mit Leidenschaft in den Bereichen Kunst und Kultur.

Schon beim ZDF waren ihre unverwechselbare intensive Stimme mit dem warmen Timbre und ihr exotisches Äußeres ihr Kapital. Ihre Vorlesekunst fasziniert heute Publikum und Veranstalter zugleich, ihr Live-Talk „Der Silberne Salon - Kultur im Gespräch“, ist in Mainz eine Institution geworden.

Gesprächskultur Geisteskultur, künstlerische und musikalische Beiträge – daran knüpft „Der Silberne Salon“ an. Mit inspirierenden Gästen, in einem Ambiente, das zum lebendigen Gedankenaustausch anregt, widmet sich der Salon allem was mit Kultur zu tun hat und öffnet publikumswirksam spannende und gesellschaftlich relevante Themen.

Angelika Wendes Motto „Reden ist Silber“ steht für ihr ganzes Wirken. Als Journalistin schreibt sie für die Allgemeine Zeitung und die Gesellschaft der Freunde der Künste, Ihren Blog „Reden ist Silber“ verfolgen seit Juli vergangenen Jahres viele Leser online.

Angelika Wende kuratierte zahlreiche Ausstellungen, unter anderem für das Kulturamt der Stadt Mainz. Als gefragte Laudatorin verfasst und hält sie deutschlandweit Einführungsreden für Museen und Galerien.

Im September vergangenen Jahres beispielsweise eröffnete sie vor dreihundert Besuchern die große Realismusschau in Berlin. Die Autorin schreibt Texte für Künstlerkataloge und hat drei eigene Bücher veröffentlicht.

Das vierte mit dem Titel „Herzdenken“ mit Texten und Zeichnungen, erschien im Herbst 2011.

Ihre Leidenschaft für Sprache vermittelt sie als Stimm- und Sprechcoach in ihrer Praxis WENDE. Coaching & Consulting.

„Der Raum der die Arbeit mit Stimme und Sprache ausmacht ist unendlich ausdehnbar, voller Möglichkeiten und schöpferischer Kreativität.

Ich lebe in der Sprache. Meine Sprache und meine Stimme, die Lust am geschriebenen Wort und die Freude am Sprechen sind das Wesentliche für mich. Der Mensch lebt in der Sprache.

Sie ist das Mittel alles Gedachte und Gefühlte ins Außen zu transportieren. Das macht sie zum einzigartigen Instrument unserer Kommunikation.“ 

Mehr über Angelika Wende unter www.angelikawende.com

Angelika Wende

Vita & mehr

  • Freie Journalistin und Autorin
  • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
  • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
  • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
  • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
  • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
  • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
  • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
  • Inhaberin der Agentur workingforart
  • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
  • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
  • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
  • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
  • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern
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08.03.2019 Rückblick der GFDK ins Jahr 2001

GFDK - Interview und Portraits

Rückblick ins Jahr 2001, lange ist es her, aber nicht vergessen - Stark besucht war das Open-Air-Konzert im Rahmen der Ausstellung „The Exhibition OK2“. Die Schauspielerin und Sängerin Gabriele Weinspach und John Lehr Opfar hatten das Konzert für den Kunstverein Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf – Berlin gegeben.

Gabriele Weinspach sang Balladen aus Musicals Rock und Filmmusik. Viel Prominenz war zum Konzert erschienen. Gottfried Böhmer, künstlerischer Direktor des Kunstvereins bedankte sich für die hervorragenden Leistungen.

Pressezitat aus dem Rheinboten, 19. September 2001

Klavier, Violine, Balladen

Düsseldorf: bis zum 31. Oktober hängen die Arbeiten von Anke Stalpers (Fotografien) und Petra Peschkes (Malerei) an den Wänden der Sassafras. Die Dritte im  Bunde Mutsumi Aoki hat die Kegelbahn in ein Forum verwandelt und zeigt dort kunstvoll auf Papier geformte Kleider. Die vom Verein „Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin" auf den Weg gebrachte Ausstellung begleitet ein Festival.

Dazu wird der Hof des Sassafras an zwei Abenden in eine illuminierte Open-Air Bühne verwandelt. Heute um 20 Uhr spielt Melissa Pawlik Werke von Liszt begleitet von Baptiste Pawlik Violine. Morgen abend 20 Uhr gibt es ein Konzert mit Gabriele Weinspach. Sie singt Balladen, begleitet von John Lehr Opfar, Pianist und Musikalischer Leiter des Musicals „Saturday Night Fever".

