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16.01.10 09:35über die liebe zur Musik

Gayle Forman: Wenn ich bleibe - eine leichte, wunderbare Story über Toleranz und Freiheit für junge Leser

Kategorie: Buch

© Blanvalet Verlag

Von: Manuela Haselberger

Es gibt Bücher, die sind ohne einen bestimmten Soundtrack nicht denkbar und so gehört zum Roman „Wenn ich bleibe“, mit dem die Amerikanerin Gayle Forman ihr Debüt im deutschsprachigen Raum gibt, untrennbar die Cello-Musik von Yo-Yo Ma. Warum das so ist? Dazu muss man Mia, die Hauptperson des Romans, näher kennenlernen.

Punk gegen Klassik
Mia ist siebzehn und wächst in einer kleinen Stadt in Oregon auf. Ihr Cello ist ihre Welt, auch wenn das in ihrer Familie kein Mensch versteht. Ihr Vater hat früher viele Jahre Schlagzeug in einer Punkband gespielt, bevor er Lehrer wurde, und auch ihrer Mutter ist Punkmusik näher, als Mias Liebe zur Klassik. Mias Freund Adam spielt ebenfalls in einer Punkband Gitarre und die Gruppe ist auf dem Weg richtig erfolgreich zu werden. Als Adam ihr beim ersten Date Karten für ein Cellokonzert von Yo-Yo Ma schenkt, erobert er Mias Herz im Sturm. Mittlerweile hält ihre Freundschaft schon über zwei Jahre, doch Mia hat es nicht fertiggebracht, Adam zu erzählen, dass sie vermutlich den Cello-Wettbewerb für die Juilliard School gewonnen hat und im neuen Schuljahr in New York ihre Ausbildung fortsetzen wird. Schließlich war ihr großes Vorbild Yo-Yo Ma ebenfalls in Juilliard Schüler von Leonard Rose.

Der Unfall
Mias kleine Welt ändert sich schlagartig, als ihre Familie auf dem Weg zu einem Ausflug zu den Großeltern, in einen Unfall verwickelt wird. Ihre Eltern sind auf der Stelle tot. Ihr kleiner Bruder ist schwer verletzt. Mia beobachtet aus der Vogelperspektive, wie sie ins Krankenhaus eingeliefert wird und die Ärzte um ihr Leben ringen. Aus medizinischer Sicht liegt Mia im Koma, doch sie ist in der Lage, ihre Umwelt zu sehen und den Gesprächen der Ärzte, Schwestern und Besucher zu lauschen. An ihrem Krankenbett versammeln sich die Großeltern, Verwandte und Mias Freunde. Immer wieder triftet das Mädchen in ihre Erinnerungen ab. Wie war die Kindheit mit den recht ungewöhnlichen Eltern? Wann wurde aus ihrem punkigen Vater ein konventioneller Lehrer mit einer sehr toleranten Einstellung? Mia denkt auch an die Zeit, als ihr Bruder zur Welt kam, wie sie bei seiner Geburt die Nabelschnur durchschneiden durfte. Und wie sie zum ersten Mal Cello spielte. Ein unvergessenes Erlebnis. Bei all den Reisen in die Vergangenheit ist sich Mia bewusst, dass ihre Eltern gestorben sind. Lohnt sich ohne Familie überhaupt noch ein Leben? Will sie den Schmerz, der körperlich und seelisch auf sie wartet auf sich nehmen? Ist sie stark genug dafür? Und wie wird sich die Beziehung zu Adam entwickeln? Wird er sie nach Juilliard gehen lassen? Es ist ein riesiger Berg von Fragen, der Mia durch den Kopf schwirrt und sie lässt die Besucher an ihrem Krankenbett an sich vorüberziehen. „Ich bin mir nicht sicher, ob dies noch eine Welt ist, in die ich gehöre. Ich bin mir nicht sicher, ob ich aufwachen will.“

In der Schwebe
Dieser Schwebezustand hält an, bis Mias Freundin Kim den entscheidenden Satz spricht: „Du hast immer noch eine Familie“, denn Familie ist viel mehr als nur Vater und Mutter, dazu zählt ein viel größerer Kreis an Menschen. Und dann hat Adam eine Idee und kommt mit einem ganz besonderen Geschenk zu Mia. Ob diese vereinten Anstrengungen Mia wirklich zum Bleiben verleiten? Gayle Foreman erzählt eine sehr leichte Geschichte zu einem schweren Thema. Besonders spannend ist die Veränderung der Eltern mitzuerleben, die diese durch ihre beiden Kinder erfahren, denn nicht nur die Eltern prägen die Kinder, das geschieht auch umgekehrt. Für Mia ist es nicht leicht, in dieser Familie ihren Platz zu finden, manchmal denkt sie auch entmutigt daran, ihr Cello-Spiel ganz aufzugeben, doch immer wieder erhält sie einen Anstoß, - ihre Freundin Kim ist hier maßgebend beteiligt -, sich weiter zu entwickeln, ihr Spielen zu verbessern und an sich zu arbeiten.

„Wenn ich bleibe“ erzählt neben einer großen Liebesgeschichte auch eine wunderbare Story über Toleranz und Freiheit. Und verpackt ist das Ganze in einer federleichten Geschichte, die fast schwebend daherkommt.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Dezember 2009

 

Erschienen im Verlag Blanvalet Verlag (4. Januar 2010) www.randomhouse.de

Auch erhältlich bei www.amazon.de/Wenn-ich-bleibe-Gayle-Forman/dp/3764503513/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1263155646&sr=1-2

 

Über die Autorin:

Gayle Forman arbeitete als Journalistin, u. a. für „Cosmopolitan”, „Seventeen”, „The Nation” und „Elle”. Ihr erstes Buch schrieb sie über ihre einjährige Weltreise mit ihrem Mann Nick, dem inzwischen weitere preisgekrönte Bücher gefolgt sind. Sie lebt mit ihrer Familie in New York.

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