14.11.2017 08:16 Wallfahrtszentrum der Christenheit

Santiago de Compostela ohne hochgezüchtete PR-Aktionen der Konsumwirtschaft

Selten sieht man so viele offene ,freudige Gesichter, wie hier und man spuert die grosse geistige Freiheit auf dem Jakobsweg

Selten sieht man so viele „offene“ ,freudige Gesichter, wie hier und man spürt die grosse geistige Freiheit auf dem Jakobsweg. Fotos (c) Spanien.info

Der Geist, die Gemeinschaft und Geborgenheit in Santiago de Compostela

Der Geist, die Gemeinschaft und Geborgenheit in Santiago de Compostela

Von: GFDK - Herwig Nowak

Einem großen Publikum in Deutschland wurde der Jakobsweg erst durch das Buch "Ich bin dann mal weg- Meine Reise auf dem Jakobsweg" einem Reisebericht des deutschen Entertainers Hape Kerkeling bekannt.

Unser Autor Herwig Nowak, der für die GFDK über die Kunstmessen von Basel, Köln, Berlin, Brüssel und Karlsruhe schreibt, und auch sonst kein kulturelles Thema ausläßt, schreibt uns dieses Mal etwas ganz anderes.

Das Wallfahrtszentrum der Christenheit

Es ist eine wunderschöne Überlieferung, und sie ist lebhaft wie am ersten Tag: Man schrieb das Jahr 800 n.Chr. als die Gebeine des heiligen Jakobus im Gebiet der heutigen Stadt Santiago de Compostela auf geradezu wunderhafte Weise wiedergefunden wurden.

Seitdem ist die Stadt eines der grossen Wallfahrtszentren der Christenheit. Weg und Ziel haben bis auf den heutigen Tag nichts an Attraktivität und werden eher zunehmend, denn abnehmend lebhaft „bepilgert“. Dabei haftet auch diesem Interesse etwasw geradezu Wunderhaftes an.

Die Menschen sind einfach da. Es gibt keine hochgezüchteten PR-Aktionen der Konsumwirtschaft, die entsprechende Empfehlungen aussprechen, noch umfassende touristische Destinationswerbung von Städten oder Provinzen und auch nicht von den Kirchen.

Von einer inzwischen schon älteren literarischen Vorlage abgesehen, ist es reine Mundpropaganda, die
die Menschen aufrüttelt, den Weg zu gehen und das Ziel anzusteuern. Es sind junge wie ältere und alte Menschen aus absolut aller Herren Länder: aus den europäischen, den asiatischen, ja sogar den afrikanischen und den USA. Und sie gehen.

Das Trekkingrad und der PKW sowie das Pferd sind die grosse Ausnahme. Sie gehen einzeln und in kleinen Gruppen über Stock und Stein, bergauf und bergab. Obwohl nämlich die Infrastruktur des Weges streckenweise erheblich verbessert wurde, bleibt das Ganze doch naturbelassen.

Interessant ist natürlich nach der Motivation dieser „Volksbewegung“ zu fragen. Zunächst sollten es  religiöse, christliche Motive sein, die hier ausschlaggebend sind: der Weg ist begleitet von Jahrhunderte alter christlicher Symbolik: kleinen, zauberhaft gelegenen Kirchen, durchaus aus romanischer oder gotischer Zeit, die von den Pilgern lebhaft aufgesucht werden und integraler Bestandteil des Weges sind.

Der Geist der Gemeinschaft und Geborgenheit

Aber sicherlich ist es auch die grosse geistige Freiheit in der Gestaltung des Weges, die dem
Menschen von heute sehr entgegenkommt. Es gibt keinen strengen kirchlichen “Kommang“, wie bei einer Wallfahrt nach Kevelaer, Lourdes oder Zschenstochau.

Alles ist von Freiheit geprägt, die bei den Teilnehmern eine grosse Fröhlichkeit gebiert. Selten sieht man so viele „offene“ ,freudige Gesichter, wie hier, selten finden so viele herzliche Begrüssungen “bon
camino“ ansonsten fremder Menschen statt.

Es kommt ein Geist der Gemeinschaft, ja der Geborgenheit auf, der in vielen Gesprächen auf dem Weg geboren wird und für manchen Einzelgänger Hoffnung ausstrahlt.

Religiös und christlich wird der Weg aber dann, wenn er Ziel und Höhepunkt erreicht: Stadt und Kathedrale von Santiago de Compostela. Fast denkt man dann, das“ Himmliche Jerusalem“ erreicht zu haben. Hier mischt sich die blosse Freude, die Anstrengungen des Weges überwunden zu haben, mit den hohen Gefühlen, die der abschliessende, überaus feierliche Gottesdienst in der Kathedrale und in Mitten einer grossen Pilgergemeinschaft auslöst.

Herwig Nowak

Hier haben wir noch weitere Reiseangebote - Reisen und Urlaub mit den Freunden der Künste

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft