Exklusive Interviews mit interessanten Menschen

18.04.2010 Meine Traumrolle wäre eine Agentin

GFDK - Michaela Boland

Sie ist schön, jung, klug und perfektionistisch. Weil sie entsetzt und „fürchterlich erschrocken“ darüber war, was es in der Realität bedeuten kann, ein Kind zu haben, kämpfte sie sich durch unzählige Erziehungsratgeber.

Doch nachdem ihr eigenes Töchterchen einfach in kein Raster passen wollte, fasste Bildschirmbeauty Yvonne de Bark einen Entschluss: Nämlich aufzuräumen mit untauglichen Ratschlägen in herkömmlicher Fachliteratur.

Kurzerhand verfasste die heute 37-Jährige ihr erstes Mütter-Buch. Vier Jahre lang schrieb de Bark all das auf, was in Erziehungsratgebern gepredigt wird, jedoch nicht stimme und für sie keineswegs funktioniert habe. Bedarf an Aufklärung war offenkundig gegeben: Die erste Auflage ihres „Mama-Trostbuches“ war nach nur acht Wochen vergriffen.

Heute treffe ich die sympathische Autorin und Schauspielerin in Leverkusen. Mit welchen Erziehungsirrtümern sie ein für alle Mal Schluss macht, was sie dazu veranlasste, ihre durchtrainierte Traumfigur im Playboy zu präsentieren, warum die „Petition“ ihrer Fans, die sie auch weiterhin täglich auf der Mattscheibe sehen wollten, am Ende doch erfolglos blieb und wie eine geistig umnachtete Stalkerin sie in Angst und Schrecken versetzte, berichtet Yvonne de Bark mir in aller Ausführlichkeit. 

Reiner Calmund warb für eine neue gigantische Shopping-Mall in der Bayer-04-Heimatstadt. Das hat zugegebenermaßen ein wenig neugierig gemacht und so beschließen Yvonne de Bark und ich, uns aus praktischen Gründen hier, sozusagen auf halber Strecke, zum Interview zu treffen.

Ein bisschen müssen wir durch die endlos scheinenden hellen Gänge entlang unzähliger Geschäfte marschieren, bevor wir uns endlich finden. Natürlich schön erscheint die einstige Serienärztin aus dem RTL-Erfolgshit „Unter uns“ auch ohne Massen von Make-up.

Das sportliche und jugendlich frische Erscheinungsbild lässt kaum vermuten, dass eigentlich bereits ein typisch stressiger „Mütter-Morgen“, mit „Kinder in der Frühe startklar machen“, Frühstück bereiten , Pausenbrote schmieren, Kinder zu Privattermin und Kindergarten bringen und anschließend, „schnell noch selbst fertig machen und zum vereinbarten Treffpunkt düsen“ hinter ihr liegt.

Yvonne, die frische Single-Frau, benötigt noch schnell ein kleines Präsent für einen, noch nicht ganz definierbaren, näherstehenden oder doch nicht näherstehenden Bekannten. Um ein solches zu finden, sind wir inmitten des neuen Einkaufsparadieses eigentlich am richtigen Ort.

Es soll lediglich etwas nettes, kleines, vielleicht ein wenig lustiges sein. Nachdem wir auf der Suche hiernach kurz durch alle Etagen hetzen, auf den ersten Blick für Yvonne jedoch nichts geeignetes in Betracht kommt, steuern wir ein hippes In-Cafe amerikanischen Ursprungs an.

Schon am Tresen wird Yvonne vom jungen Mann an der Kasse zunächst noch zögerlich, doch dann „todesmutig“ frei heraus gefragt: „Sind sie nicht, ähm, sind sie nicht die Ärztin aus „Unter uns?“ „Ich war es“ lächelt die selbstbewusste Mimin zurück, “das ist richtig“. „Eigentlich liebst du es doch, wenn die Menschen dich direkt ansprechen, soweit sie glauben, dich zu kennen“, beginne ich das Gespräch.

Im Blog auf ihrer Homepage nämlich beschreibt die erfolgreiche Autorin unlängst, wie sehr es sie einmal genervt hat, dass zwei weibliche Teenager ihr und ihren Kindern über einen längeren Zeitraum im Schwimmbad auf Schritt und Tritt gefolgt waren, allenthalben miteinander getuschelt und gekichert, jedoch offensichtlich nicht gewagt hätten, sie einfach anzusprechen.

Somit fordert sie seither in eben diesem Blog auf ihrer Seite auch schriftlich dazu auf: „Sprecht mich doch bitte an!“ So lacht sie denn auch jetzt und sagt: „Ja, dass man mich anspricht, ist mir viel lieber als wenn man mich stundenlang stumm anstarrt.“

Wir setzen uns in eine komfortable Sesselecke und noch während ich Schreib- und Diktiergerät auspacke, wird klar, mit welchen Vorzügen es verbunden ist, mit einem Serienstar aufzuschlagen:

Eine Cafe-Mitarbeiterin eilt herbei und kredenzt uns unaufgefordert auf Kosten des Hauses ein nicht ganz definierbares, aber unglaublich köstliches Karamellgetränk in lustigen, eisbecherförmigen Gefäßen mit Strohhalm.  

Michaela Boland:

Bist du eine gute Mutter?

Yvonne de Bar:

Ich bin eine hervorragende Mutter.

Michaela Boland:

Woran machst du dies für dich persönlich fest?

Yvonne de Bark

Daran, dass ich weiß, was ich tue, dass ich weiß, was ich will und dass ich weiß, was ich machen muss, um bestimmte Dinge zu erreichen.

Michaela Boland:

Du arbeitest zur Zeit bereits an deinem dritten Buch für Mütter. Es soll um „das perfekte Kind“ gehen. Was erwartet Deine Leserschaft da?

Yvonne de Bark:

Bis jetzt habe ich erst die Hälfte fertig, aber das wird revolutionär. Da werde ich mal richtig fies werden. Mich ärgern so viele Sachen, die nicht funktionieren und eigentlich hätte doch jede Mutter gerne das perfekte Kind, das funktioniert, das gesellschaftsfähig ist und sich in der Gesellschaft gut benehmen kann.

Eines, für das man gelobt wird. Jeder Mutter tut es gut, wenn jemand anderes sagt: „Das ist aber ein wohlerzogenes Kind.“ Wie man dahin kommt und was man sich alles so wünscht, das kommt in dem Buch vor und wird dort breitgetreten.

Michaela Boland:

Was unternimmst du selbst, um deinem Ziel, „dem perfekte Kind“ näher zu kommen?

Yvonne de Bark:

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass ein Kind weiß, dass man für es da ist. Dass es eine Bezugsperson hat, auf die es sich verlassen kann und die hinter ihm steht, selbst wenn es mal die Fensterscheibe eingeschossen oder Probleme mit den Lehrern hat, was auch immer. Das Kind soll einfach wissen, es gibt da jemanden, der steht hinter mir.

Michaela Boland:

Hast du dich zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz bewusst dazu entschlossen, jetzt Mutter zu werden oder war es Zufall bzw. spontan?

Yvonne de Bark:   

Naja, ehrlich gesagt, war es Langeweile. Ich hatte eine Hauptrolle bei den Motorrad Cops (Anm. d. Red.: RTL Serie „Die Motorrad Cops“/ de Bark verkörperte die Figur Sunny Labone“) Als dies dann ausgelaufen war, habe ich mit meinem damaligen Lebensgefährten ein Filmprojekt gemacht und danach war das wieder vorbei und dann musste ich mir überlegen, was mache ich jetzt?

Da wir ohnehin zusammen und ich im richtigen Alter war, meine biologische Uhr tick, tick, tick machte, da wussten wir dann, jetzt ist das Projekt Kind angesagt. Meine heute siebenjährige Tochter, Lara, war sehr schwierig, denn sie war zu Beginn ein Schreikind. Doch irgendwann war mir das dann auch wieder zu wenig ausgefüllt und deshalb haben wir noch eins hinterhergeschoben als „Spielzeug“ für Lara.

Michaela Boland

Offensichtlich hat dich auch das zweite Kind noch nicht voll ausgelastet, denn du kamst irgendwann auf die Idee, Mütter-Bücher zu schreiben. Du tust dies ausgesprochen erfolgreich. Dein im Februar 2008 erschienenes erstes Buch („Mama Trostbuch“) wurde zum drittbestverkauften Buch in der Kategorie „Mutter“. Wie bist du auf die Idee gekommen, eine solche Thematik umzusetzen?

Yvonne de Bark:

Ich hatte nicht damit gerechnet, was es bedeutet, ein Kind zu haben. Ich versuche, Perfektionist zu sein, was mich auch selbst an mir ärgert. Das ist ganz furchtbar Das ist Zwang. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann will ich auch, dass es richtig wird.

Und so sollte das Kind auch werden. Es sollte perfekt erzogen werden, es sollte in allen Belangen wunderbar werden. Aber Lara war ganz anders. Ich las unzählige Erziehungsratgeber.

Da stand dann: Kinder müssen schlafen lernen, Kinder müssen essen lernen, wie sie durchschlafen, wie man mit dem Schreien umgeht, richtiges Wickeln und Kinder lieben es, massiert zu werden u.s.w. Quatsch, alles Schwachsinn! Meine Tochter hat in nichts von dem, was da stand, hineingepasst.

Ich bin überhaupt nicht klar gekommen und deshalb habe ich einfach mal vier Jahre lang aufgeschrieben, was alles nicht stimmt, was also für mich alles nicht funktioniert hat in diesen Erziehungsratgebern. Ich zeige auf, wie die Realität aussieht, wie es wirklich ist.

Dennoch ist es etwas völlig anderes, einen Erziehungsratgeber zu lesen, als in der Wirklichkeit dem Kind gegenüber zu stehen. Mein Lieblingsspruch ist immer: Wenn das Kind auf den Teppich pieselt, dann brauchst du kein Buch, sondern einen Lappen.

Michaela Boland

Das „Mama-Trostbuch“ war in der Erstauflage nach acht Wochen vergriffen. Wie erklärst du dir diesen Erfolg?

Yvonne de Bark

Ja, das war geil. Ich habe, glaube ich, einfach so ein bisschen damit angefangen, die Welle zu starten. Blöderweise sind jetzt viele auf diesen Zug aufgesprungen. Unter anderem der Comedian Michael Mittermeier.

Michaela Boland:

Der übrigens mal richtig gut aussieht auf dem Cover seines neuen in pink gehaltenen Babybuches, wie ich finde.

Yvonne de Bark:  

(Lacht) Ja, aber das ist ein Konkurrent für mich, also da brauchst du mir gar nicht irgendwie so zu kommen. Nee. Also ich glaube, ich habe mit meinem Buch auf dem Literaturmarkt so eine Art Bann gebrochen. Es war mal nicht dieses „heitideiti“ und „ich –liebe-mein-Kind-so-sehr“ und „es-ist-ja-alles-so-wunderschön“ Mutterliebe hin, Mutterliebe her.

Michaela Boland

Bestseller-Autorin Kerstin Gier hat mit Themen wie „Die Müttermafia“ Megaerfolge verbucht. Mütter, die ihren Nachwuchs nur allzu gerne zum Statussymbol stilisieren, werden vorzugsweise aufs Korn genommen. Wenngleich es sich im Gegensatz zu Deinen Büchern hierbei auch um Belletristik handelt, inwieweit unterscheidet sich das, was du machst, thematisch von dieser Literatur?

Yvonne de Bark

Ich nehme aufs Korn. Ich nehme nur aufs Korn. Vor allem nehme ich mich selbst aufs Korn und zwar dermaßen.

Michaela Boland:

Kannst du ein Beispiel benennen?

Yvonne de Bark:

Es ist einfach wichtig, sich durchweg nicht ernst zu nehmen, denn sobald man sich zu ernst nimmt , gehört man zu den Müttern, die im Turnverein am Rand sitzen und schauen, ob alles richtig läuft oder denen, die im Klavierunterricht daneben sitzen sind und überwachen, ob die Fingerübungen auch so ankommen, wie sie eingeübt waren.

Man sollte alles ein wenig leichter sehen, ein wenig einfacher und nicht so verbissen. Dazu gehöre ich. Das musste ich zwar lernen und es war und ist auch immer noch ein schwieriger Weg, dahin zu kommen. Also wenn etwas nicht so richtig läuft, dann muss ich mich erst mal wieder beruhigen und mir sagen, es sind ja „nur“ Kinder

Michaela Boland:

Haben Deine Kids irgendwann schon mal den Aufstand gegen deinen Erziehungsstil geprobt?

Yvonne de Bark:  

Nein. Ich bin seit einem Dreivierteljahr alleinerziehend und da verändert sich ja einiges, da rückt man ja noch näher zusammen. Das wissen die Kinder auch, dass wir noch enger zusammenrücken müssen. Und irgendwann sagte ich mal zu Lara, die ja so eine pfiffige ist und eine Klasse übersprungen hat, „ach Lara, du bist schon fast irgendwie eine Freundin für mich“.

Da antwortete sie: „Oh nein, Mama, bitte nicht! Ich möchte deine Tochter sein, nicht deine Freundin.“ Das fand ich süß. Und das gehört sich auch so. Also Mamas und Töchter sind Mamas und Töchter und nicht Freundinnen. Nein, das muss man schon beibehalten.

Michaela Boland

Verschiedentlich konnte man in Talkshows verfolgen, dass zum Teil in die Jahre gekommene Mütter sich regelmäßig „aufbrezelten“, um ihre Teenage-Kids in die Disco zu begleiten. So etwas wäre bei dir offensichtlich kategorisch auszuschließen?

Yvonne de Bark:

(Lacht) Naja, um aufzupassen, dass sie an den richtigen gerät vielleicht. Als Mutter!

Michaela Boland:

In deinem aktuell auf dem Markt erschienen Buch „Mamas wissen mehr“ beschäftigst du dich auch mit dem Thema „Ohne Fernsehen geht es nicht“. Wie ist das gemeint?

Yvonne de Bark:  

Ach ja, es ist immer blöd zu sagen, „ich mag nicht, dass meine Kinder fernsehen“, weil ich ja selbst in der Branche arbeite. Aber, es verwirrt sie einfach zu sehr. Auch gibt es viel schönere Sachen, mit denen man sich beschäftigen kann als sich passiv bespielen zu lassen.

Eine halbe Stunde am Tag dürfen sie „Wissen macht Ah“ oder irgend so eine Kinderwissenssendung anschauen. Da gibt es ja ganz tolle, wie „Löwenzahn“ oder „Sendung mit der Maus“ .Die Konsequenz wird natürlich am Wochenende aufgelockert, wenn ich mal ausschlafen will.

Oh Gott, jahrelang habe ich darauf bestanden, dass die Kinder früh aufstehen und irgendetwas spielen und mich nicht wecken, aber das klappt immer noch nicht, sie wecken mich trotzdem. Aber jetzt kommt beispielsweise so etwas wie „Willi wills wissen“, auch wieder so eine Wissensendung, dann dürfen sie hoch gehen und gucken.

Und ich kann natürlich nicht weiterschlafen, wenn sie am morgen kommen und laut flüsternd fragen: „Mama, dürfen wir hoch gehen und Fernsehen gucken, bist du waaach?“. Auch was längere Autofahrten anbelangt, da gibt es ja diese wunderbaren Bildschirme, die man hinten an den Nackenstützen anbringen kann.

Mein Ex-Mann hat solche gekauft und ich war zunächst total dagegen und habe geschimpft: „Das kann ja wohl gar nicht gehen, das ist ja furchtbar, die Kinder auch noch beim Autofahren mit Fernsehen zu bedröhnen“. Aber, es war herrlich, es war einfach nur herrlich. 27 DVDs habe ich jetzt gerade auf dem Weg zur Ostsee mit genommen. Es war wunderbar, ich hatte die ganze Zeit meine Ruhe.

Michaela Boland

Sehen deine Kinder auch „Unter uns“? (Anm. d. Red: RTL-Daily-Soap, in der Yvonne de Bark von 2006 bis 2009 die Rolle der Dr. Pia Lassner spielte)

Yvonne de Bark

Nein. Am Anfang ja, damit sie wissen, was ich mache, aber dann habe ich gemerkt, dass sie das noch nicht so ganz sortieren können, wenn Mama einen anderen Mann küsst. Die Geschichten, die da erzählt werden, das ist noch ein bisschen weit weg von denen. Das ist ja schon eher was für Teenies.

Michaela Boland:   

Haben sie die Handlung mit der Realität verwechselt?

Yvonne de Bark

Nein, die verstehen das schon, denn sie wissen ja auch, was Schauspielerei bedeutet. Sie waren auch schon mal am Set, damit sie mal wissen, wie es ist. Lara und Dori haben beide auch schon dort gedreht. Lara hat sich gleich hingesetzt und gefragt: „Wo ist meine Kamera?“

Michaela Boland   

Bist du in dieser Hinsicht auch schon eine Art Vorbild für deine Kids? Wurde womöglich schon der Wunsch geäußert, auch mal Schauspieler werden zu wollen?

Yvonne de Bark:       

Das weiß ich nicht. Also ich sage, nein, lieber nicht. Bei Lara wäre es verschenkt, weil sie zu schnell zu gute Rückschlüsse zieht. Die könnte wirklich mal etwas machen, was nicht so brotlos ist.

Es ist ja nach wie vor eine brotlose Kunst. Man wartet auf Jobs. Ach, ich weiß es nicht. Und Dorian möchte Kameramann werden. Das wäre dann wieder o.k. Lara möchte im Übrigen Bürgermeisterin werden.

Michaela Boland:     

Das ist doch mal ein Ziel.

Yvonne de Bark:       

Also zuerst Bürgermeisterin und dann Bundeskanzlerin. Und dann möchte sie nicht mehr, dass so viele Leute auf der Straße leben müssen.

Michaela Boland:     

Somit verzeichnet dein Kind bereits in frühem Alter soziales Bewusstsein. Das ist nicht zwingend typisch.

Yvonne de Bark:       

Ja, (schmunzelt) sie würde dann Hütten im Wald bauen, für die Leute, die kein Dach überm Kopf haben.

Michaela Boland:     

Von 2006 bis 2009 warst du im Hauptcast der RTL- Daily „Unter uns“ als recht beliebte Allgemeinmedizinerin Dr. Pia Lassner zu sehen. Vor deinem Serienende haben zahlreiche Fans eine Rettungs-Unterschriftenaktion in Form einer „Petition“ im Netz für Dich gestartet, um Deinen „Ausstieg“ zu verhindern. Bist du aus der Serie rausgekegelt worden?

Yvonne de Bark:       

Rausgekegelt worden kann man so nicht sagen. Auf beiderseitigem Einverständnis. Also es war dann irgendwie mit Filmbaby und diesem ganzen Dings da alles ein bisschen viel.

Das Baby ist auch älter geworden und die Geschichten waren dann eigentlich auch erst mal alle erzählt. Und dann hat man sich eben geeinigt und gesagt, „ja , dann hören wir jetzt mal auf“. Und dreieinhalb Jahre sind ja auch lang genug.

Michaela Boland:     

Bedeutet das, dass du dir von vorneherein ein zeitliches Limit gesetzt hattest, wie lange du bei „Unter uns“ mitspielen wolltest?

Yvonne de Bark:       

Ja, als ich das Begrüßungsgespräch bei « Unter uns » hatte, habe ich dem Producer gesagt, „in einem Jahr bin ich hier wieder raus“. Dann hat es mir aber so gut gefallen, dass ich immer weiter gemacht habe. Es ist wie eine Familie geworden. Es war schon schön, da zu drehen. Irgendwann ist es dann aber auch gut, sonst tritt man so auf der Stelle.

Michaela Boland:     

Wer die Serie bzw. komplette Produktion aufmerksam verfolgt, musste in den vergangenen Wochen und Monaten verschiedene tiefe Einschnitte feststellen. Abgesehen von dir ist Publikumsliebling Labrador Emma raus, Andreas Büngen, Sarah Ulrich, Anna Julia Kapfelsberger, Jane Hempel, Urgestein Holger Franke (Anm. d. Red: spielten „Jan Gräser“, „Romy Sturm“, „Charlotte Sommer“, „Sophie Himmel-Eiler“ und Altbäckermeister „Wolfgang Weigel“ in der Serie) sind ebenfalls ausgeschieden.

Für Schauspieler Andreas Zimmermann, der den Lehrer Henning Fink spielte, soll bereits neu gecastet werden. Was ist da los in den Entscheiderreihen?

Yvonne de Bark:       

Es ging um eine Umstrukturierung. Und im Laufe dessen wurden wir auch alle gefragt, wie es denn bei uns aussieht mit Lust und Laune und ob da noch Geschichten da sind und na ja. Also, rausgekegelt? Na, sagen wir mal so, wer hat sich als Kegel zur Verfügung gestellt und wen hat der Ball getroffen. So glaube ich, könnte man es ausdrücken.

Es wurde alles umstrukturiert, auch das System, auf dem die jetzt drehen ist neu. Die drehen jetzt alles aus der Hand mit so einer Steady (Anm. d. Red: Steadycam).

Ich war ja noch mal am Set und habe mir das angeschaut. Auch ist der Druck jetzt größer geworden, Die drehen viel mehr jetzt, weil sie auch zwischendurch längere Drehpausen haben. Es ist schon hart. Also es ist noch härter geworden als vorher.

Michaela Boland:     

Ist es für die Anhängerschaft eines solchen Formates nicht bedauerlich und in der Endkonsequenz womöglich schädlich, wenn nahezu zeitgleich außergewöhnlich viele beliebte Gesichter eine nicht zuletzt durch sie etablierte Serie verlassen müssen?

Yvonne de Bark:       

Ja, das hat ja mit dieser Kegelaufstellung zu tun. Aber es scheint ja trotzdem weiter zu laufen. Aber, keine Ahnung, ich schaue es ja nicht mehr.

Michaela Boland:     

Konntest du dir dich selbst bei „Unter uns“ früher gut ansehen?

Yvonne de Bark:       

Ja. Ganz am Anfang war es zwar furchtbar, komisch und schrecklich. Aber mittlerweile geht es. Was alle anderen ja nicht wissen, sind die Geschichten, die dahinter sind, was kurz davor war und kurz danach.

Das ist immer spannend, z.B. bei Sex-Szenen, was davor ist, wie man da so im Bademantel zum Set kommt und guckt, wer ist alles da. Das schwebt immer mit, wenn man die Sachen sieht, denn man weiß noch ganz genau, ach ja, da war es so kalt, da habe ich ja drei Lagen Unterwäsche an.

Michaela Boland:     

Wenn man es aus rein professioneller Sicht betrachtet, sind intime Szenen dann immer ähnlich leicht abzudrehen?

Yvonne de Bark:       

Nein, denn der eine hat Knoblauch gegessen, der andere hat vorher geraucht, der dritte stinkt.

Michaela Boland:     

Meine Großmutter konnte sich nie vorstellen, dass Schauspieler überhaupt nichts empfinden, wenn sie Liebesszenen drehen. Wie beurteilst du das als Fachfrau?

Yvonne de Bark:       

Doch, man muss sich schon reinfallen lassen. Für den Moment. Besonders, wenn man so eng aufeinander sitzt, wie bei einer Soap und jeden Tag zusammen dreht. Nicht umsonst entstehen Liebesaffären am Set zwischen zwei Schauspielern, die spielen müssen, dass sie verliebt sind. Da ist immer irgend etwas dabei, sonst geht es nicht. Womit ich nicht sagen will, dass ich für Stefan Franz irgend etwas empfunden habe.

Michaela Boland:     

Du hattest in der Serie ja unterschiedliche Partner.

Yvonne de Bark:       

Drei: „Björn“ (Anm. d. Red: gespielt von Alex Solti), dann Andreas Zimmermann (Anm. d. Red :spielte„Henning Fink“), mit dem hatte Pia einen One-Night-Stand und dann noch Stefan Franz (Anm. d. Red.:„Rolf Jäger“), mehr war nicht. Nee, Kai (Anm. d. Red.: spielte „Rufus Sturm“) ach ja, richtig, Vier.

Michaela Boland:     

Es ist allgemein bekannt, dass man als Soap-Darsteller überdurchschnittlich gut verdienen kann. Wenn man dann irgendwann mal aus so einer Serie raus oder das Rollenende absehbar ist, gibt es offenbar ganz unterschiedliche Optionen, seinen Lebensunterhalt auch weiterhin zu sichern.

Manche Kollegen versuchen es mehr oder weniger erfolgreich mit einer Sangeskarriere, einige probieren einen Neueinstieg in einer anderen Daily-Soap, wieder andere tun sich kurzerhand einfach auch privat mit ihren Agenten zusammen. Du konntest dich glücklicherweise als Buchautorin verdingen. Wie gut ist diese Alternative?

Yvonne de Bark:       

Ja, das war auch der Anker, an dem ich mich selbst fest ketten konnte, was mein Selbstwertgefühl anbelangt. Das Schreiben ist schon was. Ich habe ja die Kinder jetzt. Und mit der Trennung kommt echt viel auf einen zu, also man muss dann auch tatsächlich zu Hause sein.

Ich bin jedes Wochenende zu Hause. Mein Ex-Mann ist in Berlin, der dreht da, der kommt mal alle Monate irgendwann. Es ist schwierig, denn ich habe wirklich keine Luft für mich, wirklich Null. Das hatte ich allerdings auch vorher nicht. Ich bewundere mich, wie ich das geschafft habe: Kinder, Haus, Schreiben und Drehen.

