Exklusive Interviews mit interessanten Menschen

18.05.2022 Portrait des Monats

GFDK - Michaela Boland

Dieser Artikel wurde Anfang 2017 hier veröffentlicht. Ihr Metier war lange Zeit reine Männerdomäne. Wenngleich sich der Anteil weiblicher Vertreter auch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht hat, befinden sich die XY-Chromosomenträger in diesem Fach mengenmäßig noch immer klar im Vorteil.

Doch diese Tatsache muss sich gar nicht immer so schlecht auswirken, findet sie: Kabarettistin Sylvia Brécko.

Eine Frau mit jeder Menge Energie. Seit 2007 ist sie mit ihren Programmen erfolgreich auf deutschen und europäischen Bühnen unterwegs und begeistert ihr Publikum mit gesellschaftspolitischen Themen, die sie mit einem Augenzwinkern auf wunderbar leichte Art und Weise aufrührt. Kurzweilig, vielfältig und dennoch tiefgründig, so will die Kölnerin mit österreichischem Pass ihre Zuschauer unterhalten.

Dass ihr dies seit Langem gelingt, beweist schon mal ein Punkt: Das empfehlenswerte aktuelle Programm, die-Dauerbrenner One-Woman-Show mit Text und Musik: "Liebling, wir müssen reden" wird im Oktober von der schon sehnsüchtig erwarteten Fortsetzung ("Liebling, wie war ich?“) abgelöst und befasst sich mit dem immerzu aktuellen Mann-Frau-Thema. Zwar geht es nicht nur um die Kommunikation zwischen den Geschlechtern, sondern ebenfalls um Verständigung an sich, die allgemeine Unterhaltung und um Werte.

Große Sprachkrise

Doch vor allem setzt die ausgebildete Schauspielerin eine Beobachtung um: Die große Sprachkrise, auf die wir ihrer Meinung nach zusteuern. "In vielen Schulen wird immer weniger Deutsch gesprochen und die deutsche Sprache nicht mehr richtig erlernt", konstatiert sie.

Sicherlich nicht von der Hand zu weisen, denn seit sich schockierende Erlebnisse von der Bildungsfront sogar aus erster Hand in Lehrerdokumentationen wie beispielsweise der mit dem Titel "Isch geh Schulhof" bis in die  Bestsellerlisten hoch katapultierten, wie wir seit Autor Philipp Möller wissen, erhärtet sich der Verdacht, dass es mit korrekter Sprache hierzulande tatsächlich abwärts gehen könnte.

So schildert auch Sylvia Brécko, wie sie zwar manchmal über Gespräche zwischen Jugendlichen, die sie beim Bahn fahren hin und wieder zwangsläufig mitbekomme, lache, ihr aber jenes Lachen gleichzeitig im Halse stecken bleibe. Immerhin: Derartiges eignet sich regelmäßig ganz gut fürs Kabarett.

Wo sich die Diplom-Sportlehrerin sonst noch Inspiration holt, wie sie neben ihrer Sprech- Tanz- und Gesangsausbildung auch noch einen Magister in Theater-Film- und Fernsehwissenschaften sowie Germanistik und Kunstgeschichte erworben hat, während sie beim WDR moderierte und Filme machte, hat sie beim Gespräch im Klettenberger Café 333 verraten.

Sylvia Brécko erinnert an die Filmdiva Marlene Dietrich

Mit ihren 1,75m, blauen Augen, der hellblonden Mähne und einer Traumfigur lässt Sylvia Brécko gewiss so manches Männerherz höher schlagen. Zwar ist die Wahlkölnerin, die um ihr Alter ebenso ein Geheimnis macht, wie einst Marlene Dietrich und Fragen hiernach regelmäßig genau wie die legendäre Filmdiva mit den Worten,

"Der Geburtsschein ist ein Gerücht, das eine Frau jederzeit durch ihr Aussehen dementieren kann", abbürstet, längst in festen Händen, doch  Bewunderer sind der gebildeten Kabarettistin sicher.

Einst habe sie ein Programm über weibliche Mythen gemacht. Neben der gerade zitierten Dietrich seien darin auch Edith Piaf, Marilyn Monroe, Judy Garland und Tochter Liza Minnelli vorgekommen.

Ein Kulturamtschef habe sie daraufhin im Jahre 2007 gefragt, ob sie sich denn nicht auch vorstellen könne, politisches Kabarett zu machen. Doch reine Politik reizt die Blondine weniger. "Ich bin ein politisch durchschnittlich interessiertes Wesen", sagt sie. "Um politisches Kabarett zu machen, musst du überdurchschnittlich an der Politik interessiert sein", findet Brécko.

Immerhin sei sie auf diese Weise jedoch dazu gekommen, es einfach einmal mit gesellschaftspolitischem Kabarett zu versuchen. "Ich habe dann mit Beziehungskabarett begonnen", erzählt sie. "Daran habe ich Spaß, da stehe ich hinter, das sind meine Themen", bekräftigt sie ihre Entscheidung.

Wichtig sei ihr, dass ihr Publikum einen schönen unterhaltsamen Abend habe und sich in den darauffolgenden Tagen und Wochen immer einmal wieder daran erinnere, was sie gesagt habe und Dinge wiedererkenne.

Dass ihre Vorstellungen durchaus für Bewusstseinserweiterungen sorgen, bestätigen die zahlreichen E-Mails, die sie häufig als Reaktion auf ihr Programm von Zuschauern erhält. So schrieben ihr die Menschen beispielsweise, "Genau das habe ich dann auch gesehen."

