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13.06.2011 ein Pop-Meisterstück

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„All Of You“, das dritte Album von US-Senkrecht-starterin Colbie Caillat, ist ein einzigartiges Hörerlebnis: Es fühlt sich eher so an, als würde man das nächste Kapitel eines Romans aufschlagen, dessen ersten beiden Kapitel man regelrecht verschlungen hat; man blättert also hastig um – und stellt schon wieder positiv überrascht fest, was für grandiose Wendungen diese Geschichte doch nimmt. 

Was diese Wendungen betrifft, keine Panik: Wo Caillat draufsteht ist nach wie vor Caillat drin. „All Of You“ ist genau die Art von Pop-Meisterstück, wie sie nur die 25-Jährige komponieren kann.

Diejenigen Attribute, die schon die ersten Stücke ihres Debütalbums „Coco“ im Jahr 2007 auszeichneten – diese ausgelassene Stimmung, diese auf wenige Minuten komprimierten Höhenflüge – und die auch „Breakthrough“ (2009) ausmachten, stehen auch dieses Mal durchweg im Vordergrund.

Der einzige Unterschied ist, dass ihre Songs nun sehr viel reifer klingen und quasi in der Art von Blüte stehen, die man als Künstler/in wohl nur erreicht, wenn man es geschafft hat, seine Ängste zu überwinden und sämtliche Lektionen, die einem das Leben gelehrt hat, in die Musik einfließen lässt.

Blicken wir mal für einen Moment zurück: „Coco“ stieg vor knapp vier Jahren in den USA gleich in der ersten Woche auf Platz #5 in die Charts ein (in Deutschland ebenfalls Top-15) – danach gab es binnen kürzester Zeit diverse Platinauszeichnungen.

Ihre erste Single „Bubbly“ traf den Geschmack einer ganzen Generation und entpuppte sich als eine der erfolgreichsten Download-Singles aller Zeiten. Im Billboard-Magazin wurde Colbie in dem Jahr mal eben zum „Breakthrough Artist of the Year“ gewählt. Und dann kam – wie passend – „Breakthrough“, ihr zweites Album:

Auf Anhieb Platz #1 in den USA (Platz #9 in Deutschland), später dann zwei Grammy-Nominierungen dafür, wobei Colbie im selben Jahr auch zwei Grammys gewinnen sollte, allerdings für ihre Arbeit mit Jason Mraz und Taylor Swift.

Dann durfte sie die Nationalhymne beim Eröffnungsspiel der diesjährigen NFL-Saison singen und trat erst kurz vor dem Jahreswechsel beim Nobel-Friedenspreiskonzert in Oslo auf.

Darüber hinaus waren sie und ihre Songs andauernd im Fernsehen zu sehen bzw. zu hören – mal war es eine Kampagne für Baumwolle, dann war es das US-Weihnachtsspecial „25 Days of Christmas“ (ABC), für das sie die Titelmelodie komponieren durfte.

Parallel dazu hat sie sich auch immer wieder als Aktivistin stark gemacht – unter anderem für die Surfrider Foundation, für Save The Music und die Humane Society, für die sie neuerdings als Sprecherin unterwegs ist.

Jetzt schon eine lange, lange Liste von Erfolgen, keine Frage. Und doch wurde all das von einer Künstlerin erreicht, die gerade erst dabei war, ihre Flügel auszubreiten. Einer Künstlerin noch dazu, die sich es nicht hat nehmen lassen, die Welt auch weiterhin zu erkunden, auch wenn ihre Musik plötzlich überall lief und ihr Name schlagartig in aller Munde war.

Diese Erfahrungen, wobei die wichtigste wohl ein neues Liebesglück war, haben dazu beigetragen, dass „All Of You“ noch viel mehr Tiefgang hat als die ersten beiden Alben. Allein darum ist es ein gewaltiger Schritt, den die 25-Jährige mit dieser LP macht.

„Ich würde sagen, dass ‘All Of You’ für eine ganz neue Version meines Sounds steht“, meint Colbie. „Mir ist es wichtig, dass meine Lieder weiterhin akustisch sind.

In ihnen soll Sonnenschein und gute Laune rauszuhören sein, und deshalb haben diese neuen Songs auch noch immer dieses lockere Kalifornien-Feeling, diesen Vibe, auf den ich so sehr stehe. Zugleich sind es aber persönliche Stücke, in denen ich meine eigenen Erfahrungen thematisiere und verarbeite.“

Die wohl wichtigste Erfahrung, um die es hier geht, ist natürlich ihre Beziehung zu Justin Young. Die beiden kannten sich schon mehrere Jahre – quasi „von der Arbeit“: Justin war der Hintergrundsänger bei Colbies Konzerten.

Und dann kam es so, wie sie in „Brighter Than The Sun“ singt: „this is how it starts – lightning strikes the heart“; der Blitz schlug also ein: „Er war schon zwei Jahre lang in meiner Band gewesen, als uns schließlich auffiel, dass da irgendwie mehr war zwischen uns“, berichtet Caillat lachend.

„Weite Teile des neuen Albums handeln von uns beiden; von den Höhen und Tiefen unserer Beziehung. Überhaupt habe ich in allen Texten irgendwelche Erfahrungen und Lektionen verarbeitet, wodurch die Platte wahrscheinlich schon etwas reifer klingt und die Perspektive zugleich etwas weiser wirkt, wenn man das so sagen kann.“

Diese reifere Perspektive zeigt sich beispielsweise im Fall von „Shadow“, für das sie und ihr Justin einen Text über eine Freundin geschrieben haben, die von ihrem Freund wiederum nicht das bekommt, was sie verdient hätte.

Auch in der ersten Singleauskopplung „I Do“, ein Song, den Colbie mit Toby Gad geschrieben hat, flackert sie auf – wenn auch verpackt mit sehr viel mehr Witz: Während der Mitschnipp-Beat sofort in die Beine geht, dreht sich hier alles um das heilige Ehegelübde – bis dann die überraschende Pointe ganz am Schluss kommt. (Mehr wird nicht verraten.)

„Als die Vorschläge der unterschiedlichen Regisseure für das Video zu ‘I Do’ bei uns auf dem Tisch landeten, gab es da eine Konstante: Sie alle wollten eine Hochzeitsszene drehen“, berichtet Colbie.

„Dabei geht es im Grunde genommen gar nicht ums Heiraten. Es geht einfach nur um die Worte ‘Ich liebe dich’. Es ist also noch so ein Song über Justin; darüber, wie man einem anderen Menschen diese drei Worte sagen will und sich vorstellt, mit ihm gemeinsam alt zu werden.“

Dass Colbie als Songschreiberin und Texterin in den letzten paar Jahren sehr viel dazugelernt hat und sie reifer geworden ist, bedeutet jedoch nicht, dass der Optimismus, den man von ihr kennt und der bei all ihren Stücken mitschwingt, ihr mit einem Mal abhanden gekommen wäre.

Ihr Markenzeichen ist auf „All Of You“ sogar noch deutlicher präsent: vom ausgelassenen Rundumschlag namens „Favorite Song“, komponiert und präsentiert von Colbie, Ryan Tedder und dem Rapper Common, über den leichten Country-Einschlag von „In Stereo“ bis hin zum Flamenco-Feuerwerk von „Brighter Than The Sun“ – beste Party-Stimmung, wohin man auch schaut.

„Brighter Than The Sun“ ist zugleich das Eröffnungsstück des neuen Longplayers: Hier wird man als Zuhörer direkt auf eine Beach-Party katapultiert, während Colbie mit dem Thema Liebe auf den ersten Blick loslegt.

„Normalerweise fange ich eher seicht und behutsam an auf meinen Alben“, sagt sie über das Stück. „‘Brighter Than The Sun’ hat jedoch richtig Druck. Der Song geht dermaßen nach vorne und verbreitet sofort gute Laune! Ehrlich gesagt war es die Idee meines Managers, das Album damit zu eröffnen, und er lag vollkommen richtig damit.

Der Song ist perfekt dafür, weil es sofort zur Sache geht und man dadurch als Zuhörer automatisch Lust auf Mehr bekommt. Jeder einzelne Abschnitt des Songs beginnt mit einem anderen Instrument; es gibt da keine Wiederholungen – auch dadurch will man wissen, wie es danach wohl weitergeht.“

Der Song „What If“, der schon im Kinofilm „Briefe an Julia“ zu hören war, handelt auch vom Thema Liebe auf den ersten Blick, ganz gleich, ob nun wirklich etwas passiert ist oder alles nur im Kopf stattgefunden hat:

„Ich kenne das von mir selbst, und ich weiß, dass das jedem schon mal passiert ist“, meint Colbie über dieses Phänomen, das einen mitunter jahrelang verfolgen kann.

„Du siehst einen Menschen, vielleicht nur von weitem oder man trifft sich ganz beiläufig, und irgendwie sieht dieses Gegenüber haargenau wie derjenige Mensch aus, den man sich schon immer als Traumpartner vorgestellt hat. Als Frau überprüfst du als nächstes, ob sein Nachname zu deinem Vornamen passen würde.

Genau wie damals in der Schule schreibst du seinen Nachnamen zusammen mit deinem Vornamen auf. Das alles ist natürlich nur Träumerei, ein lächerlicher Zeitvertreib, dem man nachgeht, wenn man gerade nichts zu tun hat.

Und doch steht da immer auch diese Frage im Raum: ‘Was wäre, wenn wir doch füreinander bestimmt waren? Was, wenn wir zwei nun geboren wurden, um unser Leben gemeinsam zu verbringen?’“

Wohl kaum ein Track sagt so viel über ihr drittes Album aus wie das Titelstück: Der von Colbie und Jason Reeves komponierte Song handelt von einer Beziehung, die auf einer dermaßen intensiven Freundschaft basiert und auf einem so stabilen Fundament steht, dass selbst ein Fall von Untreue nicht daran rütteln kann.

„Ich habe wirklich kein Blatt vor den Mund genommen und absolut gar nichts ausgelassen“, so Colbie. „Ich hab kein Thema ausgespart, weil ich der Überzeugung bin, dass wir alle ehrlicher und offener miteinander umgehen sollten, und zwar in jeder Hinsicht.

Schluss mit den ganzen Geheimnissen, und weg mit den Masken, hinter denen man sein wahres Selbst versteckt. Das ist die Kernidee dieses neuen Albums.“

Indem sie fünf unterschiedliche Produzenten und eine Reihe von Musikergrößen im Studio um sich versammelt hat, ist „All Of You“ nach und nach zu einem vielschichtigen Selbstporträt von Colbie herangewachsen.

Im Gegenteil zu vielen anderen ihrer Zeitgenossen (womit sowohl alte Hasen als auch Newcomer gemeint sind) beweist sie, dass man sehr wohl die richtige Balance finden kann, auch wenn man sich auf kreatives Neuland bewegt.

Sie lässt ihre Fans mit der neuen LP sehr viel näher an sich heran als je zuvor; sie öffnet sich für einen Blick in die Vergangenheit und zeigt zugleich im Verlauf dieser 14 brandneuen Songs, was ihr für die Zukunft vorschwebt.

„Es ist wirklich wahr: Wenn man seine ersten eigenen Songs schreibt, dann geschieht das in diesem Freiraum, weil es noch ohne Erwartungen geschieht“, gibt Colbie abschließend zu bedenken. „Die Stücke für ‘Coco’ hab ich ohne Hintergedanken geschrieben, einfach nur, weil ich Lust darauf hatte:

Ich saß mit meinem Freund Jason Reeves daheim, und wir haben einfach losgelegt. Im Fall von ‘Breakthrough’ musste ich dann schon sehr genau ausloten, inwiefern ich den Tipps und Ratschlägen anderer Leute Gehör schenke, beziehungsweise bis zu welchem Punkt ich mir und meinem ursprünglichen Ansatz treu bleiben wollte.