Es ist mir unbegreiflich, wie ich mit einem 24 h-Tag überhaupt klar kam. Und jetzt stehe ich auf, bringe die Kinder weg, dann versuche ich etwas zu schreiben, danach kümmere ich mich ums Haus, denn das Au-Pair, das mir früher immer ein paar Stunden verschafft hat, ist weg, da wir es nicht mehr brauchten. Und ich überlege natürlich, was ich sonst noch so machen kann, wenn jetzt gerade kein Job da ist. Klar.

Michaela Boland:     

Könntest du dir vorstellen, auch in eine andere Daily einzusteigen oder ist das Thema Soap für dich abgeschlossen?

Yvonne de Bark:       

Ich würde gerne wieder Soap machen. Also ich habe das immer verdammt und es verdammen auch immer noch ziemlich viele. Wenn du beim Film, also Kinoproduktionen, etwas machen willst und die hören, dass du von der Soap bist, gute Nacht.

Also, ich bin ja nicht von der Soap, ich habe ja auch vorher schon etwas gemacht, denn ich bin bereits seit 20 Jahren in dem Geschäft. Es war ja nur ein kleiner Ausflug. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.

Mir gefällt der Druck, denn ich kann unter Druck gut arbeiten, das finde ich super. Sich so auf den Punkt konzentrieren zu müssen und diese Masse an Text und Szenen verarbeiten zu müssen, das finde ich ziemlich toll.

Michaela Boland:     

Du hast eine sehr offenen Stil zu reden und soweit man beispielsweise deinen Internetblog verfolgt, ebenfalls zu schreiben. Ein Blatt scheinst du selten vor den Mund zu nehmen. Wird dir das manchmal auch zum Verhängnis?

Yvonne de Bark:       

Nur. Meine Bekannten trennen sich ganz schnell nach den ersten paar Sätzen in Spreu und Weizen. Ich meine eigentlich nichts wirklich ernst. Ich bin ein Fettnäpfchentreter ohne Ende. Eigentlich müsste ich immer mit Gummistiefeln herumrennen. Ganz furchtbar, wenn ich unsicher bin, mache ich auch nur blöde Witze. Doch ohne Humor geht`s nicht.

Michaela Boland:     

Im Herbst 2008 gab es im RTL-Mittagsmagazin Punkt 12 eine Maz über einen weiblichen Unter uns-Hardcore Fan. Ihr komplettes Leben schien der täglichen Serie untergeordnet zu sein.

Als eine Art „Belohnung“ durfte sie einen Tag, vom Kamerateam begleitet, hinter die Kulissen Eurer Produktion in Köln-Ossendorf blicken, Mars Saibert im lustigen Mittelalter-Kostüm und weitere Darsteller treffen.

Du warst des weiteren im Rahmen dieses Einspielers im O-Ton zu hören mit einer Aussage die ungefähr so klang: In solchen Momenten merken wir endlich mal, dass es doch nicht ganz sinnlos ist, was wir hier machen. Gab es nach dem Statement Stress mit Produktion oder Sender?

Yvonne de Bark:       

Nein, ich glaube, das ist denen nicht aufgefallen, kann ich mir nicht vorstellen.

Michaela Boland:     

Drehst du eigentlich auch derzeit?

Yvonne de Bark:       

Augenblicklich die Rosenheimcops. Außerdem habe ich am „ perfekten Promidinner“ teilgenommen, bei dem ich neben Benjamin Boyce, Kelly Trump und Oli P. kochen und Gastgeberin sein musste. (Anm. d. Red.: lief am Sonntag, den 11. 04.2010 um 20.15 Uhr auf Vox.)

Michaela Boland:     

Hast du etwas gekocht, was du besonders gut konntest?

Yvonne de Bark:       

Ich habe total versagt. Ich habe ein ganz tolles Rezept von einem Freund, Tagliatelle al Wodka, das habe ich gekocht und mein Ex-Mann war begeistert und sehr traurig, dass wir uns getrennt haben, weil ich auf einmal kochen konnte.

Doch an dem Tag, an dem ich kochen musste, war es dann ganz furchtbar: Zwei Kameras auf dich gerichtet und dann redet der immer noch und dann sollst du was erzählen und dann musst du was schneiden und machen und tun. Es war ganz furchtbar, ich habe die Tagliatelle verkochen lassen, die waren dann zu früh fertig, verpappt.

Die Fruchtspieße mussten vorher fertig sein für das Foto, das sie machen. Das heißt, die hatte ich am Nachmittag schon fertig, dann waren die am Abend natürlich vergammelt. Und weil ich etwas Besonderes machen wollte, habe ich alles in Form eines Kindergeburtstags ausgerichtet .

Michaela Boland:     

Mit Hütchen und Ähnlichem?

Yvonne de Bark:       

Mit allem drum und dran : Gummibärchen, Hütchen, Spielchen. Und es kam alles nicht so an. Und ich wollte mir das nicht anschauen, wenn es ausgestrahlt wird, mir das einfach nicht antun. Ich hatte mir überlegt, mich einfach „zulaufen“ zu lassen und mit einer Freundin dann davor zu sitzen.

Michaela Boland:     

Was liest du, wenn du dazu kommst?

Yvonne de Bark:       

Im Moment versuche ich, mich durch die Anna Karenina durchzuboxen und zwar die neue Übersetzung.

Michaela Boland:     

Du hast einst Englisch und Sport auf Lehramt studiert. Dann kam die Schauspielausbildung dazwischen, dennoch war es demnach zunächst dein Wunsch, Lehrerin zu werden. War es ganz leicht, diesen Plan aufzugeben?

Yvonne de Bark:       

Ja. Ich musste die Chance ergreifen.

Michaela Boland:     

Wie reagierte deine Familie damals?

Yvonne de Bark:       

Eieiei, weiß ich nicht. Die haben mich machen lassen. Andererseits, ich meine, Lehrerin wäre auch gegangen.

Michaela Boland:     

Könntest du dir theoretisch noch vorstellen, im Lehrerberuf tätig zu sein?

Yvonne de Bark:       

Klar, mein Vater ist ja Lehrer gewesen, Rektor einer Grundschule. Insoweit liegt mir das im Blut. Ich habe so etwas Pädagogisches, muss auch immer alle belehren. Gerade jetzt.

Ich liebe die deutsche Sprache und das Jonglieren mit Wörtern. Außerdem muss ich mich ja ohnehin mit der Rechtschreibung befassen. Meine arme Umwelt muss immer leiden, weil ich sie immer berichtige. Doppel S, scharfes „ß wie etwas geschrieben wird, wo ein Komma gesetzt wird.

Michaela Boland:     

Bist du denn in der neuen Rechtschreibung nach der Reform so richtig fit?

Yvonne de Bark:       

Ich habe mich dran gewöhnt. Ja, also ich glaube schon, frag mich mal was?

Michaela Boland:     

Mayonnaise ? Aber ich habe keinen blassen Schimmer, wie man das heute schreiben darf oder muss..

Yvonne de Bark:       

Oh, wird die anders geschrieben jetzt ?

Michaela Boland:     

Ich glaube, da war was, müsste aber auf jeden Fall selbst nachschauen.

Yvonne de Bark:       

Also, ich würde es jetzt einfach nach der alten schreiben. Da müsste man noch mal nachgucken.

Michaela Boland:     

Wird recherchiert. (Anm. d.Red.: laut Duden online sind die alte Schreibweise: “Mayonnaise” ebenso wie die neue Schreibweise: “Majonäse“ möglich).

Yvonne de Bark:       

An den Büchern von Bastian Sick « Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod » habe ich mich regelrecht ergötzt, ich habe sie als Abendlektüre geliebt. Ich fand fast alles nachvollziehbar. Er ist ja beispielsweise auch dagegen, dass Redewendungen wie: „Das macht Sinn“ in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen werden.

Da bin ich dagegen. Natürlich kann etwas nur einen Sinn „ergeben“, denn Sinn kann nichts machen. Aber es versteht ja jeder, also die Masse machts dann.. That makes Sense ist ja aus dem Englischen übernommen, aber, du kannst die Leute nicht mehr berichtigen.

Obwohl meine Tochter Lara, wann immer ihr ein Erwachsener sagt: Werf mir mal den Ball zu“, berichtigt und betont: „Wirf!“ Damit setzt sie sich dann sogar durch und das finde ich gut.

Michaela Boland:     

Das finde ich auch gut. Wozu hat man schon einen Imperativ Singular? Siehst du selbst eigentlich eine Möglichkeit, der sprachlichen Verflachung hierzulande entgegenzuwirken?

Yvonne de Bark:       

Nein, wie denn ?

Michaela Boland:     

Immerhin schreibst du. Könnten da nicht noch weitere Bücher hinzukommen?

Yvonne de Bark:       

Also, das dritte Buch, das ich jetzt schreibe, das versuche ich ein bisschen einfacher in der Formulierung. Bei meinem aktuellen Buch , „Mütter wissen mehr“ muss man Sätze teilweise zweimal lesen, um den intellektuellen Anspruch verdauen zu können.

Es ist zwar schon lustig geschrieben, teilweise jedoch vielleicht auch ein wenig hochtrabend, was aber auch eigentlich nur witzig gemeint ist. Beim dritten Buch versuche ich aber jetzt, eine einfachere Sprache zu verwenden., einfach, weil ich auch mit der Mode mitgehen muss, was im Fernsehen gezeigt wird. Es werden Dokusoaps gezeigt, wie „Mitten im Leben“.

Michaela Boland:     

Ist das nicht eins dieser Formate, in denen alles von vorne bis hinten „gescripted“ ist?

Yvonne de Bark:       

Macht ja nichts. Es spricht ja trotzdem das breite Publikum an, wo man nicht so viel denken muss. Also ich gestehe, ich schaue auch ab und zu schon mal Dokusoaps. Frauentausch habe ich früher angeguckt oder Rach.

Michaela Boland:     

Restauranttester Rach hat doch Mathematik und Philosophie studiert..

Yvonne de Bark:       

Das macht ja nichts, aber das Endprodukt ist doch, dass da jemand in der Restaurantküche herumläuft und sagt: „Nee, geht nicht, geht nicht, geht nicht. Der, oder auch dieser Zahlenaufschreiber, der immer Montags kommt, wie heißt er doch gleich, du weißt schon.

Michaela Boland:     

Sprichst du von dem mittlerweile zur TV- Kultfigur avancierten Schuldnerberater Peter Zwegat?

Yvonne de Bark:       

Ja, Peter Zwegat, genau. Das habe ich mir auch am Anfang begeistert angeguckt. Und das ist ein Niveau, das spricht viele an. Und so möchte ich auch das dritte Buch gestalten, dass es einfach viele anspricht und vielen aus dem Herzen spricht, dass es einfach verständlich ist.

Auch die TV-Serie „Dr. House“ hat ja riesen Einschaltquoten, auch in Amerika, man möchte es nicht glauben. Aber warum? Weil die Leute denken, wenn sie das gucken, dann sind sie intellektuell.

Sie verstehen die Hälfte nicht, ich verstehe auch die Hälfte nicht, doch man fühlt sich ein bisschen besser, wenn man das anschaut, weil man auch das Gefühl hat, irgend etwas dabei mitzukriegen.

Michaela Boland:     

Wie beurteilst du überhaupt derzeit die Qualität der deutschen Fernsehunterhaltung? Welches Prädikat würdest du vergeben?

Yvonne de Bark:       

Das Prädikat Schade. Allerdings schaue ich immer noch gerne „Wer wird Millionär“.

Michaela Boland:     

Wen würdest du als Telefonjoker wählen, wenn du bei einem Promispecial dabei wärst?

Yvonne de Bark:       

Meinen Ex, für alles, was das Weltall, Universum und Astronomie angeht. Für den Bereich Politik würde ich meinen Manager nehmen und da man drei auswählen kann, müsste ich für die dritte Person noch mal überlegen. Jemand, der eine gute Allgemeinbildung hat.

Michaela Boland:     

Bis jetzt benennst du jedenfalls noch niemanden aus deinem ehemaligen Unter-uns-Team als potentiellen Joker. Zufall oder bezeichnend?

Yvonne de Bark:       

Sagen wir mal so, mit Andi Büngen, habe ich mal Kreuzworträtsel gemacht und wir haben uns da wirklich aufgeheizt. Der war schon nicht schlecht.

Michaela Boland:     

Du hast erwähnt, dass man als sog. „Soapie“ (Soapdarsteller) auch diversen Vorurteilen begegnet.

Yvonne de Bark:       

Ja, weil man nicht die Möglichkeit hat, sich noch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ich habe ja auch ganz früher mal gemodelt und damit habe ich deswegen aufgehört, weil ich keinen Anspruch mehr gehabt habe.

Du stehst da, wirst beguckt, wirst abfotografiert und das wars dann. Das fand ich ganz furchtbar. Du hast nichts gemacht den ganzen Tag, außer warten, rumstehen, fotografiert werden, wieder nach Hause gehen.

Michaela Boland:     

Wie kam es im Jahre 2000 zu deinem Playboy-Auftritt? Du hast ja im Hochglanzmagazin blank gezogen und deinen schönen Körper damals in der Aprilausgabe ablichten lassen. Zeigst du dich gerne nackt?

Yvonne de Bark:       

Ich habe damit kein Problem, nö. Also wenn ich jetzt älter werde und alles noch mehr hängt, weiß ich nicht.(Lacht) Es gibt ja andere, die sich dann da zeigen können.

Michaela Boland:     

Bringt so ein Auftritt auch einen Karriereschub mit sich?

Yvonne de Bark:       

Je nachdem, wie es von der Presse ausgewertet ist und was für eine Geschichte noch dahinter steckt, denn die müssen ja immer noch eine Geschichte dazu haben. Bei mir war es ja zeitgleich an den Start meiner damaligen Serie „ Die Motorradcops“ gekoppelt, ist ja klar.

Später habe ich mich noch mal für die Zeitschrift „Matador“ ausgezogen.(Anm. d. Red.: September 2007). Das habe ich einfach so zwischendurch gemacht, weil sich die Gelegenheit geboten hat, aus Spaß. Das wurde ja jetzt auch nicht so breitgetreten.

Michaela Boland:     

Ist so etwas immer eine schöne Erinnerung, wenn man mal älter ist?

Yvonne de Bark:       

Ja, kann schon sein. Außer einer Person, die ich kenne, gibt es niemanden, der das blöd findet.

Michaela Boland:     

Wer in deinem Umfeld beanstandet das?

Yvonne de Bark:       

So ein Beamter.

Michaela Boland:     

Wie ist das Verhältnis zu deinen Fans? Es gibt sogar eine Yvonne-de-Bark- Fan-Seite, die von einer engagierten jungen Dame, namens Vanessa, mit viel Liebe zum Detail gestaltet wird.

Yvonne de Bark:       

Vanessa ist meine Fan-Club-Betreuerin, zu ihr habe ich einen engen Draht. Sie ist mein Bindeglied zwischen mir und allen anderen. Zu ihr können alle kommen und sagen, was ist. Sie blockt dann auch irgendwelche Idioten, denn solche gibt es ja unter Hunderttausend auch immer einmal. Wenn mich Fans über Facebook kontaktieren, dann lese ich das auch immer alles.

Michaela Boland:     

Manchmal gibt es unter der Anhängerschaft bekannter Persönlichkeiten ja in der Tat auch solche, die mit ihrer Bewunderung und „Liebe“ für ihren Star das Maß an Normalität eindeutig übersteigen. Hattest du in der Vergangenheit auch schon schlimme Erlebnisse mit Fans?

Yvonne de Bark:       

Ja. Es gab eine Person, die mich sehr verunsichert hat. Jetzt hat es zwar, Gott sei Dank, aufgehört, aber, sie hat mir unheimliche Briefe geschrieben. Sie lebt im betreuten Wohnen, hat mir Fotos geschickt und wollte immer wieder unbedingt in meinen Fan-Club rein.

Sie beschrieb immer wieder Seitenweise so viele Blätter handschriftlich, in denen sie stets betonte, dass sie mir eigentlich nichts tun wolle, dass mir schon anders wurde. Sie würde lediglich wollen, dass ich antworte und dass wir Freunde würden.

Das kam wieder und wieder. Und dann schrieb sie irgendwann leicht erbost: „Ich finde das blöd, dass ich keine Antwort bekomme, ich will dir doch nichts tun“ und fügte hinzu, dass sie ja wisse, wo ich wohne.

Sie kündigte an, mir einen Privatdetektiv auf den Hals hetzen zu wollen, aber sie würde mir nie etwas antun und meinen Kindern auch nicht. Als ich das mit meinen Kindern las bin ich natürlich richtig aufgeschreckt.

Michaela Boland:     

Was hast du unternommen?

Yvonne de Bark:       

Ich bin ausgesprochen aufmerksam geworden. Außerdem ist dafür gesorgt, dass in unserem Wohnumfeld sofort auffällt, wenn eine fremde Person sich nähert, diese würde sofort entdeckt werden. Wir wohnen glücklicherweise sehr abgeschottet.

Michaela Boland:     

Du engagierst dich auch sozial gerade im Hinblick auf Dinge, die mit Kindern zu tun haben.

Yvonne de Bark:       

Ja, denn Kinder liegen mir in jeglicher Form am Herzen. Mit einem Mädchen habe ich mich auch angefreundet, Alex. Sie ist an Tetraspastik erkrankt und sitzt im Rollstuhl. Sie ist 13 Jahre alt und ist so süß.

Wir sehen uns alle Vierteljahr und sie ist total lustig. Eine Freundin erzählte mir einmal, dass sich da jemand freuen würde, mich kennen zu lernen. Das war Alex. Wenn sie lacht, dann geht die Sonne auf.

Michaela Boland:     

Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Yvonne de Bark:       

Abgesehen von allem, was sowieso ein unumstößlich feststehender Wunsch ist, nämlich, dass mein Kinder gesund bleiben und meine Familie gesund bleibt, das ist ja alles klar, würde ich gerne wieder etwas in Köln drehen. Ich hätte gerne eine feste Serie in Köln.

Michaela Boland:     

Wie sollte die Rolle aussehen?

Yvonne de Bark:       

Meine Traumrolle wäre eine Agentin. Super gerne, das wärs.

Michaela Boland:     

Liebe Yvonne, für dieses ausführliche Gespräch vielen Dank und für die Zukunft, in der wir dich bestimmt noch oft auf dem Bildschirm sehen und hoffentlich weitere unterhaltsame Bücher von dir lesen werden, die allerbesten Wünsche. 

Yvonne de Bark ist eine deutsche Schauspielerin und Autorin. Sie wurde am 08.08.1972 in München geboren. Ihr Lehramtstudium (Englisch und Sport) brach sie zugunsten einer Schauspielausbildung ab. In den Kinoproduktionen „Trinity und Babyface“ sowie „Zeit des Schweigens“ war sie sodann nach der Schauspielschule zu sehen.

In „FinalCut.com“ (dt. Titel: “Suicide”) spielte sie außerdem die weibliche Hauptrolle. Vom 21. Juni 2006 bis zum 13. August 2009 war de Bark im Hauptcast der RTL-Daily Soap-Opera „Unter uns“ in der Rolle der Dr. Pia Lassner zu sehen. Außerdem verkörperte sie die Polizistin Sunny Labone in der RTL-Fernsehserie „Die Motorrad-Cops“.

Des weiteren spielte Yvonne de Bark u.a. in Serien wie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“, Hallo Robbie“, „Der Fahnder“ und im „Marienhof“ die Gastrolle der Türkin Aishe Memis“ In der Aprilausgabe posierte die Mimin in 2000 für den Playboy. Im September 2007 ließ sie sich nackt für die Zeitschrift Matador ablichten.

Yvonne de Bark hat eine Zwillingsschwester und lebte bis vor kurzem mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Roul Heimrich, zusammen.. In 2008 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Mama-Trost-Buch“. Für ihre Bücher bietet sie auch Lesungen an, die über ihre Homepage buchbar sind. Yvonne de Bark ist selbst Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines sechsjährigen Sohnes.

Infos unter:

www.yvonnedebark.de

de.wikipedia.org/wiki/Yvonne_de_Bark


Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

 

mehr

01.04.2010 Ich finde, das Land ist in einem katastrophalen Zustand

GFDK - Michaela Boland

Gerade brillierte er im Theaterstück „Endstation Irgendwo“ im Düsseldorfer Theater an der Kö unter der Regie von Rene Heinersdorff. Einem Millionenpublikum ist er jedoch noch als TV-Bösewicht Adrian Degenhardt aus dem ARD-Serienhit „Verbotene Liebe“ in aller bester Erinnerung.

Hier nämlich trieb der smarte Fernsehgeschäftsmann sein Unwesen inmitten der Schönen und Reichen aus der Premium-Soapopera auf so charmante Weise, dass ihn das Gros der Zuschauer trotz übelster Machenschaften fest ins Herz geschlossen hatte. Schauspieler Klaus Zmorek konnte jetzt an der Seite von Udo-Jürgens-Tochter Jenny in einer ganz anderen Rolle überzeugen:

Als verständnisvoller Ehemann unterstützte er seine Theater-Gattin (Jenny Jürgens), die nach über 30 Jahren endlich ihren verschollen geglaubten Vater wieder treffen will. Eine Zugreise soll Vater und Tochter zusammenführen. Treffpunkt: Endstation Irgendwo.

Wie die „Reise“ endete, was den gesellschaftskritischen Mimen auf die Palme bringt, aus welchem Grund er sich nie in eine schlechte Schauspielerin verlieben könnte und warum er die „Verbotene Liebe“ keineswegs freiwillig verließ, verriet der attraktive TV-Star Michaela Boland bei Kakao und Kuchen in Köln. 

Michaela Boland:

Aus der ARD kennen wir dich als „liebenswerten Schurken. Was für einen Charakter durftest du im Theaterstück Endstation Irgendwo“ geben?

Klaus Zmorek:

Im Grunde eigentlich einen vollkommen anderen Charakter als ich das sonst so mache. Normalerweise bin ich ja auf den nicht ganz so freundlichen Zeitgenossen festgelegt, zumindest, wenn ich drehe. In dem Fall ist es aber der ganz sympathische, liebevolle Schwiegersohn, der in eine sehr komplizierte Situation gerät.

Es geht um eine Verwechslungskomödie. Es gibt ein Paar, dass Jenny Jürgens und ich spielen, das an einen bestimmten Ort, eben Bahnhof Irgendwo, kommt, um ihren Vater zu treffen, den sie seit 35 Jahren nicht gesehen hat und der ihr geschrieben hat, um sie überhaupt erst kennen zu lernen.

Ich als ihr Lebensgefährte begleite sie und gehe durch sämtliche Höhen und Tiefen, die an dem ganzen Abend passieren. Es gibt da zwei Paare, die aufeinander treffen und eine ganze Menge lustiger Verwicklungen. Ich bin in dem Fall der Sympathieträger in der Geschichte.

Michaela Boland:

Du beschreibst die Rolle als auffällig abweichend von jenen, die Du sonst verkörperst. Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass man Dir in der Regel eher Bösewichte anbietet?

Klaus Zmorek:

Bei Fernseh- oder Filmproduktionen hat es sich, aus welchem Grund auch immer, so ergeben, dass ich eher für die Bad Boys zuständig bin. So wie die Geschichte, die ich zwei Jahre für die VL (Anm. d. Red.: Verbotene Liebe) gemacht habe, nämlich Adrian Degenhardt.

Der war zwar, wie es ein ehemaliger Produzent von mir ausdrückte, „We love to hate you“, das heißt, man mag ihn, aber er hat, ohne mich da vergleichen zu wollen, so ein bisschen etwas von J.R. in Dallas. Bei dem hat man es auch geliebt, ihn zu hassen.

Weil natürlich immer so eine gewisse Doppelbödigkeit und eine gewisse Ironie in der Figur angelegt ist. Es geht also nicht um einen eindimensionalen Bösewicht, sondern um einen solchen, der ein paar mehr Schichten hat,. aber natürlich letzen Endes trotzdem ein Mistkerl ist.

Michaela Boland:

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Rene Heinersdorff? In seinen Theaterproduktionen haben ja schon auffällig viele ehemalige Serienstars mitgewirkt.

Klaus Zmorek:

Rene kenne ich seit mittlerweile acht Jahren. Die Zusammenarbeit kam über andere Kollegen zustande, unter anderem auch über Jenny Jürgens. Mit ihr habe ich ja vor elf Jahren fast ein ganzes Jahr auf Mallorca zusammen „ Suche nach dem Pardies“ für Pro 7 gedreht.

Und da Jenny Rene Heinersdorff noch länger kennt als ich, nachdem sie quasi das Theater an der Kö in Düsseldorf vor 15 Jahren mit eröffnet hat, denn sie war bei der Eröffnungsproduktion dabei, haben Rene und ich uns über sie kennen gelernt.

Da Rene mich natürlich vom Bildschirm her kannte und sowieso alle Schauspieler in diesem Land kennt, hat er diesen üblichen Satz geäußert, den man so sagt, nämlich, „wir müssen mal was zusammen machen“.

Vor sechs Jahren haben wir dann zum ersten Mal ein Stück namens „Kleine Süchte“ zusammen mit Martin Semmelrogge und dessen Sohn Dustin aufgeführt. Das war ebenfalls ein sehr lustiges und erfolgreiches Stück.

Michaela Boland:

Ist die Arbeit auf der Bühne oder vor der Kamera reizvoller für dich? 

Klaus Zmorek:

Der Vorgang auf der Bühne ist natürlich ein vollkommen anderer als vor der Kamera. Vor der Kamera hast du höchstens drei Minuten am Stück zu absolvieren und wenn irgend etwas daneben geht, machst du es halt noch einmal. Wenn du etwas anders haben willst und hast noch ein bisschen Zeit, dann machst du es noch mal ein bisschen schöner.

