08.07.2015 07:17 kulinarische genüsse inklusive

Ort des Schaffens: Luke Dale-Roberts ist Gastkoch im Juli 2015 im Restaurant Ikarus, Hangar-7

Gastkoch Luke Dale-Roberts

Luke Dale-Roberts, The Test Kitchen, Kapstadt, Südafrika, Helge Kirchberger Photography/hangar7

Von: GFDK - Clara Krulich

Obwohl in allen gängigen Katalogen als solches geführt, bezeichnet Luke Dale-Roberts den Ort seines Schaffens nicht als Restaurant. Doch wenn man nach ungezügelter Kreativität und somit außergewöhnlichen kulinarischen Genüssen sucht, kommt man am The Test Kitchen nicht vorbei.

Den 24. November 2010, als Luke Dale-Roberts die Tore seines Restaurants The Test Kitchen öffnete, bezeichnete das Time Magazine als den Tag, an dem Woodstock zum angesagtesten Bezirk ganz Kapstadts wurde. Es war dies aber auch der Tag, an dem die lange Reise eines besonderen Küchenchefs vorerst sein Ende fand. Denn der in England geborene Dale-Roberts legte in den Jahren davor eine wahre kulinarische Weltreise hin.

Begonnen hat alles in Zürich, wo Luke Dale-Roberts im Hotel Baur Au Lac – damals weltweit eines der Top-Hotels – seine Ausbildung genoss. Zurück in seinem Heimatland England, erlernte er unter Kevin Hopgood in Elena’s L’Etoile die klassische französische Haute Cuisine. Nach einem kurzen Gastspiel in Australien kehrte er erneut nach London zurück, wo er im Bali Sugar zum ersten Mal mit der Fusionsküche in Berührung kam. Und nach einem Zwischenstopp im Soho House Media Club beschloss Dale-Roberts, seinen Horizont erneut drastisch zu erweitern. Er erkundete für fünf Jahre die Küche Asiens. Von Singapur bis Seoul nutzte er so viele Chancen wie möglich, um in die Kultur und Kulinarik einzutauchen.

Es war das Zusammenspiel aus der nahen Wildnis, dem Ozean, der Kultur und den erstklassigen Zutaten, das Dale-Roberts schließlich nach Kapstadt zog. Genauer gesagt in den Vorort Constantia, wo er die Stelle des Executive Chefs im La Colombe übernahm, welches bereits in seinem vierten Jahr auf Platz 12 der 50 besten Restaurants der Welt gewählt wurde.

Nach so vielen Stationen war es für Dale-Roberts an der Zeit, endlich sein eigenes Restaurant zu eröffnen. Ganz wie es der Name vermuten lässt, bezieht sich der Name The Test Kitchen auf das unerschlossene, unendliche Universum der kulinarischen Experimente, das Dale-Roberts jeden Tag aufs Neue erforschen will.

Spiel mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen

Was nicht bedeuten soll, dass man hier Unausgegorenes auf den Teller bekommt. Ganz im Gegenteil: Bei dem Spiel mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, unerwarteten Kombinationen und neuen Ideen gelingt es Dale-Roberts, den Gast kulinarisch zu fordern, zu inspirieren und angenehm zu überraschen. Stets mit einer schier unbegrenzten kulinarischen Visionalität und exquisiten Resultaten.

Die Konstante im The Test Kitchen besteht darin, niemals konstant zu sein. Immer ein bisschen anders, neu, aufregend. Das ist – neben Dale-Roberts’ Qualitätsanspruch – auch ganz absichtlich die einzige Prämisse in der Küche. Auf diese Weise erlaubt es Dale-Roberts seinen Gerichten, sich in jeder kulinarischen Richtung zu entfalten. So stellen diese eine reine Reflexion der puren Innovationskraft dar.

Dieser nonkonformen Philosophie folgt auch die Einrichtung im The Test Kitchen: Handgefertigtes Geschirr gibt es hier genauso wie zeitgemäße Illustrationen und maßangefertigte, handgenähte Lederstühle. Das Zentrum des Restaurants wird von der offenen Küche dominiert. Kein Wunder, dass sich die begehrtesten Plätze direkt an der Küchen-Bar befinden, wo Dale-Roberts auf Augenhöhe mit den Gästen seine Kreativität spielen lässt.

The  Test  Kitchen bietet abends sowohl ein Entdecker-Menü als auch ein vegetarisches Dinner Gourmand in neun Gängen an. Entdecker genießen beispielsweise „Ajo Blanco“ – Kalbsbries, Mandelmilch, Grapefruit, Mandel-Falafel und Hühnchen mit Sherry-Glasur. Oder geangelten Fisch, Schwarzwälder Schinken und Fischsoße, Kartoffeln und Hecht-Makrelen-Medley, Püree aus gerösteten Kartoffelschalen und gebrannten roten Zwiebelschaum. Oder Johannisbrot-Mousse, geröstete Bananenbutter, Meringue, Rum-Schaum, Kaffee und Tanariva crémeux. Das Dinner Gourmand wiederum wartet unter anderem mit afrikanischen Rösti auf – zubereitet aus Amasi-Käsebruch, holzbefeuerten Zwiebeln, Rote-Rüben-Rösti und Wachtel-Ei.

Für seinen radikal auf Kreativität ausgelegten Ansatz ist Dale-Roberts bisher mehrfach ausgezeichnet worden, etwa als Chefkoch des Jahres 2011. The Test Kitchen schaffte es ein Jahr nach der Eröffnung auf den zweiten Platz und in den Jahren 2012 und 2013 auf den ersten Platz der Liste der besten Restaurants der südafrikanischen Eat out DStv Food Network Restaurant Awards.

Luke Dale-Roberts Gastkoch im Hangar7

Wer einen Eindruck der fleisch- und menügewordenen Kreativität Luke Dale-Roberts’ erleben will, kann die neuesten Kreationen den ganzen Juli lang im Hangar-7 ausgiebig testen.