01.05.2015 08:15 Naturerlebnis pur

Da steht dem Wanderglück nichts mehr im Wege: Wandern zwischen Alpen, Atlantik und Anatolien

Wandern - Natur pur in Tirol

Bei der Umrundung des Wilden Kaisers in Tirol steigen Wanderer am ersten Tag in Richtung Gruttenhütte auf. © Wilder Kaiser/Norbert Eisele-Hein

Wandern-Tour auf dem Engelberger Walenpfad

Die Tour auf dem Engelberger Walenpfad zur Rugghubelhütte eignet sich nur für geübte Wanderer. Belohnung ist der Sonnenuntergang auf über 2.500 Metern Höhe. © Engelberg-Titlis/Christian Perret

Wandern quer durch Lanzarote

Das Famara-Gebirge mit dem gleichnamigen Strand zählt zu den Etappenzielen auf der Wanderroute GR 131 quer durch Lanzarote. © Turismo Lanzarote

Von: GFDK - Jessica Harazim

Ob zwei Tage rund um den Arber im Bayerischen Wald, 100 Kilometer durch den Südtiroler Vinschgau oder eine Woche entlang der türkischen Schwarzmeerküste: Auf Mehrtagestouren werden Wanderer nicht nur mit Naturerlebnissen und Panoramablicken belohnt, sondern erlaufen sich ein Stück Kultur. Während der Etappen entdecken sie abgelegene Almhütten, weite Teeplantagen oder sogar einen versunkenen Kirchturm. Wo das Wanderglück besonders groß ist, zeigen folgende zehn Touren in Bayern, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Mallorca, Lanzarote und Türkei.

Tirols Krönung: Rund um den Wilden Kaiser

65 Kilometer auf sanften Almwegen und steilen Pfaden, über 10.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg und Aussichten vom Großglockner bis zum Chiemsee: Die „Kaiserkrone“, wie die Umrundung des Wilden Kaisers heißt, gehört zu Tirols schönsten Mehrtagestouren und führt auf fünf Tagesabschnitten von Hütte zu Hütte, auf Wunsch auch mit einem ortskundigen Guide. Die Wanderung startet auf der Sonnenseite des Gebirgszugs in Going und verläuft weiter über die Gaudeamus- zur Gruttenhütte auf 1.620 Meter. Vorbei an Steiner-Hochalm und Hintersteiner See (Tag 2), Walleralm und Kaindlhütte schlängelt sich der Weg auf der 3. Etappe entlang der berühmten Felswände im Norden bis zum Stripsenjochhaus (1.577 Meter). An Tag 4 lädt der sanfte Rücken des Feldbergs zu einer etwa 7-stündigen Fußreise bis nach Gasteig, ehe die Umrundung des „Koasas“ einen Tag später in der Graspoint-Niederalm gefeiert wird.

Lanzarote: Wanderbar von Nord nach Süd

Einmal quer durch Lanzarote – die gut 72 Kilometer lange Route GR 131 verbindet Órzola, nördlichste Ortschaft der Kanareninsel, mit dem Badeort Playa Blanca ganz im Süden. Auf fünf Einzel-Etappen entdecken Wanderer einige der sehenswertesten Plätze Lanzarotes, so zum Beispiel den Gipfel Peñas del Chache, mit 670 Metern höchster Punkt des Famara-Massivs. Von dort reicht der Blick über die Feuerberge und den Atlantik bis zum Nachbareiland La Graciosa. Der Weg passiert außerdem grüne Palmenoasen und die im inseltypischen Stil erbaute Wallfahrtskapelle Ermita de Las Nieves. Anschließend geht es durchs Weinanbaugebiet La Geria, wo Winzer ihre Reben mit einer besonderen Anbaumethode schützen: Die grünen Pflänzchen wachsen in Mulden aus schwarzer Vulkan-Asche, umgeben von halbmondförmigen Steinwällen. Vom Städtchen Yaíza gelangen Urlauber über einen flachen Pfad zum Zielort Playa Blanca mit seinen weißen Sandstränden.