Auf der Bühne ist einfach nur “one shot“ möglich. Entweder klappt die Szene oder sie klappt nicht. Natürlich hat man auch ausreichend Probenzeit davor und im Allgemeinen sollte es dann so sein, dass es klappt.

Aber jeder Theatergänger weiß auch durchaus von Abenden zu berichten, wo man sagen muss, dass es auf den Proben offensichtlich nicht so geklappt hat, weil der Abend einfach nicht funktioniert.

Aber es ist einfach das grundsätzliche Vergnügen, auf der Bühne zu stehen. Da kommt der Beruf her. Das ist nun mal der Kern dieses ganzen Vorgangs, den man Schauspielerei nennt

Michaela Boland: 

Manche Schauspieler begrüßen bei der Theaterarbeit, durch anwesendes Publikum unmittelbares Feedback auf ihre Leistung zu erfahren. Schätzt du dies ebenso?

Klaus Zmorek:  

Das ist ein großer Reiz, wobei man dies bei einer guten Fernsehproduktion im Prinzip auf andere Weise auch hat. Natürlich ist es dann nicht so wie beim echten Publikum. Wenn da 300 Leute sitzen, ist es natürlich etwas anderes, wenn die bei einer bestimmten Szene auf einen gewissen Augenblick reagieren, wie beispielsweise sich erschrecken oder sich freuen und lachen als am Set.

Aber bei so einer Geschichte wie beispielsweise der Filmproduktion „Das Wunder von Lengede“, wo wir dann in einem riesigen Wasserstudio gedreht haben und so richtig Cowboy und Indianer mit Wasser marsch und allem gespielt haben, da hat das Team natürlich auch applaudiert, wenn wir dabei alle ordentlich durchs Wasser gekommen sind und alles toll gelaufen war.

Das ist natürlich nicht so wie bei einem normalen “Industriejob“ wie bei einer “Daily“, wo es einfach um unglaubliches Tempo geht, obwohl man auch da eine Reaktion von den Leuten hinter der Kamera bekommt .

Auch die zeigen, wenn sie den einen besser und den anderen weniger gut finden. Die reagieren sehr wohl, nur natürlich nicht so direkt wie 300 Menschen im Zuschauerraum.

Michaela Boland:

Das heißt, ob auf der Bühne oder vor der Kamera, man bekommt auf jeden Fall direkt mit, ob man gerade gut oder schlecht gespielt hat?

Klaus Zmorek:  

Das sollte man als Schauspieler schon selber mitkriegen. Selbst wenn Dinge beim Drehen, wie man so schön sagt, “gekauft“ werden, muss man als Schauspieler immer noch wissen, ob die Szene gelungen ist oder nicht. Das ist wahrscheinlich auch der Unterschied zwischen Darstellern und Schauspielern.

Der Darsteller freut sich, wenn der Regisseur nickt und sagt, „es war gut“. Der Schauspieler weiß, ob er noch eine Wiederholung der Szene will und wenn er noch eine kriegt, dann macht er noch eine. Wenn nicht, dann weiß er, dass er damit leben kann.

Michaela Boland:

Gerade erwähntest Du die Dreharbeiten zu „Das Wunder von Lengede“. Dabei musstest du dich durch Wassermassen kämpfen. Wie hältst du dich für derartige Dreharbeiten körperlich fit?

Klaus Zmorek: 

Als Schauspieler ist man immer unregelmäßig beschäftigt. Es gibt Zeiten, da habe ich Zeit, quasi ganz normal in einen Kegelverein zu gehen, was ich natürlich nicht mache. Aber im Allgemeinen kann man eher keinem normalen Verein beitreten, doch, es gibt trotzdem unterschiedliche Möglichkeiten.

Ich spiele mit Freunden und Bekannten unregelmäßig Fußball auf der Wiese. Es gibt noch eine Extragruppe des Verbandes der Film- und Fernsehschauspieler, die sich im Sommer hier in Köln regelmäßig auf den Jahnwiesen treffen, um Fußball zu spielen Wenn es sich ergibt, spiele ich auch mit Bekannten Tennis.

Squash habe ich darüber hinaus auch eine Zeit lang relativ intensiv gespielt und wenn es geht, gehe ich segeln. Wenn ich am Meer bin, surfe ich auch schon mal. Als wir auf Mallorca gedreht haben, haben wir von der Produktion aus regelmäßig nach dem Drehen einmal pro Woche einen Beachvolleyballabend veranstaltet..

Michaela Boland: 

Hast du während der Schauspielausbildung auch das Fechten erlernt und bist insoweit gewappnet, wenn eine Mantel-und Degen-Rolle ins Haus flattert?

Klaus Zmorek:

Ja, natürlich habe ich das. Dieses klassische Bühnenfechten. Das ist natürlich jetzt auch schon 26 Jahre her, aber, das kann man dann wieder, wenn man es braucht. Doch das gehört genauso wie eine Grundausbildung in Gesang dazu. Das ist ja das Schöne an dem Beruf, dass man unglaublich viele Sachen lernen darf.

Michaela Boland:

Du kommst aus der Pfalz und hattest ein frühes Engagement am Frankfurter T.A.T. (Anm. d. Red.: Theater am Turm). Hat es dabei für dich eine Rolle gespielt, dass Star-Regisseur Rainer Werner Fassbinder einst dort beschäftigt war?

Klaus Zmorek: 

Das spielt in dem Augenblick, wenn man dort ist, überhaupt keine Rolle, denn man wird dort angeheuert, wo man angeheuert wird und wenn das ein gutes Theater ist, dann freut man sich. Wenn es nicht so gut ist, dann freut man sich eben nicht. Aber natürlich ist das etwas, was man weiß.

Das ist Theatergeschichte. Als ich am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert war, da wusste ich auch, dass das mal das Haus von Gründgens war. Solche Dinge weiß man natürlich, die sind aber für den Theaterabend am Ende relativ “wurst“.

Michaela Boland:

Es hätte ja sein können, dass du ein Anhänger von Fassbinder bist?

Klaus Zmorek:

Ich bin ein absoluter Anhänger. Als ich in Bonn engagiert war, haben wir ein sehr schönes Stück von den vielen Stücken, die Fassbinder geschrieben hat, gespielt, nämlich „Pre Paradise sorry now“.

Fassbinder hat in dem Fall das Problem untersucht, was passiert, wenn zwei zusammen sind und ein Dritter kommt hinzu. Das hat er brillant gemacht, deswegen war ich mir natürlich bewusst, dass Fassbinder einmal dort war als ich am T.A.T. gespielt habe.

Michaela Boland: 

Aus welcher Motivation heraus hast du deinen Beruf ergriffen?

Klaus Zmorek:  

Bis zum zarten Alter von 24 Jahren habe ich überhaupt nicht daran gedacht, weil ich eigentlich immer nur wusste, was ich nicht wollte. Ich bin in der Pfalz aufgewachsen, mein Vater war Malermeister und hatte ein kleines Malergeschäft und mir war ganz klar, dass ich das nicht machen wollte.

Ich war auf der kaufmännischen Handelsschule, um die mittlere Reife zu machen, und hatte eigentlich auch schon meinen Ausbildungsvertrag als Groß- und Einzelhandelskaufmann in der Tasche.

Doch dann wurde mir bewusst, dass man in diesem Beruf natürlich immer mit Anzug und Krawatte und Trallala aufzutauchen hat. Das war aber nicht unbedingt das, was ich mir für die nächsten 40 bis 50 Jahre vorgestellt hatte.

Weil meine Schwester dies gemacht hat, habe ich dann beschlossen, ebenfalls Sozialpädagogik zu studieren. Leider waren die Anmeldefristen bereits abgelaufen und so bin ich einfach nach Frankfurt gegangen und habe auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgemacht, weil mir klar war, „das wird so alles nichts“. Außerdem wollte ich mir aussuchen, was ich studieren wollte.

Michaela Boland:

Wenn du Abi auf dem zweiten Bildungsweg gemacht hast, hattest du wahrscheinlich schon irgend eine abgeschlossene Berufsausbildung?

Klaus Zmorek: 

Genau, weil diese Sozialpädagogik -Nummer nicht funktioniert hat, und ich in der Zwischenzeit wusste, dass, wenn ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachmachen wollte, eine fertige Berufsausbildung brauchen würde oder drei Jahre in irgend einem Beruf tätig sein müsste, habe ich innerhalb von anderthalb Jahren den Malergesellen gemacht.

Das hat mir während des Studiums immer mal wieder über die Runden geholfen. Nachdem ich dann nach Frankfurt gegangen war, hatte ich mich irgendwann für ein Lehramtstudium entschieden. Germanistik und Geschichte. Auch habe ich damit sogar für zwei Semester an der Johann Wolfgang Goethe Universität angefangen.

Und in der Zeit als ich das entschieden hatte, hat ein Freund von mir, der mittlerweile auch Schauspieler ist, eine Anzeige in der Frankfurter Rundschau gesehen, dass der Hessische Rundfunk Laiendarsteller für eine Filmproduktion suchte. Wenn man vorbeikomme, gebe es Entschädigungsgeld und ein Mittagessen.

Michaela Boland:

Das war Lockmittel genug?

Klaus Zmorek:  

Wir waren damals noch auf dem Abendgymnasium und dachten, das sei irgendwie eine gute Idee: Ein bisschen Kohle, ein bisschen Essen und du hast sogar noch Spaß dabei. Das Ende vom Lied war, dass ich eine der Hauptrollen gespielt habe.

Und für meinen Kumpel, der so ein rothaariges Mondgesicht hatte, wurde extra noch eine Rolle reingeschrieben. Das war lustigerweise eine Produktion mit Uwe Ochsenknecht, der damals noch unbekannt war. Aufgrund dieser Dreharbeiten habe ich für mich zum ersten Mal in meinem Leben festgestellt, das ist interessant.

Michaela Boland:    

Somit bist du dabei geblieben?

Klaus Zmorek:

Ich hatte keine Lust, was ja heute so der übliche Weg ist, einfach so ins Fernsehgeschäft hineinzurutschen. Da ich aus einer Handwerkerfamilie komme, wollte ich es natürlich anständig lernen oder gar nicht.

Für mich war klar, dass ich es nur mache, wenn ich an einer staatlichen Schule angenommen würde. Ich habe dann noch ein halbes Jahr am Schauspiel Frankfurt Komparserie gemacht und hatte das Glück, dann gleich bei Hans Neuenfels in der Aida als Bewegungschor mitzumachen.

Michaela Boland:

Was hat es damit auf sich?

Klaus Zmorek:  

Der Bewegungschor ist etwas, was Hans Neuenfels quasi für die Opernbühne erfunden hat, um den von Pausen verseuchten Opernchor irgendwie abzudrängen und alles, was schauspielerisch zu machen war, eben von Laien mit Begabung darstellen ließ .Er hat praktisch mit uns zwei Monate lang wie mit jungen Schauspielern gearbeitet.

Das war großartig als Erfahrung. Anschließend habe ich vier Vorsprechen gehabt und bin in Frankfurt, meinem letzten Termin, für den ich mir nach den drei vorangegangenen Vorsprechen, bei denen ich immer in die Schlussrunde gekommen war, es am Ende aber doch nicht ganz gereicht hatte, eigens noch mal neue Rollen zusammengestellt hatte ,an der Schule angenommen worden. Das wäre auch mein letzter Versuch gewesen, das war ganz klar für mich.

Michaela Boland:

Betrachtet man deine Vita, sieht man, dass du in der Vergangenheit vornehmlich klassische Rollen, wie Schillers “Don Karlos“ und “Die Räuber“ oder Aristophanes “Lysistrata“ verkörpert hast. In Düsseldorf hast du im krassen Gegensatz dazu nun reinen Boulevard gegeben. Hast du diesen Genrewechsel jetzt einfach mal gebraucht.

Klaus Zmorek:   

Nein, das hängt damit zusammen, dass, wenn man, wie in dem Fall, den Regisseur, den Autoren und Intendanten kennt, sowie die Kollegen, dann liest man das Stück und sagt, entweder ist es was oder es ist nichts. In dem Fall war es einfach etwas. Das ist weniger die Frage, ob man sich jetzt die ernsten oder weniger ernsten Sachen aussucht.

Es ist einfach ein Angebot, was gut klang und die Gelegenheit hatte, etwas Gutes zu werden, was es ja auch wurde. Es kam sehr gut an, die Kritiken waren gut. Dieser Beruf hat unglaublich viel mit Zufall, mit richtigem Timing und tausend Dingen zu tun, die man nicht beeinflussen kann. Es gibt vielleicht eine Handvoll Kollegen, und selbst bei denen wird es schwierig, die halbwegs sagen können, was sie machen wollen.

Michaela Boland: 

Wenn du freie Auswahl hättest, was für eine Rolle würdest du dir jetzt wünschen?

Klaus Zmorek:

In der dramaturgischen Literatur ist natürlich der Bösewicht meistens spannender als der nette freundliche Mensch, was auch mit der Anzahl von Konflikten zu tun hat. Wenn ich mir also wirklich etwas wünschen dürfte, dann wäre das im Grunde eher so was wie der Begriff „Broken Hero“, weil das die spannendsten Varianten sind.

Abgesehen davon, dass man so etwas im Privatleben auch selbst kennt. Das ist meiner Ansicht nach auch eine Voraussetzung dafür, bestimmte Figuren glaubhaft spielen zu können.

Auf der einen Seite jemanden zu haben, bei dem scheinbar alles in Ordnung ist, aber im Untergrund gibt es gigantische Verwerfungen. Das sind die Dinge, die für einen Schauspieler am interessantesten sind.

Michaela Boland: 

Wie bereitest du dich auf solche Rollen vor?

Klaus Zmorek: 

Das kann man nicht allgemein sagen- Man kann sich natürlich vorbereiten, man muss sich auch vorbereiten. Beim “Wunder von Lengede“ spielte ich einen Bergmann und hatte das Drehbuch relativ früh. Es gibt natürlich Tausende Varianten, sich vorzubereiten, Eine davon ist eine Art von Traumprobe.

Das heißt, man nimmt die Texte, die es gibt und fängt dann an, herumzuspinnen, „was ist die Biografie von der Figur, wo kommt der her, wie sieht sein Leben aus“? So, dass einfach eine spannende Figur entsteht. So wie im echten Leben. Man sieht es Menschen an, die eine wirkliche Geschichte haben.

Ich habe jetzt so eine kleine aber schöne Geschichte mit Christoph Hochhäusler gemacht, die im Herbst ins Kino kommt. Sie heißt: „Unter dir die Stadt“. Wenn man dann vorher miteinander spricht, hat man bereits die Ecken abgesteckt, wo sich die Figur bewegen soll.

Michaela Boland: 

In der Verbotenen Liebe (VL) hast du zwei Jahre lang mitgewirkt und einen Charakter mit Ecken und Kanten gemimt, bevor die von dir verkörperte Figur des Adrian Degenhardt aus der Serie verschwand. Dies wurde von vielen Fans sehr bedauert. Wie kam es zum Ausstieg?

Klaus Zmorek:  

Das wurde auch von meiner Seite sehr bedauert, weil ich eigentlich mit der Figur schon noch gerne etwas erzählt hätte. Aber es war einfach so, dass von Seiten der Produktion keine Geschichten mehr kamen, wo ich gesagt hätte, das lohnt sich zu erzählen. Und dann ist man eher so verblieben, dass man quasi noch mal auf mich zukommen wollte, was aber nicht passiert ist und mir vorher auch klar war, denn so ist das Geschäft.

Michaela Boland: 

Ex-Denver Biest, Joan Collins, wurde jüngst für einen Auftritt bei der VL gebucht. Wird sie die Serie jetzt aufmischen?

Klaus Zmorek: 

Das habe ich lustigerweise gestern gesehen. Es gab einen kurzen Bericht         , den ich zufällig beim Fitnesstraining im Studio mitbekommen habe. Da laufen ja diese üblichen Tagesprogramme und dabei sieht man dann, was überall passiert. Deswegen weiß ich so etwas überhaupt, weil ich ansonsten relativ wenig fernsehe, denn die Dinge, die mich wirklich interessieren, mache ich im Internet oder gehe ins Kino.

Michaela Boland: 

Welche Art Film siehst du dort besonders gerne?

Klaus Zmorek: 

Dokumentarfilme. Davon gibt es seit einigen Jahren ja wirklich sehr gute. Angefangen bei Michael Moore bis hin zu “Plastic Planet“ Es ist eine Dokumentation über die Plastikbelastung unserer Weltmeere. Ich schaue mir auch englische Produktionen an , weil ich finde, dass diese teilweise sehr gut produziert und gespielt werden.

Ich mag auch Hollywoodproduktionen, aber weniger diese Blockbuster. Die sind mir zu voll geknallt mit Klischees, so dass mir jedes Mal schlecht wird. Das ist ja wie Marshmallow in Zelluloid.

Michaela Boland:

Du hast schon in den unterschiedlichsten Städten gelebt. Derzeit wohnst du in Köln. Wie gerne bist du hier?

Klaus Zmorek:      

Ich bin ein Immi und bleibe es auch weiterhin. Ich bin sehr gerne in Köln, weil ich finde, dass Köln zu den angenehmsten Städten gehört. Wenn man es beispielsweise mit Berlin vergleicht, kann man es sofort auf der Straße spüren. Köln ist eine der am wenigsten aggressiven Städte.

München geht auch noch, hat aber natürlich so eine gewisse Gediegenheit, die einem auch auf den Senkel gehen kann, wobei es auf der anderen Seite von der Lebensqualität her unschlagbar ist. Von der Umgebung her wäre es eigentlich meine Lieblingsstadt, aber von der Atmosphäre her ist Köln einfach wahnsinnig angenehm.

Michaela Boland:

Du bist Vater einer Tochter. Wie alt ist sie?

Klaus Zmorek: 

Meine Tochter ist über 20 und das ist meine Familie. Sie hat bis sie 19 Jahre alt war bei mir gelebt, weil ich fast zehn Jahre lang allein erziehend war. Sie ist jetzt seit einiger Zeit in Hamburg, studiert dort Psychologie und ist bald durch

Michaela Boland: 

Wie würdest du deine Erfahrungen als allein erziehender Vater im Rückblick beschreiben?

Klaus Zmorek: 

Nunja, wie würden das allein erziehende Mütter beschreiben? Schwierig.

Michaela Boland:

Siehst du da einen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Klaus Zmorek:  

Ja und nein. Es gibt etwas, das allein erziehende Frauen wahrscheinlich selten abbekommen, nämlich so einen bewundernden Blick oder ein Schulterklopfen, dass man das irgendwie auch noch hinbekommt. Auf der anderen Seite natürlich auch großes Unverständnis, weil es so ungewöhnlich ist. Aber, man kann es nicht anders sagen, es ist in dem Beruf natürlich ganz großer Mist.

Michaela Boland: 

Wie hast du als allein erziehender Papa Kind und Karriere organisiert?

Klaus Zmorek:

Schwer. Jede allein erziehende Mutter kann ein Lied davon singen. Man jongliert hin und her, wenn man irgendwo Termine hat. Entweder mit Kindermädchen oder glücklicherweise gab es auch den großen Freundeskreis von meiner Tochter.

Und ab einem gewissen Alter konnte man dann fragen, willst du bei dieser oder jener Freundin schlafen, wenn man mal zwei Tage weg musste. Es gibt aber auch Dinge, die einfach nicht möglich waren.

Erst als meine Tochter 15 war, war es mir wieder möglich, für längere Zeit am National Theater in Weimar zu gastieren. Das war dann eine Kombination aus “bei der Freundin übernachten“ und “Freunde von mir sind mal für zwei Tage in der Wohnung“. Natürlich war das alles ein endloses Hin und Her.

Michaela Boland: 

Hattest du größere Schwierigkeiten, dein Kind loszulassen als andere Eltern, nachdem du sie allein groß gezogen hast?

Klaus Zmorek:

Ganz und gar nicht, denn das hat immer etwas mit der persönlichen Konstitution zu tun. Ich selber habe den Vorteil gehabt, schon mit 19 auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe nie Wäsche mit nach Hause gebracht oder finanzielle Unterstützung verlangt.

Und als Schauspieler, der sich in Menschen hineinfühlen kann, habe ich immer relativ gut verstanden, was in meiner Tochter vorging. Somit habe ich auch in Situationen, in denen andere Eltern vielleicht nein gesagt hätten, akzeptiert, dass es bestimmte Dinge gibt, bei denen die Sehnsucht, jetzt endlich auch mal zu machen, was andere dürfen, sehr groß ist und gesagt, ,,o.k., ich habe so viel Vertrauen in mein Kind, dass das in Ordnung geht“. Wenn ich weiß wo sie ist und wer da ansonsten noch ist, ist es gut und ich akzeptiere, dass es einen gewissen Teil gibt, den ich nicht weiß.

Michaela Boland: 

War das immer einfach?

Klaus Zmorek:

Es war überhaupt nicht einfach. Schon gar nicht, wenn man ein Mädchen hat. Dennoch bin ich damit gut gefahren und auch hatte ich das Glück, eine Tochter zu haben, die diesen Erziehungsstil immer ganz wunderbar rechtfertigt hat.

Auch wenn es Sachen gab, bei denen andere Eltern ausgerastet wären, habe ich den Vorteil, dass ich als Schauspieler bestimmte Dinge im Leben kenne und Dinge gemacht habe, die andere vielleicht nicht gemacht haben.

Ich habe meine Tochter immer als selbständiges Wesen begriffen und so lange mir klar war, dass das, was meine Tochter vor hat, auch wirklich von ihr durchdacht war, war es für mich in Ordnung. Sie hat beispielsweise mit 18 nach dem Abitur für ein halbes Jahr eine Weltreise gemacht.

Die Idee dazu hatte sie aber schon mit 15. Ich habe ihr immer gesagt, wenn ich das Gefühl habe, dass du soweit bist, dann kannst du fahren. Dann hat sie anderthalb Jahre lang die Planung hierfür gemacht bis hin zu der Klärung, wie es sich versicherungsrechtlich für sie verhält, wenn sie unterwegs sein würde.

Das war für mich ein Zeichen zu sagen, jetzt ist es o.k. Ein Restrisiko, womit die meisten Menschen ein Problem haben, bleibt natürlich immer, denn das Leben ist nun mal blöderweise ein Risiko.

Michaela Boland: 

Eine Schauspielkollegin von Dir hat im Rahmen einer wissenschaftlichen Expertise die Behauptung aufgestellt, dass es besser sei, sich nicht in einen Schauspieler zu verlieben. Könntest du dir hierfür eine Begründung vorstellen?

 

Klaus Zmorek:

Einerseits ja, andererseits völliger Blödsinn. Natürlich wäre ich in der Lage, jemandem alles vorzuspielen. Alles vorspielen kann jeder Depp. Das kann man jeden Tag in den Celebrity Nachrichten sehen. Wie glaubhaft, kann man auch sehen. Natürlich wäre ich theoretisch dazu in der Lage, jemandem bestimmte Gefühle vorzuspiegeln, die er mir abkauft.

Ich habe aber eine Gegentheorie dazu: Jeder gute Schauspieler ist ein ganz schlechter Lügner. Nur wenn man richtig vorbereitet ist, kann man die Szene leben. Wenn ich anfangen muss zu lügen, fange ich an zu stemmen, zu produzieren, das sieht man ja in diversen Produktionen.

Ein geschultes Auge merkt das auch, das ist aber erbärmlich. Das einzige, was faszinierend ist und das gilt für alle Kunst, ist die Wahrhaftigkeit. Deshalb ist die Behauptung natürlich Unsinn. Man kann sich in Schauspieler genauso verlieben wie in alle anderen Menschen.

Was aber mit Sicherheit ein Faktor ist, ist dass das Zusammensein mit einem Schauspieler außerordentlich anstrengend sein kann. Denn ein Schauspieler ist immer auch gleichzeitig sein eigenes Instrument.. Wenn bei mir vier Wochen das Telefon nicht klingelt, dann kann das schwierig werden. Das kann durchaus zu Spannungen führen.

Michaela Boland:

Hast du dich häufiger in Kolleginnen verliebt oder in sogenannte „normale“ Frauen?

Klaus Zmorek: 

Ich glaube, in „normale“ Frauen habe ich mich noch nie verliebt. Sie waren und sind immer spezifische Frauen. Ob vom Beruf her oder nicht, ist so Fifty Fifty. Sich in eine Kollegin zu verlieben hat starke Vor- und genauso starke Nachteile. Die Vorteile sind, dass man bestimmte Dinge oder Schwankungen nicht erklären muss.

Die Nachteile sind, ich könnte mich nicht in eine Kollegin verlieben, die ich nicht als gute Schauspielerin betrachte. Das ist die Voraussetzung. Ich habe auch keine Freunde, die Schauspieler sind, die ich nicht als gute Schauspieler betrachte.

Das ist eine Frage des Respekts. Das ist ja in anderen Berufsgruppen nicht anders. Denn jemand in leitender Position hat selten die Aushilfskraft als besten Freund.

Michaela Boland:

Inwieweit interessierst du dich für bildende Kunst?

Klaus Zmorek: 

Bildende Kunst, das umfasst ja moderne, zeitgenössische aber auch klassische Kunst und kann auch als ein Quell oder Inspiration für bestimmte Rollen benutzt werden. Wenn man beispielsweise historische Produktionen macht.

