25.01.2014 09:56 Dieter Falk: "Musik muss anstecken."

Dieter Falk macht keinen Hehl aus seinem christlichen Glauben - eine Menge Leute in der Medienbranche finden das unsexy

Michaela Boland hat für die Freunde der Kuenste Dieter Falk getroffen.

Michaela Boland hat für die Freunde der Künste Dieter Falk getroffen, der Musik-Produzent hatte viel zu erzählen. Fotos: (c) Freunde der Künste

Dieter Falk an dem Platz wo er die großen Melodien komponiert.

Dieter Falk an dem Platz, wo er die großen Melodien komponiert.

Dieter Falk hat eine Professur an der Robert-Schumann-Hochschule in Duesseldorf.

Dieter Falk hat seit diesem Wintersemester sogar eine Professur an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Von: GFDK - Michaela Boland Profil bei Google+

Erster Teil des Exklusiv Interviews von Michaela Boland mit Dieter Falk  für die Freunde der Künste - Als Produzent von PUR feierte er Millionenerfolge. Auch wenn er sich eher als Mann im Hintergrund versteht, verhalf er Künstlern wie Monrose, Jennifer Rush, Howard Carpendale, Gitte Haenning, DJ Ötzi, Pe Werner, Paul Young, Karel Gott, Katja Ebstein oder Marshall & Alexander mit Hits zum Triumph.

Seit der Pro 7- Casting-Produktion "Popstars" im Jahre 2006 ist er auch einem breiten Fernsehpublikum bekannt, denn dort fungierte er neben Nina Hagen und  Detlef D! Soost als Jury-Mitglied. Der Absolvent der Musikhochschule Köln, der im Rahmen des Projekts "Falk & Sons" mit seinen beiden Söhnen, Max und Paul, nach dem Debüt-Album "Celebrate Bach" nun mit "Toccata" schon die zweite Familien-Scheibe herausgebracht hat, hat seit diesem Wintersemester sogar eine Professur an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf inne.

Dort will er dazu beitragen, die Nordrhein-Westfälische Regierungsmetropole als Medienstadt auch musikalisch weiter voran zu bringen. In seinem schönen Familienanwesen im Düsseldorfer Süden treffe ich den sympathischen Passions-Musiker, der im Gegensatz zu vielen anderen Showgrößen, die dies als "unsexy" empfinden, keinen Hehl aus seinem christlichen Glauben macht.

MICHAELA BOLAND TRIFFT DIETER FALK

Michaela Boland: Seit wann lebst du mit deiner Familie hier?

Dieter Falk: Wir waren lange im Schwabenland. Hierher sind wir wieder zurückgekehrt, weil meine Frau Düsseldorferin ist.

Michaela Boland: Dann warst du ein Wahl-Schwabe?

Dieter Falk: Ja, allerdings wirklich nur "nei g`schmeckt", denn ich komme ursprünglich aus dem Siegerland. Ins Schwabenland bin ich eigentlich schon während des Studiums gekommen. Ich habe ja in Köln Musik studiert, dann ging es nach Schwaben, doch wir sind wieder hier aufgeschlagen, bevor unsere Söhne Gefahr liefen, irgendwelche schwäbischen Slangs aufzugreifen.

Michaela  Boland: Im Schwabenland kann man es sich doch durchaus gut gehen lassen.

Dieter Falk: Ach, das war auch schön. Das Schwabenland ist viel besser als sein Ruf. Wir haben ja wirklich lange dort gelebt. Insgesamt über 20 Jahre. Als wir gerade frisch verheiratet waren, zogen wir hin. Das war 1985. Dann sind wir bis 2006 dort geblieben. Dieses Haus hier in Düsseldorf hatte ich schon für meine Schwiegereltern gekauft und dann sind wir hier hinein gezogen und haben ein bisschen um- und angebaut. Anfänglich hatte ich mein Studio ja in Köln, im belgischen Viertel.

Michaela Boland: Von Köln nach Düsseldorf gesiedelt, also ein Verräter?