Auf die Frage, ob man es nach ihrem Dafürhalten als Frau im Kabarett grundsätzlich schwerer habe als ein Mann, antwortet sie: "Offenbar hat man es schwerer".

Das siehst du ja schon daran, dass es wesentlich weniger Frauen gibt, die Kabarett machen", doch fügt sie lachend hinzu, "das hat ja auch Vorzüge, dass wir in der Minderheit sind". Hintergrund: Vor kurzem war Sylvia Brécko auf einem Ball eingeladen und konnte sich als Stargast für eine geplante Kabarettveranstaltung der Lions ins Gespräch bringen.

So wurde ihr nämlich gesagt, dass es doch durchaus etwas wäre, wenn sie als erste Frau dort aufträte, nachdem man bisher nur Männer gehabt habe. "Ich lasse das auf mich zukommen und fühle mich in der Szene nicht benachteiligt", erklärt die im Sternzeichen des Löwen Geborene.

Benachteiligt dürfte sich auch Kollegin Carolin Kebekus derzeit keineswegs fühlen. Der weibliche Shootingstar, der 2011 sein Debütalbum "Ghetto Kabarett" herausbrachte, Deutscher-Comedypreisträgerin und seit 2013 Ensemble-Mitglied der heute-show ist, sorgte jüngst mit dem bei RTL ausgestrahlten, eigenen Programm "Pussyterror Teil 1 und 2" für hohe Einschaltquoten.

"Was hältst Du von dieser etwas platteren, aber kommerziell recht erfolgreichen Art des Humors der Kollegen, wie beispielsweise Kebekus und Barth aus dem Comedy-Bereich", möchte ich von Sylvia Brécko wissen.

" Auch wenn es heutzutage sehr durcheinander fließt und man es vielleicht nicht mehr so trennen kann, wie man es einmal konnte, unterscheide ich immer noch zwischen Kabarett und Comedy. Auch denke ich, dass es für jede Richtung, ob es nun rein politisches, gesellschaftspolitisches Kabarett oder Comedy ist, eine Klientel gibt.

Es gibt für alles überall ein Publikum und von daher hat alles seine Legitimation", antwortet die Kabarettistin diplomatisch. Überhaupt: Ihre Ausdrucksweise ist gewählt, die Anmutung elegant.

Dann zitiert sie die von ihr hochgeschätzte Kollegin Gerburg Jahnke mit den Worten, "Comedy macht man wegen dem Geld und Kabarett wegen des Geldes".

Welche Motivationen auch immer hinter den Menschen stehen mögen, als Freiberufler bedarf es hin und wieder eines langen Atems. Da trifft es sich gut, dass Durchhaltevermögen durchaus eine Stärke Sylvia Bréckos` zu sein scheint.

Bevor die Tochter eines Österreichers endlich ihre Abschlüsse in Theater-Film und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte sowie Sport machte, absolvierte sie parallel zum Studium noch ihre Schauspiel-, Tanz-, Gesangs- und Sprechausbildung, fungierte als Ansagerin im WDR Fernsehen, moderierte bei der Hobbythek an der Seite von Jean Pütz und arbeitete als Realisatorin für die Lokalzeit im Sender.

"Ich musste immer mehrere Dinge auf einmal machen", erinnert sich Brécko, gibt aber weiterhin zu, "ich habe auch ziemlich lange studiert". Das Beiträge machen sei aber auf Dauer nichts für sie gewesen, gesteht sie.

"Ich wollte immer ein Kunstwerk aus den Filmen machen. Für mich musste es immer eine Dramaturgie haben“, erklärt die früher einmal leicht Rothaarige. "Ich war nicht so ein schneller Produzierer und habe mir dann einfach gesagt, `das machen andere besser`".

Es sei "input-output-mäßig" gewesen, man habe unglaublich viel recherchieren und vorbereiten müssen und hinterher nur einen Dreiminüter gehabt, der dann einfach so verpufft sei. Demgegenüber hat sie in ihrem derzeitigen Betätigungsfeld jedwede Gelegenheit ihre Vorstellungen umzusetzen.

"Im Theaterbereich entwickle ich eine Show, aber ich kann sie dann auch immer wieder reproduzieren und immer wieder aufs Neue leben und erleben", erläutert Sylvia.

"Wie bestückst du deine jeweiligen Programme, gibt es da einen bestimmten Ablauf", frage ich die passionierte Bühnenfrau. "Es gibt natürlich Arbeitserfolge.

Das heißt, man setzt sich hin, man hat den Druck, ich brauche auch immer den Druck, habe jetzt meine Premiere für das Programm auf den ersten Oktober festgelegt und das heißt, ich muss mich einfach hinsetzten und schreiben", erklärt Brécko. Sie treffe sich sodann alle ein bis zwei Wochen mit ihrer Regisseurin und müsse dort auch etwas abliefern.

"Den Ehrgeiz habe ich natürlich, damit wir beide dann produktiv arbeiten können." Zunächst würden einzelne Nummern, die zu einem größeren Themenkreis gehörten, verfasst, die dann in der Gemeinschaftsarbeit sprachlich verfeinert und in eine Dramaturgie gebracht werden müssten.

Derzeit laufe sie mit extrem offenen Augen und Ohren durch die Gegend und alles, was ihr auffalle und zu ihrem Thema passe, schreibe sie sogleich auf.

