10.05.2014 08:40 Auf Schmugglerpfaden

Auf historischen Wegen durch das Vinschgau bis in die Schweiz wandern

Reisen Schmugglerpfade Vinschgau

Während der illegale Handel zwischen der Schweiz und dem Vinschgau in den 1960er-Jahren noch ein lukratives Geschäft war, zelebriert man ihn heute nur noch beim Schmuggler-Rennen auf die Sesvennahütte. © Sesvennahütte/Familie Pobitzer

Reisen Schmugglerpfade Vinschgau

Auf dem einstigen Schmugglerpfad durch die Uina-Schlucht können Interessierte heute vom Vinschgau bis in die Schweiz wandern. © Sesvennahütte/Familie Pobitzer

Reisen Schmugglerpfade Vinschgau

Als „contrabbandieri“ verkleidete Vinschgauer beim traditionellen Schmuggler-Rennen, das jeden ersten Samstag im Oktober von der Schliniger Alm auf die Sesvennahütte führt. © Sesvennahütte/Familie Pobitzer

Reisen Schmugglerpfade Vinschgau

Die begleitete, grenzüberschreitende Mountainbike-Tour „Easy-Trail-Kuntrawant", buchbar über Südtirolbike, führt auf Schmugglerpfaden vom Münstertal in der Schweiz bis nach Prad im Vinschgau. © Südtirolbike

Von: Jessica Harazim

Sie waren jung, kräftig und furchtlos – die „contrabbandieri“ aus dem Vinschgau. In den 1960er-Jahren galt der Schwarzhandel mit Kaffee und Zigaretten als lukratives Geschäft. Bei jedem Wetter wurde die Hehlerware regelmäßig zu Fuß über die grüne Grenze von der Schweiz nach Italien geschafft. Heute können sich interessierte Urlauber auf Spuren der Schmuggler begeben: Neben regelmäßigen Wanderungen zwischen Südtirol und dem Münstertal gibt es auch eine Biketour sowie das Schmuggler-Rennen auf die Sesvennahütte. 

Historischer Hintergrund

In der Blütezeit der „contrabbandieri“ ab 1961 wurden im Schnitt 6.000 Tonnen Kaffee und 4.600 Tonnen Zigaretten pro Jahr vom Münstertal in den Vinschgau geschmuggelt. Dabei trug jeder Einzelne ein Gewicht von etwa 38 Kilogramm in seinem „Pinggl“ (Sack) über unbefestigte Wege in bis zu 2.500 Metern Höhe. Während der Export aus der Schweiz noch erlaubt war, bewegte sich die Einfuhr ab der italienischen Grenze in der Illegalität. Doch das Millionengeschäft schaffte Arbeitsplätze und ernährte ganze Familien. Wegen des ungünstigen Wechselkurses sowie der steigenden Tabaksteuer kam der so genannte „Export II“ Beginn der 1970er-Jahre zum Erliegen.

Grenzüberschreitend: Schmuggler-Wanderungen durch die Uina-Schlucht

Eine der beliebtesten Routen von damals: die Uina-Schlucht im Unterengadin. Ursprünglich hat man den 900 Meter langen Steig Anfang des 20. Jahrhunderts in den Fels gesprengt, um den Zugang zu den umliegenden Almen zu erleichtern. Später aber nutzten vor allem Schmuggler den Grenzübergang zwischen der Schweiz und Italien. Regelmäßige Wanderungen durch die wild-romantische Klamm hat die Ferienregion Obervinschgau während der ganzen Sommersaison im Programm. Jeweils freitags vom 20. Juni bis 17. Oktober geht es von Burgeis im Vinschgau auf dem Schliniger Höhenweg zur Sesvennahütte. Nach der Einkehr wandert die Gruppe durch die Uina-Schlucht bis nach Sur En in der Schweiz, wo schon der Shuttlebus für die Rückfahrt wartet. Die Gesamtgehzeit (Schwierigkeitsgrad mittelschwer) beträgt etwa sechs Stunden. Erwachsene bezahlen 32 Euro, Kinder von acht bis 14 Jahren 16 Euro. Anmeldung bis spätestens 17 Uhr am Vortag unter Fon +39 0473 83 11 90. www.ferienregion-obervinschgau.it

Veranstaltungs-Tipp: Schmuggler-Rennen auf die Sesvennahütte

Ein besonderes Spektakel vor alpiner Kulisse ist das traditionelle Schmuggler-Rennen von der Schliniger Alm auf die Sesvennahütte an jedem ersten Samstag im Oktober. Voll bepackt mit Hehlerware – Männer müssen 90 Kilogramm stemmen, Frauen immerhin 70 – und in originaler Kleidung von annodazumal laufen die Teilnehmer den steinigen, oft steilen Pfad zum 2.256 hoch gelegenen Alpenvereins-Domizil im Vinschgau. Im Gepäck haben sie Salz, Nudeln oder Reis, also alles, was im Winter auf der Hütte gebraucht wird. Auf halber Strecke erwarten sie schon die „Finanzer“ – Zollbeamte und Grenzwachen, die die Hobby-Schmuggler mit kniffligen Schätzfragen vor eine weitere Herausforderung stellen, die mehr Grips als Körperkraft erfordert. Oben angekommen, gibt es eine Preisverleihung, einen Schmugglerball mit Tanz und Musik sowie eine Tombola. Der Erlös kommt einer bedürftigen Familie zugute. Infos und Anmeldung unter www.sesvenna.it

Bike-Tipp: Mountainbiken auf Schmuggler-Trails

Eine leichte, grenzüberschreitende Mountainbike-Tour auf Schmugglerpfaden hat Siegi Weisenhorn von Südtirolbike in Mals aufgelegt: Vom Ofenpass in Graubünden auf 2.149 Metern startet der 41 Kilometer lange „Easy-Trail-Kuntrawant“ und führt durchs Münstertal vorbei an den Schweizer Ortschaften Fuldera und Müstair. Weiter geht’s Richtung Laatsch und Lichtenberg im Vinschgau bis zum Café am Platzl in Prad, wo die Radler ein Getränk der besondern Art erwartet: der „Schmugglerkaffee“ aus der neuen Kaffeerösterei Kuntrawant (www.kuntrawant.com). Infos und Buchung unter www.suedtirolbike.info

Buchungs-Tipp: Urlaubswoche „Den Vinschger Schmugglern auf den Spuren“

Gleich eine ganze Urlaubswoche vom 28. Juni bis 5. Juli hat das Hotel Post in Sulden am Ortler den Vinschger Schmugglern gewidmet: Im Preis ab 581 Euro pro Person im Doppelzimmer sind neben sieben Übernachtungen und der ¾-Verwöhnpension auch vier geführte Experten-Wanderungen zum Thema sowie ein Abschluss-Abend mit Quiz enthalten. Infos und Buchungen unter www.hotelpost.it

Weitere Auskünfte unter www.vinschgau.net oder Fon +39 0473 62 04 80

Pressekontakt: jessica.harazim@hermann-meier.de