Dieter Falk: Das mit Köln und Düsseldorf ist alles Schnack. Als unsere Kinder allerdings ein bisschen größer wurden, bin ich aus dem Kölner Studio raus gegangen und wollte mein Studio hier im Haus einrichten, damit die Kinder ein wenig von dem mitbekommen, was ich mache und umgekehrt. Mitten in Düsseldorf habe ich noch ein etwas größeres Studio mit einem Partner zusammen, doch meistens arbeite ich hier. Hier komponiere ich, hier nehme ich auf, ich habe hier auch Aufnahmekabinen. Das ist ganz o.k., man kann hier ganz entspannt arbeiten. Man läuft von hier aus auch nur fünf Minuten bis zum Rhein.

Michaela Boland: Gehst du dort  joggen?

Dieter Falk: Ja.

Michaela Boland: Täglich?

Dieter Falk: Nein, alle zwei Tage.

Michaela Boland: Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür. Hast du schon alles beisammen?

Dieter Falk: Nein, noch gar nichts. Das liegt aber daran, dass meine Mutter vor zwei Wochen verstorben ist.

Michaela Boland: Herzliches Beileid.

Dieter Falk: Dankeschön. Dadurch ist natürlich der ganze Ablauf ins Stocken geraten. Normalerweise machen wir nämlich in jedem Jahr Weihnachtskärtchen mit Familienfotos und verschicken diese dann. Also, so richtig klassisch, wie die Amis. Jetzt sind wir allerdings zu gar nichts gekommen. Ich musste den Haushalt auflösen und damit ist viel Arbeit verbunden.

Michaela Boland: Kam es überraschend oder war es absehbar?

Dieter Falk: Es war absehbar. Sie war auch recht betagt. Außerdem spielen meine Kinder und ich gerade an jedem Wochenende Konzerte. Morgen geht es zur Kanzlerin nach Berlin. Wir spielen auf deren Weihnachtsfeier. Wir sind also zur Zeit nur auf Jück und deswegen haben wir noch nichts gekauft. Ich muss außerdem im Moment auch noch den Haushalt machen, da meine Frau nach einem Eingriff am Auge etwas lädiert ist und sich nicht groß bewegen darf. Das heißt, ich bin jetzt auch noch Hausmann und das alles kurz vor Weihnachten. Mit anderen Worten: Ich bzw. wir haben noch gar nichts. Wir werden das noch endspurtmäßig machen. Aber, die Kinder sind alt genug.

Michaela Boland Wie alt sind Eure Söhne?

Dieter Falk: 17 und 19 Jahre alt. Max, unser Schlagzeuger und unser Großer, studiert Medizin. Und der Kleine, Paul, hat noch zwei Jahre bis zum Abi.

Michaela Boland: Studiert Max in Düsseldorf oder Köln?

Dieter Falk: Er studiert hier in Düsseldorf. Die Jungs wissen auch schon, was sie bekommen. Das hat alles etwas mit Musik zu tun. Deswegen gibt es eigentlich keine große Überraschung mehr.

Michaela Boland: Wie wird bei euch üblicherweise Weihnachten gefeiert?

Dieter Falk: Heilig Abend sind wir es erst mal nur zu viert. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es dann Gans. Ich hatte in der letzten Woche noch eine Fernsehshow zusammen mit TV-Koch Nelson Müller und er kochte gerade Gans mit einer Sauce, die war ein derartiger Knaller, da habe ich mir gleich noch ein paar Tipps geholt.

Ich koche nämlich ganz gerne und so wird es das eben am ersten Feiertag geben. Da haben wir dann auch ein wenig Familie da und am zweiten Weihnachtsfeiertag haben wir dann die große Family bei uns. Und dann verschwinden wir vielleicht, aber das wissen wir noch nicht genau. Weihnachten läuft bei uns jedenfalls immer ganz traditionell mit Weihnachtsbaum und dem Weihnachtsoratorium von Bach im Hintergrund.

Michaela Boland: Wenn man deinen musikalischen Werdegang betrachtet, stellt man schnell fest, dass dieser recht kirchlich orientiert ist. Welche Rolle spielen Kirche und Glaube heute noch für dich?

Dieter Falk: Der ist sogar ziemlich kirchlich orientiert, was daran liegt, dass ich musikalisch in der Kirche sozialisiert wurde.