Und bei ‘All Of You’ nehme ich das alles einfach gar nicht mehr so ernst und präsentiere durchweg nur das, was mir in den Sinn kommt. Darum ist dieses Album noch viel persönlicher als die beiden Vorgänger.“

 

VÖ 8.7.2011 bei Universal Music

 

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18.05.2011 ihre tastenkunst wird bereits international gefeiert

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Neben dem dritten "Liebestraum" steht im Zentrum der Aufnahme mit der h-moll-Sonate eines der technisch anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur, welches wegen seiner neuartigen orchestralen Behandlung des Klaviers zu Lebzeiten Liszts für Aufsehen sorgte und eine Fülle von Charakteren und Satztypen unter einen einzigen großen Bogen bringt.

Gefolgt von Liszts "Mephisto-Walzer" ("Der Tanz in der Dorfschenke"), dieser ist inspiriert von einer Episode aus dem "Faust"-Gedicht von Nikolaus Lenau: in dem von Mephisto entfachten teuflischen Tanz voller Staccato-Akkorde, blitzenden Tonleitern und plötzlicher Harmoniewechsel setzt eine zarte Stimme ein, die man als die des liebenden Gretchen entschlüsseln kann.

"La Lugubre Gondola" (Die Trauer-Gondel) schließlich komponierte Liszt kurz vor dem Tod seines Schwiegersohnes Richard Wagner, nachdem er längere Zeit bei diesem in Venedig weilte.

Das Werk endet mit einer Ganztonleiter und dem Ton Gis, der zur Tonart des letzten Stücks der Aufnahme hinführt, zu Liszts Bearbeitung von Bachs verklärendem Präludium und Fuge in a-Moll.

1987 in Tiflis geboren, spielte die georgische Pianistin bereits sechsjährig als Solistin mit Orchester. Im Alter von zehn Jahren folgte sie ersten Einladungen zu Auslandsgastspielen in die Schweiz, die Niederlande, nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Österreich, Russland, Israel und in die USA.

Im Jahre 2008  bekam sie beim Internationalen Arthur Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv als mehrfache Preisträgerin auch den Publikumspreis verliehen.

Ein Jahr später gab sie beim Klavierfestival Ruhr ihr fulminantes Debüt, als sie für die erkrankte Hélène Grimaud einsprang – in diesem Jahr wird sie im Mai dort das Eröffnungskonzert spielen.

Khatia Buniatishvili wurde gerade mit dem Borletti-Buitoni Trust Award ausgezeichnet, ist in der Reihe der BBC New Generation Artists aufgenommen worden und wurde vom Musikverein und dem Konzerthaus Wien für die Saison 2011/12 zum Rising Star nominiert.

 

VÖ 20.5.2011

 

 

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09.05.2011 Eine Stimme, die durchaus schon gelebt hat

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Nichts ist so wichtig wie die Stimme. Sie ist das zentrale Element. Bei Clare Maguire steht sie ganz klar im Mittelpunkt: Diese große, laute, unglaublich satte Stimme.

Eine Stimme, die durchaus schon ein wenig gelebt und bereits die eine oder andere Erfahrung gemacht hat; in der dank ihrer rauchigen Note auch etwas Mysteriöses, Rätselhaftes mitschwingt.

Diese Stimme war es auch, der (wie dem Gesang der Sirenen) letztlich keiner widerstehen konnte: sie lockte immer mehr Leute auf ihre MySpace-Seite, die Zugriffszahlen explodierten förmlich.

Und dann dauerte es nicht lange, bis die ersten Produzenten bei ihr anklopften und mit Clare arbeiten wollten. Womit jedoch keiner von ihnen gerechnet hätte: Dass diese unfassbar große Stimme einem absolut schmächtigen Mädchen aus Birmingham gehört, dessen Familie ursprünglich aus Irland stammt.

"Ich hatte schon immer die lauteste Stimme von uns allen", berichtet Clare Maguire lachend. "Ich bin früher immer auf unseren Familienfesten aufgetreten. Ich fand das großartig. Und wenn ich in der Schule gelangweilt war, bin ich einfach aufgestanden, hab mich auf den Tisch gestellt und etwas gesungen.

Die Lehrer dachten manchmal schon, dass ich nicht alle Tassen im Schrank hab, aber so drücke ich mich nun mal aus: Ich erzähle meine Geschichten in Songs und schaue dann, wie die Leute darauf reagieren. Wenn ich einfach nur spreche, habe ich viel größere Schwierigkeiten damit, meine Gefühle auf den Punkt zu bringen."

Ihren ersten eigenen Song komponierte Clare bereits als Siebenjährige; sie kann sich nicht daran erinnern, jemals einen anderen Traum gehabt zu haben. Allerdings war die Musik für sie keine Karriereoption, die man sich einfach so aussucht oder anpeilt. Es war keine Abkürzung zum Ruhm. Die Musik war kein Berufswunsch für Clare. Sie war Berufung.

Ihre irischen Großeltern (väterlicherseits) waren irgendwann in die englischen Midlands gezogen, die Gegend um Birmingham also, und hatten dort ein Bauunternehmen gegründet.

Die Eltern ihrer Mutter hingegen waren Clubbetreiber und veranstalteten Konzerte in der Gegend. Dazu hatten ihre Großeltern jeweils fünf Kinder – was bedeutet, dass Clare bestimmt gut 50 Cousinen und Cousins in Birmingham und im Süden von Irland hat.

"Ja, meine Familie ist ganz schön groß", meint sie. „Das bedeutet aber auch, dass unsere Familienfeste ganz schön groß angelegt sind: viel Alkohol und viel, viel gute Musik! Sie alle sind in irgendeiner Form kreativ: Die meisten machen Musik, aber manche spielen auch Theater oder sind Geschichtenerzähler, Schauspieler oder Autoren."

Ihr Vater hörte im Auto früher stets dieselben kitschigen Popnummern; die vermeintlichen Hits liefen rauf und runter, und der kleinen Clare blieb somit, genau wie ihrem großen Bruder und ihrer kleinen Schwester, mit denen sie sich die Rückbank teilte, keine andere Wahl, als diese Einflüsse in sich aufzusaugen.

Zugleich wuchs sie jedoch auch mit dem traditionellen irischen Liedgut ihrer Mutter auf – diese Stücke bilden gewissermaßen das Fundament des düsteren, poetischen Einschlags ihrer heutigen Kompositionen.

Schon als 13-Jährige war Clare in den Plattenläden der Stadt ein Stammgast; hier entdeckte sie zum Beispiel Johnny Cash, Bob Dylan, John Lennon, Howlin’ Wolf oder auch ihr absolutes Idol, die Gospel-Queen Sister Rosetta Tharpe.

"Ich trug damals Zeitungen aus, und jeden Pfennig, den ich damit verdiente, investierte ich sofort in die CD-Empfehlungen der Plattenverkäufer. So nahm das mit der Musik, diese ganze Leidenschaft also, noch ganz neue Dimensionen an."

Nach dem 17. Geburtstag wurde ihr in der Schule jedoch ins Gewissen geredet: Sie solle ihren Traum vom Durchbruch als Sängerin doch bitte endlich aufgeben und sich stattdessen lieber mal auf die anstehenden Prüfungen konzentrieren. Anstatt diesen Rat zu befolgen, stapfte Clare wütend ins Büro des Schulleiters, um sich bei dem zu beschweren und daraufhin die Schule zu schmeißen.

Für sie war das die einzig vernünftige Entscheidung: Sie wusste einfach zu genau, wo sie hinwollte, und sie war bereit, alles dafür zu geben, um an diesen Punkt zu gelangen.

Kein leichter Weg übrigens: Tagsüber jobbte Clare in irgendwelchen Läden, Bars und Restaurants, um genügend Geld für den geplanten Umzug nach London zu verdienen, wo sie sich vollkommen auf ihre Musik konzentrieren wollte.

Nachts saß sie stundenlang vorm Rechner und knüpfte Kontakte über MySpace – bis ihre Seite schließlich unglaubliche 1,5 Millionen Zugriffe verzeichnete, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bloß erste Demoversionen ihrer Songs hochgeladen hatte.

Nach einigen Monaten mit wenig Schlaf und vielen nächtlichen Klicks vor dem Screen meldeten sich auch die ersten Produzenten und andere Musiker bei ihr:

Sie wollten mehr hören und mit Clare ins Studio gehen, also pendelte sie ab sofort zwischen den Midlands und London hin und her, übernachtete in schäbigen Absteigen, schlief auf Fußböden, lernte immer neue Leute kennen und feilte zeitgleich an ihrem Können als Songschreiberin und Sängerin.

Eine recht einsame und deprimierende Zeit, wie sie heute zu berichten weiß: "Und doch kam mir ein Gedanke dabei niemals in den Sinn: Dass es nicht klappen könnte. Schon als kleines Mädchen war mir klar, dass nur dieser Weg der richtige für mich sein würde."

Das wiederum erkannten auch diverse Vertreter der Musikindustrie, nachdem sie die eingangs erwähnte Stimme von Clare gehört hatten. Genau genommen lieferten sich die unterschiedlichen Labels eine regelrechte Gebotsschlacht, bis die damals 20-Jährige schließlich bei Universal unterzeichnete.

In den meisten Märchen und bei sämtlichen Talentshows im Fernsehen wäre damit wohl der Punkt gekommen, an dem die Geschichte endet: Eine Woche später steigt die Single dann in die Charts ein und das war’s.

In der Wirklichkeit jedoch, sprich: im Leben einer Künstlerin, die mehr vorhat, als ein paar Stücke aus der Konserve einzusingen, beginnt die harte Arbeit an diesem Punkt erst.

Bei Clare sah das so aus: Sie reiste zwei Jahre lang um die Welt, komponierte immer wieder neue Songs, machte Aufnahmen und suchte permanent nach demjenigen Sound, der zu ihren Stücken passte.

In Los Angeles traf sie sich mit Rick Rubin, der ihr zunächst unveröffentlichte Demo-Aufnahmen von Johnny Cash vorspielte, um sie danach zur Konzertprobe von Leonard Cohen einzuladen.

In New York wurde sie daraufhin von Jay-Z in dessen Restaurant auf ein paar Drinks eingeladen und erfuhr von ihm, dass sie "das Zeug zum absoluten Star" habe, das könne er an ihren Augen ablesen...

Wieder andere Vertreter der Popwelt boten ihr Songs an: Jarvis Cocker zum Beispiel, oder auch der Rapper/Sänger Plan B. Und so dankbar sie für diese Angebote auch war, konzentrierte sich Clare doch lieber darauf, den richtigen Partner zu finden, mit dem sie ihre eigenen Stücke umsetzen konnte:

"Das waren schon sehr schmeichelhafte Erfahrungen, das auf jeden Fall, und es war toll, all diese Leute zu treffen", so ihr Kommentar. "Trotzdem musste ich letzten Endes einfach das tun, was sich für mich persönlich richtig anfühlte. Nichts ist wichtiger, als sich selbst treu zu bleiben."

Als sie mit Fraser T. Smith (bekannt für seine Arbeit mit Britney, Cee-Lo, Tinchy Stryder, Ellie Goulding und James Morrison) dann schließlich den geeigneten Kreativpartner gefunden hatte, sprudelten die Songideen für "Light After Dark", ihr kommendes Album, förmlich aus ihr heraus:

Manche der Stücke entstanden innerhalb eines einzigen Tages, und was die Gesangsaufnahmen betraf, hielten die beiden oftmals sogar einfach an der ersten Version fest, um die einzigartige Energie dieser Sessions zu bewahren.

"Mir geht es immer nur um das jeweilige Gefühl", sagt Clare, die ihre Songs schließlich als Co-Produzentin gemeinsam mit Smith aufnahm.

"Ich wollte ein Album aufnehmen, bei dem einen jeder Song auf ganz unterschiedliche Art anspricht und bewegt: mal ein Stück für den Kopf, dann ein Song fürs Herz oder einer, der direkt in die Beine geht, wenn man dazu tanzen muss. Ich wollte etwas kreieren, das für jeden etwas bereithält."