Ihr Geheimnis: Ein kleines rotes Buch, was sie stets bei sich führt und worin sie alles notiert, was ihr in den Sinn kommt, was sie erlebt oder sieht. Inhaltlich, so verrät sie schon einmal, gehe es im geplanten Fortsetzungsstück, "Liebling, wie war ich?" um Dinge, die etwas zu tun hätten mit Ängsten, Unsicherheiten und Selbstbewusstsein, die sich im Leben eines Künstlers oftmals abwechselten.

Dieses gewisse Wirrwarr von Emotionen und Zuständen, denen man sich eben auch als Künstler ausgesetzt sehe.

So soll sich dann mit der Premiere am ersten Oktober der "Liebling-Kreis, nach, "Liebling, bin ich zu dick?" und "Liebling, wir müssen reden!" schließen.

Getreu dem Motto ihres letzten Trilogie-Teils, "Liebling, wie war ich?", richtet sie als Künstlerin diese Frage, wohlgemerkt in subtilerer Weise, um sich zeitnah ein erstes Feedback einzuholen, spätestens in der Pause gleichsam an ihre private Begleitung.

Eine Art Personal-Kritiker, der bei jeder Show dabei ist und den Verlauf von Anbeginn mitverfolgt? Gut, ein solches Menschen-Barometer zu haben, doch gibt es eigentlich auch Möglichkeiten, die Kabarett-Tauglichkeit des Erdachten schon im Vorfeld auszutesten, interessiert es mich.

Brécko`s Testphase sah, wie sie erzählt, wohl immer folgendermaßen aus: "Ich habe zuvor immer befreundete Pärchen zu mir eingeladen und dann haben wir Dinner & Show gemacht." Soll heißen:

Es habe zunächst eine kleine Vorspeise gegeben, Brécko trug erste Show-Elemente vor, es folgte eine Pause, die Zeit für erstes Feedback der Freunde ließ, bevor nach dem Hauptgang der zweite Programmteil zum Besten gegeben worden sei, und das Multitalent Brécko sich nach dem Nachtisch die ehrliche Abschlusskritik hat einholen dürfen. Auf dieses Weise konnte die Künstlerin erkennen, wo etwas ankam und wo nicht.

Ihr häufig gemischtes, aber tendenziell eher intellektuelles Publikum bewegt sich hauptsächlich zwischen 35 und 55 Jahren, wobei ihr jüngster Fan gerade mal zwölf Jahre zählt, die ältesten durchaus schon 80. Gelegentlich verirrten sich durchaus auch solche Menschen in ihre Vorstellung, die wegen des Titels ein Programm mit Mario-Barth-Charme erwarteten. "Was mir auffällt, ist, dass die Leute im Theater heute wesentlich mehr den Anspruch haben, im Sinne eines Schenkelklopfers einfach mal so loslachen zu wollen.

Am besten einer nach dem anderen, wobei das nicht immer eine qualitative Aussage ist. Die Menschen sind da heute sehr verwöhnt, gerade wenn sie viel fernsehen, haben sie einfach einen anderen Humorpegel", analysiert Brécko.

Die Nachfrage nach ihren Vorstellungen jedenfalls ist groß. So gastierte sie neben Köln, Bonn, Berlin, Rostock, Lübeck, Hannover, Celle und München sogar im schon im Ausland: In Spanien und in der Schweiz erfreute sie deutschsprachiges Publikum mit ihren Shows.

Im Leben der emsigen Sylvia dürfte es in diesem Jahr wohl kaum zu einem Moment der Langeweile kommen. Neben den Vorbereitungen zum neuen Programm im Herbst plant sie nämlich zum einen noch eine Weihnachtsshow und entwickelt als Choreographin die Tanzeinlagen für die in Köln bekannte Karnevals-Tanzgruppe "De Höppemöztjer".

Bei derartig vollem Terminkalender bleibt die Frage: Wo findet die Kabarettistin Entspannung? Ein bis zweimal im Jahr verweilt Brécko, die in Melbourne Verwandtschaft hat, in Australien.

Die unglaubliche Natur und das Meer faszinieren die Künstlerin. Sie liebe das Wellenreiten und die Freundlichkeit der Menschen dort mit ihrer positiven Lebenshaltung, was auch für ihr Programm von Bedeutung sei.

" Ich glaube, dass es mir in gewisser Weise gelingt, etwas von der positiven Energie mitzubringen." Sogar als Reisejournalistin für Fachmagazine hat sich Brécko während ihrer Aufenthalte in Australien schon betätigt. In der knapp bemessenen Freizeit schaut sie sich durchaus schon mal romantische Komödien a la Harry und Sally an.

Beim bevorstehenden Arbeitspensum wird sie in nächster Zeit wohl eher kaum dazu kommen. Doch dafür dürfen sich ihre Fans wohl in Kürze auf ein köstliches neues "Liebling-Programm" freuen. Und darin gibts von der ausgebildeten Tänzerin diesmal sogar einen echten Spagat zu sehen.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

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22.03.2022 4-Sterne-Superior-Hotel Bodenmaiser Hof

GFDK - Interview und Portraits

„Mir wurde das Gastgeber-Gen in die Wiege gelegt – das erste Bier habe ich gezapft, da brauchte ich noch einen Schemel.