Michaela Boland: Inwiefern?

Dieter Falk: In der Kirche, aus der ich komme, haben mein Bruder und ich einen Gospelchor mit 50 Teenagern gegründet und "Oh happy day" geschmettert. Parallel dazu haben wir im gemischten Kirchenchor meiner Mutter gesungen, die Chorleiterin war. Da gab es eben das Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und was es sonst noch so alles gibt. Insofern haben Musik und Kirche bei mir schon immer so eine Art Parallel-Gang genommen.

Ich habe dann selbst an der Orgel auch Kirchenmusik gespielt. Und dann kam ich als Produzent so ein bisschen in die Gospelszene hinein. Ich glaube, ich habe über hundert Gospelplatten gemacht. Von Gospel wie man ihn so kennt bis hin zu Rockbands mit christlichen Texten. Für Edwin Hawkins, den Oh-happy-day-Komponisten, habe ich Klavier gespielt oder auch für Amy Grant, die ja ebenfalls ein Star in der Gospelszene ist.

Michaela Boland: Die erfolgreiche Amy Grant wird als Contemporary Christian-Musikerin beschrieben. Kannst du erläutern, was darunter konkret zu verstehen ist?

Dieter Falk: Contemporary Christian Music ist in Amerika ein riesiger Markt. Amy Grant hat da Millionen von Platten verkauft. Oder Petra, das war eine Heavy -Band. In Amerika gibt es eine riesige Szene mit Musik, so wie du sie im Radio hörst, aber die Texte sind eben christlich oder kirchlich. Genauso bin ich eigentlich groß geworden.

Da habe ich auch einen Haufen Musiker kennengelernt, die ebenfalls Christen waren und sich auch nicht davor  gescheut haben, das zu sagen. In Deutschland ist das immer so eine Parallelgesellschaft.

Es gibt eine Menge Leute in der Medienbranche, die ursprünglich auch mal im CVJM groß geworden sind oder in der Kirche, aber lieber ihre Schnauze halten, weil sie es als sehr unsexy empfinden zu sagen, dass sie gläubig sind.

Das finde ich manchmal ein bisschen schade. Nun bin ich, und das muss ich ganz klar sagen, weit davon entfernt, irgendein Holzhammer-Missionar zu sein. Ich bin in der Kirche groß geworden, empfand das auch als natürlich und schön. Allerdings habe ich auch meine ganz starken Anfragen an die amerikanische Frömmigkeit und an dieses Halleluja-Getue.

Charismatisch und diese Fernsehgottesdienste, wie man sie manchmal im Privatfernsehen sieht, sind natürlich wirklich fürchterlich und das ist auch nicht meine Welt. Aber die Musik, die in Amerika von Schwarzen und Weißen in Kirchen gemacht wurde, hat mich natürlich immer schon unfassbar stark berührt.

Michaela Boland: Gab es einen ganz bestimmten Auslöser für dich, der deine Entscheidung, Berufsmusiker zu werden, perfekt gemacht hat?

Dieter Falk: Mein Kick oder mein entscheidender Moment hierfür war, als ich mit Edwin Hawkins gespielt habe. Ich war der einzige Weiße in der Band und habe dort Klavier gespielt mit dem Erfinder von "Oh happy day". Das war natürlich für mich wie so ein Virus. Die schwarze Musik aufzusaugen, Soul und Gospel. Das hat natürlich auch viel mit Kirche zu tun. Wenn eine Beyonce oder Mariah Carey sich für den Grammy bedanken und danach immer sagen, "und vielen Dank an den lieben Gott", dann ist das auf der einen Seite eine Floskel, auf der anderen Seite hat es aber auch damit zu tun, dass sie wirklich in der Kirche groß geworden sind.

Die kommen alle aus Gospelchören, daher war es für sie immer ganz natürlich und normal. Im Vergleich dazu hat Deutschland manchmal ein bisschen ambivalentes Verhältnis zu Frömmigkeit und Musik in der Kirche. Ich habe da nie einen Hehl daraus gemacht. Selbst im Finale von Popstars habe ich eine Funkversion  von "Nun danket alle Gott", einem Choral, gespielt, ebenso bei Stefan Raab. Für mich war der Spagat nämlich auch interessant.