Auch inhaltlich ist die Palette groß: Mal ist es der Tod ihres Helden Michael Jackson ("The Last Dance"), der sie inspiriert hat; dann geht es um die Magie der Kindheit ("The Happiest Pretenders") oder, ganz konkret, um die Einsamkeit ihrer ersten Monate in London (wie im Fall des dennoch optimistisch klingenden Gospel-Stücks "Break These Chains").

Insgesamt hat Clare Maguire auf "Light After Dark" Songs versammelt, die absolut zeitgemäß und zugleich vollkommen zeitlos klingen.

Das melancholische Echo des irischen Liedguts, mit dem sie einst aufwuchs, ist deutlich zu vernehmen, wie auch die Spuren all der unterschiedlichen Künstler, die ihr Songwriting im Laufe der Jahre geprägt haben: die keltischen Einflüsse einer Sinead O’Connor, der unverwechselbare Gesang von Annie Lennox, die eigentümlichen Einlagen von Kate Bush oder auch der Ansatz eines Johnny Cash. Doch kein Zweifel:

In erster Linie begegnet man auf "Light After Dark" einer jungen Musikerin, die ihren eigenen Sound geschaffen hat. Clare selbst wusste es schließlich schon immer: Nichts ist so wichtig wie die Stimme. Bei ihr sowieso.

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08.04.2011 fünf Ehrendoktortitel

MMPR & MMTEXT

Barbara Bonney wurde am 14. April 1956 in Montclair, New Jersey, geboren. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt im Alter von fünf Jahren, mit acht wechselte sie zum Cello. 1969 zog ihre Familie nach Maine und die Teenagerin wurde Mitglied im Portland Symphony Youth Orchestra.

Ein Austauschaufenthalt in Salzburg, der eigentlich dazu gedacht war, die Deutschkenntnisse der Studentin zu verbessern, führte dazu, dass ihr Talent als Sopranistin entdeckt wurde, sie am Mozarteum ihre Gesangsausbildung begann und nach Auftritten mit verschiedenen Chören 1979 ein Engagement vom Stadttheater Darmstadt angeboten bekam.

Dort blieb sie vier Jahre, debütierte dort als Anna in Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor und war in fast jeder Produktion dabei, wodurch sie in kurzer Zeit rund 40 verschiedene Rollen lernte.

1983 wechselte sie an die Frankfurter Oper, bevor sie 1984 mit ihrem Rollendebüt als Sophie (Rosenkavalier) unter der Leitung von Carlos Kleiber während der Münchner Opernfestspiele für Furore sorgte.

Im selben Jahr sang sie diese Rolle außerdem an der Londoner Covent Garden Opera unter der Leitung von Sir Georg Solti.


Bonney gastierte an den wichtigsten Opernhäusern wie der Scala als Pamina (Die Zauberflöte) unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch, an der Wiener Staatsoper als Sophie im Rosenkavalier, der Metropolitan Opera als Najade in Ariadne auf Naxos unter der Ägide von James Levine und der Chicago Lyric Opera als Adele (Die Fledermaus).

Ihren Salzburger Anfängen blieb sie weiterhin treu durch Gastspiele als Pamina (Die Zauberflöte, 2002) bei den Salzburger Festspielen und einen Auftritt 2004 in King Arthur von Henry Purcell unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt.


Barbara Bonney ist eine der führenden lyrischen Sopranistinnen ihrer Generation. Das liegt an ihrem klaren, strahlenden Ton, ihrem Interpretationsvermögen und der stilistischen Vielfalt innerhalb eines Repertoires, das vom Barock bis zum 20. Jahrhundert reicht.

Die wohl überlegte Gestaltung ihrer Konzertprogramme und die seltene Gabe, Nuancen eines poetischen Texts über die eigene Persönlichkeit und den individuellen Ausdruck vermitteln zu können, kommen am besten bei den Liederabenden zum Ausdruck, die einen wichtigen Bestandteil ihrer künstlerischen Laufbahn darstellen.


Die Sopranistin hat über 100 Aufnahmen bei Decca, DGG, EMI und Teldec produziert. Ihre breit gefächerte Diskographie umfasst geistliche Musik von Bach, Haydn, Mozart und Schubert.

Komplette Opernaufnahmen beinhalten Le Nozze di Figaro, Don Giovanni, Die Zauberflöte, Die Fledermaus und Fidelio unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt, Hänsel und Gretel dirigiert von Jeffrey Tate, sowie The Merry Widow mit John Eliot Gardiner.

Sie hat insgesamt 15 Solo-CDs mit Kunstliedern aufgenommen. Dazu gehören Kunstlieder von Schubert, Mozart, Strauß, Wolf und Mendelssohn, begleitet von dem verstorbenen Pianisten Geoffrey Parsons.


Barbara Bonney hat fünf Ehrendoktortitel erhalten (darunter: Universität New Hampshire, Royal Academy of Music London, Brucknerhaus Linz). Sie ist außerdem Mitglied der renommierten schwedischen Musikakademie, sowie Ehrenmitglied der Universität Mozarteum Salzburg.

Sie ist derzeit Professorin am der Universität Mozarteum Salzburg und Gastprofessorin an der Royal Academy of Music in London. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesangsliteratur und die Präsentationsform des Recitals künftigen Generationen zu vermitteln und beschäftigt sich daher intensiv mit pädagogischer Arbeit.

Vor kurzem hat sie eine Firma und eine Stiftung gegründet, um jungen Sängern Kurse und Stipendien und damit den Beginn ihrer eigenen Karriere zu ermöglichen. Sie schuf eine „Amateurakademie“ in Salzburg, die Meisterkurse und wertvolle technische wie darstellende Unterstützung für Amateursänger bietet.

Am 14. April 2011 feiert Barbara Bonney ihren Geburtstag und gibt gleichzeitig in Salzburg ihr Couture-Debut: Sie eröffnet in der Schwarzstraße 21 die exklusive Boutique LUNA DressDesign mit eigener Modelinie und angeschlossenem Atelier und erfüllt sich damit einen lang ersehnten Traum.

Die Modeboutique mit eigener Couture-Linie bietet individuelle, ausdrucksstarke Abendmode von höchster Qualität und begeistert mit Unikaten aus edlen Materialien. Erstmals in Österreich und exklusiv bei LUNA DressDesign werden auch Kreationen der Londoner Jungdesignerin Petra Storrs erhältlich sein. 

Bei einem Open-House am 14. April von 11.00 bis 18.00 Uhr können sich Abendroben-Liebhaber einen ersten Eindruck von den außergewöhnlichen Modellen verschaffen, die mit ihrer Extravaganz und Liebe zum Detail bestechen.  

Während Barbara Bonney Ihr neues Projekt persönlich vorstellen wird, präsentieren Nachwuchskünstlerinnen im Rahmen des Events hinreißende Roben. 

Petra Storrs


Petra Storrs ist eine in London ansässige Designerin und Künstlerin, die sich mit den Bereichen Art Direction, Set Design, Mode und Kostümbild beschäftigt. Zu ihren Kunden zählen unter anderem Sony Music, RSA Films, Rolex, Vogue, Dazed & Confused, sowie Lady Gaga und Christian Louboutin.


Petra Storrs wurde von der Zeitung INDEPENDENT als eine der 15 Kreativen genannt, die die Zukunft der britischen Kunstszene definieren werden.
Nach ihrem Abschluss an der Kingston University führt sie nun ihr eigenes Studio in London.


Zu ihren Projekten zählen aktuell die Zusammenarbeit mit der Sängerin Paloma Faith zur Gestaltung ihres Sets und üppiger Bühnenkostüme. Zuletzt gestaltete Storrs die Auslagen von Selfridges für die „Sound of My Mind“–Serie. Weiters erhielt Petra Storrs den Auftrag von des Victoria & Albert Museums zur Gestaltung einer Werkschau des British Fashion Design.


Sie arbeitet dabei nicht nur mit Models, sondern auch mit Tänzern und Performern. Kürzlich hat Petra das Design zu Florence & the Machines Musikvideo „Cosmic Love“ erstellt, eine Mischung aus Rauch, unendlichen Spiegeln, leuchtenden Kleidern und einem sich bewegenden Wald.

Jeanette Fuchs 

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02.04.2011 von der straßenmusikerin zum star

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Was könnte noch geheimnisvoller sein als ein Revolutionär? Genau: Ein Nonkonformist. Jemand also, der nicht bloß einmal formulierten Philosophien nachgeht, sondern sie auch einfach mal über Bord wirft und seiner inneren Stimme folgt.

In der neueren Musikgeschichte gibt es für solch ein Verhalten kaum ein besseres Beispiel als jenes, das Madeleine Peyroux abgegeben hat. 1974 in Athens, Georgia geboren, verschlägt es sie bereits mit 16 nach Paris, wo sie mit der "Lost Wandering Blues & Jazz Band" zur Straßenmusikerin wird.

Sechs Jahre später entdeckt sie dort Yves Beauvais von Atlantic Records und nimmt sie unter Vertrag. Ihr erstes Album "Dreamland" wird zum Überraschungserfolg, verkauft sich eine Viertelmillion Mal und verschafft ihr Auftritte beim Lilith Fair, in Montreux und im Vorprogramm von Sarah McLachlan.

Doch der Schanzenrekord als Überfliegerin gleich im ersten Jahr ist zuviel für Madeleine Peyroux. Erst verliert sie zeitweilig ihre Stimme, dann den Plattenvertrag und schließlich die Lust auf allen Ruhm und Reichtum und tritt wieder auf der Straße auf.

Acht Jahre lang währt das Intermezzo, bis sie sich erneut einem Label anvertraut und mit "Careless Love" ein fulminantes Comeback hinlegt. Unter der Ägide von Joni Mitchells einstigem Ehemann Larry Klein interpretiert sie Cover-Versionen von Leonard Cohen, Bob Dylan, Hank Williams oder Elliott Smith im Jazz-Sound. Das Album verkauft sich über eine Million Mal.

Sein Nachfolger "Half The Perfect World" von 2006 mit Songs unter anderen von Tom Waits, Charlie Chaplin oder Serge Gainsbourg wiederholt den Erfolg, und dieses Mal packt die medienscheue Künstlerin nicht die Angst vor der Vereinnahmung ihrer selbst.


Auf ihrem dritten Album in gut vier Jahren - angesichts der achtjährigen Schaffenspause zwischen Debüt und Nachfolger fast schon ein Schnellschuss zu nennen - hält sich die Künstlerin erneut und zum Glück an den hehren Grundsatz, sich keinesfalls ohne Not zu wiederholen.

Ergo verzichtet Madeleine Peyroux jetzt auf ihre hoch gelobten Cover-Versionen namhafter Kollegen und singt sich schwer beseelt durch eigenes, bald sicherlich ebenso verehrtes Song-Material. "Für mich", sagt sie, "war das wirklich eine ganz neue Erfahrung.

Es war beinahe so, als nähme ich erst jetzt mein wirklich erstes, eigenes Album auf." Larry Klein sei dabei der erste gewesen, der jemals zu ihr gesagt habe, "lass uns jeden Song für dieses Album selbst schreiben - am besten tust du es ganz allein.

Für mich war das nicht bloß das Ende der Suche nach zweifelhaften Ereignissen, sondern eher wie der Moment, in dem du hinter all die Dinge zu schauen beginnst; der Moment eben, wenn der Regen aufhört und die Sonne sich wieder heraus traut."

Bilderreich und wie nach dem genialischen Drehbuch eines Independent Road Movie entwirft Peyroux auf "Bare Bones" höchst persönliche, manchmal auch erkennbar autobiographisch geprägte Texte, die mitunter eine überraschende Leichtigkeit demonstrieren, welche von einer doch offenbar tief in der Melancholie verwurzelten Artistin niemand so unbedingt erwartet hätte.

"Ich weiß halt inzwischen sehr genau", erläutert Madeleine Peyroux ihr famoses Werk, "dass es kein Drama ohne die Komödie geben kann. Sie brauchen einander, damit sie echt und vollständig sind.

Also versuche ich, in meinen Liedern die raffinierte Hochzeit der Gegensätzlichkeiten zu vollziehen, von fröhlich und traurig, tragisch und komisch oder auch Kummer und Erneuerung."

Madeleine Peyroux verbindet hier noch zwei weitere Welten: "Bare Bones" ist auch die Zusammenkunft höchst moderner, inhaltlicher Ansätze mit dem zuweilen fast nostalgisch anmutenden Sound längst versunkener Jazz-Zeitalter.

Wobei sich beide manchmal auch auf halber Strecke treffen, etwa wenn, wie im Titelstück "Bare Bones", Komponist und Mitmusiker Walter Becker den typischen Sound seiner Formation Steely Dan reaktiviert.

Kein Song dieses herrlichen Albums hat mehr als fünf Takes im Studio gebraucht, viele sind mit nur einem ausgekommen. Fast so, wie dereinst die Großen des Jazz in Rudy van Gelders Studios.

Wenn sie den hierbei erreichten Sound beschreiben soll, hält Madeleine Peyroux für Sekunden inne. "Der Sound und die Texte", sagt sie dann irgendwann, "sind beide sehr ehrlich. Wir erforschen mit diesem Album manchmal beinahe die Stille, die entspannte Atmosphäre, auch weil wir uns ganz bewusst von all den Maßstäben entfernen, die Popmusik sonst so bestimmen."

Mit "Bare Bones" ist Madeleine Peyroux - fernab aller Verdächtigungen, die Norah Jones für Profi-Bügler sein zu können oder zu wollen - endgültig zur Hoffnung für ein Genre geworden, das definitiv keine selbstverliebten Solisten mehr braucht. Gönnen wir ihr also das Schlusswort dieses Textes:

"Ich war umgeben von wundervollen Sounds, ehrlichen Musikern, wirklich originärem Musikertum; Für mich klingt das Ergebnis jetzt ganz und gar nach Musik." Und doch noch mal wir: Recht hat sie.

So ganz ist das neue Album von Madeleine Peyroux noch nicht in trockenen Tüchern. Aber einen ersten Vorgeschmack erhält man jetzt durch eine EP mit zwei wunderbaren Tracks. Und die lassen einen bereits erahnen, dass die Sängerin auf “Standin’ On The Rooftop” musikalisch einen etwas anderen Weg einschlägt.

Nachdem Larry Klein ihre letzten drei Alben produziert hatte, übernahm diesmal mit Craig Street (Norah Jones, k.d. Lang, Cassandra Wilson) ein ebenso profilierter, aber etwas jüngerer Produzent das Ruder.

Auch die Kernband, die Madeleine Peyroux auf “Standin’ On The Rooftop” unterstützt, hatte zweifellos gewichtigen Einfluss darauf, dass sich Peyroux “rootsiger” denn je präsentiert: besetzt ist das hochkarätige Ensemble mit dem Gitarristen und Banjospieler Marc Ribot (Tom Waits, Elvis Costello), der Bassistin Me’Shell Ndegeocello (Santana, Rolling Stones), Schlagzeuger Charley Drayton (Neil Young, Johnny Cash) und Gitarrist Chris Bruce (Seal, John Legend).

Die am 29. März erscheinende EP bietet eine hinreißend melancholische Folkversion der jazzig-bluesigen Beatles-Nummer “Martha, My Dear” (vom so genannten “White Album”) und den unter die Haut gehenden neuen Song “The Things I’ve Seen Today”, den Peyroux gemeinsam mit der Sängerin und Violinistin Jenny Scheinman (Norah Jones, Ani DiFranco) schrieb.

Das fertige Album “Standin’ On The Rooftop” wird voraussichtlich Anfang Juni vorliegen.

EP Tracklisting:
1. Martha, My Dear (Lennon/McCartney)
2. The Things I've Seen Today (Peyroux/Scheinman)

 

Quelle: www.jazzecho.de

Universal Music Deutschland
Stralauer Allee 1
10245 Berlin
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Fax +49 30 52007 09

 

Presse: Katja.Behrens@umusic.com

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22.03.2011 Österreichs jüngster Musikexport

Von: rough trade

Anna F. ist Musikerin, Sängerin, Sportjournalistin und gelegentlich Model – und gerade erst einmal 25 Jahre jung. Und Anna F. ist mehr. Kein am Reißbrett entworfener Popstar, sie hat sich selbst erfunden.

Independent, unverwechselbar und authentisch sucht Anna F. nicht nach Jemandem, sie lässt sich finden. Ohne Plattenvertrag und ohne vorprogrammierter Marketingmaschinerie ist sie genau da, wo viele träumen hinzukommen:

In den österreichischen Charts und fulminanter Opening Act für Lenny Kravitz’ Europatour. Ja und selbst das war keineswegs geplant, auch das passierte einfach so – und Anna F. lässt auch das einfach so wieder passieren.

Anna F. ist wohl eins der besten Beispiele, was “Mund zu Mund Propaganda” bewirken kann. Ihr Video “Erstes Mal” haben sich in wenigen Wochen 250.000 Menschen im Internet angesehen. Ohne spezielle Vorankündigungen oder Promotionaktionen.

Ein ungläubiges Staunen von Verantwortlichen der Videoplattform dailymotion war das Ergebnis, und sie haben gleich persönlich bei Anna F. angerufen. Denn was die Leute in dem Videoportal sahen, war eine musikalische Premiere vor Publikum im kleinen Wiener Szeneklub B72.

Irgendwann 2007 mit verwackelter Handkamera aufgenommen, mit verwischten Bildern und grenzwertigen Tonaufnahmen. Jedoch mit einer gehörigen Portion verstecktem Charme. Drei Jahre später gilt Anna F., der hübsche, schwarze Lockenkopf aus dem kleinen oststeirischen Dorf Friedberg, als Österreichs größte Pop-Hoffnung.

Dabei tut das 25-jährige Mädchen mit der Gitarre nichts anderes, als Geschichten zu erzählen. “Meine Geschichten”, sagt sie. Etwa die, als Anfang 2009 Marketingverantwortliche einer österreichischen Bank zufällig auf ihre Homepage mit den lustigen Videos stoßen.

Für eine TV-Werbung mit dem österreichischen Skistar Hermann Maier wollen sie ihren noch unveröffentlichten Song “Time Stands Still” verwenden. Wenige Monate später wird der Track bei den renommierten Austrian Music Awards in der Kategorie “Pop” ausgezeichnet.

Darüber hinaus bekommt sie auch den österreichischen Musikpreis Amadeus in der Kategorie “Best Pop Artist” des Jahres. Kurz danach nimmt Lenny Kravitz sie gleich als Vorband für seine insgesamt 12 Konzerte umfassende Europatournee mit, als er einen Soundcheck vor Annas Live-Auftritt in Innsbruck mitverfolgt.

Ob Vertreter von Major-Labels hinter diesen ganzen Zufälligkeiten einflussreich die Strippen gezogen haben? Die sich in verrauchten Wiener Klubs bei Annas Konzerten die Klinke in die Hand gaben und nach dem Überraschungs-Hit bei dailymotion das große Geld witterten?

Fehlanzeige! Denn Anna hat schon immer alles gerne selbst in die Hand genommen. Begonnen hat alles mit dem Kassettenrekorder ihrer Eltern, der nicht nur Annas erste Sprechversuche einfängt, sondern bald auf der Toilette oder im Badezimmer auch als mobiles Musikstudio fungiert.

Anna lernt Gitarre, Klavier und Schlagzeug, schreibt Songs und wird irgendwann 15 Jahre alt. Bei einem Konzert mit der Schulband präsentiert sich Anna, die neben ihren größten Idolen Led Zeppelin auch auf Radiohead, John Lennon und Regina Spektor abfährt, erstmals der sehr eingeschränkten Weltöffentlichkeit.

In Graz beginnt sie englische Literatur und Medienwissenschaften zu studieren, und in der heruntergekommenen WG, in der sie mit Freunden wohnt, ist es meist ziemlich kalt.

“Die Heizung in der Wohnung ist immer ausgefallen, im Winter ist sogar das Klo eingefroren”, erzählt sie. Doch die Songs, die in diesem Umfeld entstehen, sind alles andere als unter dem Gefrierpunkt, ganz im Gegenteil. Dennoch treibt Anna, auch aus studentischem Geldmangel, ihre Zweitkarrieren voran.

Das Gelegenheitsmodel ist Sportjournalistin beim österreichischen Privatfernsehsender ATV, spezialisiert auf die deutsche Fußballbundesliga. Erst als Produzent und Schlagzeuger Alex Deutsch, der unter anderem gemeinsam mit dem “Radiofritzen” Ken Jebsen das Festival Berlin meets Wien veranstaltet, in ihr Leben tritt, wird Musik Annas Hauptjob.

Mit ihrer Band Anna F. & Her Ex-Boyfriends bastelt sie an ihren eigenen, selbst geschriebenen Songs. Auftritte im deutschen Radio (Fritz, Sputnik) und im ausverkauften Berliner Admiralspalast bei der “Fritz-Nacht der Talente” folgen.

Mittlerweile ist um Anna F. in Österreich ein regelrechter Hype ausgebrochen. Der auf eigene Faust und auf ihrem eigenen Label veröffentlichten Debüt-CD “For Real” wird nach nur acht Wochen die goldene Schallplatte verliehen, nachdem das Album auf Platz 3 der Charts eingestiegen war und sich 12 Wochen unter den Top 15 hielt.

Bei den 2010er Amadeus Awards gelang Anna F. nicht nur ein großartiger Auftritt sondern auch der Doppelgewinn in den Kategorien “Album des Jahres” und “Pop / Rock”!

Nach einer erfolgreichen Tournee durch Österreichs Clubs steht nun Deutschland auf dem Programm. Den Startschuss gab die Single “I Don’t Like You”, die Anna gemeinsam mit Ewald Pfleger, Mastermind der Band Opus (“Life Is Live”) geschrieben hat.

www.myspace.com/annaf6 

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15.03.2011 veröffentlichen am 22.04.2011 ihr CD-Debüt

Hasko Witte - 3 Bilder

Mikhail Ovrutsky ist erster Preisträger des Internationalen Wettbewerbs Pablo Sarasate, des Internationalen St. Petersburger Musikwettbewerbes Liana Issakadze, des Johansen Wettbewerbes von Washington und des UNISA-Wettbewerbs von Pretoria sowie Preisträger des Moskauer Tschaikowsky- und des Queen-Elisabeth-Wettbewerbes Brüssel.

Im Jahr 2006 erhielt er außerdem den „Europäischen Förderpreis“ der Stiftung „Pro Europa“. Dieser Preis, für den der Geiger von Anne-Sophie Mutter vorgeschlagen wurde, würdigt sein „großes künstlerisches Talent und herausragende Leistung“.


1980 als Sohn einer Musikerfamilie in Moskau geboren, begann Mikhail das Violinspiel im Alter von fünf Jahren an der Spezialschule für musikalisch hochbegabte Kinder bei Zoya Makhtina. Seine Studien führten ihn weiter zu Albert Markow an der Manhattan School of Music, Dorothy Delay an der New Yorker Juilliard School sowie Yumi Scott und Victor Danchenko am Curtis Institute of Music und zu Zakhar Bron an der Musikhochschule Köln, wo er seine Diplomprüfung und das Konzertexamen mit Auszeichnung absolvierte.

Zum Wintersemester 05/06 erhielt er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Köln als Assistent von Professor Bron.


Mikhail Ovrutsky konzertierte weltweit mit führenden Orchestern und Dirigenten wie dem Philadelphia Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Vlaams Radio Orkest unter Yoel Levi, dem Marinsky Orchester St Petersburg unter Valery Gergiev, dem State Academic Symphony Orchestra of the Russian Federation unter Mark Gorenstein, dem Tschaikowsky Orchester Moskau unter Wladimir Fedosejew, dem Litauischen Staatsorchester unter Toshiyuki Shimada oder dem Royal Flemish Philharmonic Orchestra unter Jorma Panula.