Somit stand für mich schon immer fest, dass ich das elterliche Hotel einmal übernehmen würde. Die Ausbildung erfolgte dann außerhalb der nestwarmen Komfortzone:

Zuerst Kochlehre in Passau, dann Bayerischer Hof in München und Residenz Heinz Winkler Aschau. Hinzu kamen Hotelfachschule, Ausbilderin, Hotelbetriebswirtin.

2021 gaben meine Eltern die Geschäftsführung an mich samt Familie weiter, und damit jede Menge Herausforderungen:

Der Fachkräftemangel und Corona machen uns zu schaffen, die enorme Bürokratie frisst wertvolle Zeit. Dennoch liebe ich den Bodenmaiser Hof mit all seinen Facetten, Geschichten und Menschen.

Der Spagat, Mann, drei Kinder und Hotel unter einen Hut zu bringen gelingt lediglich, weil sich unser Alltag komplett dort abspielt.

Nur so blieb genug Muße, mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen und meine eigene High-End-Kosmetiklinie entwickeln zu können, in der unter anderem heimische Kräuter, bayerisches Quellwasser und der selbstgebrannte Gin meines Vaters enthalten sind.

Zukunftsvisionen gibt es jede Menge, darunter etwa die Erweiterung der Pflegeserie oder die Vergrößerung des Spa inklusiver privater Bereiche. Was wir aber dennoch bleiben möchten, ist ein Ort der Geborgenheit und Wärme, besonders und individuell.“

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18.03.2022 Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

GFDK - Interviews und Portraits

„Seit 2006 betreibe ich mit meinem Vater das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg in Oberbayern, welches wir als Quereinsteiger in Eigenregie bauen ließen.

Ursprünglich suchten wir nur eine moderne Unterkunft mit erstklassigen Tagungsmöglichkeiten für unsere IT-Firma Pharmatechnik, die fortlaufend Seminare und Veranstaltungen abhält.

Aus dieser Idee und kaum Optionen im Landkreis reifte die Vision des eigenen Hotels. Dank meiner Erfahrung als Juristin in der Immobilienbranche konnte ich schon in der Bauphase Impulse setzen, hinzu kam die Leidenschaft für Innenarchitektur und Design.

Um uns von Kettenhotels abzuheben, wollte ich unser Vier Sterne Superior Haus in einer der schönsten Urlaubsregionen Deutschlands außerdem für Privatreisende und Genießer positionieren.

Mit der Anstellung des jungen Küchenchefs Maximilian Moser gelang dann der Volltreffer: Gleich im zweiten Jahr erkochte er 2014 mit seinem Team einen Michelin-Stern, den wir bis heute bestätigen konnten.

Warum also nicht beide Flaggschiffe zusammenführen? So entstand unser innovatives „Meet Culinary“-Konzept, das persönlich betreute Meetings mit Spitzengastronomie vereint.

Mittlerweile sind wir bei beiden Zielgruppen etabliert: Erst kürzlich wurden wir erneut Certified-Star-Award-Sieger mit dem besten Prüfergebnis in Bayern, während Fachmagazine wie Connoisseur Circle uns zu Deutschlands Top-Gourmethotels zählen.

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15.03.2022 in Schenna, Südtirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Der Wissensschatz meiner Mutter und Großmutter über Heilpflanzen war enorm und wurde mir von Kindesbeinen an vermittelt.

Später dann entwickelte sich der hundertjährige Bauerngarten meiner Schwiegereltern entsprechend schnell zur Leidenschaft.

Als Bäuerin des Oberhaslerhofs in Schenna konnte ich mich dort ganz meiner Herzensangelegenheit widmen: den Kräutern. Lavendel und Löwenzahn, Ringelblume und Rosmarin, Schafgarbe und Salbei – ich liebe sie alle!

Mein Kräutergarten umfasst mittlerweile über 100 verschiedene Pflanzen und ich freue mich immer noch darüber, wenn er als einer der schönsten seiner Art in ganz Südtirol bezeichnet wird.

Das nötige Wissen habe ich mir in unzähligen Seminaren angeeignet und bin neben gelernter Kräuterpädagogin auch ausgebildete Kneipp-Trainerin, habe Kurse zur Saatgewinnung sowie Weiterbildungen im In- und Ausland absolviert.

Auch wenn man nie auslernt, kann ich heute behaupten, beinah alles über Heilpflanzen zu wissen. Mein Know-how gebe ich bei Hofführungen, Wildkräuterwanderungen und Kochkursen an Feriengäste und Einheimische weiter.

Dabei zeige ich ihnen unter anderem die Herstellung von Tees, Salben, Tinkturen, Kräutersalz oder -pesto. Mittlerweile wurde ich sogar gebeten, zwei Bücher zu verfassen.

Damit tauchen Leser tief in die Welt der Pflanzen ein und erfahren viel über den Gebrauch in den Bereichen Küche, Gesundheit und Wohlbefinden.“ 

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13.03.2022 Direktorin der Therme Meran, Südtirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich das Abitur nachgeholt und in Innsbruck Wirtschaft studiert. Anschließend ging es in einen Wiener Großkonzern, dann in die Regionalentwicklung bei der Europäischen Akademie Bozen.

Als ich erfuhr, dass in Meran eine Therme entstehen würde, habe ich mich sofort beworben – und wurde genommen. Gereizt hat mich, ein ganz neues Projekt federführend mitgestalten zu können.

Gute Ideen allein haben aber nicht gereicht, um die Therme Meran in relativ kurzer Zeit zu DER Südtiroler Therme zu machen.