Michaela Boland: Hat dir dein öffentliches Bekenntnis zu Kirche und Glaube im Laufe deiner Karriere jemals zum Nachteil gereicht? In dem Sinne, dass jemand gesagt hätte, das sei uncool?

Dieter Falk: Ach, nein. Wenn du mich darauf ansprichst, dann sage ich das ja auch. Ich werde jetzt zwar nicht ungefragt herum posaunen, dass ich hin und wieder in die Kirche gehe. Ich bin auch kein ständiger Kirchgänger. Dazu spielen wir noch zu oft an Wochenenden Konzerte, häufig auch in Kirchen wegen unseres Bach-Repertoires. Doch ich habe keinen Nachteil dadurch gehabt habe, weil ich mich hin und wieder mal als gläubiger Christ geoutet habe.

Ich habe wahrlich keinen Heiligenschein über mir. Aber ich denke, dass der christliche Glaube auch im Leben hilfreich sein kann. Ich erinnere mich sehr gerne an tolle Diskussionen beispielsweise während "Popstars" mit Senna (Anm. d. Red.: Staffel-Gewinnerin und Sängerin der aus der Castingshow hervorgegangenen Girlsgroup "Monrose"), die ja bekennende Muslimin ist. Bahar auch so halbwegs. (Anm. d. Red.: Bahar war ebenfalls Mitglied der Girlsgroup "Monrose") Für mich war das nie ein Thema, so haben wir beispielsweise auch zusammen gebetet. Sie als Muslimin, ich als Christ.

Michaela Boland: Mit Bahar oder mit Senna?

Dieter Falk: Mit beiden. Bahar hat auch die Hauptrolle in einem christlichen Musical gehabt, das ich geschrieben habe.

Michaela Boland: Welcher Gedanke steckte dahinter?

Dieter Falk: Das sind einfach Dinge, bei denen ich versuchen möchte, den Bogen zu erweitern. Wenn die Kirche in Deutschland etwas braucht, und ich rede jetzt von beiden Kirchen, dann ist es frischer Wind. Wir versuchen das durch die Musik zu machen. Deswegen ist für mich Glaube, Musik und Kreativität ganz eng beieinander.

Michaela Boland: Inwieweit kritisierst und verurteilst du solche Vorkommnisse wie jüngst im Fall Limburg mit Franz-Peter Tebartz-van Elst?

Dieter Falk: Wer das nicht verurteilt, ist ziemlich bescheuert. Mich macht es eher traurig. Natürlich gibt es, wie überall, in beiden großen Kirchen auch nur Menschen. Solche, die Fehler machen, die falsche Entscheidungen treffen oder maßlos sind. Es ist genau wie im normalen Geschäftsleben oder wie im Privatleben. Man soll nicht annehmen, dass nur, weil es um Kirche und um Gott geht, da nicht auch menschliche Fehler begangen würden.

Mich stimmt es aber deshalb traurig, weil es die gute Arbeit von Kirche im Alltag manchmal in den Schatten stellt. Das finde ich schade, denn es gibt landauf und landab wirklich super Pastoren und Pfarrer, über die nie geredet wird. Nur, wenn einer plötzlich mal zugegebenermaßen Mist baut, dann wird der von den Medien so in den Fokus gerückt, dass man das viele Gute, was die Kirche tut, auch schön unter den Teppich kehrt.

Michaela Boland: Reihenweise Austritte in der katholischen Kirche vorprogrammiert?

Dieter Falk: Nicht nur innerhalb der katholischen Kirche. Witzigerweise hat Tebartz-van Elst auch der evangelischen Kirche viele Austritte beschert. Weil Otto Normalbürger einfach sagt, "Ja, das ist Kirche", also pauschal Kirche.

Michaela Boland: Es wird insoweit deiner Meinung nach also keine Differenzierung mehr vorgenommen?