Rheinische Post, Freitag 31. August 2001

„Wie können Sie nur so etwas fotografieren? Menschliche Körperteile in Großaufnahme zu zeigen, ist wirklich nicht schön“. Derartig anlaufenden Thekendiskussionen über Kunst muß sich derzeit die 35-jährige Anke Stalpers im „Sassafras“ stellen. Aber die Düsseldorferin hat Spaß daran.

„Wenn Betrachter in meiner abstrakt aufgenommenen Tulpe Körperteile entdecken, wird es doch erst spannend. Wahrnehmung ist genau das Thema mit dem ich mich befasse.“ Und da Kunst jeden angehe, der seine Sinne schärfen wolle, diskutiert die Künstlerin gern in bierlauniger Kneipenatmosphäre.


Mit dieser Haltung passt Anke Stalpers genau ins Konzept unseres Kunstvereins, erklärt Gottfried Böhmer, künstlerischer Leiter der Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf- Berlin, er ist verantwortlich für das rund 2 Monate andauernde Festival, „The Exhibition OK 2“ an der Düsseldorfer Strasse:

„Wir bringen die Kunst zum Menschen, dann braucht der Mensch nicht zur Kunst zu kommen.“ Zum ersten Mal habe er es gewagt, eine Kneipe in einen Kunstsalon zu verwandeln. „Alle haben mich davor gewarnt, aber die Aktion kommt gut an.“ Haben die Kunstfreunde bislang doch nur Industriehallen oder historische Häuser in Kunstforen verwandelt – zuletzt eine Villa in Oberkassel.

Pressezitat auf der Westdeutschen Zeitung, 20. September 2001

Seit einigen Jahren bietet der private Verein „Gesellschaft Freunde der Künste e.V.“ jungen Künstlerinnen die Möglichkeit sich an wechselnden Orten vorzustellen.

Zur Zeit zeigt er im ehemaligen Künstlerlokal Sassafras eine von musikalischen Darbietungen und Performances begleitete Gruppenschau der Fotografin Anke Stalpers, der Malerin Petra Peschkes und der japanischen Objektkünstlerin Mutsumi Aoki.

Die mit Wachs und Wasser fixierten, an der Wand figürliche Papierobjekte von Aoki, Gewänder ohne Personen, strahlen die rätselhafte Intensität von Masken aus. Auch Petra Peschkes folgt konsequent einer Idee: ihre bunten Acrylbilder zeigen auf wenige Striche reduzierte, den Comics entlehnte Portraits, deren Gesichter ohne Augen und Ohren eine abstrakte Individualität auszeichnen.

Die in warmen, dunklen Farbtönen gehaltenen Fotos von Anke Staplers inszenieren Pflanzendetails, Haarstrukturen und den menschlichen Körper in Tanzsituationen – Studien organischer Oberflächenstrukturen, durch die die Dinge eine über das Persönliche hinausgehende metaphorische Qualität erlangen.

Presseauszug Handelsblatt, 14. September 2001

Leergeräumt wurde der Oberkasseler Szenetreff am Wochenende. Denn dort wurden knapp 700 Gäste zu Eröffnung der Kunstausstellung „The Exhibition OK2“ erwartet. Bis zum 2. Oktober sind dort Fotografien von Anke Stalpers, Bilder von Petra Peschkes und Objekte der japanischen Künstlerin Mutsumi Aoki zu sehen.


Die Eröffnungsrede hält Dr. Reinhold Misselbeck, Kurator des renommierten Museums Ludwig in Köln. Gäste waren u.a. die beiden „Unter Uns“ - Soap Stars Claudelle Deckert und Gabriele Weinspach, Metro-Vorstand Jochen Suhr sowie Fotograf Horst Wackerbarth.

Westdeutsche Zeitung, Montag 27. August 2001

Zu einem Kunst – Kulturfest lädt der Kunstverein Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf – Berlin vom 24. August bis 2. Oktober ein.
„The Exhibition OK 2“ lautet der Titel des Projekts, dass Malerei, Fotografie, Performance, Installationen und Konzerte in sich vereint.
Zwei Monate lang geben sich verschiedene Künstler und Künstlerinnen ein Stelldichein in Oberkassel, Düsseldorferstr. 90. Eröffnet wird das Kunst- und Kulturfest am Freitag, 24. August um 20 Uhr mit einer Laudatio zur anschließenden Ausstellung von Dr. Reinhold Misselbeck, Kurator des Museum Ludwig in Köln.

Neben einer Performance und einem Klavierkonzert gehört ein Konzert von Gabriele Weinspach zum Programm. Vielen wird die Schauspielerin in ihrer Rolle als Helena Kramer in der RTL-Soap „Unter uns“ bekannt sein. Am 1. September um 20 Uhr singt sie Balladen und wird dabei von John Lehr Opfar begleitet.

Rheinbote 22. August 2001

 

 

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