Nur im Team konnte dieser Erfolg gelingen, und mit einer klaren Strategie: Wir wollten alte Traditionen neu denken.

So wurden etwa ausschließlich Südtiroler Naturprodukte wie Heu, Molke oder Apfel in Form unserer hauseigenen Kosmetik im MySpa eingesetzt.

Zum anderen hat Meran eine so große Kurgeschichte! Es war und ist mir eine Ehre, gemeinsam mit meinen Mitarbeitern ein kleines Kapitel davon mitschreiben zu dürfen.

Für die Zukunft planen wir unter anderem den Ausbau unserer Medical Area, außerdem werden wir die Therme mittels eines weiteren Stockwerks erheblich vergrößern.

Immer noch freuen kann ich mich über zufriedene Mitarbeiter und Kunden. Da ich vor allem in den Hauptsaisons viel arbeite, bin ich dankbar für meinen tollen Ehemann.

Trotzdem schaffe ich mir regelmäßig Freiräume. Denn ausgepowerte Führungskräfte bringen keiner Firma einen Mehrwert.“

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09.03.2022 Motto - We all are family

GFDK - Interviews und Portraits

Auch in touristischen Unternehmen sind weibliche Führungskräfte längst auf dem Vormarsch. „Ich komme aus der Mode, daher war die Hotellerie für mich eigentlich kein Thema.

Als mein Mann Harald 1988 den Schwarzen Adler Innsbruck übernahm, sollte das ursprünglich nur für kurz sein, um seinen Bruder zu unterstützen. Dieses ‚Kurz‘ dauert bis heute fast 35 Jahre, in denen wir als Hoteliers-Familie an unseren Herausforderungen ebenso gewachsen sind wie unser Hotelportfolio.

2006 kam das erste von mittlerweile acht (bis Ende 2022 zehn) harry’s home hotels & apartments hinzu, 2013 folgte das aDLERS Lifestyle-Hotel Innsbruck.

Was mir am meisten an diesem Leben gefällt, ist die Nähe zu den Menschen, denn ich bin einfach gern mitten im Geschehen.

Die Bühne war schon immer mein Ding – und es gibt keine bessere Bühne als die Hotellerie. Am treffendsten beschreiben lässt es sich wohl so: Harald ist der Top-Manager, ich bin die geborene Wirtin.

Neben Gastronomie-Tätigkeiten und Housekeeping kümmere ich mich viel ums Event-Management und die Social-Media-Kanäle unserer Hotels.

Für Letzteres ist vor allem meine Familie dankbar. Mir macht die Content-Produktion großen Spaß und ich erhalte viel positives Feedback – auch wenn ich vielleicht manchmal über die Stränge schlage.

‚We all are family‘ ist unser wichtigstes Motto im Unternehmen und auch dort habe ich klar die Rolle der Mama eingenommen. Für unsere Mitarbeiter stehe ich entsprechend jederzeit genauso als starke Ansprechpartnerin bereit wie für unsere Gäste.“

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27.02.2022 Umarme deine Unzulänglichkeit

GFDK - Interviews und Potraits

“Unser größter Ruhm ist nicht, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.” (Nelson Mandela)

Mitreißender Dance-Pop und eine klare Message: Sei ein Löwe, Du bist nicht allein! In ihrem brandneuen Song “Worthy” (dt. wertvoll) macht die Kölner Sängerin Lenny Pojarov all denen Mut, die seit der Pandemie unter Selbstzweifeln leiden und Angst vor der Zukunft haben. Und sie weiß genau, wovon sie singt:

“Während des Lockdowns war mein Selbstwertgefühl gleich null”, gesteht die charismatische Musikerin, und ergänzt: “Als ich das, was ich über alles liebe – auf der Bühne stehen und singen -  nicht mehr tun konnte, wusste ich plötzlich nicht mehr, wer ich eigentlich bin. Ich hatte eine echte Identitätskrise.”

Nur die ungebremste Begeisterung für Musik half Lenny, diese schwierige Phase ihres Lebens durchzustehen. Sie blieb kreativ, gab Online-Konzerte, ließ sich nicht unterkriegen. 

Dann schickte ihr ihre in London lebende Freundin Aluel Ayok, Songwriterin und in diesem Projekt auch Co-Autorin, folgende Textzeilen: “Auch Albträume sind Träume. Umarme Deine Unzulänglichkeit. Gib jetzt nicht auf!” Und ihr war sofort klar: Das wird mein neuer Song.

Wie schon „Without You“, mit mehr als 100.000 Streams Lenny Pojarovs erfolgreichste Single auf Spotify, wurde auch “Worthy” von RE:MIND aus Düsseldorf produziert. Das Video zum Song erscheint am Freitag, dem 18. März 2022, bei YouTube unter: https://www.youtube.com/user/LennyPea/videos

Zur musikalischen Einstimmung auf den Frühling schenkt uns Lenny Pojarov eine optimistische, tanzbare Botschaft mit Ohrwurm-Garantie. Ihr Credo: Jeder Mensch hat Würde, ist einzigartig und wertvoll. Und auch wenn es mal gar nicht läuft: Glaub immer an Dich! 

Lenny Pojarov begann bereits im zarten Alter von sechs Jahren ihre Klavierausbildung, später kamen noch Gitarren- und Ballettunterricht hinzu. Damit setzte sie schon früh den Grundstein für ihre musikalische Laufbahn.