Damals in der Ausbildung in Frankfurt haben wir Figuren aus einem Fotoband von August Sander nachgestellt. Ein Bild, das eine starke Stimmung ausdrückt, kann mir helfen, in einer bestimmten Szene meine persönliche Phantasie für den Augenblick oder für die Atmosphäre anzureichern.

Michaela Boland: 

Könntest Du ein solches Bild benennen?

Klaus Zmorek: 

Endlos, viel zu viele. Es gibt ein paar Bilder von Wassily Kandinsky, es gibt Bilder aus der Frühphase von Picasso, die ganz starke, dramatische Faktoren beinhalten. Aus der Bildhauerei die Figuren von Alberto Giacometti haben eine unglaubliche Kraft und Ausdrucksstärke bis hin zu Bildern von Caspar David Friedrich.

Das Besondere ist die Stimmung, die in dem jeweiligen Bild liegt und die damit transportiert wird und so schwer zu beschreiben ist, die man dann für eine Szene mitnehmen kann, wenn diese es denn hergibt. Es gibt leider nicht so viele Kollegen, die das Bewusstsein dafür überhaupt mitbringen.

Wenn man mit ein paar guten Leuten zusammen arbeitet, kann man mit solchen Sachen, ebenso wie mit Musik als Stimulus ganz wunderbar arbeiten, um sofort eine Atmosphäre herzustellen, die sonst erst durch wahnsinnig viel Gequatsche hergestellt werden kann.

Michaela Boland:

Was für Bilder hängen bei dir zu Hause?

Klaus Zmorek:

Meine eigenen, denn ich male auch. Das ist aber alles nichts zum Herzeigen.

Michaela Boland:

In welcher Technik malst du?

Klaus Zmorek:

Ich habe zwar auch schon Kohlesachen gemacht, aber jetzt ist es hauptsächlich Öl oder Acryl.

Michaela Boland:

Seit wann widmest du dich der Malerei aktiv?

Klaus Zmorek:

Ganz unregelmäßig seit vielen Jahren. Das meiste davon schmeiße ich wieder weg, denn ich bin natürlich auch kritisch genug um zu sagen, das ist nett, aber langweilig. Manchmal ist es auch nur etwas, das mich über bestimmte Phasen meines Lebens begleitet.

In meiner Küche hatte ich beispielsweise Jahre lang so etwas ähnliches wie Mark Rothko macht, also etwas sehr Dunkles mit ganz vielen Farben darunter, insoweit komplett übermalt also abstrakt. Es waren Farbflächen, die auf den ersten Blick fast schwarz waren, aber bei unterschiedlicher Lichtreflexion verschieden changiert haben.

Michaela Boland:

Hast du noch in Erinnerung, was dich gerade zu diesem Bild inspiriert hat?

Klaus Zmorek: 

(Lacht) Ja, das weiß ich ziemlich genau, ist aber privat. Irgendwo hängt bei mir auch noch ein Miro-Druck herum. Das ist für mich einer der ganz großen Künstler, den ich für mich auf Mallorca entdeckt habe. Dort, wo er ja auch gelebt und gearbeitet hat, gibt es ein großes Museum.

Ich hatte das Glück, in Spanien in den Privatbereich seiner ehemaligen Villa zu kommen, wo zum Teil noch die alten Leinwände stehen. Die Entstehung nach zu verfolgen, wie es also von der Idee zum Bild kommt, war so beeindruckend, dass mich solche Dinge immer wieder selbst dazu bringen, etwas zu malen.

Michaela Boland: 

Womit beschäftigst du dich ansonsten?

Klaus Zmorek:

Ich mache auch Musik. Das ist aber auch nur ganz privat. Das ist auch nur für Freunde.

Michaela Boland: 

Was spielst oder singst du?

Klaus Zmorek: 

Ich mache eigentlich alles, ich singe, spiele Gitarre und spiele eher leidlich Klavier. Mit 23 hatte ich auch mal eine eigene kleine Band in Frankfurt.

Michaela Boland:

Wie hieß sie?

Klaus Zmorek: 

(Lacht) Einfach nur Micky, Jogi und Klaus. Damals gab es in Frankfurt Sachsenhausen mehrer dieser kleinen Musikkneipen, wo wir öfter mal gegen Essen und Getränke gespielt haben. Die übliche Crosby, Stills, Nash & Young Richtung. Heute spiele ich für mich selbst und meine Freunde.

Ich gehöre nicht zu den Kollegen, die jetzt unbedingt ihre nächste CD heraus bringen müssen.. Es ist einfach ein Vergnügen, sich mit etwas zu beschäftigen, was natürlich im weitesten Sinne auch etwas mit dem Beruf zu tun hat. Deswegen muss man es aber nicht unbedingt den Zeitgenossen um die Ohren hauen.

Michaela Boland: 

Deine Stimme weißt du ja auch anders gewinnbringend ein zu setzten, denn du sprichst auch professionell.

Klaus Zmorek:

Genau. Hier in Köln hauptsächlich für den WDR, also irgendwelche Radio Features. Hörspiele jetzt seit längere Zeit nicht mehr, weil ich mich darum ewig nicht bemüht habe, aber, das wird sich auch wieder ergeben. Auch habe ich letzte Woche gerade eine sehr schöne Dokumentation über die erste Benny Goodman – Tour durch Russland im Jahre 1959 gemacht.

Solche Sachen mache ich wahnsinnig gerne. Was man darüber hinaus auch ganz offen sagen kann, ist, dass Hörfunk im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, wie beispielsweise Fernsehproduktionen, die vielleicht nicht unbedingt auf der Höhe der eigenen Intelligenz liegen, doch noch eine andere Gründlichkeit hat. Es funktioniert auch einfach anders.

Michaela Boland:

Was sind deine nächsten Projekte, abgesehen vom bereits erwähnten neuen Kinofilm im Herbst?

Klaus Zmorek:

Die nächsten Projekte sind alle komplett unsicher, wie das ja im Moment überall so ist. Es gibt diverse Anfragen und Theaterplanungen. Doch das ist alles noch komplett offen und wird sich weisen. Darüber hinaus schaue ich, ob ich mich vielleicht auch ein bisschen im Ausland umtue, nachdem hier in Deutschland einiges mein Missfallen erregt.

Michaela Boland:

Worauf spielst du konkret an?

Klaus Zmorek:  

Ich finde, das Land ist in einem katastrophalen Zustand und das ist absolut der Politik der letzten 20 Jahre geschuldet sowie den sogenannten Eliten, die uns angeblich führen. Die Finanzkrise ist nur ein kleiner Ausdruck davon.

Michaela Boland:

Was wäre im Hinblick auf einen neuen Wohnort augenblicklich eine interessante Alternative für dich? Griechenland beispielsweise ist ja derzeit auch kein ruhiges Pflaster.

Kaus Zmorek:

Wenn man Geld hat, ist eigentlich alles eine Alternative. Griechenland wird auf lange Zeit hin billig bleiben. Das, was mit Griechenland passiert ist genauso ein Punkt, den man einfach nur als völlig lächerlich abtun muss. Die internationalen Spekulanten haben sich auf Griechenland eingeschossen, das ist alles, nichts anderes.

Natürlich hat Griechenland Korruptionsprobleme und andere Dinge, na klar. Nur, wenn ich mir Siemens angucke oder MAN in Deutschland, glaube ich, haben wir auch ganz schöne Korruptionsprobleme.

Herr von Pierer muss jetzt gerade irgendwelche Bußgelder bezahlen. Das ist das, was wir als Elite unseres Landes bezeichnen. Da kriege ich ganz schön unfreundliche Anwandlungen. Also, die Dummheit nimmt rapide zu.

Michaela Boland:

Soweit du Anstoß an verschiedenen Gegebenheiten nimmst, hast du jemals in Betracht gezogen auch selbst einmal politisch aktiv zu werden?

Klaus Zmorek: 

Das ist sinnlos als Schauspieler. Das ist aus vielen Gründen sinnlos. Wenn ich kein Schauspieler wäre, wäre ich sicherlich schon politisch aktiv geworden. Als ich noch studiert habe, war ich natürlich politisch aktiv, zwar nicht in Parteien, denn das ist mir nicht gegeben, da ich auch nicht irgendwelchen Kaninchenzüchtervereinen beitrete.

Ich bin ungeeignet in solchen Dingen. Wenn ich einen „normalen“ Beruf hätte, wäre ich sicherlich in irgend einer Partei und würde auf irgendeine Art und Weise die Kröten schlucken und wäre dort aktiv.

Nur der Zustand der Parteienlandschaft ist mit „erbärmlich“ freundlich ausgedrückt. Es ist eine einzige korrupte Veranstaltung. Nicht nur, was sichtbar wird, was in der Presse herumgeistert, dass man sich einen Ministerpräsidenten mieten kann.

Wie hat der Kabarettist Herr Pelzig so schön gesagt, „die FDP kann man nicht kaufen, man kann sie mieten“. Das finde ich sehr schön. Es ist auch sehr treffend. Es ist leider kein Kabarett, sondern die Wahrheit.

Michaela Boland:

Wäre so etwas in deinen Augen womöglich Inhalt für ein schönes Fernsehformat?

Klaus Zmorek: 

Das wäre ein sehr schönes Fernsehformat, wenn nicht in den Rundfunkräten diese ganzen Kollegen sitzen würden. Man hat es ja beim ZDF gesehen mit dem Fall Brender, wo es jetzt gar nicht um Herrn Brender geht. Der Mann ist selber nicht unbedingt die Art von Journalist, die ich persönlich bewundernswert finde, aber der Vorgang an sich ist schon an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten.

Dass ein Ministerpräsident einfach sagt, „nein, den beschäftigen wir nicht mehr“. Das ist weder seine Aufgabe noch seine Befugnis. Aber, um das abzukürzen, weswegen es keinen Sinn für mich macht, politisch aktiv zu werden: Man kann das machen wie Reagan, der dann von den Republikanern als Sprechpuppe benutzt wird.

Wo dann neben ihm der Einflüsterer steht und sagt, „So, du bist Schauspieler, da kannst du jetzt den Text machen“. Das ist albern. Man kann es im Augenblick an einem anderen Politdarsteller, der das sehr gut macht, nämlich Schwarzenegger, sehen.

Das ist eine schöne Kombination, denn Kalifornien ist eines der wirtschaftlich stärksten Länder in den USA und ist komplett pleite. Das ist das, was uns in Deutschland auch droht. Es ist aber nicht so, dass wir kein Geld hätten, sondern das sind Folgen der Politik, die absichtlich gemacht wird.

Michaela Boland:

Welche Lösungsansätze siehst du für dich persönlich?

Klaus Zmorek:  

„Starve the Beast“, ist ein Motto, das noch zu Reagans Zeiten von den Chicago Boys auf die Fahne geschrieben wurde, also, „hungert das Biest aus“. Das Biest ist der Staat. Wenn man sich einfach nur ganz klar macht, dass der Staat wir sind, also du, ich und alle anderen, dann nehme ich den Satz persönlich.

Und genau darum geht es auch. Deswegen prüfe ich im Augenblick sämtliche Optionen. Ich mache natürlich meinen Beruf hier mit vollem Einsatz und voller Liebe und Hingabe weiter.

Doch ich halte mir durchaus die Option des Auswanderns offen, denn das, was hier geschieht, ist nicht schön. Ich habe mir unter anderem diesen Beruf ausgesucht, weil ich eine gewisse Menge an Vergnügen in meinem Leben haben möchte.

Michaela Boland: 

Auf dass du in diesem Sinne noch jede Menge Freude in Beruf und Privatleben erfahren wirst. Für dieses ausgesprochen vergnügliche Interview jedenfalls herzlichen Dank.    

Klaus Zmorek ist deutscher Schauspieler und wurde am 04.12.1957 in Lemberg in der Pfalz geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte der gelernte Malergeselle, der zuvor zwei Semester lang Germanistik und Geschichte auf Lehramt an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt  am Main studierte, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Im kalifornischen Los Angeles schloss er außerdem eine Zusatzausbildung in Camera Acting an. Zmorek hatte u.a. Engagements am Frankfurter Theater am Turm, am Schauspielhaus Basel, Schauspielhaus Wien sowie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Neben seiner Bühnentätigkeit begann der Schauspieler bereits Mitte der 1990er Jahre seine Film- und Fernsehkarriere. Er spielte u.a. in „Das Wunder von Lengede“; „Antikörper“ „Alarm für Cobra 11“ und „Der Fahnder“. Klaus Zmorek ist Vater einer Tochter.

Infos unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Zmorek 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“. Des weiteren moderierte Boland die Vorabend-Live-Show “ARD-Studio EINS“, die 3-Sat Kulturtalkshow „Doppelkopf“ und das Casino-Unterhaltungsformat „Casinolife“ auf TV NRW. Für „Guten Abend RTL“ arbeitete sie als On-Reporterin und Redakteurin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

 

mehr

26.03.2010 Ihr neuster Einfall: Das „ART CARROUSEL“

Michaela Boland - mit 9 Bildern

Der Wirtschaftskrise zeigt sie die Zähne. In ihrem Leben hatte sie nur zwei Träume: Die ganze Welt zu sehen und zu malen. Beides hat sie weitestgehend vermocht. Trotz des hartnäckigen Widerstandes ihrer bürgerlichen Familie, setzte sich die zeitlos schöne Ursula Wandel durch, finanzierte sich ihr Malerei-Studium kurzerhand als Model.

Für Roberto Cavalli und Paco Rabanne präsentierte sie schmal geschnittene Samt-Ensembles mit bemalten Lederbordüren sowie die berühmten Blechkleider solange auf den Laufstegen Europas, bis sie endlich vor der Staffelei landete.

Heute stellt die gebürtige Bremerin, die sich dem Surrealismus verschrieben hat, nicht nur regelmäßig in Städten wie New York, San Francisco, Seoul, Amsterdam oder Dubai aus, sondern entwickelt auch in ihrer Heimat originelle Ideen, um die Kunst an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Ihr neuster Einfall: Das „ART CARROUSEL“. Wie schnell sich dasselbe dreht, ob es bei ihr immer rund läuft, wie sie die Menschen „entschleunigen“ will und warum sie findet, dass wir viel bessere Künstler haben als jene, die tagtäglich in der Zeitung stehen, verriet sie GFDK-Mitarbeiterin Michaela Boland. 

Wir treffen uns im „Past & Future“ einem neuartigen und außergewöhnlichen Astro-Restaurant in einer eher düsteren Ecke von Köln. Hier kann man sich zwischen Liebesorakel-Salat und Voodoo- Hähnchen auf Wunsch die Karten legen und die Zukunft deuten lassen.

Künstlerin Ursula Wandel hat der Inhaberin soeben einige Bilder zur Verfügung gestellt, die zur Thematik passen. Als Wandel erfahren hatte, was Inhaberin Aida Le Pesqueur da eröffnet hatte, habe die Künstlerin, die sich seit langem sowohl für Astronomie als auch für Astrologie interessiere, sofort angeboten, ihr einige Kunstwerke vorbeizubringen.

Jetzt ranken ein Bild, auf dem riesige Augen, die, gesichtslos, unvermittelt aus dem Himmel inmitten kleiner Wolken einem jeden Betrachter geradewegs ins Antlitz blicken , ein Buddha-Bildnis, sowie ein Gemälde mit in türkis und braun gehaltenen, geheimnisvollen Schriftzeichen von den Wänden des neu hinzugewonnenen und frisch renovierten Hinterzimmers, das eine Erweiterung der Spiritual-Bar darstellt.

Ursula Wandel hatte das Hieroglyphen-Bild schon vor längerer Zeit angefertigt, befindet aber jetzt, dass es geradezu perfekt an seinen neuen Standort passe, und erwerben könne man es natürlich nach wie vor.

„Wie groß ist Dein Interesse für Esoterik“ ,möchte ich wissen. „Esoterik ist ja ein recht umfangreiches Feld“, antwortet Wandel, „was mich daran immer interessiert hat, ist teilweise das Religiöse, teilweise die Astrologie. Früher habe ich sogar hin und wieder astrologische Dinner veranstaltet.

Aber ganz so einfach ist das mit der Astrologie gar nicht. Ansonsten gäbe es ja nur zwölf unterschiedliche Typen. Man muss schon die Ephemeriden* (*Anm. d. Red.: von griechisch ephemerios „nur einen Tag lang dauernd“; Ephemeride = Tabelle, die die Positionen eines sich bewegenden astronomischen Objekts auflistet) kennen, da ist dann nämlich genau nachvollziehbar, wie die Gestirne zum Zeitpunkt der Geburt standen und danach kann man eine recht interessante Charakteranalyse machen.

In der Zukunftsdeutung würde ich sagen, ist die Astrologie ein bisschen überfordert aber für die Charakteranalyse ist sie schon sehr hilfreich und interessant“, mein Ursula Wandel, deren eigenes Sternbild Krebs mit dem Aszendenten Waage ist.

Die blonde Künstlerin mit großen blauen Augen und strahlend weißen Zähnen lacht herzlich. Dass sie in früheren Jahren als Mannequin auf europäischen Laufstegen Männerherzen höher schlagen ließ, ist auch noch heute nachvollziehbar.

Am 25. Juni 1948 geboren, wächst Wandel in der Nähe von Bremen auf. Als „Nachzüglerin“ stößt sie weder bei dem um 13 Jahre älteren Bruder, noch bei der elf Jahre älteren Schwester auf Verständnis als sie nach der Schule verkündet, Künstlerin werden zu wollen. „Da war zu Hause der Teufel los“, erinnert sich Wandel.

„Meine Familie kam aus der Nähe von Breslau, war sehr bürgerlich und hatte gerade im Krieg alles verloren. Sie meinten, es müsse wieder Geld in die Kasse und fragten mich empört, wie das gehen solle, wenn ich Künstlerin werden wolle“.

Obwohl sich Wandels Mutter wegen der Zukunftspläne ihres Nesthäkchens ständig die Haare raufte, setzte die junge Ursula zumindest durch, zunächst eine fotografische Ausbildung zu durchlaufen.

„Da bin ich dann zu einem bekannten Fotografen namens Will Schröder in Bremen gegangen, der eine Kamera mit 18 x 24-er Platten konstruiert und eine Technik entwickelt hatte, die es möglich machte, beispielsweise ein nackte Frau zu fotografieren, die gerade eine Treppe hinunterstieg und sie auf einem einzigen Negativ auf jeder Stufe zu belichten.“

Für die damalige Zeit eine Sensation, denn an digitale Fotografie war noch lange nicht zu denken. Die Ausbildung hat Wandel erst einmal „durchgezogen“. Danach wollte sie aber finanziell unabhängig sein.

Nebenbei hatte die hübsche „Uschi“, wie Freunde sie nennen, schon damals als Model in einigen Werbefilmen des ehemaligen NDR- Fernsehredakteurs, Regisseurs und Produzenten, Michael Leckebusch, mitgewirkt. Er war es auch, der mit dem erfolgreichen TV-Format „Beat-Club“, moderiert von Manfred Saxauer und Uschi Nerke, die erste Musiksendung für die damalige Jugend umsetzte.

„Über den gab es eine Menge Kontakte“, erzählt Ursula Wandel. „Das ist ja manchmal wie so ein Schneeball: Machst Du eine Türe auf, gehen direkt noch fünf weitere Türen auf.“ Und so verschlug es Wandel über diese Schiene zunächst nach Florenz und zwar auf den  Laufsteg der „Alta Moda“.

 Für Paco Rabanne schlüpfte sie fortan regelmäßig in eher unbequeme Kleider: „Die waren aus Blech, es ging in einen Koffer immer nur ein Kleid hinein und man konnte es kaum tragen. Und die Mädels, die einem da rein und raus halfen, saßen auch nicht mit Nadel und Faden da, sondern mit Zangen.“

Jene Damen-Oberbekleidung habe Wandel sodann mehrere Jahre „durch ganz Europa getragen“, bevor sie dann in die wesentlich bequemeren Samt-Ensembles mit schmal geschnittener Passform des damals noch jungen Roberto Cavalli schlüpfen durfte.

„Im Hinterstübchen hatte ich immer, dass es nicht meine Welt ist, da auf dem Laufsteg herumzuturnen. Dort haben ohnehin immer alle einen an der Waffel, aber das ist ein anderes Problem“, lacht die Künstlerin.

Diese Überbrückungszeit hat Wandel glücklich hinter sich gebracht. „Ich habe Ausbildung und Fotoschule sehr genossen und für damalige Verhältnisse auch viel gelernt, aber ich wollte immer malen“, erinnert sich die Künstlerin. Es folgt das langersehnte Malereistudium.

Weil es ihr wichtig gewesen sei, direkt von Profis zu lernen, verbringt Wandel nur kurze Zeit an der Kunsthochschule Köln. Es folgen private Studien bei namhaften Künstlern wie beispielsweise dem amerikanischen Maler Mendij. Dieser sorgte bereits dadurch für Furore, dass er die einstigen Verlobungsgeschenke aus der früheren Verbindung zu Leinwandstar Natalie Wood in Skulpturen eingoss.

Wandel setzt sich mit unterschiedlichsten Stilen auseinander, „rennt in jedes Museum“. „Aber mit den Jahren kam ich der Art und Weise der surrealen Malerei immer näher und habe dann auch gemerkt, das ist mein Ding.“

„Wer hat Dich in erster Linie inspiriert“, frage ich die Malerin. „Natürlich Salvador Dali“, antwortet sie. „Gerade dieses naturalistische Malen im surrealen Zusammenhang hat mich am meisten fasziniert.“

Bei jedem Maler gebe es gewisse Phasen, erläutert Ursula Wandel. So habe sie jetzt eine ganze Serie gemalt, welche im ersten Moment, in dem man sie sehe, gar nichts mit Surrealismus zu tun habe, schildert sie. Erst, wenn man sich näher damit befasse, erkenne man den surrealistischen Zusammenhang, meint Wandel.

„Meine Bilder erzählen immer Geschichten“, erläutert sie, „und das waren Geschichten vom Frieden unter den Religionen, was schwierig darzustellen war. Aber es ist mir so gut gelungen, dass ein Museum die Serie bereits gekauft hat.“ Auf die Frage, wie Wandel dieses Thema rein technisch dargestellt habe, erklärt sie:

„ Ich habe teilweise Zeitungspapier auf Holz aufgezogen und auf jenen Zeitungsartikeln ging es um Frieden und Krieg. Ebenso habe ich mit Rost und Kupfer gemalt, alles Dinge, die sich verändern und nicht so bleiben, wie sie sind.

Der Hintergrund ist der, dass wenn wir Weltfrieden haben wollen, muss sich viel verändern und wenn wir die ersten Schritte machen, wissen wir nie, wie sieht es danach in ein bis zwei Jahren aus? Insofern ist die Thematik bereits bei der Auswahl des verwendeten Materials mit einbezogen.“

Wandel hat häufig arabische und islamische Länder bereist. Fasziniert zeigt sie sich noch heute über die arabische Kaligraphie, die für sie das Schönste darstelle, was es in der Grafik überhaupt gebe. Und so habe sie auch dies in ihre Werke mit einbezogen, berichtet sie begeistert.

„Es ist z.B. ein Bild dabei, da ist der Rost über den Rahmen gezogen, dann ein florales Bild drumherumgegeben und „Big Apple“ (New York) als roter Apfel dargestellt, an welchem sich eine Schlange herunterschlängelt.

Innen drin ist dann wieder alles aus Rost und das Ganze ist dann mit einem arabischen Text versehen,  der sich auf Frieden und Freiheit bezieht, aber nicht in einer fortlaufenden Zeile geschrieben, sondern als Kunstwerk aufgelöst“ beschreibt Wandel das Bild.

Das Museum, welches Wandels komplette Serie mit insgesamt sieben Exponaten zum Thema Frieden und Religionen bereits aufgekauft hat, ist übrigens erst im Begriff zu entstehen. „Da wird in Indianapolis ein neues Friedensmuseum entstehen, wo jede Religion einen Pavillon erhält, darüber hinaus wird es ein Haupthaus geben, in dem dann auch die Bilder hängen“, weiß Ursula Wandel.

Es gebe einen deutschen Unternehmer, der die Stiftung hierzu gegründet und Teile seines Vermögens eingebracht habe, erzählt die Malerin. „Sie haben jetzt die Religionsführer zusammen und ich glaube, im März findet die erste Konferenz statt“, sagt Wandel.

Erfreulich: Zusätzlich wurde bei Ursula Wandel von dieser Seite noch ein ganz bestimmtes weiteres Bild in Auftrag gegeben. Doch über Details wird erst noch verhandelt.

„Wie entstehen die Ideen zu Deiner Kunst“, möchte ich wissen. „Manches fällt mir nachts ein“, beschreibt Wandel, „da wache ich auf, habe eine Idee und muss sie mir aufschreiben, sonst ist sie am nächsten Tag weg. Das Konzept zum Frieden- und Religionen- Thema  hat sich allerdings entwickelt als ich die arabischen Länder bereist habe.

Schon Ende der 80-er Jahre habe ich meine Leidenschaft hierfür entwickelt als ich eine Niltour unternommen habe. Damals zog die Wüste an mir vorüber und schon da wollte ich einmal tief hinein, um der Natur der Dinge, also ihrer Seele näher zu kommen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber noch nicht getraut und so habe ich erst einmal viele arabische Länder bereist, bevor ich mich einmal nur mit Führer, Kamel und Schlafsack für längere Zeit in die tunesische Wüste gewagt habe.“

Inspirierend scheinen für die 61-jährige, zweifach geschiedene Mutter einer erwachsenen Tochter auch alte ägyptische Zeichnungen und Skulpturen zu sein. „Ich sehe diese Dinge der alten Ägypter mit als das Perfekteste an, was je geschaffen worden ist und das vor 6000 Jahren.