Dieter Falk: Wer da woher kam? Nein. Aber, ich glaube, das einzige, was man dagegen tun kann, ist, dass man positive Signale für die Kirche setzt. Zusammen mit Michael Kunze mache ich das, indem wir mittlerweile schon das dritte Musical über biblische Stoffe schreiben. Michael Kunze hatte ja als Musicalkomponist die größten Erfolge in Deutschland, auch weltweit. Er ist ja die Nummer Eins im Musicalbereich. Er hat die deutschen Texte gemacht für Elisabeth, Mamma Mia, Phantom der Oper oder König der Löwen.

Michaela Boland: Ich las, dass ihr gemeinsam zum einen das Musical "Die 10 Gebote", zum anderen "Moses" gemacht habt. Spielte bei Moses auch ein ganz kleines bisschen der gute alte Charlton Heston-Film eine Rolle?

Dieter Falk: Ja, klar. Mit dem bin ich groß geworden. Ich bin Baujahr 1959 und habe den Film in den 60ern als Kind natürlich immer gesehen. Das war so der Klassiker, ein alter Blockbuster. Natürlich war er sehr schwülstig, aber das war sicherlich ein Thema.

Michaela Boland: Was wird es im Bereich Musical jetzt Neues von Michael Kunze und Dir geben?

Dieter Falk: Jetzt fangen wir an mit "Luther". Luther ist natürlich eine wichtige historische und theologische Figur. In ein paar Jahren gibt es ein großes Luther-Jubiläum. Wir tun das, weil wir wissen, dass wir ein dankbares Publikum dafür haben.

Die freuen sich, wenn man eben auch in der Kirche Entertainment praktiziert, das heißt, dass man einfach auch Leute mit Themen unterhält, die spannend,  gut und wichtig sind. Das zusammenzubringen ist ein Versuch, der schon bei den beiden ersten  Musicals sehr gut geklappt hat. Dass man Kirche vielleicht auch mal in ein anderes Licht stellt.

Michaela Boland: Ist dir das ein persönliches wichtiges Anliegen?

Dieter Falk: Ja, sicherlich. Es ist natürlich nicht der einzige Grund, aber es ist mir vor allem gerade deshalb ein wichtiges Anliegen, weil ich aus der Kirche komme. Es ist ja immer auch schön, wenn man da mal positive Nachrichten schreibt.

Michaela Boland: Ist Konfession für dich ein wichtiger Punkt? Du hast ein evangelisches Gymnasium besucht.

Dieter Falk: Das war Zufall. Konfession spielt eigentlich keine Rolle. Gut, ich gehe öfter in die evangelische Kirche, aber ich gehe auch sehr gerne in katholische Kirchen, wenn ich irgendwo in der Großstadt bin. Manchmal setze ich mich auch einfach mal eine halbe Stunde irgendwo in den Dom hinein oder irgendwo in eine Kirche.

Da sind die katholischen Kirchen häufig besser dran, weil die einfach immer offen sind. Die evangelischen zunehmend nicht mehr, was ich schade finde. Einfach mal runter kommen, das kann man ganz gut in Kirchen. Ich habe viele Freunde in der katholischen Kirche, kenne auch viele Leute in der jüdischen Gemeinschaft und viele Muslime. Für mich ist das ein Teil meiner Kultur. Musiker oder Schauspieler sind da vielleicht auch eher Brückenbauer zwischen Konfessionen und so sehe ich mich.

Michaela Boland: Lässt sich in der Rückschau sagen, dass die evangelische Schulerziehung grundlegend anders war als vergleichsweise die katholische Erziehung?

Dieter Falk: Die evangelische Kirche war zwar Träger meines Gymnasiums, aber es war ja keine christliche Erkenntnisschule in dem Sinne, dass man jeden Morgen zum Beten gezwungen wurde, was ich auch nicht gut finde. Wenn so etwas jedoch aus freiem Willen heraus passiert, dann finde ich das durchaus gut. Aber bei uns war die schulische Erziehung  nicht explizit kirchlich oder evangelisch. Es war ein ganz normales, eigentlich humanistisch geprägtes, Gymnasium. Sicherlich ist dort der Religionsunterricht ein wenig anders behandelt worden als an anderen Schulen. Das mag schon sein.

Michaela Boland: Deine Mutter war, wie du sagtest, Chorleiterin. Hatte dein Vater auch einen musikalischen Hintergrund?