Heute bietet sie ihre Musik – schönsten Pop in all seinen Farben – in unterschiedlichen Bühnenshows an. Durch TV-Auftritte in der SAT. 1-Show "Let the music play - Das Hit Quiz" und in der VOX-Sendung “Shopping Queen” – die sie beide gewann - ist sie bundesweit bekannt geworden.

Weitere Infos unter: www.lennypojarov.com

WORTHY erscheint am 11. März 2022 auf allen gängigen Plattformen.

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18.02.2022 Liebe zu den Hochfügener Bergen

GFDK - Interviews und Portraits

Die große Liebe hat Kai Ruppel bisher nicht gefunden. Auch nicht nach seinem Auftritt in der RTL-Serie „Bauer sucht Frau“ 2019. Doch entmutigen lässt sich der 43-jährige Landwirt aus dem hessischen Büdingen nicht. „Wenn  es nicht die Liebe zu einer Frau sein kann, dann eben die zu den Hochfügener Bergen.“

Das Sonnenskigebiet im Tiroler Zillertal kennt er seit seiner Kindheit. Und den Traktor mal gegen eine Pistenraupe zu tauschen, ist sein großer Jugendtraum. Den hat Kai sich jetzt kurzerhand erfüllt:

Statt seine Felder mit einem 240 PS starken 6,5-Tonner zu bearbeiten, präpariert der Single-Mann noch bis Ende März 2022 die rund 41 Pistenkilometer des österreichischen Skigebiets.

Seine freie Zeit verbringt der gelernte Betriebselektriker, den Kollegen 2019 zur Bewerbung bei „Bauer sucht Frau“ überredet hatten, am liebsten auf der Piste.

Zwischen 1.450 und 2.500 Metern am Eingang des Zillertals gelegen, gilt Hochfügen als besonders schneesicher – viel Arbeit für Kai und seine acht Pistenbully-Kollegen. Wir haben den Landwirt aus Hessen in Hochfügen getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

Wie kommst Du von der hessischen Kleinstadt Büdingen nach Hochfügen?

Kai Ruppel: Das Wintersportgebiet kenne ich seit meiner Kindheit. Meine Eltern fahren seit 1986 ins Tiroler Zillertal. Richtig Skifahren gelernt habe ich dann durch Skikurse in Hochfügen. Das sind sehr schöne Kindheitserinnerungen, die hängengeblieben sind.

Du tauscht den Traktor gegen einen Pistenbully. Klingt eher ungewöhnlich. Was hat Dich dazu bewogen?

Da komme ich wieder auf meine Skierlebnisse aus der Kindheit zurück. Pistenraupen haben mich schon seit jeher fasziniert, und ich wollte immer mal so ein gewaltiges Gefährt steuern.

Im Winter habe ich sehr viel Zeit, da mein Ackerbaubetrieb von Ende November bis Mitte März ruht. Genau dann ist das Wetter in meiner Heimat besonders grau.

Da es um diese Jahreszeit in Hochfügen viel schöner und sonniger ist, habe ich kurzerhand beschlossen, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen.

Befreundete Bergbauern in Hochfügen haben für mich den Kontakt zur Skiliftgesellschaft gemacht, sonst wäre ich dort nicht reingekommen. Da hatte ich großes Glück.

Welcher der Zehntonner ist schwieriger zu fahren?

Traktorfahren kann ich natürlich aus dem Effeff. Pistenbully fahren erfordert höchste Konzentration, gerade die Führung von Schild sowie Fräse ist sehr anspruchsvoll und komplex.

Die Einstellungen sollte man unbedingt täglich neu anpassen, da sie abhängig von Wetter, Temperatur, Schneehöhe und -beschaffenheit sind.

Entsprechend benötigt der Pilot trotz der hochtechnischen Ausstattung absolutes Fingerspitzengefühl. Die Skiliftgesellschaft Hochfügen legt sehr großen Wert auf erstklassige Pisten, da sollte man nicht schludern.

Hast Du vorher einen Pistenbully-Kurs gemacht?

Nein, das ging ganz zackig. Mein Vorarbeiter ist am ersten Tag eine Stunde mitgefahren und hat mich eingewiesen, seitdem fahre ich ohne Begleitung. „Allein lernt sich‘s am besten“, meint der Chef.

Was macht eine Piste perfekt?

Das Skigebiet Hochfügen ist bekannt für seine perfekt präparierten Pisten. Dabei spielen allerdings viele Faktoren mit, ich muss Schild und Fräse immer individuell nach den Bedingungen einstellen. Nur so können wir für unsere Gäste den perfekten Ski-Teppich hinlegen. 

Ihr seid die Helden der Nacht. Wann beginnt und endet dein Arbeitstag?

Gewöhnlich fahren wir von 16 bis 1 Uhr nachts. Abhängig von den örtlichen Bedingungen dauert die Schicht auch gern mal etwas länger.

Bei Neuschnee sieht es ganz anders aus, dann bleiben wir die Nacht über am Berg, an der Talstation des 8er-Jet zum Beispiel gibt es Betten. Wir schlafen ca. zwei bis vier Stunden, bevor es um vier Uhr weitergeht, bis die Gäste ab 8.30 Uhr die optimale Bahn vorfinden.

Welche Piste ist Dein absoluter Favorit? 

(Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen.) Am 8er-Jet die schwarze Sechs! Die breite, steile Piste Vollgas hinunter zu heizen, große Bögen zu fahren und auf der Kante die Kurve zu schneiden –  das ist für mich der absolute Kick, Adrenalin pur. 

