01.07.2013 09:32 vielschichtig

Werk der Woche: Valentin Magaro hat eine Vorliebe für kühle Neon - und Bildschirmfarben

Valentin Magaro in Berlin

Seine Bilder bestehen aus vielschichtigen – Bildfragmenten, die in einem langen Überlegungsprozeß zu homogenen Bildwelten zusammenwachsen, Bilder courtesy Valentin Magaro

Valentin Magaro AusstellungValentin Magaro BilderweltenValentin Magaro inspiriert von MetropolenValentin Magaro Portrait
Von: GFDK - Kerstin Karge

 Mit dem akribischen Strich eines wissenschaftlichen Zeichners und Vorliebe für kühle Neon- und Bildschirmfarben malt Valentin Magaro1 gegenständliche Bilder in Acryl, die in ihrer synthetischen Künstlichkeit an die Ästhetik der virtuellen Computerwelt erinnern.2

Seine Bilder bestehen aus vielen– teils selbst schon vielschichtigen –Bildfragmenten, die in einem langen Überlegungsprozeß zu homogenen Bildwelten zusammenwachsen.
Es gelingt ihm dabei, im tradierten Medium der Malerei , die Sehnsüchte und Ausflüchte seiner Generation in einer zeitgemäßen, unserer technisch-konstruierenden Sehweise entsprechenden Formensprache auszudrücken.

Dabei ist Raum wichtig für Magaro – das Atelier als Innenraum, als Außenraum die Stadt, der Denkraum im Kopf. Verschiedene Raumgebilde werden in seinen Malereien zu neuen Kompositionen zusammengefügt. Die Linien und Flächen seiner Zeichnungen und Gemälde sind so präzise und perfekt platziert wie die eines Renaissancekünstlers, der mit malerischen Mitteln ein illusionistisches Loch in eine Wand reißt... sie ...beschreiben unheimliche Volumina mechanischer Perspektiven, die zu Universen gehören3, die außerhalb unserer vertrauten Vorstellungen liegen und uns vor neue Herausforderungen der Wahrnehmung stellen. Der Schweizer Maler und Zeichner ist dabei kein Konzeptkünstler –seine Ideen entstehen immer direkt beim Arbeiten.

Im Herbst 2012 war er auf Einladung des Art Kapital Verlags für zwei Monate Gast in der artist-in-residency der Ateliergemeinschaft Milchhof mitten im Zentrum von Berlin.

Valentin Magaro kam bewußt ohne inhaltliche Ideen in die Metropole, um hier neue Inspirationen für seine Bilderwelt zu finden. Auf langen Spaziergängen versuchte er, die Atmosphäre der neuen Umgebung einzuatmen und den fremden pulsierenden Rhythmus der Stadt aufzunehmen.

Die Großstadt bietet die Möglichkeit und Versuchung, sich zu verlieren und die wenig bestimmte Aufgabe, sich dabei nicht verlorenzugehen. Valentin Magaro fand die Gegenwart der Künstler des Milchhofs als sein Mittel der Wahl. Wie kaum ein Gast zuvor regte er Begegnungen und Gespräche an, förderte in langen, intensiven Gesprächen Geschichten aus der älteren und jüngeren Vergangenheit der Stadt zutage und regte zu fruchtbaren Kontakten mit gegenseitigen Atelierbesuchen und gemeinsamen Küchenabenden an.

So gelang es ihm, dem Sturm der visuellen Eindrücke der Großstadt standzuhalten und aus ihm Energie zu gewinnen, die in seinem breit gefächerten Formenvokabular mit immer wieder neuen Bilderfindungen und Motiven Gestalt gewann. Während seines Aufenthalts entstanden 60 Zeichnungen in verschiedenen Techniken, meist im Format A3, die Fiktionalität und Perfektionismus im Detail verbinden und die nun – über den Zwischenschritt mehrerer zeichnerische Kompositionsentwürfe im Format A2 – in großformatige, komplexe Malerei umgesetzt werden.

Magaro hatte die Zeichnungen am Ende seines Auftenhalts im Gastatelier vorgestellt und damit die Künstler der Ateliergemeinschaft Milchhof beeindruckt. Deshalb ist er nun eingeladen worden, vom 21. Juni bis zum 9. Juli 2013 seine neu entstandenen Malereien im Pavillon am Milchhof 4 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die von Magaro (unabsichtlich) erprobte Form des art dinners soll dabei wieder eingesetzt werden, den begonnenen Dialog fortzusetzen und nach außen zu öffnen. Moderator wird Dr. phil. Kai Lorenz sein, der seit Jahren eng mit dem Milchhof und seinen Künstlern verbunden ist und die Arbeit von Valentin Magaro im letzten Herbst schätzen gelernt hat. 

Kerstin Karge (Kuratorin)

 
1996 schloss VALENTIN MAGARO (1972) sein Studium als wissenschaftlicher Zeichner an der Schule für Gestaltung in Zürich ab. Seither baut er ein komplexes künstlerisches Werk auf, welches sich vorwiegend im Bereich Malerei, Zeichnung und Objekt bewegt. Seine Arbeiten waren an diversen Gruppenausstellungen wie z. B. dem Seedamm Kulturzentrum, Kunstmuseum Winterthur, Kunstmuseum St. Gallen, Kunstmuseum Kanton Thurgau, Haus für Kunst Uri, Georg-Kolbe Museum Berlin, Kunstmuseum Singen.


Wichtige Einzelausstellungen waren 2007 im Kunstraum Kreuzlingen und 2009 in der Kunsthalle Winterthur, zu der eineumfassende Monografie (Verlag Arnoldsche Art Publishers) erschien.
Valentin Magaro erhielt für seine Arbeit den Adolf-Dietrich Förderpreis (2007), einen Förderpreis der UBS Kulturstiftung (2009), den Förderpreis der Internationalen Bodensee Konferenz (2010) und einen Förderbeitrag des Kantons
Thurgau (2012).Jährlich erscheinen Künstlerbücher zu seiner Arbeit mit Texten von Dieter Schwarz, Paulina Szczesniak, Peter Killer, Dominique von Burg, Norberto Gramaccini usw. Valentin Magaro stellt seine Arbeiten regelmäßig in Galerien in der Schweiz, Deutschland und in Luxemburg aus.

Pressekontakt: kerstin.karge@web.de
mehr Informationen: pavillon@milchhof-berlin.de, www.milchhofpavillon.de

valentin@valentinmagaro.ch

 

1  Adolf-Dietrich-Preisträger, 2007; Förderpreisträger der Internationalen Bodensee Konferenz, 2010; Förderpreisträger des Kantons Thurgau, 2012; www.valentinmagaro.ch/

2  Lucia Angela Cavegn

3  Richard Grayson