Dieter Falk: Er hat immer nur Mundharmonika gespielt. Er kam aus Ostpreußen vom Lande und hat nie großartig Musikunterricht gehabt. Er hat allerdings in Chören gesungen und verfügte auch über eine ganz gute Tenorstimme. Ich erinnere mich daran, dass wir als Kinder an Weihnachten immer diese blöden Blockflöten spielen mussten, während meine Mutter am Klavier saß und mein Vater dazu Mundharmonika spielte.

Michaela Boland: Klingt nach schöner Weihnachtsatmosphäre.

Dieter Falk: Manchmal war es skurril (lacht). Später haben wir Kinder dann Klavier gespielt. Mein Bruder ist auch sehr musikalisch. Er arbeitet heute als Musikredakteur beim SWR. Mein Vater war immer der, der mir als jüngerem Sohn ermöglicht hat, die gleichen Chancen zu bekommen wie mein Bruder. So hat er mir beispielsweise ein Zweitinstrument ermöglicht.

Ich lernte dann Geige zu spielen. Auch hat er als Schreiner mit eigener Schreinerei immer gesagt, "selbst wenn du später beruflich nicht in unsere Fußstapfen trittst, wir unterstützen das". Eigentlich kann man sagen, dass mein Vater als bodenständiger Handwerker meine künstlerische Laufbahn am meisten unterstützt hat.

Michaela Boland:  Ist deine eigene Familie zwangsläufig durch deine Arbeit mit involviert gewesen?

Dieter Falk: Meine Frau und ich sind ja schon seit 29 Jahren zusammen und ewig verheiratet. Silber-Hochzeit hatten wir schon. So hat meine Frau diese Branche natürlich auch mit kennengelernt. Inklusive der ganzen Künstler, die ich produziert habe. Die Kinder sind da ebenso naturgemäß mit hineingewachsen. Bei uns zu Hause gingen immer irgendwelche Künstler ein und aus und haben bei uns zu Mittag oder zu Abend gegessen. Und da lernt man viele Musiker oder Schauspieler kennen.

So wurden unsere Kinder eigentlich automatisch in dieses Zirkusleben mit hineingeführt und empfanden das auch als spannend. Ich nehme an, mein jüngerer Sohn, Paul, wird auch dort landen. Er schauspielert schon jetzt recht viel und schreibt seine eigenen Songs. Aber, dass unser Älterer, Max, Medizin studiert, finden wir eigentlich gut. Vor allem deshalb, weil ich ein Hypochonder bin und es ist immer gut, einen Arzt in der Familie zu haben (lacht)

Michaela Boland: In welchem Alter hast Du begonnen, Instrumente zu erlernen?

Dieter Falk: Mit sechs habe ich Blockflöte gelernt, um die Noten kennenzulernen. Mit sieben fing ich mit Klavier an. Als ich elf Jahre alt war, begann ich mit der Geige, weil die Hand da einfach schon ein bisschen größer war. Saxophon habe ich dann viel später während des Musik-Studiums erlernt. Ich denke, dass Klavierunterricht so ab sechs, sieben oder acht Jahren Sinn macht.

Trotzdem kenne ich viele, die erst im Erwachsenenalter mit dem Unterricht beginnen. Die sagen sich dann, "ich habe jetzt meinen Job, aber ich habe jetzt noch mal Bock auf Musik". Viele sind dann Mitte 30, auch Anfang 40 oder sogar Mitte 50, kaufen sich dann ein Klavier und fangen an. Das finde ich klasse. Ich habe auch selbst Musikschulen für Popmusik geschrieben.

Michaela Boland: Während deines Studiums an der Musikhochschule in Köln hast du die Fächer Schulmusik und Kirchenmusik belegt. Wohin genau sollte dein Weg mit dieser Kombination führen?

Dieter Falk: Ich fand damals, dass Schulmusik mir die beste Ausbildung bot, weil sie sehr breitbandig war. Ich bekam Gesangsstory-Unterricht,  im Hauptfach Klavier, im Nebenfach Saxophon, dann vor allen Dingen Chor, Orchesterdirigat, Harmonielehre, -theorie, Gehörbildung und Musiksoziologie. Das fand ich alles super. Vor allem hatte ich einen phantastischen Prof. Alfons Silbermann, ein absoluter Crack. Diese Vorlesung werde ich nie vergessen.