Die Verwallrunde: Auf Panoramawegen rund um St. Anton am Arlberg

Das ostalpine Hochgebirge Verwall zwischen den Lechtaler Alpen und der Silvretta ist nur Kennern vertraut: wild zerklüftet, markante Gipfel und über 3.000 Meter hoch. Vom Einstiegsort St. Anton am Arlberg aus können die bewirtschafteten Hütten in Zwei- oder Mehrtagestouren erwandert werden. Das Höhennetz der Rundtour zählt zu den schönsten der Alpen, erfordert aber auch bergsteigerische Fähigkeiten. Denn die hochalpinen Steige der Verwallrunde führen auch schon mal durch lockeres Geröll oder gar Schnee und Eis. Alle Wege sind jedoch durchgehend und in kurzen Abständen markiert, steile Felspassagen mit Seilen gesichert. Möglich ist die eindrucksvolle Durchquerung von Juli bis September. Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten bieten Konstanzer Hütte (1.688 Meter), Darmstädter Hütte (2.384 Meter), Niederelbehütte (2.320 Meter) und Edmund-Graf-Hütte (2.408 Meter). Vom Ausstiegsort Pettneu am Arlberg verkehren regelmäßig Busse zurück nach St. Anton.

Türkei: Wandern entlang der Schwarzmeerküste

Die unverfälschte Natur des Pontischen Gebirges, subtropisches Klima und eine Geschichte, die bis in die Antike reicht: Von Trabzon an der historischen Seidenstraße im Nordosten der Türkei verläuft die Route der ZEIT-Reise „Wandern in der Schwarzmeer-Region“ bis fast an die Georgische Grenze. Dabei passieren die Teilnehmer berühmte Kulturstätten – darunter das Felsenkloster Sumela, einer der bedeutendsten heiligen Orte der orthodoxen Kirche in Anatolien, die Teeplantagen von Çayeli und die historischen Steindörfer der Region. Kompetenter Begleiter der 1-wöchigen Wanderung ist der Germanist und Reiseleiter Hüseyin Süren. Im Gesamtpreis von 1.290 € enthalten: 7 Übernachtungen/HP, Transfers vor Ort sowie Eintritte laut Programm. Termine: 20. bis 27. Juni und 19. bis 26. Sept. 2015.

Vinschger Höhenweg: Von Reinhold Messners Schloss Juval bis zur Etschquelle am Reschenpass

Auf insgesamt 108 Kilometern führt der Erlebnismarsch durch den gesamten Vinschgau – teils auf bestehenden, teils auf neuen Wegen. Die sechs abwechslungsreichen Etappen können mit gutem Schuhwerk problemlos bewältigt werden. Los geht’s in Staben, von dort steigt man auf zum Schnalser Waal. Weiter verläuft die Route durch die aride Landschaft des Vinschger Sonnenbergs bis hin zu Reinhold Messners Schloss Juval und der Churburg mit der größten privaten Rüstkammer Europas. Ab Tanas immer im Blick: der Ortler, Südtirols höchster Gipfel. Aussichtsreichen Abschluss der Tour bilden die Etschquelle am Reschensee und der versunkene Kirchturm von Graun. Die 6-Tages-Pauschale inklusive Übernachtungen, Gepäcktransport, Wanderkarte und Rücktransport kostet ab 362 €/Pers.

Mallorca: Auf der „Trockenmauerroute“ durchs Tramuntana-Gebirge

Die ganzjährig begehbare „Trockenmauerroute“ (GR 221) verläuft quer durch die Gebirgskette Serra de Tramuntana im Nordwesten Mallorcas – über schroffe Gipfel, vorbei an mallorquinischen Herrenhäusern, durch Steineichenwälder und Olivenhaine. Auf historischen Pfaden folgen Wanderer den traditionellen Trockenmauern, einst als Gebietsgrenzen sowie zur Befestigung von Terrassenfeldern errichtet. Sie prägen die Landschaft bis heute, seit 2011 gehört das Bergmassiv daher zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vollständig erschlossen ist die rund 70 Kilometer lange Teilstrecke, die in vier Tagen den Künstlerort Deià mit dem Städtchen Pollença verbindet. Abends laden bewirtschaftete Hütten zur Einkehr ein. Wer den Aktiv- mit einem Badeurlaub kombinieren möchte, wohnt anschließend im Grupotel Gran Vista & Spa in Can Picafort.