Er tritt als Solist und Kammermusiker bei zahlreichen Festivals auf, unter anderem beim Kammermusikfest Lockenhaus oder der Kronberg Academy „Chamber Music Connects the World“, in deren Rahmen er zusammen mit Yuri Bashmet und Menahem Pressler konzertierte.


Mikhail Ovrutskys CD-Aufnahme des Violinkonzertes von J. Rodrigo wurde im Strad Magazine als „exceptional“, außergewöhnlich, gepriesen. Seit 2006 ist Mikhail Ovrutsky Mitglied des Beethoven Trio Bonn. Anfang 2007 erschien die Debüt-CD des Klaviertrios mit Werken von Beethoven und Mendelssohn.


Seit 2004 ist er Stipendiat der Freundeskreis Anne-Sophie Mutter-Stiftung und konnte im Rahmen der Förderung bereits mehrfach als Solist gemeinsam mit Frau Mutter auftreten.

Im Sommer 2008 feierte Mikhail Ovrutsky mit einem Solo-Rezital sowie einem gemeinsamen Konzert mit Anne-Sophie Mutter sein erfolgreiches Lucerne Festival – Debut:

„Ein Geiger auf dem Weg zur Weltspitze“ (Neue Luzerner Zeitung).

In der Saison 2008/2009 begeisterte M. Ovrutsky unter anderem mit dem Prager Rundfunkorchester unter Alexander Vedernikov, dem Helsinki Philharmonic unter Leif Segerstam, dem Baseler Symphonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada, dem BBC Philharmonic und dem WD R Sinfonieorchester Köln unter Pietari Inkinen sowie dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter Dmitrij Kitajenko.


In der Saison 2009/2010 gab Mikhail Ovrutsky sein Debut im Wiener Musikverein mit den Wiener Symphonikern unter Dimitrij Kitajenko und spielte mit seiner Schwester Sonya Ovrutsky ein Rezital in Salzburg.

In der laufenden Saison bilden eine Tournee mit Filarmonica della Scala, eine Wiedereinladung bei BBC Philharmonic und ein Rezital im Wiener Konzerthaus die Höhepunkte. Mikhail Ovrutsky spielt eine Violine von Gioffredo Cappa, Turin ca. 1700.

Die Frage nach der Heimat ist für Mikhail Ovrutsky nicht einfach zu beantworten. Im Jahr 1980 in Moskau geboren hielt er schon im zarten Alter von vier Jahren seine erste Geige in den Händen. Da kam zusammen, was offensichtlich zusammen gehört, denn nur wenig später, mit fünf Jahren, ging er zu einer Spezialschule für musikalisch hochbegabte Kinder.

Mit elf Jahren jedoch zog er mit seiner Familie nach Philadelphia, wo sich eine völlig neue Welt für den jungen Misha auftat. Er  besuchte unter anderem die Juilliard School und lernte eine ganz andere Musikauffassung und -lehre kennen.

Mit sechzehn eröffnete sich ihm eine weitere große Chance, als er dem berühmten Geigenlehrer Zakhar Bron vorspielen konnte, bei dem er daraufhin in Deutschland, genauer gesagt in Köln studieren konnte. Hier lebt er bis heute, ist mittlerweile Brons Assistent und geht als Künstler seinen Weg, spielt mit den namhaftesten Orchestern, Dirigenten und Kammermusikpartnern.


Auf diese Weise hat der junge Musiker immer wieder Wurzeln an ganz verschiedenen Orten dieser Welt geschlagen. Mit "Turning Points" legt er nun zusammen mit seiner Schwester Sonya sein CD-Debüt bei Berlin Classics vor, und wie der Titel vermuten läßt, handelt es sich um ein sehr persönliches Album.

Alle eingespielten Stücke haben eine besondere Bedeutung für ihn, sind mit Orten, Erinnerungen und besonderen Stimmungen verbunden, über die er auch im Booklet-Interview ausführlich berichtet.

Mit dieser Veröffentlichung gewährt er einen musikalischen Einblick in seine Biographie und verbindet dabei Verschiedenstes. Hier schöpft eine sensible Künstlerpersönlichkeit aus all seinen Wurzeln.

Sonya Ovrutsky


Sonya Ovrutsky lebt und arbeitet in Philadelphia, wo sie die Main Line Music Academy in Ardmore gegründet hat und deren Geschäftsführerin sie ist. Ihre letzten Auftritte führten sie an das Wiener Konzerthaus und zum Salzburger Schumann-Festival, mit ihrem Bruder gab sie ein Rezital beim Luzern-Festival, mit dem Geiger Richard Amoroso spielte sie in der Verizon Hall des Kimmel Centers (Philadelphia), und sie trat beim Konzert „Tribute to George Rochberg“ auf.

Sie arbeitete mit Künstlern wie Paul Arnold, Kathryn Picht Read und Richard Woodhams zusammen, und machte eine Tournee durch Frankreich und die Schweiz, bei der sie Rachmaninows zweites Klavierkonzert spielte.


Sonya Ovrutsky gewann den Internationalen Wettbewerb in Senigalia (Italien), im Alter von fünfzehn Jahren. Darüber hinaus nahm sie erfolgreich an folgenden weiteren Wettbewerben teil: der Aspen Music Festival Concerto Competition, der Studio Club Competition in New York, der Juilliard/Lehigh Valley Concerto Competition, der Elizabeth Harper Vaughn Competition in Kingsport und nicht zuletzt beim New York Municipal Concert Award, den sie gewann.

Daneben erhielt sie mehrere Spezialpreise wie den für die beste Begleitpianistin beim 12. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau im Jahr 2002 sowie beim fünften Internationalen Pablo-Sarasate-Wettbewerb in Pamplona im Jahr 1999. Sie machte ihre Master’s und Bachelor’s Degrees an der Juilliard School, wo sie bei Herbert Stessin studierte.


Sie trat in bedeutenden Konzertsälen auf, wie dem Palace de Beaux Arts in Brüssel, der Weill Carnegie Concert Hall, der Alice Tully Hall im Lincoln Center sowie der Merkin Hall in New York, dem Aspen Music Festival, am Moskauer Konservatorium, der Moskauer Philharmonie und dem Rachmaninow-Konzertsaal, dem Musikfestival Santander sowie Konzertsälen in Madrid, Saragossa, Barcelona, Pamplona, Brüssel, Rom und den großen Städten Südafrikas.

Als international anerkannte Begleitpianistin hat Sonya Ovrutsky in Meisterklassen und Privatstunden von den Professoren Zakhar Bron, Dorothy DeLay, Mauricio Fuks, Felix Galimir, Cho Lian Lin, Robert McDuffy, Peter Oundjian, Itzhak Perlman, Vadim Repin, Sylvia Rosenberg, Eduard Schmieder und Pinchas Zukerman begleitet. Sie ist in Recitals mit ihrem Bruder Mikhail sowie mit Vladimir Spivakov, Zakhar Bron und anderen aufgetreten.

Der junge Geiger Mikhail Ovrutsky veröffentlicht am 22.04.2011 sein CD-Debüt auf Berlin Classics. Die CD "Turning Points" hat er zusammen mit seiner Schwaster Sonya (Klavier) aufgenommen.

Auf der CD befinden sich all jene Komponisten, die seinen bisherigen Lebensweg von Moskau über Philadelphia nach Köln geprägt und verändert haben: Tschaikowsky, Prokofjew, Gershwin, Bach und Mendelssohn.

Turning Points
Sergei Prokofjew, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky,
Johann.Sebastian Bach, George Gershwin, Felix Mendelssohn
Mikhail Ovrutsky - Violine
Sonya Ourutsky - Klavier

1 CD - Best. Nr.: 0300060BC

VÖ: 22.04.2011

Turning Points

Sergei Prokofjew
(1891-1953)
[01]-[05] Fünf Melodien, op. 35b

Pjotr I. Tschaikowsky (1840-1893)
[06]-[08] Souvenir d’un lieu cher, op. 42

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
[09]-[12] Sonata g-Moll für Solovioline, BWV 1001

George Gershwin (1898-1937)
(Arr. Jascha Heifetz)
[13] »Summertime and A Woman Is a Sometime Thing«
[14] »It ain’t necessarily so«

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
[15]-[17] Sonate F-Dur (1838)

Mikhail Ovrutsky - Violine
Sonya Ovrutsky - Klavier

Konzerte

 

07.04.11 Huddersfield, BBC Philharmonic/Brahms
28.06.11 Luxemburg, Filarmonica della Scala, S. Bychkov / Mendelssohn
29.06.11 Essen, Filarmonica della Scala, S. Bychkov / Mendelssohn
30.06.11 Bad Kissingin, Filarmonica della Scala / Mendelssohn
01.07.11 Ingolstadt, Filarmonica della Scala, S. Bychkov / Mendelssohn
13.10 bis
15.10.11 Wellington, New Zealand Smyphony Orchestra/Inkinen/Brahms

Weitere Konzerte in Vorbereitung

Edel:Kultur
Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

Tel.: +49 (0)40- 890 85-301

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08.03.2011 „Ich fühle mich stark und furchtlos"

Sven-Erik Stephan - 3 Bilder

Brian Eno und Nick Cave sind ihr bereits verfallen, der Chef des englischen Indie-Labels Domino, Laurence Bell, hat sie sofort unter Vertrag genommen und die düster rockenden Haudegen von Grinderman (dem Soloprojekt von Nick Cave) hat die Musik der zierlichen Londonerin so fasziniert, dass sie Anna Calvi als Vorprogramm auf ihrer jüngsten Europatour eingeladen haben.

Dort konnte Anna Calvi und ihre Band bestehend aus Drummer Daniel Maiden-Woos und der Multiinstrumentalistin Mally Harpaz das Grinderman-Publikum sowohl beeindrucken als auch verstören mit einer ungewöhnlichen morbider Musikalität und Dramatik und phänomenalen Bühnenpräsenz.

Wie aus einem Tarrantino-Film entsprungen steht sie auf der Bühne mit ihren rot geschminkten Lippen und ihrer Gitarre, aus der hochmelodische Klänge perlen. Boleroesk entwerfen Schlagzeug und Gitarre immer gewaltigere Spannungsbögen, verlieren sich aber nie endgültig im melodischen Chaos.

Denn über ihnen thront und regiert Calvis hypnotische Stimme und lässt dunkle, atmosphärische Melodien mit romantischem Pop verschmelzen.  

„Wenn man sich in einem Keller einschließt und völlig isoliert an einem Album arbeitet, kann man schon mal ein wenig den Verstand verlieren. Einiges von meinem Material bezieht sich auf diese Situation – wie ich die Entstehung dieses Monsters überlebt habe, das drei Jahre lang mein Leben beherrschte.“ Anna Calvi

Anna Calvi lächelt süß. Das tut sie häufig. Sie wirkt so gar nicht wie ein Mensch, der Monster entstehen lässt. Oder die Art von Musik, die wilde, auf stürmischer See treibende Emotionen entfesselt, die sie auf der Bühne, mit entschlossener, lakonischer Anmut präsentiert.

Auf jeden Fall haben wir es hier mit einer Art gespaltener Persönlichkeit zu tun. „Wenn ich live spiele, bin ich ein anderer Mensch“, lächelt Anna süß. „Ich fühle mich stark und furchtlos. So, wie ich im täglichen Leben gern wäre.“

Anna Calvis Debütalbum handelt von Lust und Liebe, Teufeln, und einer neuen Sicht auf den dramatischen Surrealismus im Stil von David Lynch … äh, Moment mal, sofort aufhören.

Ein weiterer Aspekt an diesem entwaffnend süßen blonden Mädchen ist der Umstand, dass sie selbst besser als jeder andere definieren kann, was sie tut. Bei ihr gibt es keine „die Songs sprudeln einfach aus mir heraus“-Banalitäten. Anna Calvi weiß, was sie tut und warum sie es tut.

