10.10.2012 08:02 Jeder Moment ist für immer

Theater in Göttingen: GEISTER IN PRINCETON von Daniel Kehlmann am 13.10.2012

Bild: Deutsches Theater in Göttingen

Von: GFDK - Sandra Visscher

Nach seinem Bestseller-Roman DIE VERMESSUNG DER WELT, von Mark Zurmühle zuletzt mit großem Erfolg auf die Bühne des Deutschen Theaters in Göttingen gebracht, gab Daniel Kehlmann mit GEISTER IN PRINCETON sein Debüt als Theaterautor. In dem 2011 am Theater Graz uraufgeführten Stück widmet er sich dem Denken und Leben des wohl wichtigsten Logikers seit Aristoteles: Kurt Gödel.

1906 in Brünn geboren, nahm Gödel als junger Physikstudent an den Sitzungen des Wiener Kreises um den Physiker und Philosophen Moritz Schlick teil. Schnell machte er mit seinen eigenen Forschungen Furore. Vor allem mit seiner bedeutendsten Forschungsarbeit, dem Gödelschen Unvollständigkeitssatz, revolutionierte er das Weltbild der mathematischen Logik, in dem er den Tempel der widerspruchsfreien Mathematik zum Einsturz brachte.

Voller Widersprüche war auch das Leben Gödels. Irrtümlich für einen Juden gehalten, musste er nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich nach Amerika emigrieren. In Princeton, wo er eine Professur erhielt und ihn eine innige Freundschaft mit Albert Einstein verband, bewies er zunächst, dass Einsteins Relativitätstheorie theoretisch Zeitreisen ermögliche, bevor er sich selbst zunehmend in eine Sphäre von bizarren Wahnvorstellungen, Depressionen und Verschwörungstheorien verlor.

Kehlmann gelingt es mit viel Witz und dramaturgischer Raffinesse, das Leben und die Erkenntnisse Kurt Gödels in ein raffiniertes Spiel aus Realität und Fiktion zu übertragen. Der Autor nimmt uns mit auf eine vergnügliche Zeitreise durch die abenteuerliche Biografie des größten Logikers des 20. Jahrhunderts.

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