Es ging um die Frage, was bewirkt Musik? Beispielsweise in der Werbung. Da war Silbermann ein wunderbarer Professor und eine absolute Koryphäe. Insgesamt war die Ausbildung an der Musikhochschule Köln wirklich sensationell. Zunächst rein klassisch. Zwei Jahre später hatten sie dann angefangen, dort auch Jazz zu etablieren. Jiggs Whigham, der Soloposaunist der WDR Big Band, war der Chef und hat dann als erster Professor Jazz in Köln unterrichtet. Dann habe ich das parallel belegt, hatte Jazz-Unterricht, was ich als den absoluten Knaller empfand. Schulmusik habe ich dann auch fertig gemacht.

Kirchenmusik habe ich parallel durchgezogen, aber habe mir mein Studium eigentlich schon finanziert, indem ich Pianist von Katja Ebstein und Gitte war, weil ich kein BaföG bekam. Also, ich war zu dieser Zeit ständig auf Jück. Doch meine Professoren waren sehr kulant, weil sie wussten, dass ich nicht irgendwann in der Schule landen, sondern schon eher der Exot werden würde. Jazz konnte ich aber nicht mehr zu Ende bringen, weil ich da schon einen Job bei einer Plattenfirma erhalten hatte.

Michaela Boland: War das zufällig bei der EMI?

Dieter Falk: Nein, bei einem ganz kleinen christlichen Gospellabel in Süddeutschland. Deshalb sind wir eben nach Stuttgart gezogen.

Michaela Boland: Für Katja Ebstein und Gitte Haenning warst du auch als Produzent tätig.

Dieter Falk: Später ja, aber anfangs war ich der Pianist und ich war meist der jüngste in der Band. Katja ist wirklich eine Freundin unserer Familie. Sie kennt unsere Kinder noch als Babys. Sie war ganz oft bei uns. Doch ich habe sie erst später produziert. Zunächst war ich ihr junger, damals noch blond gelockter Pianist. Das war zu der Zeit ihres ganz großen Hits "Theater", während meines Studiums.

Michaela Boland: Wie kam der Wechsel von der Kirchenmusik zum Schlager zustande?

Dieter Falk: Das lief zunächst parallel. Aber, ich muss auch sagen, dass ich mit kirchlicher Musik  irgendwann aufgehört habe, weil ich nicht davon leben konnte. Ich habe auch irgendwann mit dieser Gospelproduktion aufgehört. Als Pianist bin ich in der Schlagerszene gut gebucht gewesen und habe als Sessionmusiker in der normalen Musikszene, also als Studiomusiker eben für alle, Tod und Teufel, Klavier und Keyboard gespielt. Im Studio gab es das damals noch:

Du hattest eine Vier-Mann-Band, die wurde gebucht und hinten saß der Produzent, der ich dann später auch mal wurde. Aber anfänglich war ich nur Session- und Studiomusiker für alle möglichen Leute und habe halt da geklimpert. Das war dann schon zu der Zeit, als ich in der Gospelmusikszene  ein bisschen weniger gemacht habe und als die ersten Leute auf mich zukamen.

Später gab es dann auch schon die ersten Erfolge mit Pe Werner, "Kribbeln im Bauch" und danach vor allem auch mit Pur. Schließlich kam es dazu, dass ich für die Leute, für die ich zuerst gespielt hatte, dann auch produziert habe.

Michaela Boland. Du bist Produzent, Arrangeur und gleichzeitig Komponist. Was davon bist du denn in erster Linie?

Dieter Falk: Eigentlich bin ich noch so ein wenig old school, der alles auch mal gelernt hat. Also auch Partitur zu schreiben.

Michaela Boland: Viele Musikwissenschaftler beschäftigen sich auch mit Mensuralnotation. Musstest du das als Absolvent der Musikhochschule auch beherrschen?