„Es ist eine Platte über all diese Mächte, die von uns Besitz ergreifen, und wie man sie überlebt und einen Weg durch sie hindurch findet. Alles, worauf man vertrauen und woran man glauben kann, ist die Liebe.

Das sage ich nicht leichtfertig dahin. Denn in dieser Welt gibt es eine Menge Dunkelheit. Dieses Album ist die Kulmination meines ganzen bisherigen Lebens.“

Und es gibt gute Gründe dafür, warum dieses Leben von Dunkelheit durchsetzt ist. Die Geschichte beginnt mit einem Baby, das in London geboren wurde und ums Überleben kämpfen musste. Anna Calvi verbrachte den größten Teil der ersten drei Jahre ihres Lebens im Krankenhaus.

 „Das habe ich verkraftet, indem ich meine eigene Welt entstehen ließ. Und genau das beschreibt meine Beziehung zur Musik – eine Welt, die ich entstehen lasse und in die ich flüchten kann. Frühe Erfahrungen begleiten uns durchs ganze Leben.“

Ihr italienischer Vater ist musikbegeistert, dank seiner Plattensammlung kam Anna in den Genuss einer erstklassigen musikalischen Schule: „Captain Beefheart, The Stones, Maria Callas … sämtliche musikalischen Meilensteine finden sich in seinem Plattenschrank.“

Sie nahm Violinenunterricht. Doch im Alter von 13 Jahren eroberten Django Reinhardt und Jimi Hendrix ihr Herz und ihre Seele. Die folgenden Jahre verbrachte sie damit, sich selbst das Gitarrespielen beizubringen.

Es folgten Obsessionen mit Django, Flamenco, Oper, westafrikanischer Musik und Ravi Shankar. „Ich versuche, meine Gitarre wie andere Dinge klingen zu lassen. Das ist es, was man bei Musikern wie Reinhardt findet; er holt wirklich alles aus seinem Instrument heraus.

Ich höre viel klassische Musik aus dem 20. Jahrhundert – Messiaen, Ravel und Debussy. Das impressionistische Element ihrer Musik … das ist es, was ich auf der Gitarre spüren will.

Meine Gitarre wie ein Orchester klingen zu lassen. Aber diesen Effekt versuche ich nicht mithilfe einer Menge Pedale zu erreichen – mein Vox-Verstärker, ein Reverb-Pedal, und dann“ … sie legt ihre Hand auf eine Stelle zwischen Herz und Bauch … „kommt alles von hier.“

Damals hatte Anna noch gar nicht daran gedacht, selbst zu singen. Sie verdingte sich als Gitarristin in einer Teenager-Band. „Ich war sehr schüchtern. Meine Gitarre zu spielen, war meine Art, mich auszudrücken.“

Mit 17 erreichte sie einen Wendepunkt. Nachdem sie zunächst über ein Kunststudium nachgedacht hatte, traf sie in letzter Minute die Entscheidung, zu singen. „Ich wollte schon immer Sängerin sein, doch es war schwierig für mich, weil ich so schüchtern war.

Aber ich habe daran gearbeitet – fünf bis sechs Stunden am Tag. Das habe ich streng geheim gehalten. Für einen Menschen wie mich war das die furchteinflößendste Entscheidung meines Lebens. Sehr, sehr, sehr langsam entwickelte sich diese große Stimme.“

Ihren musikalischen Seelenzwilling fand Anna, als sie 2006 Mally Harpaz kennen lernte. „Sie begann, mit mir Schlagzeug zu spielen. Als ich hörte, wie ein Harmonium gespielt wurde, fand ich das so wunderschön, dass mir die Tränen kamen.

Es hat eine so zeitlose, ruhige Qualität. Ich fragte Mally, ob sie es nicht probieren wollte. Sie hatte noch nie eins gespielt, ist aber die Art von Musikerin, die einfach alles kann.“

Der nächste und letzte Rekrut für Calvis Weniger-ist-mehr-Projekt war Drummer Daniel Maiden-Wood. „Er ist sehr intuitiv. Und er hört zu, was man bei Schlagzeugern eher selten findet. Wir trafen keine bewusste Entscheidung, ohne Bass zu arbeiten.

Ich wollte einfach, dass Mally das Orchester der Band ist, denn ich arbeite gern mit Beschränkungen. Mir gefällt die Rauheit der Musik, die wir drei produzieren. Und ich mag Raum in der Musik. Es ist spannend zu überlegen: ‚Wie kann ich mit dieser einen Gitarre den Sound einer riesigen Saitenabteilung entstehen lassen?’ So habe ich schon immer gearbeitet.“

Wie Anna bereits zu Beginn dieses Gesprächs bemerkt hat, begleiten uns frühe Erfahrungen durchs ganze Leben. So war es ihre jugendliche Begeisterung für den Flamenco, auf die sie bei ihren temperamentvollen und überhaupt nicht schüchternen Liveshows zurückgriff.

„Flamenco-Tänzer sind wirklich leidenschaftlich, ihre Kleidung und ihre Haltung drücken echte Leidenschaft aus. Das hat unsere Bühnenoutfits stark inspiriert.“

Ihre erste externe Bestätigung kam von einem Mann, der seinerzeit auf dem Original-Sound And Vision-Album gespielt hatte und von Annas Videoserie mit wunderbar puristischen Auftritten, ihren Attic Sessions, begeistert war.

Nachdem ein Freund von Brian Eno sie im Londoner Luminaire gesehen hatte, erzählte er dem bedeutendsten Produzenten und Provokateur der Musikszene von einer neuen Sängerin/Gitarristin, die Eno unbedingt hören müsste. Das tat er auf YouTube, und Eno war so beeindruckt von Anna, dass er sie zum Mittagessen einlud.

„Er war süß. Ich gab ihm meine Keller-Demos und er war begeistert. Seither ist er für mich zu einem Mentor geworden. Er trat genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben. Er war der erste Mensch aus der Außenwelt, der hörte, was ich machte und es validierte.

Das war ein bedeutender Augenblick in meinem Leben. Er schickte mir eine E-Mail, in der er schrieb, dass meine Musik voller Romantik und Leidenschaft sei, und was können wir uns von der Kunst mehr wünschen? Das war für mich wie Wasser am Ende der Wüste.“

Dieses Element des Lichts am Ende eines langen, düsteren Tunnels durchzieht sowohl die Musik als auch die Geschichte des Albums. „Ich schrieb und nahm lange Zeit auf dem Dachboden meiner Eltern auf einem Achtspurgerät auf.

Dann verbrachte ich zweieinhalb Jahre damit, an diesem Album in einem Kellerstudio zu arbeiten. Im Grunde sehr ungesund. Damals sah ich sehr, sehr lange Zeit kein Sonnenlicht.“

Gelegentlich verließ das Trio seinen nachtgleichen Bunker, um ein paar Shows zu spielen. Der junge Brit-Folk-Star Johnny Flynn bat Anna, ihn bei seiner Tournee zu unterstützen, und bei einem Gig in Manchester war zufällig der ehemalige Coral-Gitarrist Bill Rider-Jones anwesend.

Er war begeistert, rief sofort Laurence Bell bei Domino an und bekniete ihn, Anna einen Vertrag zu geben. „Alles ging sehr schnell“, erinnert sich Anna. „Wir machten dieses Album in einem winzigen Studio und hatten nichts. Ich musste alle Saitenparts selbst spielen.

Die Chöre bestehen aus mehreren Schichten meiner Stimme. Und dann eröffnete sich auf einmal die Möglichkeit, ins Black Box Studio in Frankreich zu gehen und mit diesem wunderbaren Vintage-Analog-Equipment aus den 1960ern zu arbeiten.

Das wollte ich nur bei speziellen Songs einsetzen. Aber diese Möglichkeit hätte ich ohne Domino nie gehabt. Obwohl ich das hier sowieso machen würde, weil ich es nicht ertragen könnte, keine Musik zu spielen, ist es nicht einfach, wenn man zwölf Stunden am Tag arbeitet und seine Zeit und Energie in etwas investiert, von dem man nicht weiß, ob es jemals jemand hören wird.

Es ist schön, den Kaninchenbau zu verlassen und wieder Tageslicht zu sehen.“

Rob Ellis ist natürlich ein Produzent, Komponist und Musiker, der durch seine Zeit mit Polly Harvey viel Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit starken Künstlerinnen hat. Was hat er als Annas Koproduzent eingebracht?

„Er ist Old-School-Rock’n’Roll … du weißt schon: ‚Hau kräftiger auf die Trommel!’. Das liebe ich. Wir teilen die Liebe zur klassischen Musik … er mag dieselben Komponisten wie ich.

Also musste ich nicht erklären, was ich damit meinte, dass eine Gitarre oder ein Shaker wie ein Orchester klingen sollte. Es war toll jemanden zu finden, der mich verstand.“

Sie gesteht bereitwillig, dass ihre stärksten Einflüsse beim Gesang Elvis, Scott Walker, Nina Simone und Maria Callas sind, und beim Songwriting Roy Orbison und Leonard Cohen.

Den Gitarren von Robert Johnson und Bukka White verdankt ihre einfache – Ha! Einfach ist hier wohl kaum die richtige Bezeichnung! – Debussy/Django/Hendrix-Klangpalette ihre Blues-Elemente.

„Es gibt zeitgenössische Künstler, die ich liebe. Antony And The Johnsons. Wild Beasts. TV On The Radio. Aber derart besondere Dinge findet man nicht häufig … schließlich ist es das, was sie so außergewöhnlich macht.

Wenn man also in die Vergangenheit zurückgeht und sich diese besonderen Künstler herauspickt, stößt man auf Rohdiamanten. Wenn man allerdings nur zehn Jahre zurückgeht, muss man sich durch eine Menge Mittelmäßigkeit wühlen. Ich suche nach brillanten Momenten, die ich anzapfen kann.“

Wobei auch der zeitgenössische Film eine große Rolle spielt. „Ich mag Regisseure wie Wong Kar-wai und Gus Van Sant … Menschen, die schöne Filme machen, in denen die Kamera eine Geschichte erzählt. Ich versuche Musik zu machen, die von dieser Art von Filmemachern inspiriert ist.“

Anna ist zu Recht stolz auf ihr erstes Album und nennt zwei Songs, mit denen sie dem nahekommt, was sie ultimativ erreichen möchte. „Ich bin sehr detailverliebt. Und es gibt viel Klangmalerei auf Love Won’t Be Leaving.

Ich empfinde Musik sehr visuell und möchte, dass die Musik die Geschichte mindestens so deutlich ausdrückt wie die Texte, wenn nicht noch deutlicher. Ich denke, das ist mir mit Love Won’t Be Leaving gelungen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Album, das ich in Frankreich aufgenommen habe.

Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich die Gitarre wie ein anderes Instrument klingen lassen wollte. Der Mittelteil sollte an die Saiten in einem Hitchcock-Soundtrack erinnern. Das Crescendo, das sich auf eine Explosion zu bewegt. Aber auf eine echte und ehrliche Weise. Da gibt es keine heiße Luft.“

Doch vor dem Album kommt die erste Veröffentlichung. Anna hat sich auf eine Ein-Frauen-Mission begeben, um das uralte und edle Konzept der Debütsingle, die unabhängig von einem Album besteht, wiederzubeleben, denn ihr Album ist für sie ein abgeschlossenes Werk.

So entstand Jezebel. „Es stammt von Wayne Shanklin. Aber ich hatte die Edith Piaf-Version gehört. Sie beeindruckte mich zutiefst. Ich liebe Edith Piaf. Ich liebe es, wie viel Gefühl und Passion sie in ihren Gesang legt.

Das ist etwas, das ich in meiner Musik zu tun versuche … so offen und leidenschaftlich wie möglich zu sein. Jezebel erschien mir als erste Veröffentlichung genau richtig. Denn das Album ist eine in sich geschlossene Einheit.