Meraner Waalrunde: Nah am Wasser gebaut

Die ganzjährig begehbare Waalrunde führt Wanderer auf 80 Kilometern Länge einmal komplett um den Meraner Talkessel. Auf den größtenteils flachen Pfaden entlang der typischen Wasserläufe lässt sich die Region in acht Tagen ganz entspannt entdecken – ständiger Begleiter auf der Tour: das plätschernde, kühle Nass und die Aussicht auf die umliegenden Berge. Die Route verbindet die elf Waalwege von Algund, Kuens, Riffian, Lana, Tscherms, Marling, Partschins, Rabland, Naturns und Schenna – dort befinden sich sogar gleich zwei der historischen Kanäle. Wahlweise können der Schenner und der Maiser Waalweg auch jeweils in einer Tagestour erwandert werden.

Arbertour: Von Bodenmais rund um den „König des Bayerischen Waldes“

Gäste des Bodenmaiser Hofs starten direkt ab Haustür auf die 40 Kilometer lange 2-Tages-Tour rund um den Arber, auch „König des Waldes“ genannt. Der Risslochweg zu Beginn verläuft oft einsam und verwunschen. Nach dem Hochzellhütten-Schachten offenbart sich am Mittagsplatzl ein erster Panoramablick auf den mit 1.456 Metern höchsten Berg der Region. Nächste Station ist der Große Arbersee, Ausgangspunkt für den steinigen, verwurzelten Weg zum Gipfel. Weiter folgen Wanderer der grünen Markierung über die Chamer Hütte, das Seehäusl und die Mooshütte bis auf den Brennes-Sattel. Ab hier weist der Teufelsbach den Weg zur Arberhütte, eine von mehreren Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke. Das nächste Teilstück passiert Drosselberg und Sonnenfelsen. Über einen Steig neben dem Schwallbach geht es zum Naturwunder Risslochfälle und über eine Hochstraße zurück nach Bodenmais.

Südtiroler Keschtnweg: Auf Kastanienpfaden von Brixen nach Bozen

Er ist gut 60 Kilometer lang, verbindet zwei Regionen und zählt zu den aussichtsreichsten Mehrtagestouren jenseits des Brenners: Auf dem durchgängig markierten Keschtnweg wandern Urlauber auf vier Einzel-Distanzen auf den Spuren der Edelkastanie vom Eisacktal bis in Südtirols Süden – Blicke auf die markantesten Dolomitengipfel inbegriffen. Die Strecke verläuft durch Wiesen, Wälder und Kastanienhaine von Kloster Neustift bei Brixen über das Rittner Hochplateau bis zu Schloss Runkelstein oberhalb von Bozen. Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten gibt es reichlich entlang des Wegs. Wer das unverfälschte Südtirol sucht, fühlt sich auf den Urlaubsbauernhöfen und in den Schankbetrieben der Marke „Roter Hahn“ besonders wohl. Geschlafen wird in gemütlichen Ferienwohnungen, morgens stärkt ein Bauernfrühstück mit hofeigenen Produkten die Wanderer für ihre bevorstehende Tagesetappe. Unterwegs locken urige Hof- und Buschenschänke mit authentischen Südtiroler Schmankerln.

Engelberg/Zentralschweiz: Über den Walenpfad zu den Pfauenziegen

Wenn einheimische Bergführer in Engelberg/ Zentralschweiz liebevoll vom „Walengrätli“ reden, meinen sie die schon vom Luzerner Flachland aus auffälligen Walenstöcke. Um diese mächtige Bergkette schlängelt sich der sogenannte Walenpfad – gut ausgebaut und von Schweiz Tourismus zu einer der schönsten Höhenwanderungen des Landes gekürt. Teils steil, aber immer gesichert, führt er nach rund vier Stunden (ab Engelberg) zur nostalgischen Alphütte Oberfeld. Dort verbringen Sepp Waser und seine Frau Rita jeden Sommer und verarbeiten täglich rund 120 Liter Milch im Kupferkessel über einer offenen Feuerstelle. Immer mit von der Partie sind ihre rund 60 charakteristischen, grau-schwarzen Pfauenziegen. Gleich nebenan befindet sich der neue Alpstall, wo Gäste übernachten und den allabendlichen Alpsegen erleben können. Ambitionierte können die Tour am nächsten Morgen über den steilen Pfad zum Rotgrätli (2.559 Meter) fortsetzen und eine weitere Nacht in der panoramareichen Rugghubelhütte verbringen. Wer sich den anspruchsvollen Aufstieg nicht zutraut, steigt alternativ zur Bannalp ab und fährt von dort mit Seilbahn und Bus zurück nach Engelberg.


Jessica Harazim
jessica.harazim@hermann-meier.de