Dieter Falk: Ich weiß, was es ist, aber, ich notiere eigentlich Noten schon ganz klassisch. Mensur ist eine ganz eigene Bezeichnung, die eigentlich in der Popmusik nicht so stattfindet. Ich habe, wie du ja weißt, klassisch studiert und  das, was ich im Kopf hatte, immer alles notiert. Oft ist es ja heute in der Popmusik so, dass du die Sachen in den Macintosh, in die Programme hinein haust.

Ich schreibe es immer noch auf, weil ich es auch gut finde, wenn ich etwas vor mir habe und das für alle Zeiten gesichert ist. Deswegen siehst du hier auch überall diese Ikea-Papp-Kartons, wo dann die Nino de Angelos dieser Welt oder Daliah Lavi notenmäßig vertreten sind. Da sind die Noten aus den 35 Jahren meiner Berufstätigkeit alle immer noch vorhanden. Mein Verlauf war eigentlich zuerst Studiomusiker, dann Arrangeur und daraus wurde dann der Produzent.

Du kommst dann nämlich in mehr Verantwortung hinein. Heute bin ich, wenn ich produziere, manchmal alles: Arrangeur, Komponist und Produzent. Manchmal aber eben auch nur Produzent , wenn ich eine Band produziere und ihr dann hin und wieder ein paar Tipps gebe, wie sie ihre Lieder vielleicht ein bisschen besser arrangieren kann. Und wenn wir mal einen Streicher brauchen, dann setze ich mich eben hin und schreibe die Streicher-Arrangements.

Michaela Boland: Spielst du heute auch noch ab und zu Geige?

Dieter Falk: Nein, das habe ich gesteckt. Da war ich auch nicht gut genug. Aber, es war nicht schlecht, einfach mal fünf Jahre Geige gespielt zu haben, um zu wissen, was man machen muss, wenn man manchmal Streicher arrangiert.

Michaela Boland: Ist man ein besserer Produzent, wenn  man so wie du, alles von der Pike auf gelernt hat?

Dieter Falk: Besser? Das weiß ich nicht. Es gibt phantastische Produzenten, die nicht diese klassische Laufbahn wie ich genommen haben. Es ist mir eine Hilfe und ich weiß, dass viele andere, auch große Namen wie David Foster in Amerika, der ja die ganzen großen Erfolge von Chicago bis Buble mit zu verantworten hat, auch so klassisch groß geworden sind. Foster war für mich immer ein Vorbild. Er war auch Keyborder, Arrangeur, Produzent, Komponist. Jetzt ist er ein großer Boss in der Plattenindustrie.

Ich finde das hilfreich, weil ich mich gut in ein Orchester hineinversetzen kann, wenn ich es produziere. Wenn ich zum Beispiel mit dem Babelsberger Filmorchester arbeite, weiß ich genau, was die teilweise zu leiden haben, wenn sie manche Sachen spielen müssen.

Aber, wenn ich sie selbst schreibe, dann achte ich darauf, dass das auch spielbare Sachen sind und dass es auch Spaß macht, sie zu spielen. Denn ich will ja, dass alle Beteiligten, mit denen ich zusammenarbeite, auch ihren Spaß haben. Umso besser spielen sie und umso besser wird letztendlich das Produkt. Insofern ist es schon hilfreich zu wissen, was man produziert, was man komponiert und  was man arrangiert.

Michaela Boland: War es für dich von jeher absehbar, dass es einmal in Richtung Produzent gehen würde oder kam eins zum anderen?

Dieter Falk: Das hat sich homogen entwickelt. Es war schon mein Wunsch ab 18, 19 oder 20 Jahren. Heute, nach so vielen Jahren in der Musikbranche ist das nicht mehr mein Fokus. Ich produziere nur noch ganz wenig. Vor allen Dingen für gute Freunde, weil die Branche natürlich auch eine extreme Abwärtstendenz erfahren hat. Die Musikbranche generell. Die Umsätze sind stark zurück gegangen. Goldene Platten bekommt man nicht mehr so häufig wie früher und wenn, nur noch für wesentlich weniger verkaufte CDs als noch vor fünf sechs oder zehn Jahren.

Michaela Boland: Lieber Dieter, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch und viel Erfolg auch weiterhin für die Zukunft.

PS: Der zweite Teil des Interviews erscheint morgen.

Infos unter: www.falk-music.de/falk_fr.htm

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