Es ist eine Geschichte und eine Reise. Deshalb wollte ich dem Album nichts vorwegnehmen, bevor es erschienen war. Ich wollte, dass die Menschen das Album in seiner Gesamtheit hören.“

Während ich diese Zeilen schrieb, bereitete Anna sich auf eine Tour mit Grinderman vor – überaus passend, denn Nick Caves Mythen schaffende Aktualisierungen von Vintage-Einflüssen könnten ein weiterer Hinweis auf Calvis Muse sein.

Cave ist natürlich der Meister der Liebeslieder, die von Liebe und Sex als wilden, unkontrollierbaren Mächten handeln. Ich erwähne Anna gegenüber, dass diese Vorstellung dem Konzept von Lust und Bedürftigkeit, das ihr Debütalbum ausmacht, so nah wie irgend möglich kommt.

„Stimmt. Musik ist sehr sexuell. Wie könnte man das nicht auf irgendeine Weise ausdrücken? Gitarrespielen ist sehr sexy. Und dann ist da noch diese Sache … wenn man jemanden so sehr liebt, dass man meint, ihn töten zu können. Dieses Gefühl habe ich auf jeden Fall kennengelernt.“

Anna Calvi lächelt süß.

Arti


Label: Domino Records

Vertrieb: GoodToGo

VÖ: 14.01.2011

beats international

Sven-Erik Stephan
Pfuelstrasse 5
10997 Berlin
Tel:  030 246 397 - 25

 

Copyrights.

1) Emma Nathan, 2) Maisie Cousins 3) beats international

 

 

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22.02.2011 musikalische Schubladen haben sie noch nie interessiert

ACT Music - 3 Bilder

Musikalische Schubladen haben die dänische Sängerin Caecilie Norby noch nie interessiert:

„Ich war immer auf der Suche nach einprägsamen Melodien. Im Pop braucht man eine starke Melodie, um einen Hit zu bekommen; im Jazz ist das Thema zentral, das ein Stück eröffnet; und in der Klassik können die gewaltigsten Orchester-Arrangements platt und langweilig werden, wenn sie nicht von einer natürlichen Melodie getragen werden.“

Für Norby ist die Melodie die Essenz von Musik und das entscheidende Kriterium, nachdem sie Musik bewertet und auswählt, frei von Genregrenzen. Eine Einstellung, die ein Abbild ihrer erstaunlichen Karriere und wohl auch ihr Erfolgsgeheimnis ist.

Als Tochter klassischer Musiker - ihre Mutter Solveig Lumholt war Opernsängerin, ihr Vater Erik Norby Komponist - brachte die Entdeckung des Jazz mit seinen bluesigen, swingenden und coolen Momenten die Entscheidung, doch in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Wenig später, noch als Teenager, geriet sie in den Sog der Rock- und Popmusik mit ihrer rohen Energie und ihren Ohrwürmern.

Als Reisende zwischen all diesen musikalischen Welten machte sie sich schnell einen Namen, zunächst in ihrer Funk-Jazzband „Frontline“, die in den frühen achtziger Jahren alle verfügbaren dänischen Jazzpreise bekam. Zusammen mit Nina Forsberg bildete sie danach das Pop-Duo „One Two“, das alleine in Dänemark eine Viertelmillion Alben verkaufte.

Hier wie in ihrer seit den frühen neunziger Jahren aufgenommene Solokarriere war sie in Skandinavien zunächst die vielleicht wichtigste Figur des Brückenschlags zwischen Pop und Jazz, was sie international zur Wegbereiterin von Kolleginnen wie Rebekka Bakken, Silje Nergaard oder Viktoria Tolstoy machte.

Als erste dänische Künstlerin wurde sie vom legendären Blue Note Label unter Vertrag genommen, wo sie vier glänzend rezensierte und verkaufte Alben aufnahm.

Sie arbeitete mit vielen internationalen Stars verschiedenster Fächer zusammen, vom Landsmann (und der anderen dänischen Instanz für stiloffenen und breitenwirksamen Jazz) Bugge Wesseltoft bis zu Billy Hart, Mike Stern, Chick Corea oder Kurt Elling.

Der wichtigste unter ihnen ist der Bassist Lars Danielsson, der eben nicht nur ihr Ehemann, sondern auch der Produzent und Partner fast aller ihrer Projekte wurde.

So auch bei ihrem neuestem Unternehmen „Arabesque“, ihrem Debüt für ACT. Ein ehrgeiziges, vielleicht wegweisendes Projekt, fasst Norby hier doch auf gewisse Weise ihre bisherige Karriere zusammen, gespiegelt durch die klassischen Einflüsse ihrer Kindheit. Erstmals schrieb Norby Songtexte auf klassische Stücke, vor allem aus der Zeit des Impressionismus.

die die Mehrzahl der hier versammelten 15 Tracks bilden. Auch ein selbstkomponiertes „Nocturne“ ist dabei. „Es war so inspirierend, dass sich um viele Stücke großartige Geschichten ranken. „Rimsky-Korsakovs „Scheherazade“ zum Beispiel fußt ja auf den Geschichten aus 1001 Nacht.

Und bei Ravels „Dead Princess“ fand ich es interessant, über die fragile Seite der flamboyanten, lesbischen Prinzessin Winnaretta de Polignac zu schreiben, der Geldgeberin und Impresaria Ravels, Strawinskys und der Pariser Boheme.“

Norby entdeckte auch Satie und Debussy wieder und fühlte sich sofort geborgen: „Ich hatte keine Quellen und keinerlei Erfahrung damit, nordischen Jazz mit Klassik zu verbinden.

Aber ich fühlte mich schon bei der ersten Studiosession Satie viel näher als zum Beispiel Ellington.“ Viermal ist dabei auch die großartige klassischen Pianistin Katrine Gislinge zu hören, mit der Norby erstmals zusammenarbeitete.

„Dabei kannten wir uns schon als Kinder, weil unsere Eltern die besten Freunde waren.“ Schließlich ehrt Norby mit dem Bonustrack „How Oft“ auch das Andenken ihres Vaters, von dem die Komposition stammt.

Doch Norby findet nicht nur in den Melodien der Klassik den jazzigen Ton, es geht auch umgekehrt. Mit zwei Songs veranschaulicht sie eindrucksvoll, welcher „Klassiker“ Michel Legrand ist, den sie für den „melodischsten europäischen Komponisten aller Zeiten“ hält.

Der Swing-Standard „Bei mir bist du schoen“ verwandelt sich nicht zuletzt dank Wesseltofts elektronischer Beigaben in eine mitreißende Funk-Nummer. Und dann suchte Norby auch noch die unsentimentale Hymne an „Wholly Earth“ der von ihr sehr verehrten Abbey Lincoln aus, ohne wissen zu können, dass dies zum Tribut post mortem werden würde.

Wie stets lässt sich Norby von einer handverlesenen Schar großartiger Musiker begleiten,
neben Danielsson, Wesseltoft und Gislinge auch ACT-Gitarrenstar Ulf Wakenius, Trompeter Palle Mikkelborg, Flötist Hans Ulrik sowie die Drummer und Perkussionisten Anders Engen und Xavier Desandre-Navarre, alle wie sie Fans großer Melodien.

Deswegen hat „Arabesque“ dieses enorme Potential, selbst viele begeisterte Anhänger zu gewinnen. Nicht nur Klassikfreunde, Jazzfreaks oder Popfans. Sondern alle, die gute Melodien lieben.

 

Besetzung:
Cæcilie Norby / vocals
Lars Danielsson / bass, cello, git, organ
Bugge Wesseltoft / piano, synth
Katrine Gislinge / piano
Ulf Wakenius / guitar
Palle Mikkelborg / trumpet
Hans Ulrik / flute, bass-clarinet
Anders Engen / drums & percussion
Xavier Desandre-Navarre / drums & percussion

 

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14.02.2011 einer der letzen glaubwürdigen

Baltasar Garzón Real wurde am 26. Oktober 1955 in dem andalusischen Dorf Torresals Sohn einer Bäuerin und eines Tankwarts geboren. Er wuchs mit fünf Geschwisternin einfachen Verhältnissen auf. Ursprünglich wollte Garzón Pfarrer werden. Er besuchte sechs Jahre lang ein Priesterseminar.

Nach dem Abitur tauschte er jedoch die Bibel gegen das Gesetzbuchein. Sein Jurastudium, das er sich mit Gelegenheitsjobs finanzierte, schloss Garzónals 23-Jähriger an der Universität von Sevilla ab.

Bereits ein Jahr später hatte er dieVoraussetzung für den Einstieg in eine Richterkarriere geschaffen.Garzóns berufliche Laufbahn begann 1979 in der Provinz Huelva. 1987 wurde Garzónvom Obersten Rat der Richterlichen Gewalt in Spanien zum Inspekteur für die Region Andalusien delegiert.

1988 trat er in Madrid eine Stelle als Untersuchungsrichter am Nationalen Gerichtshof „Audiencia Nacional“ an, der 1977 für die Ahndung von Verbrechen überregionaler Tragweite wie Terrorismus, Drogen- und Wirtschaftskriminalität geschaffen worden war.

Internationale Aufmerksamkeit zog Garzón im Zusammenhang mit der „Operación Mago“ auf sich, bei der im Sommer 1990 in der nordwestspanischen Region Galicienmehr als 50 Personen wegen Rauschgiftdelikten verhaftet wurden.

Durch erfolgreiche Ermittlungen gegen ETA-Kommandos, rechte Terroristen und Drogen-Dealer wurde Garzón so populär, dass Ministerpräsident Felipe González ihn als Unabhängigen beiden Wahlen 1993 auf die Liste der Sozialistischen Spanischen Arbeiterpartei (PSOE)setzte.

Garzón trug zum Sieg der PSOE bei und wurde ins Parlament gewählt. Er bekam jedoch nicht wie versprochen die Stelle des Innenministers, sondern wurde„nur“ Staatssekretär und Antidrogenbeauftragter. Sein Plan, eine Sonderstelle zur Korruptionsbekämpfung einzurichten, scheiterte.

Nach einem Jahr kehrte Garzón derPolitik enttäuscht den Rücken und auf seinen Posten als Untersuchungsrichter zurück. Seitdem begleitete ihn bei seinem Kampf gegen die staatliche Kriminalität der Vorwurf,sich an seinen ehemaligen Parteifreunden rächen zu wollen.

Seine Ermittlungen gegen die rechtsextreme Untergrundorganisation GAL (Gruposantiterroristas de Liberación), die er für die Ermordung baskischer Flüchtlinge nach Frankreich verantwortlich machte, trugen dann im März 1996 maßgeblich zum Fall der sozialistischen Regierung bei.

Dass der frühere Innenminister José Barrionuevo 1998 wegen Staatsterrorismus ins Gefängnis kam, verdankte er nicht zuletzt Garzón, der Felipe Gonzáles beschuldigte, die GAL gegründet zu haben.

Der Versuch, González eine Verantwortung für die 1983 und 1984 während seiner Regierungszeit durch die polizeiterroristische Bande GAL verübten Verbrechen nachzuweisen, scheiterte 1996 aber an einem Veto des Obersten Gerichtshofs.

Erneute Ermittlungen gegen Gonzálesim Jahr 1999 brachten Garzón Kritik vom Obersten Gerichtshof wegen Befangenheitein, er habe persönliche Meinungen mit objektiven Fakten vermischt.

Ab 1996 ermittelte Garzón auch gegen Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet imZusammenhang mit der „Operación Condor“, einer 1975 eingeleiteten Geheimaktionfünf südamerikanischer Militärdiktaturen zur Bekämpfung von Oppositionellen.

Bekanntheit über die Grenzen Spaniens hinaus erlangte er im Oktober 1998 mit einem überraschenden Haftbefehl gegen den 83-jährigen Diktator, der in einer Londoner Klinik festgenommen wurde.