Im ägyptischen Museum in Kairo könnte ich Wochen verbringen“, schwärmt Ursula Wandel. Und das dem „Past & Future“ zur Verfügung gestellte Bildnis unterstreicht diese Leidenschaft nur.

Als Wandel schon in den 70-er Jahren „im Kopf weit genug“ für den Surrealismus war, jedoch „noch nicht mit dem Pinsel“, trifft sie durch Zufall Künstler Bernhard Mertens auf ihrer ersten größeren Ausstellung. „Er ist einer der besten lebenden Maler auf diesem Gebiet und zeigte mir damals auch seine Bilder.

Seine Richtung kommt mir aus dem Herzen.“ Und so kommt es auch, dass Wandel fortan bei dem Kölner Künstler lernt. Auf die Frage, ob man bei dieser Art der Malerei an eine bestimmte Technik gebunden sei, erläutert sie: „Wer zwingt Dich dazu?

Wenn man sich nicht in die Hände von Galeristen, Museen oder der Presse begibt, dann ist man frei und kann auch experimentieren. Man kann Dinge tun, die ein Galerist oder Museum niemals zulassen würde. Die sagen dir nämlich genau, diese und jene Richtung und bleiben dann ihr Leben lang darauf kleben.

Da gibt es viele Beispiele für. Wenn sie Glück haben, verdienen sie damit zwar viel Geld, wesentlich mehr als ich, weil alles im großen Stil vermarktet wird und sie bekommen schon mal eine halbe Million für so ein Bild, wovon ich nur träumen kann.

Doch dafür bin ich frei, kann alles machen, was ich will und muss nur mein Publikum mitnehmen.“ Auch Dali, so erinnert sie sich, habe ja ebenfalls wahnsinnig experimentiert. So sei ihr bei einem Dali-Museumsbesuch in Florida ein Bild des spanischen extravaganten Künstlers besonders ins Auge gestochen:

In jenem Museum, in welchem eher weniger bekannte Werke des Malers hingen, nachdem sich diese alle in Privateigentum befänden und man sehr genau darauf achte, dass jene Bilder nicht auf Reisen gingen, sondern an Ort und Stelle blieben, habe ein Bild gehangen, das komplett aus gemalten Pixeln bestand. Von Dali zu einer Zeit gemalt als sich noch niemand im Entferntesten vorstellen konnte, was es einmal mit Pixeln auf sich haben würde.

Ob ein solches Pixel-Bild zu Dali`s Zeiten wohl auch schon durch Neuerungen offen gegenüber stehenden Kunstfreunden oder gar öffentliche Hand gefördert worden wäre? Was die Kunstförderung von heute anbelangt, so hat Ursula Wandel jedenfalls eine klare Haltung:

„In den Vereinigten Staaten wird grundsätzlich mehr Geld für Kunstförderung ausgegeben als hierzulande.“ Man sehe es schon daran, dass US-Galerien, ob es sich nun um solche in San Francisco oder solche in New York handle, häufig einfach das komplette Stil-Spektrum abdeckten.

„Und das in einer solch hohen Qualität, dass es einfach nur schön ist“, schwärmt Wandel. Demgegenüber halte sie Kunstförderung wie sie in Deutschland betrieben werde, für abartig.

„Guck dir beispielsweise die Theater oder die Philharmonien an, da wird immer die Hand aufgehalten, der Staat soll das finanzieren, damit dann im Haus irgendwelche Experimente gemacht werden, die kein Mensch hören und kein Mensch sehen will.“

Leute würden aufstehen und „um Gottes Willen“ denken und nach Hause gehen, ärgert sich die Künstlerin. Auch müsse man sich fragen, wie Schütze Müller* (Anm. d. Red: hier Synonym für Mustermann) aus Kalk* (*Anm. d. Red.: eher sozialschwacher Stadtteil in Köln) dazu komme, mit seinem Steuergroschen etwas zu finanzieren, was keiner sehen oder hören wolle.

„Auch Unternehmen fördern schon mal das eine oder andere, sogar in größerem Umfang, aber nur Sachen, die auch wirklich schön sind und wo die Menschen in Scharen hingehen und es tatsächlich toll finden.“ Theater, so befindet Wandel, sollten Dinge zeigen, die die Menschen wirklich sehen wollten, die sie bereicherten und nach deren Genuss sie glücklich nach Hause gingen.

„Jedenfalls macht es keinen Sinn, dass sich da zehn Personen auf der Bühne ausziehen und irgendwelche schrägen Töne von sich geben“, kritisiert die Malerin.

Ursula Wandel betrachtet Künstler stets als Menschen, die ein Gespür für das haben, was kommen wird und hält es ganz mit Literat Stefan Zweig, der Künstler als „Seismographen ihrer Zeit“ entlarvte. Als ich die Wahlkölnerin nach ihrer eigenen „seismographischen Vorhersehung“ befrage, wird sie nachdenklich.

„Ich glaube, dass der Islam, was immer auch die westliche Welt davon hält, und es gibt ja auch sehr viel Schönes am Islam, sich weiter ausbreiten wird. Es wird viele kriegerische Handlungen deswegen geben und letztendlich wird wahrscheinlich der Islam die Überhand bekommen, zumindest für eine gewisse Zeit.

In dieser Zeit wird sich unsere westliche Einstellung mit dem Islam vermischen und es wird etwas Neues entstehen, vielleicht mehr Toleranz und mehr Gefühl für das Andere.“

Dass es mit dem toleranten Gefühl für das Andere noch nicht ganz so weit bestellt war, konnte Ursula Wandel nahezu am eigenen Leibe erfahren, als ein von ihr gefertigtes Bild im Rahmen ihrer großen Amerika-Tour im Jahre 2001 Polizeischutz erhalten musste.

Als sie nach dem 11. September in St. Petersburg/ Florida ausstellte, befand sich unter den Exponaten unter anderem ein Bild, auf dem eine tief verschleierte Muslimin mit riesigen Augen abgebildet war, welche eine Cola-Dose unter dem Arm hielt und hinter ihr befanden sich christliche Kreuze, an denen sie vorüberhuschte.

Die Frage lautete: „Way out?“, erklärt Wandel. „ Also, ist die westliche Lebensweise mit der Cola-Dose irgendwie ein Ausweg aus unserem Dilemma oder ist es das nicht?“ Aufgrund der allgemeinen Hysterie und Besorgnis hinsichtlich der Frage, ob weitere Anschläge, womöglich gerade auf ein Bild wie dieses, bevorstehen würden, ließen die amerikanischen Behörden das Werk bewachen.

Wie sie mit Krisen umgeht, konnte die Künstlerin schon häufiger unter Beweis stellen. Selbst die augenblickliche Wirtschaftskrise scheint sie kalt zu lassen.: „Die gibt`s immer.

Wir haben ja nicht die erste Krise, aber jede wird immer so dargestellt als wäre es die schlimmste und die größte.“ Aus brenzligen Situationen musste die lebensfrohe Ursula sich schon manches  Mal hinausmanövrieren.

„Ich war mit einer Tonne Kunstwerke in den USA als der 11. September „geschah“. Da habe ich gedacht, jetzt ist alles vorbei. Es war eine Ausstellung zum Thema „Verbindung der alten und der neuen Welt“.

Da hält z.B. die Freiheitsstatue anstatt der Fackel den Kölner Dom in der Hand. Ich hatte zum Teil größere Sponsoren aus Amerika als aus Europa und die hatten allen ihren Spaß daran. Die Ausstellung fand auf drei Etagen des Generalkonsulates in Manhatten statt.

Dann geschah der Anschlag und ich musste das Konsulat leeren. Überall standen Hunderte von Leuten, niemand wusste wohin oder wie er gar dort weg kam. Und dann hieß es nur noch: „Raus! Hier ist das Chaos ausgebrochen und wir können für nichts mehr garantieren“.

“ Wie Wandel in den Wirren des 11. Septembers mal eben alle ihre Bilder wegschaffen sollte, in einer Weltmetropole im Ausnahmezustand, in welcher auch noch sämtliche Telefonleitungen gekappt waren, stellte sie vor ein ernsthaftes Problem.

Die Rettung kam unerwartet durch ihren Cargo-Sponsor „der ihr den Hintern rettete“, weiß die Malerin noch heute zu schätzen. Irgendwie schaffte er es, eine Genehmigung zu erhalten, mit einem Tieflader durch das abgesperrte Manhatten fahren zu dürfen und sodann Ursula Wandels Bilder auf der Rückseite des Gebäudes mit einem Kran aus dem Fenster zu holen, nachdem auf der Vorderseite einfach gar nichts mehr gegangen sei.

Außerhalb New Yorks hätten die Bilder dann eingelagert werden können. Doch die nächste geplante Ausstellungsstation, Washington, fiel aus Sicherheitsgründen komplett flach.

„Wie wichtig ist es, bei einem aufregenden Leben voller Aufs und Abs, gerade auch im Hinblick auf gesellschaftliche Normen, eine starke Schulter an seiner Seite zu haben“, möchte ich von der fröhlich wirkenden Künstlerin wissen. „Ich bin seit geraumer Zeit überzeugter, militanter Single.

Ich finde, alles hat seine Zeit. Ich hatte tolle Beziehungen, hatte zwei Ehen, ich habe meine Tochter und ich habe meinen Beruf. Ich brauche da im Augenblick keinen Fraggle, der mir ständig querschießt. Auch bin ich gerne mit Männern zusammen, diskutiere über alles Mögliche mit ihnen und lerne so auch die männliche Sichtweise zu den Dingen kennen.

Es ist schöner, mit jemandem zusammen alt zu werden als sich in fortgeschrittenem Alter noch auf neue Eigenarten einzustellen, die jeder, der jetzt keine 25 mehr ist, ja reichlich mitbringt.“ Was die gesellschaftliche Wahrnehmung anbelange, wenn man ohne Partner unterwegs sei, so befindet Wandel es  bei Künstlerinnen als weniger frappant wie vergleichsweise bei „normalen“ Frauen.

„Ich habe viele Frauen kennen gelernt, die es als Manko empfanden, allein herumzulaufen“, erzählt sie. „Diese Frauen kamen sich unvollständig vor und wurden auch  häufig dort abgeblockt, wo nur Paare waren.

Ich selbst habe das eher weniger wahrgenommen, denn ich war immer sehr gerne eingeladen und man hat sich auch gerne mit mir umgeben, zumal ich auch nie schüchtern war und womöglich die starke Hand gebraucht hätte, wenn ich irgendwo hingegangen bin.

Ich habe die ganze Amerika-Tour als „Solist“ gemacht und denke, da haben es Künstlerinnen oder vielleicht auch Frauen, die mitten im Beruf stehen und erfolgreich darin sind, unter Umständen leichter als andere Frauen.

Ob sie jemals bereut habe, Künstlerin geworden zu sein, verneint die Malerin vehement: „Egal, welchen Beruf du wählst, du weißt nie, wie weit du kommst. Das ist nicht nur bei Künstlern so.“ Man müsse nur mit einkalkulieren, dass es rauf und runter gehe, wie im Fahrstuhl.

„Aber, was ich auch nicht wusste, ist, dass man in der Zeit, in der es runter geht, am kreativsten ist, weil man dann will, dass es weitergeht und sich Gedanken darüber macht, was möchte ich jetzt Neues oder Anderes bringen.“

Etwas Neues hat Wandel sich jetzt wieder ausgedacht: Das ART CARROUSEL hat seine Jungfernfahrt vor kurzem erfolgreich erstmalig in Köln hinter sich gebracht.

Die Grundidee besteht darin, Künstler zu präsentieren, die das breite Spektrum Kunstschaffender repräsentieren und oftmals in ihrem Tun wesentlich besser sind als der Bürger sie wahrnimmt. Gemischt werden Designer mit Schauspielern, Malern, Musikern, Komponisten und Entertainern.

Dieses kreative Potpourri wird jeweils einem  Publikum, dass 60 Personen nicht übersteigen soll, im Rahmen mehrere aufeinander folgender Abende dermaßen nahe gebracht, dass jeder Gast ausreichend Gelegenheit erhält, mit den Künstlern in persönlichen Dialog zu treten.

„Ich präsentiere meine Ausstellungen ja von jeher als Gesamtkunstwerk mit Aktionen und oft auch mit weiteren Künstlern. Dieses neue Projekt ist jetzt noch mal eine Steigerung. Ich bin immer der Meinung, dass wir sehr viel bessere Künstler haben als die, die jeden Tag in der Zeitung stehen“, konstatiert Ursula Wandel.

Es gehe ihr darum, die Menschen zu „entschleunigen, zu bewegen und tief zu berühren“, sagt sie. Bei dem ganzen Gewusel und Geramsche heutzutage sei ihr dies wichtig. Und so kam es auch dazu, dass im Rahmen des „Gesamtkunstwerkes“ bei dem eine interessante Zusammenstellung an Künstlern nicht fehlen durfte, manche Besucher im Publikum am Ende vor Bewegung geweint hätten.

Neben Schauspieler und TV-Star Herbert Meurer (Tatort, Forstinspektor Buchholz), der aus Ephraim Kishon`s „Picasso war kein Scharlatan“ las, Sänger Arno Busch sowie Andreas Wegener (Bläck Fööss), der aus Goethe`s Faust rezitierte, wurde unter anderem auch der afrikanische Percussion-Star Samson Gassma ebenso verpflichtet wie der preisgekrönte Designer Rolf Lauterbach.

Sämtliche beteiligten Künstler seien solche, welche Wandel bereits seit Jahren beobachte. „Es gibt ja immer auch wahnsinnig anstrengende Künstler, die eine riesige Welle machen, wo aber nichts dahinter ist. Genau die wollte ich nicht“, erzählt Wandel.

Ich wollte die wirklich guten, professionellen, die zum Teil schon eine richtig große Karriere gemacht haben, auch in anderen Ländern und hier gar nicht so wahrgenommen werden. Sie leben und arbeiten hier, haben ihre Formationen und Kompositionen vor Ort und sind echte Profis, aber in der Zeitung stehen dann immer nur solche, die auch mal neben Künstlern gestanden haben“, kritisiert  Wandel.

Das Konzept scheint jedenfalls aufgegangen, denn die Barriere zwischen Künstlern und Menschen im Publikum soll definitiv gefallen sein: La Wandel berichtet vergnügt, dass am letzten Abend doch tatsächlich Menschen vor Rührung dicke Tränen vergossen hätten.

Einige hätten da gesessen, andere tanzten exzessiv und am Ende hätten sich etliche Leute aus dem Publikum bei diesem interaktiven Kunstevent sogar in den Armen gelegen.

Wie es mit dem ART CAROUSSEL nun weitergeht hängt davon ab, wie schnell sich Sponsoren für die nächste Veranstaltung dieser Art finden. Grundsätzlich kann sich Malerin Wandel vorstellen, das Event überall zu veranstalten. „Es ist eine Kostenfrage“, sagt sie.

Doch wie schnell oder langsam sich auch immer das Kunstkarussell künftig weiterdrehen wird, in jedem Fall ist mit einer Dame zu rechnen: Nämlich Ursula Wandel.

Infos unter: www.Ursula-Wandel.com 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie durch die Sonntags-Nachmittags-Talkshow „HOLLYMÜND“ des WDR in Köln. Außerdem präsentierte Boland die alljährlich ausgestrahlte Kulturtalkshow „Doppelkopf“ auf 3-Sat und führte durch das Vorabendprogramm der ARD („STDIO EINS).

Als Reporterin des Regionalmagazins „Guten Abend RTL“ berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Für TV NRW präsentierte sie die Unterhaltungsshow „CASINOLIFE“ aus dem Spielcasino Dortmund/Hohensyburg. Boland arbeitet ebenfalls als Veranstaltungsmoderatorin und Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

auf www.freundederkuenste.de  

Infos unter: www.michaelaboland.com

 

 

mehr

21.03.2010 Natürlich bin ich eitel. Ich möchte ihnen gefallen und anderen auch

Michaela Boland

Als Kulturchef und stellvertretender Fernsehdirektor des WDR förderte er TV-Persönlichkeiten wie Anne Will und Bettina Böttinger. Seit 2001 leitet er nach Dieter Kosslick erfolgreich die Filmstifung Nordrhein Westfalen. In wenigen Tagen beendet Michael Schmid-Ospach (MSO) nun seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Filmbudget-Finazierungsstätte in Düsseldorf.

Wie er fortan seine Zeit verbringen will, was er vermissen wird, wer ihn als Schildkröte des deutschen Fernsehens bezeichnete und warum er das Klima der letzten Berlinale als overbooked & undersexed betrachtet, verriet der charismatische Dreifachvater Michaela Boland.

Michaela Boland:

Sie haben sehr viel Zeit auf der Berlinale verbracht. Welche Eindrücke haben sie diesmal von dort mitgenommen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                         

Ich habe mehrere Kritiken über die Berlinale gelesen, die ich nicht ganz verstanden habe. Die Berlinale ist ein schönes Gegenstück zu den beiden anderen großen Festivals, die es etwas leichter haben, weil sie im Ansehen der Branche nie solche Tiefs wie die Berlinale hatten, und daher gibt es gar keinen Grund, sie unter Dieter Kosslick schlecht zu reden.

Es ist richtig, dass sie ein bisschen unübersichtlich ist, weil überall tausend Sachen los sind, aber ich empfand es als einen wunderbaren Whirlpool vieler spannender Filme.

Michaela Boland:   

Haben ihnen ausnahmslos alle Filme zugesagt, die sie sehen konnten?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                        

Darunter gab es auch welche, wie beispielsweise solche, mit Gewalt gegen Frauen von Regisseur Michael Winterbottom, mit denen ich persönlich überhaupt nichts anfangen kann.

Ich frage mich auch, wieso so etwas überhaupt ins Kino kommt oder auf ein Festival. Gewalt bei Lars von Trier finde ich dagegen nahezu zwingend und einleuchtend. Ich habe einige schöne Filme wahrnehmen können und mich in vielen Gesprächen sehr amüsiert.

Michaela Boland:   

Innerhalb der medialen Nachberichterstattung wurde zum Teil scharf kritisiert, dass es der 60. Berlinale dieses Mal deutlich an Glamour-Faktor gemangelt habe. Wie haben sie es empfunden?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                  

Ich glaube, den Vorwurf, die Berlinale sei nicht glamourös genug, gibt es eigentlich immer. Außerdem gibt es auch immer den anderen Vorwurf, Kosslick sei zu Star-orientiert. Beides ist richtig und falsch. Natürlich kann es gar nicht glamourös genug sein. Nur unmittelbar vor den Oscars die amerikanischen Weltstars nach Berlin zu bekommen, das ist ein Geschäft der ganz besonderen Art.

Man sieht ja, dass dazu auch unglaubliche Mengen an Geld notwendig sind, die eine Berlinale vielleicht nicht hat und nicht haben will. Man sieht es bei der Cinema for Peace-Initiative, die dann ihre Hollywood-Stars aufbietet, manchmal aber auch nicht.

Man sieht es ebenfalls bei der goldenen Kamera, wo auf einmal mit viel doppelter Währung, nämlich viel Bargeld und viel publizistischer Währung, große Stars eingeflogen werden, die dann da herum turnen.

Es ist für eine Stadt wie Berlin, die ja ohnehin den neuen Status, den sie in der Welt hat, nämlich einen ganz guten Zuzug aus allen Ecken der Erde, schwer, ein glamouröses Festival zu machen. Die Geschichten, auf die alle warten, also, wer mit wem jetzt gerade noch mal, kann ich auch nur begrenzt nachvollziehen.

Michaela Boland:

Stellt der Aufenthalt bei derartigen Filmfestspielen eigentlich harte Arbeit dar oder ist es nur mehr ein nettes „Get together“?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:         

Frau Boland, unterschätzen sie nicht das Get together. Ich finde, das gehört zum härtesten Stück Arbeit, was ich so kenne. Denn die Leute wollen etwas von einem, dauernd. Man will manchmal auch etwas von anderen.

Das hält sich aber schon sehr in Grenzen. Und dann ergibt sich dieser Stress, der darin liegt, dass einem unterschiedlich verrückte Leute dauernd Aufmerksamkeit und Energie abfordern und meist fordern sie einem mehr ab als man bereit ist, zu geben.

Michaela Boland:

Langeweile scheint offenkundig nicht aufzukommen?.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:           

Manchem Get together gehe ich aus dem Weg. Ich freue mich dann, wenn man für fast alle angesagten Partys Karten hat. Das ist so wie in dem Clooney-Film, wo man zeigen kann, welche besonderen Kreditkarten man besitzt. Wenn man dann auch noch das V.I.P.-Bändchen hat, um in besondere Bereiche vorzudringen, ist das unter der Rubrik `Status-Symbole` alles gut und schön, aber das muss ich manchmal nicht haben.

Vor allen Dingen, geht es häufig ja doch sehr in die Nächte hinein. Dann hat man am nächsten Morgen um 9.00 Uhr wieder ein Frühstücksgesprächsthema, was dem nächsten Jahr Cannes gilt oder dem übernächsten Jahr Venedig, oder aber es handelt sich, wenn es kurzfristig disponiert ist, auch schon mal um ein Frühstück, das genau in drei Monaten, nämlich in diesem Jahr in Cannes, eingelöst werden muss.

Das ist zu wenig Sauerstoff. Ein solches Klima würde man in amerikanischen Filmen als overbooked and undersexed bezeichnen. Sex ist natürlich weitergefasst zu verstehen als ich es jetzt sage, nämlich dahingehend, was die Freude dieser Welt insgesamt anbelangt.

Angefangen bei schönen Spaziergängen bis hin zu einem schönen Essen, denn selbst hierbei schlittert man unmittelbar in  Berufsangelegenheiten und wird abgelenkt von dem, was man gerade auf dem Teller hat.

Michaela Boland:      

Wann ist ihr letzter Tag in der Filmstiftung?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                          

Am 17. März.

Michaela Boland:

Was steht bis dahin noch alles an?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:           

Es ist alles ziemlich vollgepackt, sehr vollgepackt. Jetzt kommt noch der eine oder andere auf die Idee,“ wir wollten doch noch mal bevor sie..., und wir wollten doch noch ein ehrendes Mittag- oder Abendessen für sie geben“. Das Schwimmwasser läuft gerade voll.

Michaela Boland: 

Wie geht es anschließend für sie weiter oder setzten sie sich nun tatsächlich zur Ruhe?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Es werden viele interessante Einzelaufgaben sein, die mit der Branche, mit dem Journalistischen insgesamt zu tun haben. Da bin ich jetzt schon ganz fröhlich, was so alles gefragt wird. Ich werde zwar hoffentlich ein bisschen mehr Tennis spielen als bisher, doch mein Motto lautet einfach nur: „Slow Go“.

Und den Dingen, denen ich mich widmen will, werde ich mich unter weniger Zeitdruck widmen. Da freue ich mich auch richtig drauf. Ob das Bücher sind oder einfach nur mal in einem Straßencafe zu sitzen und die Zeitung zu lesen oder, ob das mal etwas zu Kochen sein wird.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:        

Was kochen Sie so?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Ich kann nur ein paar wenige Sachen gut. Maultaschen.

Michaela Boland:    

Noch haben sie einige Tage hier vor sich. Wie muss man sich einen typischen Arbeitsalltag des Filmstiftungsgeschäftsführers vorstellen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Der Arbeitsalltag hat mit dem Geschäft hier zu tun. Und das Geschäft besteht darin, dass hier Menschen, also Film- und Fernsehproduzenten kommen und für ihre Projekte Unterstützung wollen. Auch geht es um eine ordentliche Beratung, was man noch tun könnte. Sie kommen also her, manchmal auch zu mir.

Dann kommt dann Til Schweiger oder Götz George und sagt,: „lies das Drehbuch bitte“, und ich sage, „ ich lese keine Drehbücher, aber ich gebe das Drehbuch ins Lektorat und lasse es lesen und beurteilen“. Dann haben wir hier die Produktionsabteilung, die die Anträge prüft.

Das ist das Kerngeschäft, wie man so hübsch sagt. Zu diesem Kerngeschäft gehört dann auch am Ende die Kinopremiere oder der große Festival-Auftritt oder auch das Abstürzen am Markt. Alles mit drin.

Und rund um diese Dinge drapiert sich mein Arbeitstag, z.B. mit Telefonaten zu Projekten, die vor drei Jahren bereits abgewickelt wurden, zu Projekten, die in zwei Jahren erst begonnen werden usw.

Michaela Boland:

Ab welchem Stadium eines Projektes, das hier im Hause behandelt wird, sind sie dann persönlich involviert?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Selten. Ich schalte mich selten ein. Ich rufe auch nicht die Leute an und sage: Herzlichen Glückwunsch, sie kriegen eine Million Fördermittel, sondern ich hebe mich selbst ein bisschen für die schwierigen Fälle auf.

Michaela Boland:       

Welche würden sie als solche bezeichnen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:            

Schwierig ist es immer, wenn es kompliziert wird, wenn Fälle also nicht normal lösbar sind. Und manchmal bin ich natürlich auch gleich aus Höflichkeit gegenüber denen involviert, die schon mit einer großen Leistung kommen und sagen, sie möchten gerne mit mir sprechen. Die möchten dann natürlich die Nummer Eins haben von so einem Laden und nicht irgendwen.