Wo ist dein Lieblingsort in Hochfügen? 

Die Bergstation des Zillertal Shuttle auf 2.400 Metern, wenn die Sonne untergeht und nur noch die Gipfelspitzen angeleuchtet werden.

Von da oben hat man einen genialen Blick auf das gesamte Bergpanorama. Nach Betriebsschluss herrscht dort absolute Stille. Das ist jedes Mal ein Highlight.

Vermisst du deine Schafe und Ziegen denn nicht, wenn Du den ganzen Winter in Hochfügen bist?

Auf dem Hof in Büdingen haben wir fünf Schafe und drei Ziegen. Sie werden von meinem Sohn bestens versorgt. Pascal ist 18 und macht gerade eine Ausbildung zum Koch. Wer weiß, vielleicht kommt er nach der Ausbildung als Koch nach Hochfügen?  

Was war in dieser Wintersaison dein schönstes Erlebnis?  

Das war Anfang Februar, als es über Nacht gut einen Meter Neuschnee auf einmal heruntergehauen hat. Wir haben oben übernachtet und ab 4 Uhr morgens in der Pistenraupe gesessen. Die Stimmung, als langsam die Sonne aufging und die weiße Pracht zu glitzern anfing, war einfach einzigartig.

Wie ist die Gemeinschaft unter den Pistenbully-Fahrern?

Der Beruf des Pistenbully-Fahrers ist nicht nur ein Job, sondern eine Leidenschaft. Wir verbringen ja auch viel Zeit miteinander.

Ab Saisonbeginn bis Ende Februar findet immer freitags die Tourennacht von der Talstation 8er-Jet mit Einkehrschwung bis 21 Uhr in der Pizzeria der 8er Alm statt. Um 18.30 Uhr fahren alle sieben Pistenraupen im Konvoi die schwarze Piste hinauf.

Das ist ein irres Gemeinschaftsgefühl und für mich eine echte Herausforderung, die Spur zu halten. Wir essen dann oben gemeinsam und bearbeiten am Ende die Tourenpisten, damit morgens wieder alles tipptopp ist. Das ist eine ganz besondere Tradition der Skiliftgesellschaft.

Kommst Du nächsten Winter wieder nach Hochfügen?

Ich würde sehr gerne wiederkommen! Ich denke die Aufnahmeprüfung habe ich bestanden, aber mal schauen, was meine Kollegen und Vorarbeiter am Ende der Saison sagen.

Deinen Traumjob in den Bergen hast du gefunden. Wie sieht es mit Deiner Traumfrau aus? Bist Du noch zu haben und wo könnte Dich die potenzielle Kandidatin finden, wenn du mal nicht im Pistenbully oder auf Skiern unterwegs bist?

Am liebsten sitze ich nachmittags beim Aar Wirt in Hochfügen. Bei der Chefin Martina gibt´s den besten Kaiserschmarrn, aber bitte ohne Rosinen.

Den würde ich jederzeit gern teilen. Auch eine Möglichkeit wäre die Mitfahrt in meinem Pistenbully. Die Nachttour auf dem Beifahrersitz konnten unsere Gäste die letzten Jahre dreimal wöchentlich buchen, musste nur bislang ausgesetzt werden.

Wenn es die allgemeine Situation wieder zulässt, wäre das ein absolutes Highlight für mich, genauso wie das Absacker-Gläschen in der Gogola-Alm.

Interview: Ariane Husung/AHM

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01.01.2022 Sanfter Wintersport im Tiroler Lechtal

GFDK - Interviews und Portraits

„Mehr Zeit für mehr Raum“ lautet das Motto: Fernab vom alpinen Skitourismus gilt das Tiroler Lechtal als weitläufiges Dorado für Tourengeher. Damit trifft die zwischen Lechtaler und Allgäuer Alpen gelegene Bergregion den Nerv vieler Wintersportler.

Laut aktuellen Erhebungen unter anderem des Deutschen (DAV) und Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) wächst die Zahl der Skitourengeher jährlich um etwa sechs bis zehn Prozent.

Um Gelände und Lawinengefahren (besser) kennen zu lernen, haben der Tourismusverband Lechtal und die Arbeitsgemeinschaft Lechtal Guiding e.V. von 16. bis 23. Januar 2022 die „Lechtaler Skitouren Tage“ ins Leben gerufen.

Das Angebot reicht von Lawinenkursen sowie geführten Ski- und Schneeschuhtouren bis hin zu einem umfassenden Rahmenprogramm.

Fünf wertvolle Tipps zur Vorbereitung für die erste Skitour gibt Hubertus Lindner, Bergführer und Betreiber der Bergschule Lechtal schon jetzt.

1. Voraussetzungen

Bei Skitouren unterscheidet man Schwierigkeitsgrade von leicht bis extrem anspruchsvoll. Für Anfänger eignen sich zunächst so genannte Pistenskitouren, bei denen sie sich mit den Eigenschaften von Tourenski, Schuhen und Bindung vertraut machen können:

„Für eine Skitour im gesicherten Skiraum genügen die Fertigkeiten vom Pisten-Skifahren. Anschließend sollten künftige Tourengeher die Fahrtechnik step by step ins Gelände übertragen, am besten unter Anleitung eines staatlich geprüften Skilehrers oder -führers.