BIOGRAFIE

Garzón leitete ein offizielles Anklageverfahren wegen Völkermordes, Terrorismus und Folter gegen Pinochet ein – im Völkerrecht ein bis dato einmaliger Vorgang, der sich nur in Madrid verwirklichen ließ, da der Ex-General in Chile Immunität als Senator auf Lebenszeit genoss.

Die Auslieferung scheiterte schließlich an gesundheitlichen Gründen, Pinochet durfte im Januar 2000 in die Heimat zurück. Mit seiner Initiative gegen Pinochet gab Garzón der Entwicklung des internationalen Strafrechts in der Praxis einen entscheidenden Anstoß.

Eine südamerikanische Menschenrechts-Initiativeschlug ihn für den Friedensnobelpreis vor. Auch die argentinische Militärjunta nahm Garzón ins Visier. 1999 beantragte er internationale Haftbefehle gegen 98 Angehörige der argentinischen Militärdiktatur, unter der 1976-1983 zwischen 15.000 und 30.000 Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Haftbefehl richtete sich u. a. gegen die Generale Jorge Rafael Videla, Leopoldo Galtieri und gegen Admiral Emilio Eduardo Massera, den Hauptverantwortlichen für die Folterungen und Morde in der Marineschule von Buenos Aires.

Im Juli 2003 erwirkte Garzón die Festnahme von über 40 ehemaligen argentinischen Offizieren, denen Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur vorgeworfen werden. Weil unter den damaligen Toten auch spanische Staatsangehörige waren, strebte Garzóneine Auslieferung an.

Der argentinische Staatschef Néstor Kirchner forderte einen Prozess in Argentinien, verfügte aber eine Revision der Amnestiegesetze und hob ein Dekret auf, das die Auslieferung ehemaliger und aktiver Militärs verbot.

Im April 2005 verurteilte Spaniens Nationaler Gerichtshof den früheren argentinischen Korvettenkapitän Adolfo Scilingo wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter der Militärdiktatur in Argentinien zu 640 Jahren Haft.

Er war nach Überzeugung des Gerichts 1977 an zwei Todesflügen beteiligt, bei denen insgesamt 30 Regimegegner betäubt und vom Flugzeug aus ins Meer gestürzt worden waren. Scilingo gehörte zu den wenigen argentinischen Militärs, die ihre Verbrechen öffentlich eingestanden haben.

Er hatte sich 1997 bei einem Besuch in Madrid mit Garzón in Verbindung gesetzt, der ihn sofort verhaften ließ. In Spanien hinter Gitter kam auch der frühere argentinische Marineoffizier Ricardo Miguel Cavallo, der auf Drängen Garzóns 2003 aus Mexikoaus geliefert worden war.

Vier Jahre hatte Garzón Beweise gegen die Partei Batasuna gesammelt, die als politischer Arm der baskischen Terrororganisation ETA galt, bevor er ihr im August 2002 für drei Jahre alle politischen Aktivitäten verbot und das Madrider Parlament ein generelles Verbot der Partei beschloss.

2003 wurden auf Garzóns Anordnung neun Batasuna-Funktionäre verhaftet und im Oktober 2007 – nach ETA-Anschlägen auf einen Flughafen – weitere 23 Mitglieder der Führung der illegalen Batasuna-Parteifestgenommen.

Zwei Monate später verurteilte das nationale Strafgericht in Madrid 47 Personen wegen Zugehörigkeit zu ETA-Unterorganisationen oder wegen der Zusammenarbeit mit den spanischen Separatisten zu Haftstrafen zwischen zwei und 24 Jahren.

Gleichzeitig wurden mehrere ETA-Ableger definitiv für illegal erklärt und ihr Vermögen konfisziert. Umstritten war Garzóns Vorstoß zur Schließung verschiedener baskischer Zeitungen und Radiosender, weil er damit die baskische Kultur im Allgemeinen traf und nicht nur den Terror bekämpfte.

Während des Irak-Kriegs wandte sich Garzón im März 2003 in einem offenen Brief gegen die politische Linie des konservativen Ministerpräsidenten José María AznarLopez, der die Interventionspolitik der USA im Irak gegen die öffentliche Meinung Spaniens unterstützt hatte.

Dabei bezweifelte er die von US-Außenminister Colin L.Powell als Kriegsgrund angeführte Verbindung zwischen Al Kaida und dem Irak und prangerte die Politik der US-Regierung von George W. Bush als völkerrechtswidrigan.

Insbesondere kritisierte er die Behandlung der Häftlinge in Guantanamo und die geplanten Militärtribunale. Auf der anderen Seite erließ er am 17. September 2003 internationalen Haftbefehl gegen Osama bin Laden. Im eigenen Land suchte Garzón nach Spuren von Al Kaida, die am 11. März 2004 einen Anschlag auf Madrider Nahverkehrszüge verübt hatte.

Gegen den ehemaligen US-Außenminister Henry A.Kissinger wollte Garzón wegen dessen Verstrickungen in die CIA-gestützte „Operación Condor“ gegen südamerikanische Oppositionelle in den 70er Jahren vorgehen.

GeorgeW. Bush stand ab März 2007 ebenfalls auf seiner Anklage-Liste. Gegner warfen Garzón, der als unbestechlich, korrekt und sehr ehrgeizig gilt und in seiner Heimat als Staranwalt gefeiert wird, krankhaftes Geltungsbedürfnis und Fanatismus vor.

Ein spanischer Kolumnist kommentierte Garzóns Selbstgefälligkeit mit den Worten, er wolle eben stets „die Petersilie in jeder Soße“ sein (zit. n. FR, 6.3.2003). Ein Psychoanalytiker beschrieb ihn als machthungrigen General.

Freunde wie Feinde bescheinigten ihm jedoch messerscharfe Intelligenz, Ordnungssinn, einen Hang zum Perfektionismus sowie Ausdauer und Fleiß im Übermaß (vgl. Stgt. Z., 17.12.1998). Im August 2009 sprach die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland dem spanischen Untersuchungsrichter Baltasar Garzón Real den mit 10.000 Euro dotierten Hermann-Kesten-Preis zu.

© Munzinger-Archiv GmbH

PRESSESTIMMEN


Agence France-Presse (AFP) | 2. Juli 2010

Spanischer Starjurist Garzón für Friedensnobelpreis empfohlen


Der wegen seiner Ermittlungen zu Verbrechen der Franco-Diktatur suspendierte
spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón soll für den Friedensnobelpreis
vorgeschlagen werden.

Die Saramago-Stiftung werde den 54-Jährigen wegen seine Einsatzes für die Menschenrechte empfehlen, sagte die Witwe des im Juni verstorbenen portugiesischen Literaturnobelpreisträgers José Saramago am Freitag der Zeitung „ElPais“.

Garzón habe „sich niemals einschüchtern lassen, weder von Betrugsversuchen noch von irgendeiner Macht“, sagte Pilar del Rio dem Blatt. Er verdiene den Preis, weil er sich überall auf der Welt für Opfer stark mache.

Kulturportal Hessen | 27. August 2009

Hermann-Kesten-Preis 2009 für Baltasar Garzón Real


Baltasar Garzón Real erhält in diesem Jahr den vom P.E.N.-Zentrum Deutschland und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestifteten Hermann-Kesten- Preis. Damit wird ein engagierter Verfechter der Menschenrechte auszeichnet.


Der Dreiundfünfzigjährige ist Untersuchungsrichter an der Audiencia Nacional in Madrid, dem höchsten Strafgerichtshof Spaniens. Die Auszeichnung wird am 12. November 2009 um 20 Uhr in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt verliehen.

Die Laudatio hält der Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, Dr. Heribert Prantl. Herbert Wiesner, Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland, würdigte Garzón „als Anwalt eines durch staatlich sanktionierte Folter tief verstörten und verletzten Weltgewissens“.

Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann nannte den Preisträger einen
engagierten Verfechter der Menschenrechte. Derzeit leitet Garzón die Vorermittlungen gegen jene sechs Juristen der Regierung des früheren amerikanischen Präsidenten George W. Bush, die Foltermethoden gerechtfertigt
hatten, wie sie im Gefangenenlager Guantanamo und andernorts angewandt wurden.


Weltbekannt war der Richter geworden, als er 1998 wegen der Folterung und Ermordung spanischer Staatsbürger einen Haftbefehl gegen den ehemaligen chilenischen Junta- Führer Augusto Pinochet erwirkte, der zu längerer Inhaftierung des Diktators in London führte.


Der Preis wird alljährlich zum „Writers-in-Prison“-Tag in Erinnerung an den deutschen Schriftsteller und ehemaligen P.E.N.-Präsidenten Hermann Kesten verliehen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

In den vergangenen Jahren wurden unter anderen die russische Journalistin
Anna Politkowskaja, posthum der ermordete türkisch-armenische Journalist Hrant Dink und im vorigen Jahr die russische Forschungs- und Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ausgezeichnet. Ihr hatte auch die am 16. Juli 2009 ermordete Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa angehört.

 

PEN-Zentrum Deutschland | Jahrestagung Osnabrück 2010

Resolution zu Baltasar Garzón

1. Das P.E.N.-Zentrum Deutschland, vertreten durch die Teilnehmer der Jahrestagung 2010, bittet die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere deren Auswärtiges Amt, darauf hinzuwirken, dass die Deutsche Botschaft in Madrid das laufende Gerichtsverfahren gegen den spanischen Untersuchungsrichter der Audiencia Nacional Baltasar Garzón Real durch einen Vertreter ihrer Rechtsabteilung beobachten lässt.


Der Angeklagte Baltasar Garzón ist Träger des vom deutschen P.E.N. und dem
hessischen Landesministerium für Wissenschaft und Kunst verliehenen Hermann- Kesten-Preises 2009 für Verdienste um die Wahrung der Menschenrechte.

Es steht zu befürchten, dass rechtsgerichtete Kreise Spaniens den von uns geehrten hochrangigen Richter, der schon jetzt von seinem Amt suspendiert ist, durch eine Einschränkung seiner Tätigkeit daran hindern wollen, ein Verfahren zur Aufklärung der massenhaft verübten Morde anzustrengen, die während des Franco-Regimes begangen wurden.


Die Bundesrepublik kann diesen Prozess gegen Baltasar Garzón nicht beeinflussen,
aber der P.E.N. bittet in internationalem und europäischen Interesse darum, durch
einen ständigen Prozessbeobachter klären zu lassen, ob in dem Verfahren Anzeichen
richterlicher Befangenheit gegenüber dem Berufskollegen festzustellen sind.
2. Das deutsche P.E.N.-Zentrum verurteilt die Rufmordkampagne gegen den spanischen
Untersuchungsrichter Baltasar Garzón, den Versuch eines rechten Parteiklüngels und
von Teilen der spanischen Justiz, einen herausragenden Anwalt der Menschenrechte
mundtot zu machen und sein internationales Ansehen zu beschädigen. Unsere
uneingeschränkte Sympathie gilt seinem Kampf um den würdigen Umgang mit den
Opfern des spanischen Bürgerkriegs und des Franco-Regimes in der Nachkriegszeit, um
die historische Rekonstruktion vergangener Untaten, seinem Einsatz gegen Diktatoren
und ihre Schergen, seiner Entschlossenheit, Korruption und Terror in seinem Land
einzuschränken. Baltasar Garzón ist für alle, die Europas Glaubwürdigkeit durch die
Wahrung der Menschenrechte gesichert sehen, ein Vorbild.
Wir fordern unsere Kollegen vor allem in den europäischen P.E.N.-Zentren zum Protest
auf und bitten den Internationalen P.E.N. in London um Prüfung, ob der Fall Garzón nicht
in die Case List der Verstöße gegen die Menschenrechte aufgenommen werden muß.

 

20. Februar 2011 | 11:30 Uhr


Renaissance-Theater


Baltasar Garzón Real


Der Anspruch der universellen Justiz gegen die nationale Straflosigkeit


Vortrag des Untersuchungsrichters


Einführung: Manfred Lahnstein


In spanischer Sprache mit Simultanübersetzung

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