Da kann ich zehn mal sagen, sie sind bei meinem Mitarbeiter noch besser aufgehoben als bei mir. Sie haben dann das Gefühl, sie könnten mit mir „verbindlicher“ sprechen.

Gut, das mache ich dann. Ich halte jedoch immer für das Sachdienlichste, wenn die Dinge erst mal dahin kommen, wo die Fachleute sitzen. Die gucken es sich an, die stellen bestimmte Fragen, z.B., “wie wollen sie das denn ins Kino bringen und wie bekommen sie denn das und das an Geld noch zusammen, und haben sie denn auch die Fernsehauswertung bedacht?

Was ist denn, wenn sie die Schauspielerkonstellation XY nicht kriegen“, u.s.w. Es ist, wenn man so will, ein erster TÜV, der hier für einen Film statt findet.

Michaela Boland:

Was werden sie am meisten vermissen, wenn sie gehen?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:             

Och, ich weiß nicht. Ich habe ja für den WDR an unterschiedlichen Plätzen noch länger gearbeitet. Von daher ist mir die Länge nicht so aufgefallen. Ich werde Menschen vermissen. Filme muss ich ja nicht vermissen, denn ich kann ja ins Kino gehen, ich kann DVDs gucken, ich schaue Fernsehen.

Aber Menschen, mit denen man beruflich Kontakt hat, da werde ich den einen oder anderen vermissen. Bei dem einen oder anderen, das zeichnet sich jetzt schon ab, sind die Kontakte so gut, dass es auch danach zum gemeinsamen Essen oder Trinken kommen wird.

Michaela Boland:   

Würden sie bei ihrem Werdegang von einer Traumkarriere sprechen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Also, mir käme bei mir nicht“ Traumkarriere“ in den Sinn. Schließlich gibt es ja auch deutlich sozusagen Karriereknicks in meiner beruflichen Entwicklung.

Michaela Boland:    

Sie beziehen sich auf die ursprünglich bereits eingetütete Intendanz bei Radio Bremen?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:        

Ich bin zum Intendanten von Radio Bremen gewählt worden und es war alles verhandelt. Das konnte ich dann aus gesundheitlichen Gründen nicht machen. Dies ist sicher keine Traumentwicklung. So etwas lässt sich auch nicht planen. Man macht das, was man macht und versucht es gut zu machen.

Dann hat man bei denen, die über die nächsten interessanten Jobs entscheiden, einen entsprechenden Ruf. Das ist relativ einfach. Also die Filmförderung hier zu übernehmen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. 

Michaela Boland:    

Wie kam es dann dazu?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Ich hatte dem damaligen Intendanten, Herrn Pleitgen, damals als Dieter Kosslick nach Berlin ging, drei Menschen vorgeschlagen, die das hier machen könnten, denn ich war Vorsitzender des Aufsichtsrates der Filmstiftung. Dann hat Pleitgen gefragt, was ich denn mit den drei Leuten wolle, wir hätten doch schon den Besten.

Daraufhin fragte ich, der ich mich gerade im Urlaub in Portugal befand, wen er denn damit meine? Ich habe noch so herumgealbert als Fritz Pleitgen sagte, „ich komme gerade aus dem Kaukasus und habe einen Film gedreht“ und erwidert, „ und ich komme gerade aus dem Swimmingpool“.

Dann meinte er,“ jetzt mal im Ernst, MSO, was wollen sie denn mit diesen Dreien, wir haben doch den Besten, nämlich sie“. Ich fragte, „wie“?

Und er antwortete, „MSO, make a side stepp, gehen sie mal mit ihrer Frau am Strand spazieren und wenn sie nein sagen, ist es nicht schlimm, aber halten sie sich doch einmal so offen, dass sie einem alten Kollegen aufmerksam zuhören, wenn er ihnen sagt, warum es gut wäre, dass sie das machen, vor allem für den Sender und die Sache“.

Ich habe dann noch einmal eine ganz andere Welt kennen gelernt. Die Hälfte der Welt kannte ich gut über meine Verantwortung für Filme im WDR und bei ARTE, aber der Rest war neu für mich und das war sehr spannend.

Auch die Jahre vorher bei der Zeitung, wo ich Theaterkritiken geschrieben habe und u.a. ein Interview mit Otto Dix machen durfte, waren schön. Ich habe eigentlich immer ganz großes Glück gehabt, nämlich, dass es mir viel Spaß gemacht hat und dass ich immer faszinierende Sachen hatte.

Michaela Boland:     

Hat ihnen das Psychologiestudium zu irgendeinem Zeitpunkt einmal in ihrer beruflichen Laufbahn weitergeholfen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Nein. Es war zwar ein ganz berühmter Psychologe, bei dem ich hören durfte, aber es war sehr kurz und ich habe das Studium ja abgebrochen. Was mir dann, als ich in Düsseldorf eine Professur bekommen habe, etwas irritierte Blicke eingehandelt hat.

Die Art, wie ich es abgebrochen habe, war auch interessant, weil ich eigentlich über die Theaterstücke der Else Lasker-Schüler promovieren wollte .Dann hat mir jemand gesagt, dass ich mit dieser Dissertation große Probleme haben würde, denn Lasker-Schüler gehörte dem germanistischen Zweig an und ich wollte meine Promotion am theaterwissenschaftlichen Institut ansiedeln.

Dann habe ich einfach gesagt, gut, dann mache ich ein Buch über Else Lasker-Schüler. Das war dann auch ein schöner Erfolg, zumindest in der publizistischen Beachtung. Was die Veränderung meiner universitären Karriere, die ich ja unterbrochen habe, anbelangt, so habe ich diese ja dann am Schluss mit Lehraufträgen wieder aufgenommen.

Michaela Boland:

Karriere ist insoweit wohl doch nicht dezidiert planbar?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:       

Man darf sich das nicht als eine gezielte Sache vorstellen, die man so entwickelt. Es hätte für mich auch in die Politik gehen können. Dass es das nicht ist, hatte ganz andere, private Gründe.

Beim Sender selbst habe ich relativ spät den Weg ins Fernsehen gefunden, Das hing damit zusammen, sehr früh von meinem ersten Intendanten eine Verantwortung im Fernsehen angeboten bekommnen zu haben, der ich mich nicht gewachsen fühlte.

Das war Friedrich Wilhelm von Sell. Dann hatte ich mit Claus von Bismarck zu tun, den ich als junger Journalist kennen und schätzen gelernt habe. Ich glaube auch sagen zu können, das war auf beiden Seiten der Fall. Meine WDR-Karriere ist deutlich länger als meine WDR-Zugehörigkeit.

Ich erhielt dann etwas angeboten, wo ich gesagt habe, das kann ich noch nicht, ich bin viel zu jung hierfür. Das hätte ich besser mal gemacht, weil ich dann einen ganz anderen Weg, sehr viel früher vor die Kamera gegangen wäre.

Später fand ich es dann nicht mehr so wichtig, eine Moderation zu übernehmen. Hierzu musste Fritz Pleitgen mich wirklich länger überreden, wie beispielsweise, den Kulturweltspiegel zu moderieren.

Michaela Boland:

Erinnern sie sich gerne an den WDR-Treff? In kaum einem Eintrag über sie im Netz wird mitgeteilt, dass sie die beliebte WDR-Sendung einst ebenfalls moderiert haben.

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Das ist eher Zufall. Ich habe hier ja das Gert-Ruge-Stipendendium gegründet. Zum 80-sten Geburtstag von Gert Ruge haben wir eine besondere Preisverleihung vorgenommen und da haben wir einen sehr schönen Zusammenschnitt eines WDR-Treffs mit Gert Ruge fertiggestellt.

Und von Gert Ruge bis Monika Piel, die dabei waren, haben sich alle kaputt gelacht. Inzwischen heißt ja sogar das jährliche große WDR-Get-Together der Intendantin „WDR-Treff“.

Der WDR-Treff war für mich eine spannende Erfahrung auch von den Leuten her, die ich dort kennen gelernt habe. Dass der WDR-Treff nicht so genannt wird, hat eigentlich mehr damit zu tun, dass meine TV-Karriere insgesamt nicht sonderlich herausgestellt wird .

Ich erlebe es heute noch, dass Leute im Museum zu mir sagen, „sagen Sie, haben sie nicht mal diese Kultursendung moderiert“, oder „ich höre ihre Stimme, woher kenne ich Sie“?. So etwas gibt es immer noch, obwohl das jetzt schon 10 Jahre her ist.

Mit dem WDR-Treff verbinde ich natürlich auch wunderbare Erfahrungen: Ein Hajo Friedrichs, der sich vor ihnen aufbaut und sagt, „ich schenke ihnen einen Tag meines Lebens“.

Da steht er da mit seinem weißen Haar, in seinem Trenchcoat und ich frage ihn, „und wieso das“? Dann guckt er mich streng an und antwortet, “ja, glauben sie, ich würde in dieses Gott verlassene Studio kommen, wenn es nicht jemanden gäbe, dem zuliebe ich das gerne täte“?

Michaela Boland:  

Was bedeutet ihnen Bildschirmpräsenz?

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

 

Ich habe auch Moderationen in Sondersendungen zum Nobelpreis für Grass oder ähnliches von der Buchmesse gemacht, sowie alle möglichen Kultur-Specials. Ebenso wie meine Regelsendung „Kulturweltspiegel“. Mich habe ich da aber als nicht so wichtig betrachtet.

Wenn ich mir im Moment so angucke, wie in der ARD die Kultursendung gemacht wird,, wie da jemand versucht, gar kein Moderator, sondern ein Star zu sein, dann finde ich das eher so grotesk, dass ich lachen muss.

Michaela Boland: 

Warum haben sie bei der Moderation des Kulturweltspiegels eigentlich häufig so böse dreingeschaut?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                       

Als ich für Radio Bremen als Intendant kandidiert habe, gab es eine Veröffentlichung der Süddeutschen Zeitung, in der stand „Die Schildkröte des deutschen Fernsehens“.

Dann hat der damalige Wissenschaftschef des WDR, Alfred Thorwarth gesagt:“ Herzlichen Glückwunsch, Schildkröten werden über 180 Jahre alt“ und das hat mich schon mal getröstet.

Anschließend hat mir meine kleinste Tochter gesagt, warum da Schildkröte steht, ich habe es nämlich nicht verstanden. Sie sagte: „Das ist ganz einfach. Du hast eine Unart im Kulturweltspiegel, denn du blinzelst immer so und Schildkröten blinzeln.“

Das Blinzeln kommt überdies daher, dass sich die Technik im Studio nicht sehr gut um ich gekümmert hat. Ich hatte immer einen Scheinwerfer, der frontal auf die Augen ging und deshalb habe ich geblinzelt.

Jeden Showauftritt würde man ordentlich ausleuchten, das hat man bei der Kultur ja gar nicht nötig, da wird man behandelt wie, weiß ich nicht was.

Ich habe die Zuwendung, die ich als Moderator hatte, sowohl durch den verantwortlichen Redakteur und später die Redakteurin als auch durch die Produktionstechnik immer als absolut lausig empfunden.    

Michaela Boland:  

Warum haben sie denn nicht einfach zum lichtsetzenden Kameramann gesagt: Hey, Manni, kannst Du mal bitte den einen Scheinwerfer richtig setzten?“

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Das tut man in eigener Sache ungern. Ich habe mich mehrfach beschwert, wenn man mit den mir anvertrauten Moderatoren, also Anne Will oder Bettina Böttinger so umgegangen ist. Aber für mich selbst nicht. Ich habe mal einen Anruf von Ulrich Wickert bekommen, der nach mir in der Sendung war.

Der sagte: Sag mal, was leuchten die dich da so schlecht aus, was soll denn das?“ Und dann habe ich das weiter gegeben. Irgendein hoher Produktionsverantwortlicher stimmte sogar zu.

Und ich fragte ihn, warum er es dann nicht ändere. Wenn es darum geht, die eigenen Interessen wahrzunehmen, ist man zurückhaltender.

Im WDR hieß es ja damals „Hierarch“ Es gibt Hierarchen, die ihre ganze Zeit darauf verwenden, ihren eigenen Auftritt im Fernsehen vorzubereiten. Das empfand ich immer als Missbrauch der Funktion.  

Denn entweder bin ich der Mann, der Ansager, Moderatoren und Redakteure disponiert und über wichtige Entscheidungen bestimmt, oder ich bin der Mann, der seine eigene Karriere vorantreibt. Das Letztere wollte ich eigentlich nicht sein.  

Michaela Boland: 

Wenn es nun einmal so blendet?.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

Ja, gut, es war ja nicht unerträglich und es wäre ja alles Aufgabe des Redakteurs gewesen, den ich da hatte oder der Redakteurin. Aber die haben sich für so etwas auch nicht interessiert.

Naja, ich beklage mich nicht, ich versuche nur zu erklären, dass mein partielles Desinteresse an diesem Thema „ich als Fernsehpersonality“ auch eine kleine Leidensstrecke ist. Ich hätte es ja ändern können.

Michaela Boland: 

Sie haben eine Titularprofessur inne. Was für eine Erfahrung stellt das Lehren für sie dar?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Diese Universitätsgeschichten waren für mich immer wie ein Stückchen Erholung und Jungbrunnen. Ich hatte immer außergewöhnlich spannende Studenten. Wunderbar. Von jedem Lehrauftrag, wo ich war, habe ich Menschen, mit denen ich auch heute noch zu tun habe, die auch zum Teil eine unglaubliche Karriere gemacht haben.

Raus aus dem Beruf und rein in eine andere Welt, in der es ganz andere Gesetze gab. Meist hatte ich mit jungen Leuten zu tun, nur bei meinem ersten Lehrauftrag an der FU Berlin waren die Studenten genauso alt wie ich.

Ich hatte die Möglichkeit, über mich selbst und meine Arbeit nachzudenken, das war der Erholungseffekt. Es war zeitlich immer gut kombinierbar weil es alle14 Tage im Rahmen eines Blockseminars von vier Stunden statt fand.  

Michaela Boland:   

Über welche Themen haben sie referiert?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

Unter anderem habe ich dann einfach über die Probleme, die mir auf dem Weg vom Fernsehen und einer relativ hohen Fernsehverantwortung, in eine Verantwortung für einen kleinen, doch ziemlich wichtigen Laden, begegneten, laut nachdenken können.

Alles, was mir so passierte. Das war spannend und das ist keine Sache des Geldes, denn von dem Honorar habe ich einmal alle Studenten zum Glühwein trinken eingeladen, da war das Honorar weg. Aber es war ein schöner Abend.

Michaela Boland: 

Wie eitel sind sie?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Natürlich bin ich eitel. Ich möchte ihnen gefallen und anderen auch. Das ist doch ganz klar. Aber es ist nicht so, hoffe ich, dass ich unerträglich eitel wäre. Ich glaube, dass eine gewisse Eitelkeit bei der Eigenliebe und der Selbstachtung, die hat ja schon erste Spuren von Eitelkeit aufweisen, anfängt..

Das Gegenteil ist, glaube ich, auch falsch, es ist genauso wie, einen ein Zuviel an Eitelkeit auch kaputt machen kann. Aber ich glaube, ich bin ein geliebtes Kind gewesen. Die Frauen, die mich erzogen haben, haben sich allerbeste Mühe damit gegeben.

Michaela Boland:

Sind sie noch häufig in ihrer Geburtsstadt, Heidelberg?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Nein. Geboren bin ich dort, das wars dann auch. Ich bin von Heidelberg, das war ja alles direkt nach dem Krieg, im zarten Alter von sechs nach Wuppertal verschlagen worden. Wenn sie als Fünfeinhalbjähriger Schwäbisch reden und werden auf einen Schulhof in Wuppertal gesetzt, können sie gar nicht schneller Hochdeutsch lernen?

Michaela Boland:

Wurden Ihnen Prügel angedroht?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

So etwas, ja.

Michaela Boland:     

Vermögen Sie es denn heute insgeheim trotzdem noch, Schwäbisch zu schwätzen?

MSO: 

Heilichs Blechle! (Anm. d. Red.: Heilig`s Blechle ist eine schwäbische Redewendung zum Ausdruck des Erstaunens)   Michaela Boland:         Na, das ist doch schon einmal etwas.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Bei mir ist das so, ich kann jetzt nicht aus dem Stand groß etwas reden. Ich kann ihnen lauter Geschichten erzählen von meiner Oma in Pforzheim, von meiner Tante in Freudenstadt:

Bub, möchtesch noch ä Säftele? U.s.w. Ich kann ihnen erzählen, dass zu meinen Lieblingsgerichten der geriebene Kartoffelsalat gehört. Maultaschen. Wenn ich aber dahin komme, dann merke ich, wie diese Sprache zunächst vom Singsang her von mir Besitz ergreift.

Michaela Boland: 

Was haben Ihre Eltern beruflich gemacht? Gab es womöglich eine familiäre „Disposition“ für ihren medialen Werdegang?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                       

Mein Vater war Neurochirurg und meine Mutter war Kinderärztin. Ich habe viele Ärzte in der Verwandtschaft, eine Journalistin, meine jüngste Tochter, und meine älteste jetzt auch.

Eigentlich hat sie Medizin abgeschlossen und jetzt hat sie Filme über Prostatakrebs und Schmerztherapie gemacht und ein Buch über Schwangerschaften ab 35 geschrieben.

Mein Bruder war Arzt. Da ist insoweit nichts journalistisches angelegt. Mein Vater hat mit Hermann Hesse(*02.07.1877 in Calw) gerne korrespondiert. Das lag am gemeinsamen Geburtsort. Mein Vater hatte zwar schon ein Verständnis für journalistische Dinge, denn er hat viel publiziert.

Michaela Boland:   

Mit Else Lasker-Schüler, einer deutschen Dichterin jüdischen Glaubens haben sie sich recht intensiv beschäftigt. Sie waren auch Mitglied der Else Lasker-Schüler Stiftung. Welchen Hintergrund hatte das?

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Ich war da drin und dass diese Gesellschaft so einen Aufwind hatte, hat sicherlich ein bisschen etwas mit mir zu tun. Weil ich 1969, zum letzten Geburtstag von Else Lasker-Schüler ein Buch herausgegeben habe, was eigentlich den Mann, der die Lasker-Schüler-Gesellschaft managt, Hajo Jahn, sehr motiviert hat.

Ich habe damals ein Pamphlet gemacht für ein anderes Bild auf diese Dichterin, auf diese Frau, die eine sehr emanzipierte Frau im Kaiserreich war und der viel Unrecht geschehen ist. Hajo Jahn hat damals gesagt, dass ich dass Lasker-Schüler-Bild in Deutschland neu definiert habe.

Michaela Boland: 

Woher kam das ursprüngliche Interesse an dieser Frau?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:   

Ich war ein ganz junger Journalist in Wuppertal und in dort war sie geboren. Von daher war das naheliegend und ich habe sie sehr entdeckt und habe mich dann nicht nur mit der Lyrik und den drei Theaterstücken beschäftigt, sondern fasziniert hat mich eine leidenschaftlich liebende Frau, eine leidenschaftlich kämpfende Frau, eine wunderbare Frau, die ich gerne kennen gelernt hätte.

Es ist ja heute noch mutig, die Frau hat schon sehr früh zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesagt, „wer der Vater meines Kindes ist, geht niemanden etwas an“.

In einer Gesellschaft, siehe Effi Briest, wo Frauen, die sich so aufgeführt haben, geächtet und in den Selbstmord getrieben wurden, da ist sie in Jeans und Pudelhosen über den Kudamm gelaufen. Und es war natürlich auch eine wunderbare Künstlerfrau des literarischen Expressionismus in Deutschland.

Michaela Boland:

Herr Schmid-Ospach, für ihre Zukunft alles Gute und vielen Dank für dieses Interview  

MICHAEL SCHMID-OSPACH wurde am 29.08.1945 in Heidelberg geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Wuppertal und studierte ab 1964 Germanistik, Theaterwissenschaften und Psychologie in Köln. Als Redakteur der Westdeutschen Rundschau leitete er anschließend das Ressort Feuilleton in Wuppertal.

Für die Zeitschrift „epd/Kirche und Rundfunk“ arbeitete er darüber hinaus als stellvertretender Redaktionsleiter in Frankfurt am Main. 1974 wurde Michael Schmid-Ospach medienpolitischer Berater des NRW-Ministerpräsidenten Heinz Kühn in Bonn.

1977 übernahm er dann die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des WDR bis er in 1990 die stellvertretende Fernsehdirektion des Senders sowie die Leitung der Hauptabteilung „Zentrale Aufgaben“ angeboten erhielt.

Ab 1992 war Schmid-Ospach dann auch ARTE-Beauftragter des WDR sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates der Filmstiftung NRW. Darüber hinaus war er auch als Programmbereichsleiter „Kultur und Wissenschaft/ Fernsehen“ tätig. Seit 2001 ist er Geschäftsführer der Filmstiftung.

Des weiteren ist Michael Schmid-Ospach Aufsichtsratsvorsitzender des Adolf-Grimme-Instituts, stellvertretender ZDF-Fernsehratsvorsitzender, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Mitglied des Kuratoriums des Adolf-Grimme-Instituts und Mitglied des Aufsichtsrats des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz.

Im Oktober 2006 wurde er durch die Fachhochschule Düsseldorf zum Honorarprofessor ernannt. Er hat außerdem Lehraufträge an der FU Berlin, der Universität zu Köln, der Universität Münster sowie der Universität Siegen.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungs-Talkshow “Hollymünd“ des Westdeutschen Rundfunks in Köln.

Für TV-NRW präsentierte sie die erste Casino-Show im Deutschen Fernsehen “Casinolife“ aus dem Dortmunder Spielcasino Hohensyburg mit Stars, Roulette und Black Jack. Als On-Reporterin des RTL Magazins “Guten Abend RTL“ lieferte sie darüber hinaus allabendlich spannende Reportagen aus ganz NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

 

mehr

28.02.2010 Das Klenke Quartett

Hasko Witte - Berlin Classics - mit 4 Bildern

Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser gründeten während ihres Studiums an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar das Klenke Quartett und spielen seit nunmehr 18 Jahren in unveränderter Besetzung. Künstlerisch begleitet wurden sie von Norbert Brainin (Amadeus Quartett), von Ulrich Beetz (Abegg Trio), von Harald Schoneweg (Cherubini Quartett) und Sándor Devich (Bartók Quartett).

Seit ihrem Debüt konzertierten die Musikerinnen bei renommierten Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Kissinger Sommer, dem MDR-Musiksommer, den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Rheingau Musikfestival, dem Sächsischen Mozartfest, dem Schleswig Holstein Musikfestival, den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker u.a.


Sie unternahmen Konzertreisen durch sämtliche europäische Länder sowie Nord- und Südamerika. 2003 begleiteten sie den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau auf seinen Staatsbesuchen mit Konzerten in Mexico, Chile, Uruguay und Brasilien.


Im Jubiläumsjahr zum 20jährigen Bestehen des Quartetts 2011 gastieren die vier Musikerinnen als "Artists in residence" bei der Sächsischen Mozartgesellschaft. Schon für die Einspielung der zehn berühmten Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart erhielt das Klenke Quartett hervorragende internationale Kritiken und Anerkennung durch die Fachwelt.

"Mit ihrem präzisen, kühl beherrschten Zugriff bringen die vier Frauen aus Weimar die internationale Kritik zum Schwärmen", schreibt Rondo. "Es sind vier gleichberechtigte Musikerinnen, die aufs wunderbarste, ja delikat miteinander sprechen", urteilt Deutschlandradio Kultur.

"Historisch informiert! Wunderbar ausbalanciert", heißt es in dem britischen Magazin Gramophone, und das deutsche CD-Magazin Fono Forum bescheinigt den "Gipfelstürmerinnen" in einer "Empfehlung des Monats":

"Den vier Streicherinnen ist hier eine mehr als bemerkenswerte Bereicherung des bereits gut gefüllten Katalogs geglückt". "Famos aufeinander abgestimmt bringen sie mit schwungvollen Tempi Proportionen und Pointen der Werke souverän zum Sprechen", urteilt der Kulturspiegel.

In der neuesten Ausgabe des Harenberg Lexikons wird diese Einspielung der Mozart Quartette als Referenzaufnahme empfohlen. Die bisher wohl wichtigste Auszeichnung erhielt das Klenke Quartett im Januar 2007 in Cannes:

Auf der MIDEM, der weltweit größten und bedeutendsten Musikfachmesse wurde das Ensemble in der Kategorie "Jury Nomination" mit dem "Classical Award" geehrt.


Die Live-Einspielung der "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" von Joseph Haydn, erschienen bei Berlin Classics (Edel:Kultur), wurde von der französischen Zeitschrift "Le Monde de la Musique" mit dem begehrten "CHOC du Mois" ausgezeichnet.


In erweiterter Besetzung arbeitet das Ensemble gern mit geschätzten Musikerkollegen wie Christina Fassbender (Flöte), Martin Stadtfeld (Klavier), Harald Schoneweg (Viola)und Klaus Kämper (beide ehemalige Mitglieder des Cherubini Quartetts), Clemens Trautmann (Klarinette), dem Henschel Quartett, dem Philharmonia Quartett und dem Vogler Quartett.


Neben dem Konzert für Streichquartett und Orchester von Arnold Schönberg zählt auch das Konzert »The Rave and the Nightingale« des 1968 geborenen Australiers Matthew Hindson zum Repertoire des Quartetts. Die europäische Erstaufführung dieses Werks mit der Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Nicolas Milton wurde im Sommer 2008 vom Publikum und von der Presse begeistert gefeiert.