Denn jeder Fehler hinsichtlich des Fahrverhaltens wirkt sich im Gelände ungleich stärker aus. Eine schlechte Skitechnik bedeutet bei Skitouren daher höheres Risiko. Stürze können nicht nur zu Verletzungen, sondern auch zu Lawinenabgängen führen“, so Ski- und Bergführer Hubertus Lindner.

2. Vorbereitung

Konditions- und Krafttraining, wie es Aktive vom Skifahren kennen, ist laut dem Lechtaler Berg- und Skiführer Hubertus Lindner besonders wichtig – sei es als Workout im Fitness-Studio oder bei Klimmzügen im Wald.

Die technischen Fertigkeiten lernen Outdoor-Enthusiasten am besten durch regelmäßiges Ski-und Techniktraining in einer angeleiteten Gruppe, zum Beispiel bei einer Alpinschule.

Dort geht es vor allem um Tourenplanung, Lawinengefahr und -strategien, Ausrüstung, Verhalten während der Tour und den Ernstfall einer Lawinenverschüttung.

3. Ausrüstung

Ausrüstung ist nicht gleich Ausrüstung, denn Skitour ist nicht gleich Skitour, so das Credo von Hubertus Lindner aus dem Lechtal:

„Während wir beim Freeriden mit leichtem Gepäck, Lawinenairbag, Notfallausrüstung und Skihelm starten, sind wir beim Skibergsteigen mit Pickel, Steig- und Harscheisen, Abseilgerät, Klettergurt sowie leichtem Helm alpinistisch unterwegs.“

Was laut dem Tiroler Experten niemals fehlen darf: Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Sonde, Schaufel, Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack, Stirnlampe, kleines Multifunktionswerkzeug,

Sonnencreme sowie etwas Warmes zum Unter- und Überziehen. Socken, Unterwäsche, Mütze und Stirnband können Tourengeher übrigens von ihrem alpinen Ski-Equipment nutzen – mehr allerdings nicht.

4. Leihen oder kaufen?

Ski, Felle, Teleskopstöcke sowie Notfallset sind Ausrüstungsgegenstände, die Touren-Neulinge laut Bergführer Hubertus Lindner gut ausleihen können, auch wenn dieses Vergnügen nicht ganz günstig ist:

Die Gebühren für Notfall- und Skiausrüstung beziffert er auf etwa 100 Euro pro Tag. Allerdings sparen sich Wintersportler so die wichtige und aufwendige Pflege des Equipments. 

Zum Kauf rät Hubertus Lindner vor allem bei Touren-Schuhen: Werden diese nicht im Fachgeschäft anprobiert, warten die Schmerzen schon nach wenigen Metern.

Sollten Tourengeher bei ihrem Hobby bleiben wollen, empfiehlt der Lechtaler Bergführer, im nächsten Schritt in eine Notfallausrüstung – sprich LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und Erste-Hilfe Paket – zu investieren (etwa 400 Euro).

5. Essen und Trinken

„Einsteiger sollen mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit mit auf eine Tour nehmen, am besten nur leicht gesüßten Tee in der Thermoskanne“, so Hubertus Lindner. Beim Essen gilt die Regel „Nährwert geht vor Zuckergehalt“.

Hubertus Lindner: „Zucker in Form von billigen Müsli- oder schlimmer noch Schokoriegeln zuzuführen, bringt den Stoffwechsel aus seiner Balance.“

Die fatale Folge: Tourengehern droht im letzten Drittel häufig eine Unterzuckerung. Konkret rät der Lechtaler, zum Beispiel Trockenfrüchte wie Datteln in den Rucksack zu packen.

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26.08.2021 Hotel Jungbrunn, Tannheim/Tirol

GFDK - Interviews und Portraits

Lebenserfahrung ist etwas, das man in keinem Studium, Praktikum oder Buch lernen kann – davon ist Marcel Gutheinz vom Jungbrunn in Tirol überzeugt.

Dementsprechend befindet sich der junge Hotelier in ständigem Austausch mit seinen Abteilungsleitern sowie den Eltern Markus und Ulrika, die den „Gutzeitort“ im österreichischen Tannheimer Tal nach 25 außergewöhnlichen Jahren vertrauensvoll in die Hände ihres einzigen Sohnes übergeben haben.

Seit 2017 leitet er den Betrieb mit 150 Angestellten erfolgreich in dritter Generation und führt die Philosophie seiner „Lebenslehrer“ weiter: „Man muss immer offen für Neues bleiben und tagtäglich hart an sich arbeiten.“

Doch auch wenn der gelernte Hotelbetriebswirt, Koch und Sommelier dankbar ist für jeden Rat, trifft er die finalen Entscheidungen am Ende doch selbst.

„Dabei geht es vor allem darum, im Sinn des Unternehmens zu handeln“, findet der 32-Jährige, seit 2020 verheiratet. Damit sei aber nicht gemeint, dass das Hotel mit seinem 7.900-Quadratmeter-Spa mehr Betten haben müsse – im Gegenteil:

Die jetzige Größe mit 92 Zimmern, Suiten und Apartments hält er für perfekt und möchte lieber kontinuierlich die Qualität steigern. „Meine Vision ist vielmehr, das Jungbrunn auch weiterhin als Vorreiter in Sachen Design zu etablieren, aber nicht nur:

Mir geht es speziell um die Wertschätzung der Menschen im Haus. Auch in Zukunft sollen Freigeister und außergewöhnliche Charaktere im Jungbrunn zusammenkommen und die einzigartige Atmosphäre kreieren, in der sich Gäste wie Mitarbeiter so wohlfühlen.“

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