Mit großem Erfolg leiten die vier Musikerinnen seit 2003 eine eigene Konzertreihe "Auftakt" im Goethe-Nationalmuseum in Weimar, die unter der Trägerschaft des Kammermusikvereins und des Freundeskreises des Klenke Quartetts e.V. durchgeführt wird. ( www.auftakt-weimar.de)

Edel:Kultur
Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

Tel.: +49 (0)40- 890 85-301

 hasko_witte@edel.com

 

mehr

23.01.2010 "Nur in der Musik fühle ich mich zu Hause“

KlassikAkzente

Spielt man Chopin, muss man sich erst einmal von der Generation Horowitz und Rubinstein freimachen. Schließlich gehörten Polonaisen und große brillante Walzer zu deren Glanzstücken und haben sich in dieser heroischen Form in das kulturelle Bewusstsein eingebrannt.

Alice Sara Ott jedoch gehört, wie auch Rafał Blechacz, zu einer neuen Generation, die sich nicht nur mit unglaublicher Virtuosität den Werken des polnischen Meisters nähert, sondern ihm darüber hinaus auch mit veränderter Spielhaltung begegnet.

Hier steht nicht mehr der Salonlöwe oder der große Nationalmusiker im Mittelpunkt, sondern Chopin, der Mensch, der seine persönlichen emotionalen Kämpfe in klingende Form gebracht hat, sich hinter einer für seine Epoche ungewöhnlichen, umfassenden gestalterischen Könnerschaft verbirgt und vor allem in der kleinen Form immer wieder zu rhapsodischer Genialität aufläuft.

Die wiederum lässt sich weder aus seiner Ära noch aus der Biografie heraus erklären, sondern stellt schlicht einen Link zum Zeitlosen, Numinosen dar. Natürlich ist Alice Sara Ott nicht die erste, die sich mit den Walzern“ von Frédéric Chopin befasst.

Aber ihr Zugang zu den Werken ist ungewöhnlich. Nachhaltig, um ein Modewort im ursprünglichen Sinn zu verwenden. Denn Otts Walzer klingen nach - egal, ob es sich um dunkle Impressionen wie op.34/2 oder ein Kabinettstückchen wie op.64/1 handelt.

„Chopins gesamtes kompositorisches Schaffen ist hier zusammengefasst“, meint die junge japanisch-deutsche Pianistin im Gespräch mit dem Musikjournalisten Michael Church. „Außerdem zeigen die Walzer seine gespaltene Persönlichkeit – zwischen Polen und Frankreich hin und her gerissen war Chopin zeitlebens auf der Suche nach seiner Identität.

Genau so geht es mir mit Japan und Deutschland. Nur in der Musik fühle ich mich zu Hause“. Dort allerdings bewegt sich Alice Sara Ott mit einer Souveränität, die staunen lässt.

Im Alter von fünf Jahren gewann die Tochter einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters den ersten Wettbewerb, mit dreizehn galt sie in Hamamatsu bereits als „Most Promising Artist“ und beinahe zur gleichen Zeit entschied sie als jüngste Bewerberin mit der höchsten jemals in diesem Rahmen vergebenen Bewertung den renommierten Silvio Bengalli-Wettbewerb für sich.

Preise sind die eine Sache. Musikalisches Verständnis ist eine andere. Gehört eine gewisse Fingerfertigkeit inzwischen international zum Standard, unterscheiden sich interpretatorische Vorstellungen hingegen in großem Maße.

Gerade im Fall von Chopin, dessen Geburtstag sich in wenigen Wochen zum 200.Mal jährt, ist das Spektrum der darstellerischen Variationen immens. Alice Sara Ott hat sich die Werke des polnischen Klavierpioniers in einer Art und Weise zu eigen gemacht, die rundum fasziniert.

„Chopins Musik“, meint sie, „ist kein offenes Buch. Chopin stellt seine Gefühle niemals offen zur Schau, immer bewahrt er seine Würde. Es ist so, als würde er sich nur eine einzige Träne gestatten – doch hinter der Maske ist er tieftraurig.

Nach außen hin ist er charmant, im Grunde seines Herzens jedoch melancholisch. Diese Stücke rufen bei mir weniger Bilder hervor, sondern eher Erinnerungen. Wenn ich traurig bin, spiele ich op. 64 Nr.2 in cis-moll, das tröstet mich.

Ich spiele den Walzer in der Abenddämmerung, ohne das Licht anzumachen.“Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis einer herausragenden Interpretation.

Sobald ein Künstler es schafft, das Werk eines Komponisten zu einer eigenen Stimme umzuformen, die sich des ursprünglichen Notentextes vor allem als Sprachrohr bedient, mit dem die persönlichen Innenwelten ausgedrückt werden können, schafft er den Sprung vom Spielen zum Nachempfinden und lässt Werke in einem Glanz erstrahlen, der sich aus der eigenen Aura speist.

Die großen Pianisten des vergangenen Jahrhunderts haben Chopin als Pathetiker und Heroen geliebt. Alice Sara Ott hingegen sucht nach dem individuellen Kern der Werke. Würde sie den Komponisten heute treffen können, würde sie vor allem das rätselhaft Menschliche interessieren, das hinter seinen Stücken steckt:

„Er war ein Dichter. Ich würde ihn nicht nach Interpretationen fragen, sondern ihn bitten, für mich zu spielen, damit ich hören kann, ob ich den Duft jedes Stückes richtig erschnuppert habe.“

Und Chopin, der ja nie wirklich zufrieden mit seinen Schülern war, würde sich womöglich zurücklehnen und einfach überrascht vernehmen, was ihm die „Next Generation“ durch die Musik zu erzählen hat.

Biografie Alice Sara Ott

Längst hat sich Alice Sara Ott, die junge Pianistin deutsch-japanischer Abstammung, mit Autritten in den großen Konzertsälen in Europa und Japan einen Namen gemacht. Im Alter von 13 Jahren erhielt die Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum die Auszeichnung „Most Promising Artist“ beim Internationalen Klavierwettbewerb in Hamamatsu und gewann zwei Jahre später den ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb Silvio Begalli als jüngste Teilnehmerin.

In der Saison 2009/10 wird Alice Sara Ott Solokonzerte im Auditorium du Louvre, in der Berliner Philharmonie, im Konzerthaus Wien und im Palais des Beaux-Arts in Brüssel geben. Zu ihren Orchesterdebüts in den USA gehören Konzerte mit dem Cincinnati Symphony Orchestra unter Paavo Järvi und dem San Francisco Symphony Orchestra unter Pablo Heras-Casado.

In Europa debütiert sie mit dem Dänischen Radio-Symphonieorchester unter der Leitung von Robin Ticciati, dem Königlichen Philharmonischen Orchester Stockholm unter Sakari Oramo, dem NDR Sinfonieorchester unter Alan Buribayev und den Münchner Philharmonikern unter Thomas Hengelbrock.

In den vergangenen Jahren begeisterte Alice Sara Ott das Publikum mit zahlreichen Auftritten in Tokyo, unter anderem mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in der Opera City Hall und mit dem Kiev Philharmonic Orchestra in der Suntory Hall.

Sie tritt regelmäßig mit dem Sapporo Symphony Orchestra auf und wurde von Hiroko Nakamura eingeladen, im Rahmen der 10-jährigen Serie „The 100 Pianists“ zu konzertieren.

Zu ihren Engagements in Europa zählten Konzerte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter David Zinman, den Düsseldorfer Symphonikern unter Norichika Iimori und eine Tour in Deutschland mit dem St. Petersburg Symphony Orchestra und Alexander Dimitriev.

Neben ihrer Solokarriere ist Alice Sara Ott als Kammermusikerin regelmäßig zu Gast bei Festivals in Heimbach, Zürich, Davos sowie in Schwetzingen. Sie spielt zusammen mit Künstlern wie Lars Vogt, Gustav Rivinius, Tadjana Masurenko und Peter Sadlo.

Sie gastiert zudem häufig beim Klavier-Festival Ruhr, Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und beim Braunschweig Classix Festival.

Seit 2008 ist Alice Sara Ott Exklusivkünstlerin bei Deutsche Grammophon. Ihre erste Aufnahme mit den zwölf Études d’exécution transcendante von Franz Liszt erschien im Frühjahr 2009.

Die internationale Veröffentlichung eines zweiten Albums mit den kompletten Walzern von Frédéric Chopin ist Anfang 2010 geplant. Für Alice Sara Otts Debüt-Aufnahme mit Orchester sind die jeweils ersten Klavierkonzerte von Liszt und Tchaikovsky mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung von Thomas Hengelbrock vorgesehen.

Quelle: www.klassikakzente.de

Ihr aktuelles Album wurde am 15.1.2010 von der Deutsche Grammophon veröffentlicht. http://www2.deutschegrammophon.com/

 

 

 

 

mehr

02.01.2010 Drei junge VOC `N Roller erobern die Musikwelt

GFDK - MICHAELA BOLAND

GFDK Exklusiv, die The Baseballs

Wußten Sie schon, was Voc `n Roll ist? Nie gehört? Ich auch nicht, aber jetzt kommt`s: Unter Voc `n Roll versteht man Rock `n Roll mit dreistimmigen Harmonien. Warum das wichtig ist? Ganz einfach:

Nicht immer muss Tokio Hotel der Grund dafür sein, wenn Teeniekreischalarm angezeigt ist und Ohnmachtsanfälle auf der Tagesordnung stehen. Dass auch etwas völlig Neuartiges und eigentlich doch längst Bekanntes dazu geeignet sein kann, Pulsschlag und Herzfrequenz ganz Junger und solcher, die sich zu den ewig Junggebliebenen zählen, blitzartig in die Höhe schnellen zu lassen, stellen derzeit drei menschliche Hotspots lautstark unter Beweis.

The Baseballs lautet der verheißungsvolle Name dreier männlicher Hüftschwungvirtuosen, welche das Publikum nicht nur gedanklich, sondern auch visuell in Warpgeschwindigkeit in ein fast vergessenes Zeitalter zurückblicken lassen: The 50s are back again. Nach Künstlern wie Winehouse oder Duffy, welche uns ein gelungenes Revival der Sechziger durchleben ließen, wagt sich das Groß-Label Warner Music mit The Baseballs nun noch eine weitere Dekade zurück in die Vergangenheit.

Und gelungen ist es. Die einfache Rezeptur scheint aufgegangen: Die drei süßen Midzwanziger, SAM, Basti und Digger, mit Tolle, Entenbürzel, Lederjacke und obligatorischem Kamm in der Gesäßtasche hätten Travolta in Grease im Wettstreit um Olivia Newton-John wohl in arge Bedrängnis gebracht. Davon ist jedenfalls auszugehen, wenn man beobachtet, in welch kurzem Zeitraum die drei unterschiedlichen jungen Männer augenblicklich zu neuen Stars avancieren.

Das Besondere: Mit Pomade im Haar und dem King of Rock in der Stimme verwandeln die Rock `n`Roller einfach brandaktuelle Chartbreaker in Fifties-Klassiker. Jetzt drehte das modeltaugliche Terzett sein erstes Rockabillyvideo in der Kölner Innenstadt ab. Der Journalistin Michaela Boland haben die schönen Jungstars eine Rolle in ihrem Clip zugedacht.

Auch ohne Petticoat und Cadillac konnte Michaela pfeilschnell in die fünfziger Jahre abtauchen und mit ihr gleichsam Hunderte von neuen Fans des musikalischen Gespanns. Von ihrem ersten Mal beim Dreh eines Musikvideos berichtet Boland exclusiv auf Freundederkuenste.de.  

Ganz schön ärgerlich, wenn man sich abhetzt, um nur ja pünktlich um 8.00 Uhr morgens beim verabredeten Treffpunkt aufzuschlagen, um dann vom Set-Aufnahmeleiter zu erfahren, dass aufgrund eines Dispositionsfehlers sämtliche Mitwirkende etliche Stunden zu früh bestellt wurden. Am Ende der Schildergasse inmitten der belebten  Kölner Fußgängerzone verwandelt sich das eigens leergeräumte Schaufenster einer Oberbekleidungsboutique gerade in ein filmtaugliches Set.

Heute auf dem Programm: The Baseballs. Das sind das 1,92 m große Kraftpaket, Sam (25) aus Reutlingen  mit bestechend hellblauen Augen und einem Hüftschwung, der Hypnosetauglich scheint, außerdem Digger (26), kreativer Geist des Trios und aus Rheine stammend, sowie sein gleichaltriger Berliner Kollege Basti, der als der „Streber“ der Band firmiert.

Doch The Baseballs sind noch lange nicht am Set. Gemunkelt wird, dass die letzte Nacht mit vorangegangenem Auftritt  wohl bis in die frühen Morgenstunden angedauert haben soll und daher nicht mit dem baldigen Erscheinen der großartig angepriesenen Jungmusiker zu rechnen sei.

Was aber auch völlig unerheblich ist, da gerade zehn weitere, ebenfalls zu früh angereiste Darsteller, mit dem Regieassistenten die Frage diskutieren, ob der Vorschlag, nun noch einmal zurück nach Hause zu fahren oder sich schlappe vier Stunden in der Kölner City herumzudrücken, die praktikablere Alternative sei.

Es soll heiß werden an diesem letzten Augusttag, daher entscheide ich mich, vor Ort zu bleiben und den Aufenthaltsraum, der für alle Mitwirkenden zur Entspannung und als Kantine vorgesehen ist, etwas genauer zu inspizieren. Im zweiten Stockwerk hat die Geschäftsführung der Boutique Platz für das Filmteam geschafft. Ein heller Raum mit vielen Fenstern, die einen gigantischen Ausblick über die Dächer der Stadt gewähren.

Einziger Wermutstropfen: Der Kühlschrank. Auch dieser war der Crew überlassen worden, jedoch derartig verranzt und schmutzig, dass der Setrunner, also der Praktikant, der als Mädchen für alles fungiert, kurzerhand dazu verdonnert wird, sich mit  Putzzeug zu bewaffnen und mit dem Schrubben zu beginnen.

Die junge „Frau vom Catering“, die zweifelsfrei selbst mit Modelqualitäten aufwarten kann, schleppt pausenlos riesige Tabletts mit Leckereien und große Kisten  voller Teller, Gläser und Besteck mit ihrer Assistentin in den Raum. In Handumdrehen zaubert sie auf einer wundervoll dekorierten Tafel eine kulinarische Augenweide, an der sich wenig später die Filmschaffenden laben können.

Und diese lassen, gelockt vom verführerischen Duft heißen Kaffees und ofenfrischer Brötchen, auch nicht lange auf sich warten. Ein schlanker mit Headset und Walkietalkie bewaffneter Aufnahmeleiter stellt sich als Markus vor und präsentiert seine blonde Kollegin als Katja. Die beiden zeichnen heute für den reibungslosen Ablauf des Drehs mit verantwortlich. Schon am nächsten Tag nämlich, soll das Video fertig geschnitten und ab nächster Woche bei  Musiksendern wie VIVA zu sehen sein.

Beeindruckt von der Reichhaltigkeit des Caterings, welches ich von meinen Fernsehproduktionen wesentlich spärlicher kenne, genehmige ich mir etwas Lachs und Meerrettich und schnappe mir einen der Ikea-Klappstühle als das angehendende Werbe-Model Daniela Kastl den Raum betritt. Auch sie soll heute beim Video für The Baseballs mitwirken und war ebenfalls zu früh bestellt worden.

Nachdem die schöne 24-Jährige ihre mitgebrachte Wechselgarderobe unter einem Stuhl verstaut hat, berichtet sie, sich bereits ausführlich über The Baseballs informiert und über das Internetportal My Space mit der Band in Verbindung gesetzt zu haben.

„Die Jungs verwandeln moderne Hits wie Rihanna`s Umbrella oder „Don`t cha“ von den Pussycat Dolls so umwerfend brillant in Fifties Klassiker, dass man das Gefühl hat, der Song stamme jeweils tatsächlich aus dem Petticoatzeitalter.“ Und die hübsche Kölnerin sollte Recht behalten – aber dazu später mehr.

Als Daniela und ich uns dazu entschließen, nach unten zu gehen, entdecken wir, dass das Filmteam bereits ein komplettes riesiges Schaufenster im Ladenlokal leergeräumt, mit silbernem Stoff als Hintergrund abgeklebt und drei Mikrofone im Retrostil auf der Werbefläche aufgestellt hat. Ein Fahrzeug fährt bis zum Schaufenster vor und drei schwarzgekleidete Musiker mit frisch geföhnter Haar-Tolle steigen aus.

Altersmäßig scheinen die Männer, von denen einer Götz Alsmann wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, die Mitte Zwanzig bereits deutlich überschritten zu haben. Einer der sympathischen Unbekannten erklärt dann, dass sie als professionelle Musiker die drei Sänger von The Baseballs mit Klavier, Kontrabass und Drums begleiten würden.

Wir sind schon gespannt, aber vor uns liegen um zwölf Uhr mittags noch weitere drei Stunden Wartezeit. So ist das halt schon mal beim Film. Mein heutiger Part besteht darin, eine Geschäftsfrau zu mimen, die sich eigentlich eiligen Schrittes auf dem Weg durch die Stadt zu einer Geschäftsbesorgung befindet als sie völlig unerwartet am Ladenschaufenster vorbeikommt, in welchem die smarten Baseballs gerade ihren neusten Hit „HOT N COLD“ (im Original von Katy Perry) performen und geradezu stehen bleiben, verweilen und mitswingen muß.

Und eigentlich, ergeht es allen beteiligten Darstellern, welche Menschen aus allen Bevölkerungsschichten geben müssen, beim Anblick der fröhlichen Band ähnlich. So das Konzept. Regisseur Dieter Claus erteilt klare Anweisungen und kalauert mit Daniela kontinuierlich mit Sprüchen wie: „Du weißt, dass Du in der Szene an Haken, welche direkt an Deiner Haut befestigt werden müssen, von einem Heli aus der Fußgängerzone gezogen wirst?“

Völlig gelassen und seelenruhig agiert der erfahrene Spielleiter, der sich bewusst darüber ist, dass noch eine Nachtschicht Schnittarbeit vor ihm liegt, wenn das Videomaterial am Abend im Kasten sein wird. Gegen 13.00 Uhr trudeln nach und nach die übrigen Darsteller wieder ein. Gebucht waren unter anderem auch ein paar Cheerleader der Langenfelder Longhorns, die vor dem Schaufenster atemberaubende Akrobatik zum besten geben sollten.

Dann ist es endlich soweit: Basti, Sam und Digger, die Stars des heutigen Nachmittags, treffen ein. Im originalgetreuen Fifties-Look mit karierten Hemden über Feinripp-Muscleshirts und allwettertauglichen Markenzeichen-Tollen lächeln die sympathischen Newcomer ihre kleine Verspätung so charmant hinweg, dass niemand den Zeitverzug verübelt.

Die erste Probe beginnt. Zunächst wird nur die Band im schmuck hergerichteten Schaufenster und ein Lautsprecher , der den vollen Sound auch nach draußen tragen soll, vor  der Tür platziert. Als Regisseur Claus das „Und bitte“ gibt, hat sich bereits eine riesige Menschenmasse vor dem Fenster auf der Schildergasse angesammelt.

Unvermittelt gerät  diese schon beim Erklingen der ersten Akkorde in frenetische Begeisterungsstürme, bewegt sich  rhythmisch im Takt und schnippt mit den Fingern, während die Baseballs in ihrem Schaufenster die perfekt einstudierte Choreographie zum schönen Gesang präsentieren. The Baseballs erweisen sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als echter Publikumsmagnet.

Dies dürfte wohl nicht zuletzt daran liegen, dass die Newcomer, die sich in den musikalischen Sphären von Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly & Co bewegen, wirklich gut singen. Beinahe möchte man dem Gefühl erliegen, dass die Jungs den Originaltitel Hot N Cold geprägt hätten und Katy Perry es später kopiert habe, so authentisch bringen die Basebälle das Stück herüber.

Wäre man nicht  zu jung, um tatsächlich selbst mit Milchshakes im Autokino der 50er Jahre gesessen zu haben, könnte man schwören, die Melodien von früher zu kennen. Die ersten Durchläufe mit der Band sind zu Ende. Jetzt schlägt die Stunde der Darsteller. Aber schnell stellt sich heraus, dass dies beinahe kaum erforderlich gewesen wäre, denn die immer größer werdende Ansammlung von Passanten übernimmt die Rolle der Darsteller ganz automatisch.

Hunderte staunende Menschen haben sich versammelt und alle machen mit, tanzen, lachen, klatschen und schnippen im Takt, begeistert von den Sympathieträgern hinter der Scheibe. Kreischende Teenies und rüstige Greise werden plötzlich eins. Sie ist also gefunden: eine spektakuläre Alternative zu Tokio Hotel und US 5, noch dazu eine, die Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern scheint.

Den Clip gibt es übrigens ab nächster Woche bei Viva zu sehen. Und von The Baseballs werden wir künftig gewiss noch eine ganze Menge hören. Bleibt nur zu sagen: Let`s  Voc `n Roll.  

THE BASEBALLS: Infos unter: www.thebaseballs.com 

MICHAELA BOLAND ist Journalistin und TV-Moderatorin. Für den Westdeutschen Rundfunk stand sie nach dem Jura-Studium seit 1996 als jüngste deutsche Fernsehmoderatorin eines Unterhaltungsformates für die sonntagnachmittägliche Sommer-Familien-Talk-Show „Hollymünd“ vor der Kamera.

In der ARD präsentierte sie neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin der creatv-Fernsehproduktions GmbH für die Daily-Talk-Formate „Hans Meiser“ und „Oliver Geissen“, die Vorabend Live-Show „Studio Eins“. Als Guten-Abend-RTL-Reporterin berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Außerdem war sie Gastgeberin der Freitag-Abend-Gala-TV-Show „Casino Life“auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

mehr

31.12.2009 Auflehnung gegen die Provokation

Katharina Klara Jung - mit 5 Bildern

Schon 1918 empfahl Oswald Spengler in seinem Werk “der Untergang des Abendlandes“ den Künstlern, ihre Pinsel beiseite zu legen und lieber Ingenieure zu werden. Seiner Ansicht nach waren schon damals die Leistungen unserer zur Zivilisation erstarrten Hochkultur nicht mehr im Bereich der bildenden Künste zu suchen. Die Sprachlosigkeit der Kunst vor den “Errungenschaften“ der Industrialisierung erinnert mich auch an Adornos Forderung, nach Auschwitz keine Gedichte mehr zu schreiben.
Heute sehen wir uns einer gut geölten Kulturindustrie gegenüber, die sich in weiten Teilen inhaltlich vom Profitgedanken korrumpieren lässt. Den ungeheuren Budgets für Film und Musikprodukte, und der Verzahnung mit Merchandising (z.B. Computerspiele, Kaffeetassen) und medialer Präsenz auf globaler Ebene, kann der freischaffende Künstler in Eigenregie kaum etwas entgegen setzen.


Ich behaupte, die Werbeindustrie erschafft wesentlich effektiver ästhetische und kulturelle Realitäten (Menschenbilder), als irgendwelche Kunstaktionen. Für die Zukunft sehe ich das Kulturschaffen in noch viel fundamentalerem Ausmaß den musealen Reliquien überlegen: durch die mehrwertorientierte kreative Neugestaltung des Menschen selbst, z.B. durch Gentechnik oder die Kopplung neuronaler Netze an eine virtuelle Realität. Dem könnte man entgegen halten, die Kunst sei im Gegensatz zu profanen Produkten zweckfrei. Das ist meiner Ansicht nach allerdings idealistische Augenwischerei: mit Kunst kann man Steuern sparen, Prestige erlangen und Geschmack beweisen oder einem Besitzfetisch, der Sammelleidenschaft nachgehen. Es ließe sich sogar das Kaufen zweckfreier Dinge, als eitler Auftritt einer zynischen Dekadenz interpretieren. Mithin kommt ein Museumsbesuch einer erkauften Erinnerung wahlweise an bessere oder schlechtere Zeiten gleich.
Aber wollen wir den totalen Markt? Wollen wir ihn, wenn nötig, totaler und radikaler als wir ihn uns überhaupt erst vorstellen können?
Was mich antreibt, sind Ekel, Angst und Ohnmacht.


Im Sozialismus gab es Staatsbetriebe, heute kommt es mir so vor als würden sich mehr und mehr Betriebsstaaten entwickeln, in denen Politikern demokratische Alibifunktion zukommt, und die sich selbst angreifen, um Energiekriege zu führen, oder die Patente auf Leben anmelden, um mit dem genetischen Bauplan Macht über biologische Ressourcen zu erlangen. Terror wird als Vorwand genommen, Demokratie auszuhöhlen und repressive Instrumente der Kontrolle und Überwachung zu installieren. Ich sehe aus dem Kontext von Handelsunionen das Generieren neuer Superstaaten, völlig undemokratisch und an der Stimme des Volkes vorbei. Gesetze werden von Lobbygruppen geschrieben, oder von Kanzleien, die gleichzeitig Konzerninteressen vertreten. Im Wettlauf um die Globalisierung ist der Neoliberalismus an erster Stelle. Aber Kapitalismus braucht keine Demokratie.
Zu welch moralischen Sternstunden die moderne Kunst in unserer schönen neuen Welt fähig ist, darüber durfte ich mich in einer kunsttheoretischen Kotblüte eines gewissen Boris Groys belehren lassen. Der Autor vergleicht allen Ernstes die Exzesse in Abu Ghraib mit einer Kunstperformance. Die darin ersichtliche postheroische, zur Freiheit einladende Würdelosigkeit des Westens, sieht er als probates Mittel im symbolischen Tausch mit dem Märtyrertod der Terroristen.


Den „gelassenen“ postheroische Umgang mit Krisen sehe ich als blasierte Stilisierung, und zugleich als Offenbarungseid vor einer vermeintlich komplexen Welt, in der der gesunde Menschenverstand sich seines Naturrechts nicht mehr sicher sein darf, selbst legitime Urteile fällen zu können. Zum Beispiel darüber, dass das Zinssystem einer Versklavung gleichkommt, oder dass drei riesige Stahlkonstruktionen nicht mit zwei Flugzeugen fachgerecht zerlegt werden können. Die Selbsterniedrigung und Entwürdigung in der modernen Kunst so wie Groys sie positiv formuliert, sehe ich viel eher, ohne mich selbst auszuschließen, als psychologische Kompensation der eigenen Machtlosigkeit. Auf einem der nächsten Bilder sei ihm eine Folterbank reserviert.


 
Schattenseiten - Peter Feiler

Lakonisch und unbewegt sitzt ein Mann, die Bierdose in der Hand, ein aufgeschlagenes Buch auf den Beinen auf der Bank einer Bahn, die an fleischfarbenem Rauch spuckenden Industriegebäuden vorüber fährt. In seinem offenen Hemd liegen seine Eingeweide brach; Kopf und Gesicht sind nur Sehnen und Knochen, aus denen glanzlose Augen in Nichts starren als hätte man die Haut, den Schutz gegen die Außenwelt abgezogen und festgestellt, dass sich nichts Geheimnisvolles hinter der äußeren Hülle verbirgt, kein Funke, keine Leidenschaft, nur sich in der Leere auflösende, dumpfe Einsamkeit, abgeschottet von dem Geschehen um ihn herum: eine zweite, weibliche Figur, nackt bis auf noch weniger als die bloße Haut, Arme und Beine in Schmerzen verkrümmt scheint sich in Agonie aufzulösen, während nackte Kinder wie Kobolde durch das Bildfeld tanzen…

Eine Szene, die direkt in die Monotonie des Alltäglichen, in den freudlosen Alltagstrott der scheinbar immer gleichen Irgendjemande in einer inventarisierten Umgebung blickt und deren Innerstes im wahrsten Sinne nach Außen kehrt: Es offenbart sich ein Blick auf eine verheerende Gefühlswelt der Protagonisten in der weiten Spanne zwischen völliger Resignation, Sinnsuche und einem fast existentialistischen Weltschmerz (S-Bahn-Szene, 2002).

Die Experimentierfreudigkeit und Vielseitigkeit, die in den Arbeiten Peter Feilers (*1981, Halle an der Saale) zum Vorschein kommen, machen seine Arbeiten schwer greifbar. Doch die Fülle von Themen, von orgiastischen über ganze Weltsysteme bis hin zu einer beiläufigen Kritik der hoch intellektualisierten Egomanie der Gegenwart (das Paradoxon einer individualisierten Gesellschaft, 2001), die er wie in einem Wirbel in seinen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Bildern behandelt, drehen sich um das zentrale Thema der Abgründe des menschlichen Seins.

Durch das ungewöhnliche Medium Buntstift relativiert Peter Feiler seine Groteskerien mit einer pastellartigen Farbigkeit und gibt dem brisanten Topos dessen, „was der Mensch dem Menschen antun kann“ (Peter Feiler) eine unschuldig-kindliche Patina, die in starkem Kontrast zu den anzüglichen, fast pornografischen Posen mancher seiner Protagonisten steht:

In der „Reifeprüfung“ (2002) verbirgt sich eine latente Aggressivität in Gestus und Mimik der Protagonisten hinter der sanften Farbgebung und filigranen Ausführung der übergroßen Blätter der giftigen Dieffenbachia und zieht den Betrachter in den Bann ihres Detailreichtums, nur um ihn derart in falscher Sicherheit wiegend mit der vollen Brutalität der schwärzesten Seite der menschlichen Seele zu konfrontieren: Missbrauch, Vergewaltigung, Folter, Kinderschändung, die Peter Feiler mal nur angedeutet, mal in krasser Bildlichkeit vor Augen führt. „Ich bin kein Missionar“, sagt Feiler über sich selbst, „Ich will die Menschen nicht ändern. Aber vielleicht kann ich sie dazu bringen, dass sie durch die Auflehnung gegen die Provokation etwas Gutes entdecken.“

„Sex hat sehr ambivalente Konnotationen“ erklärt Feiler, und so konzentrieren sich seine orgiastischen Federzeichnungen vor Allem auf die negativen, manischen Aspekte eines zum Industrieprodukt degradierten Geschlechtsakts. Es wimmelt von nackten Leibern, offenen Wunden, von zugleich abstoßenden und faszinierenden Details, von Gier, Geilheit, Selbstverletzung und der psychotischen Lust an Schmerz und Zerstörung – ein Porträt der Schattenseiten der menschlichen Seele (Feier, 2003), deren Konsequenzen er in der Zeichnung „Der letzte Mensch“ (2002) vorschlägt: Mit glänzenden schwarzen Augen lauert eine Spinne dem alten, gebrochenen Mann auf, hinter dem ein Knochenmann – sein Alter Ego? Die Hybris selbst? – sich vor der kolossalen Architektur im Hintergrund aufbäumt.

Das epische Ausmaß seiner offenen Erzählweise, die sich aus einzelnen Fragmenten und Bruchstücken zu einem verwirrenden Geflecht unterschiedlichster Zusammenhänge spinnt, lässt ein Weltengemälde entstehen, in dessen Figurengewimmel Menschen mit gigantischen Insektenlarven kämpfen, bierbäuchige Reiter über die Dächer einer unwahrscheinlichen, einer unmöglichen Stadt galoppieren und sich kopfüber fast wie ein Mond eine alternative Welt ins Bild schiebt. Die Grenzen zwischen Spaß und Horror zerfließen. Bruchstückhaft aufflackernde Szenen greifen ineinander, wirbeln in ein Blitzlichtgewitter widersprüchlicher Assoziationsketten: Peter Feiler spielt das Sichtbare gegen das Bemerkbare aus (Hüpf, Hopf, 2003). Er bietet keine Lesrichtung an, er verzichtet auf den roten Faden und zwingt den Betrachter, sich auf die Komplexität, die Verknotungen und humorvollen Details eines selbstreferentiellen Systems einzulassen und eine eigene Geschichte daraus zu formen. © Katharina Klara Jung, 2006

 

Weitere Kunstwerke von Peter Feiler finden Sie in unserer Bildergalerie Kunstwerke.

 

Peter Feiler wird durch die Galerie Adler Frankfurt vertreten:

Galerie Adler Frankfurt - New York
Hanauer Landstraße 134, 60314 Frankfurt, Germany, +49 (0)69-43053962

mail@remove-this.galerieadler.com, www.galerieadler.com



Biografie:

Peter Feiler
*1981, Halle an der Saale

2008           Meisterschüler bei Professor Valérie Favre
2002-2007  Universität der Künste, Berlin mit Professoren Wolfgang Petrick,  Daniel Richter und Valérie Favre

Einzelausstellungen

2009  Gruppenausstellung Peter Feiler, Frankfurt am Main
2007  Mankind - Nature - Technology, Galerie Adler, New York, USA
2006  Karzinome, Galerie Adler, Frankfurt am Main
          Peter Feiler, Galerie Gerken, Berlin


Gruppenausstellungen

2010 Dead_Lines, Kunsthaus Zürich, Zürich, Switzerland (to be confirmed)
         Dead_Lines, Von der Heydt Museum, Wuppertal
         Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
2009 Art4Kids, Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
         I am not dead but I am divided, Ballhaus Ost, Berlin
2008 I am not dead but I am divided, Alte Papiermuehle, Rostock
         PHANTAKALIFRAGILISTIGEXPIALIGETISCH, Galerie ADLER, Frankfurt
         I am not dead but I am divided, Projektraum Satellit, Galerie Anita                       Beckers, Frankfurt
         Thieme Art Award, Art Amsterdam, Niederlande
2007 Face up, Galerie Adler, New York, USA
         Three Part Harmony: Definition, Delicacy, and Detail in Drawing, Curator's  Office, Washington, USA (kuratiert von Andrea Pollan und Dr. Fred Ognibene)
2006 Durchgenallt, Kunstkabinett Regensburg, Regensburg
         Durchgeknallt, Fahrradhalle und Portikussi, Offenbach
         Junge Berliner Künstler, Galerie Claudius, Hamburg
2005 Peter Feiler, Michael Wutz and Constanze Haas, Galerie Gerken, Berlin
         Subjektive Obsession, Art Frankfurt, Frankfurt
 
 
Sammlungen
Collection Alexander Hoorn, Leiden, Niederlande
Sammlung Jean Pigozzi, Schweiz
Museum of Old and New Art, Australia
Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
Miniature Museum of Contemporary Art, Amsterdam, Niederlande
JoMo Art Collection, Belgium


Preise
Thieme Art Award, Niederlande, Shortlist

 

mehr

06.12.2009 25.02.2010, Leipzig – Gewandhaus, 20 Uhr

ARGO-Konzerte

„Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen“. Ende Februar geht Bestsellerautor Frank Schätzing mit seiner Multimedia-Show [LIMIT] – LIVE! auf Tour Mit seinem neuen Thriller LIMIT hat der Kölner Erfolgsautor Frank Schätzing im Nu die Bestsellerlisten erobert. 

Schon vor der Buchpremiere im Oktober waren 350.000 Exemplare des neuen Schätzing-Krimis vorbestellt. Im November sind bereits 500.000 Bücher verkauft. Eine Sensation! Ab 24. Februar geht der Bestsellerautor nun auf Tournee – und das wird keine Lesereise. Die Besucher erwartet ein multimediales Showkonzept, das Perfektionist Frank Schätzing bis ins Detail selbst in Szene setzt.

Spannende Filmsequenzen, Einspieler, Dialoge und Leseelemente werden dabei zu einem unterhaltsamen Ganzen verwoben. Im Interview gibt Frank Schätzing Einblick in seine Arbeit als Schriftsteller und einen Vorgeschmack auf die neue Show.  

Wie kamen Sie zur Idee für Ihren neuen Roman? Oder kam die Idee zu Ihnen? 

Sowohl als auch. Meist sind es die Randnotizen, an denen ich hängen bleibe, Themen,über die noch nicht jeder spricht, die aber das Zeug zu mehr haben. So las ich Ende der Neunziger etwas über Helium-3, ein Edelgas-Isotop, das im Mondstaub eingelagert und nur dort zu finden ist.

Das Zeug versprach alle unsere Energieprobleme zu lösen, wenn man es nur vom Mond zur Erde schaffen könnte. Die Vorstellung, dass wir den Trabanten künftig als Wirtschaftszone nutzen, setzte in meinem Kopf sofort einen Film in Gang.

Haben Sie sich mit dem Mond und der bemannten Raumfahrt erst im Rahmen Ihres Romans intensiv beschäftigt oder gab es da vorher schon ein großes Interesse für dieses Thema? 

Ich war immer schon neugierig und wollte alles verstehen, möglichst praxisnah, so dass es Spaß macht. Richtig für Astrophysik und Raumfahrt entflammt bin ich schließlich durch Stephen Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“. Sein Werk war die Initialzündung für Bücher wie „Der Schwarm“, „Nachrichten“ und jetzt LIMIT.

Ich wusste also schon einiges, trotzdem war die Zusammenarbeit mit Physikern und Astronauten von entscheidender Bedeutung für LIMIT. Grundsätzlich fasziniert mich am Mond, am Universum, an der Tiefsee und an fremden Ländern, was Menschen zu allen Zeiten fasziniert hat: die Überwindung von Grenzen, der Schritt ins Unbekannte, die Erweiterung von Wissen, letztlich Erkenntnis.

Wie lange haben Sie an Ihrem neuen Roman gearbeitet? 

Ich habe ein Jahr lang nur recherchiert und dann zwei Jahre geschrieben, währenddessen aber weiter Recherchen betrieben. Hauptsächlich Raumfahrttechnologie, aber auch geopolitische Zusammenhänge, Historie und Zukunft Chinas, Energiewirtschaft und so spaßige Sachen wie Sex in der Schwerelosigkeit.  

Nach so langer, intensiver Schreibarbeit ist der Schritt in die Öffentlichkeit sicher nicht leicht. Was liegt Ihnen mehr – das Eremitendasein als Schriftsteller oder das Rampenlicht? 

Das Eremitendasein liegt mir überhaupt nicht. Ich bin gerne unter Menschen, in bevölkerten Räumen, unter freiem Himmel, ich liebe Gesprächslärm und Musik. Schon darum habe ich mir angewöhnt, in Cafés oder auf Reisen zu schreiben.

Nur wenn ich Zugriff auf Unterlagen brauche, die ich nicht ständig mit mir rumschleppen kann, gehe ich ins Büro, ansonsten suche ich menschliche Nähe. Hinzu kommt, dass ich mich auf Bühnen sauwohl fühle – je größer, desto wohler. Ich bin immer schon gerne aufgetreten.  

Mit „Der Schwarm“ haben Sie die Messlatte für Ihr neues Buch sehr hoch gelegt. Ist das neue Buch den hohen Anforderungen gewachsen? 

2004, als der „Schwarm“ auf den Markt kam, dachte ich, ich warte ein paar Wochen, bis der Hype abgeflaut ist, und dann schreibe ich den Nachfolger. Aber aus den Wochen wurde ein Jahr, und als ich 2005 endlich loslegen wollte, hatte sich eine gewaltige Barriere in meinem Kopf aufgebaut. Nach einem Megaerfolg wie dem „Schwarm“ stehst du unter Druck, ob du willst oder nicht.

Ich hatte einen Berg überquert, ohne es zu merken, jetzt sah ich einen vor mir aufragen! Ich hatte erstmals im Leben das Gefühl, gegen mich selbst antreten zu müssen – nicht eben die ideale Ausgangsbasis, wenn du ein neues Buch schreiben willst. Also machte ich was anderes, spielte Gitarre, schrieb Soundtracks für Hörbücher, verfasste ein Sachbuch und wurde den Krampf im Hirn darüber wieder los.

Als ich dann mit den Recherchen zu LIMIT begann, stellte ich fest, dass mich der „Schwarm“-Erfolg nicht länger beeindruckte. Ich hatte einfach Lust,wieder eine Geschichte zu erzählen, und basta. Ob die was Besonderes geworden ist,ob sie den Anforderungen standhält, müssen andere beurteilen.  

Warum werden Menschen, die den „Schwarm“ mit Begeisterung gelesen haben,auch Ihr neues Buch gut finden? Kurzum: was wird ähnlich, was wird anders sein? 

Wer LIMIT liest, reist in eine mögliche Zukunft, ins Jahr 2025, nach Shanghai, Berlin, London und Venedig, nach Afrika und zum Mond. Es geht um Energiewirtschaft, um den Machtpoker multinationaler Konzerne, um die Zukunft der bemannten Raumfahrt - sehr actionreich, mit etwas mehr Humor als im „Schwarm“, und Sex gibt’s natürlich auch – in der Schwerelosigkeit.

Das könnte „Schwarm“-Lesern auch darum gefallen, weil der Weltraum und die Tiefsee gar nicht so weit auseinander liegen. In beiden Fällen tauchst du ein ins Unbekannte, Unerforschte, hier wie da trittst du die Reise in dein eigenes, dunkles Selbst an.

Am Grunde des Pazifiks, auf dem Mond, auf fremden Planeten oder am Rand des Universums sucht der Mensch letztlich immer den Menschen, will er Antworten auf die immer gleichen Fragen: Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir?  

Ihr Buch ist im Oktober erschienen, der Rummel war riesig. Jetzt gehen Sie jedoch nicht klassisch auf Lesereise, sondern erst Ende Februar auf Tournee. Warum? 

Um zwischendurch aufzutanken. Die letzten Monate, die ich an LIMIT gesessen habe, waren ein Wettrennen gegen die Zeit, weil ich das Buch unbedingt zur Frankfurter Buchmesse rausbringen wollte.

Im anschließenden Medienrummel blieb keine Zeit, auch noch Auftritte zu konzipieren, und mein Programm ist ja ein bisschen aufwändiger als herkömmliche Lesungen. Außerdem, nach so einem Mammutprojekt wie LIMIT muss man erst mal zu Atem kommen. Es war mir wichtig, wieder mehr Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden zu verbringen.  

Warum wird es eine Show und keine Lesung? 

Wegen der Schauwerte. Das Thema hat viel Unterhaltungspotenzial für eine Multimedia-Show. Außerdem war ich nie ein Freund klassischer Lesungen. Es gibt tolle Performer unter den Autoren, aber die meisten erwecken doch eher den Eindruck, als fühlten sie sich in der Rolle des Vorlesers unwohl.

Sie müssen eine Stunde an einem Tisch sitzen, quälen sich mit ihren eigenen Texten rum, und der Zuhörer kriegt Rückenschmerzen oder schläft ein. Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen, auf anregende, aufregende Art.  

Was sieht und erfährt der Besucher der Show, was im Buch nicht zu finden ist? 

Genau darum geht es – mehr zu bieten als vorgelesene Texte. Bei LIMIT - Live arbeite ich, wie schon bei der „Schwarm“-Tour, mit großer Leinwand, Filmeinspielern und Musik, die sich wie ein Soundtrack durchs Programm zieht. Ich spreche über Zukunftsvisionen, über Hintergründe der Story, es gibt kabarettistische Einlagen und ein paar nette Gags, um LIMIT auf der Bühne lebendig werden zu lassen.

Man soll sich wie im Kino oder auf einem Popkonzert fühlen. Insbesondere die Filmeinspieler sind hochklassig, teils hollywoodreif getrickst. Das ZDF hat mir phantastisches Material zur Verfügung gestellt, aber auch die ESA, die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft DLR.  

Wieviel Frank Schätzing steckt in der Produktion? 

Das kreative Konzept habe ich im Alleingang entwickelt, in der technischen Umsetzung mit Profis gearbeitet.   

Man sagt, Sie produzieren auch die Musik selbst… 

Stimmt, ich komponiere sie und spiele das meiste selbst ein. Hier und da assistieren im Studio Musiker, wenn ich ein Instrument nicht beherrsche. Im „Future-Check“ etwa, einer filmischen Reise in die nahe Zukunft, lebt die Musik stark vom Einsatz einer Solovioline, dafür konnte ich eine tolle Geigerin gewinnen. Die Musik nimmt während der Show dieselbe Funktion ein wie Filmmusik, sie dient als dramaturgischer Verstärker und schafft Stimmungsbilder.  

Sie wenden sich, das zeigen auch die gewählten Veranstaltungsorte, an ein großes Publikum. Wie wollen Sie gewährleisten, dass auch in großem Rahmen der Funke überspringt

Das kann man nicht gewährleisten, nur versuchen. Es funktioniert umso besser, je weniger man sich von der Größe des Veranstaltungsorts und der Vielzahl der Besucher beeindrucken lässt. Gerade, wenn man mit Special Effects arbeitet, ist es wichtig, auf der Bühne gelassen und authentisch zu bleiben, einfach man selbst.

Ich habe die Feststellung gemacht, dass die Größe einer Location keine Rolle spielt, wenn die Chemie zwischen Künstler und Publikum stimmt. Man muss selbst Spaß haben an dem, was man da tut, und diesen Spaß auf die Ränge übertragen. Dann kann sich bei einem Riesen-Event eine intime Atmosphäre einstellen.

Bereits mit dem „Schwarm“ waren Sie auf Tournee und wurden vom Publikum gefeiert. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit nutzen Sie in der Vorbereitung auf die neue Tournee? Was wird neu, anders, noch besser sein? 

Beim „Schwarm“ gab es eine deutliche Trennung zwischen Film und Performance. Solange ich auf der Bühne agierte, liefen keine Filme, wurden welche gezeigt, war von mir nichts zu sehen. Bei LIMIT werden alle Elemente stärker ineinander verwoben, Sound, Vision, Performance.    

Tickets sind an den bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 01805/607070 (0,14€/Min. / Mobilfunkpreise können abweichen) sowie im Internet unter www.argo-konzerte.de  erhältlich

Carolin Hilzinger

ARGO-Konzerte GmbH
Marketing & PR
Phone        : +49 (0) 931 - 2300 - 145
Mobil        : +49 (0)1761 - 2300 -145
Fax        : +49 (0) 931 - 2300 - 149
E-Mail        : ch@remove-this.argo-konzerte.de 

mehr

07.11.2009 Azadeh und Somayeh Alizadeh waren der Hingucker

Michaela Boland

Köln. An schönen Frauen mangelte es beim jüngsten Kölner Kulturtreff im Zollhafen keinesfalls. Die Modeltauglichen Freiburger Schwestern Azadeh und Somayeh Alizadeh jedenfalls waren der Hingucker des Abends.

Zum ersten Mal nahmen die Kauffrau und die Erzieherin an der beliebten Veranstaltung, deren Einladungen namentlich erfolgen und nicht übertragbar sind, teil und zeigten sich von der Stimmung begeistert.

Organisator und Ex-EMI-Promotion-Manager Winni Ebert hatte seine illustren Gäste diesmal zur Zusammenkunft ins neue In-Lokal Sportsbar in schmucker Umgebung und mit direktem Blick auf den Rhein geladen. 300 Vertreter aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren bei lauer Sommernachatmosphäre mitten im Frühling gerne erschienen, um kulturelle Neuigkeiten und Visitenkarten auszutauschen.

Bei Fingerfood, Kölsch, Sekt und Wein ließ es sich wahlweise unter „geschlossenem“ oder freiem Himmel wunderbar plaudern. So erzählte Schauspieler Ralf Richter beispielsweise vom neuen geplanten Internetprojekt, bei welchem Castingshows persifliert werden und Protagonist „Kalle“ eine Braut („Olle“) suchen soll..

Ex-WDR 2- Moderator, Robert Treutel, besser bekannt als Comedian „Bodo Bach“, der für seine Telefonscherze bekannt ist, unterbrach sein erfolgreiches 3. Tourneeprogramm „Viertel nach Bach“ nach Stationen in Hamburg und Kiel gerne für einen Zwischenstop in Köln, bevor es schon bald in Hessen weitergeht.

Seit acht Jahren steht der Comedian, der als Hörfunkmoderator der Kultsendung „Schlagerralley“(WDR 2) und „Musik Convoy“ (WDR Fernsehen) bekannt wurde, auf der Bühne. „Manchmal muss man die Leute vor sich selbst schützen, weil sie so viel erzählen“, weiß der gebürtige Hesse.

Auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm, bei dem er sein Publikum ganze zwei Stunden unterhält, ruft er als Bodo Bach solche Nummern, an, die ihm die Leute geben und treibt zur Belustigung der Anhängerschaft vor Ort live seinen Schabernack mit ahnungslosen „Opfern“ zu Hause.

Ebenfalls unter den Gästen: WDR-Musikredakteurlegende Werner Hoffmann. Seinen wie nagelneu blitzenden russischen GAZ, unmittelbar im Eingangsbereich der Feier-Location geparkt und fast an einen antiken Opel Admiral erinnernd, ließ der pensionierte WDR-Mann gerne von jedem bewundern.

Rosarot erscheint derzeit wohl nahezu alles für Schauspieler und Partysänger Willi Herren. Grund: Der ehemalige Lindenstraßen- und RTL- Dschungel-Camp-Star ist frisch verliebt. Seit vier Monaten treibt die hübsche 25-jährige Diplom-Eventmanegerin, Kanika Kaltenberg den einst skandalumwitterten Mimen zur Bestform an.

Mit frisch gebleachten Zähnen und körperlich topfit erzählt er denn auch, wie er sich um Freundin Kanikas Willen für eine echte Kuh einsetzte und prompt in einen Rechtsstreit verwickelt wurde. Hintergrund: Kanika hatte Mitleid mit einem noch kleinen Rindvieh, welches sein Bauer aufgrund von Problemen mit dem rechten Vorderbeinchen für den Schlachthof vorgesehen hatte.

Held Herren läutete eine Rettungsaktion für Kalb „Anita“ ein und fotografierte die junge Kuh auf des Bauers Weide. Dieser verklagte Willi Herren darauf hin wegen des Rechts am Bild an seiner Kuh, erzählt der Schauspieler. Über Dieter Bohlen weiß er eine ganze Menge: Horst Hültenschmidt.

Der erfolgreiche Verleger (Gallery Art of Music – GAM) war nämlich etliche Jahre als Promotor für den Pop-Titan im Einsatz. Weil er nur Augen für Werner Hoffmans GAZ hatte, plauderte der Unternehmer, der auch Metallica, die Scorpions und Bon Jovi betreute, an diesem Abend aber nicht aus dem Nähkästchen.

Dass nicht nur Frauen das Geheimnis langanhaltender Jugend gepachtet haben, stellten die Musikproduzenten Oliver Schmidt und Jürgen Backes von den Labels SWOP MUSIC aus Pulheim und Culture of Music unter Beweis. Das schlichte Geheimnis der beiden Mid-Vierziger:

Während Oliver bei Lektüre von Dan Brown im Garten entspannt, ist Jürgens Jungbrunnen die einjährige Tochter Penelope. Auch gesehen: Hedwig- Neven -DuMont-Bruder Charles von Auersperg , Consultant Ralf Metternich und Unternehmer Ralf Kleinherne.

Der nächste Kulturtreff, weiß Mitorganisatorin Gloria Herskamp, wird bereits Anfang Juni im Hotel The New Yorker im Stadtteil Mülheim stattfinden.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

mehr
Treffer: 205