20.08.2017 09:02 Werbung, Konsum und Warenwirtschaft

Werk der Woche: Stephan Widera präsentiert bekannte klassische Ikonen des allgemeinen Kunst-Gedächtnisses in neuem Kontext

Ob Promi Lust und Star Allueren, Moden und der so genannte Zeitgeist, alles geraet in Stephan Widera’s Blick, auch Porno und Erotik

Ob Promi-Lust und Star-Allüren, Moden und der so genannte Zeitgeist, - alles gerät in Stephan Widera’s Blick, auch Porno und Erotik. Alle Bilder © Stephan Widera.

Werke, Bilder von Stephan Widera

Werke, Bilder von Stephan Widera

Werke, Bilder von Stephan Widera

Werke, Bilder von Stephan Widera

Werke, Bilder von Stephan Widera

Werke, Bilder von Stephan Widera

Der Kuenstler Stephan Widera

Der Künstler Stephan Widera

Von: Dr. Stefanie Lucci

Stephan Widera’s gemalte Collagen fügen die Welt neu zusammen. Dabei spart er nichts aus, was gesellschaftliche Realität ausmacht. Ob Werbung, Konsum und Warenwirtschaft,  Pharmaindustrie, Politik und Propaganda, Porno und Erotik.

Ob Promi-Lust und Star-Allüren, Moden und der so genannte Zeitgeist, - alles gerät in Stephan Widera’s Blick. Munter vermengt er dabei Historisches mit Aktuellem, Ernstes mit Banalem, baut Slogans und Schlagzeilen in seine surrealen Bildwelten ein.

Für dieses Kaleidoskop der Möglichkeiten greift Stephan Widera auf Vorlagen aus der populären Bild- und Medienwelt zurück, die in ihrem Ursprung stets kenntlich bleiben. So hat der Volksempfänger des Dritten Reiches ebenso wie das Titelblatt-Layout des Magazins Der Spiegel Einzug in das kollektive Bildgedächtnis gehalten, genauso wie die typischen Werbebilder von Waschmaschinen und Suppendosen.

Stephan Widera’s Bilder sind farbenfroh und spielerisch. Mit der vermeintlichen Unschuld eines Kindes scheint er seine Vorlagen nach dem Prinzip des Zufalls zusammenzubauen.  Köpfe werden mit Tomaten vertauscht, der Wunderdoktor wird bemüht und Dinosaurier-Waschmaschinen bekommen Beine. Was zunächst zum belustigten Schmunzeln einlädt, entwickelt jedoch rasch ein Eigenleben mit völlig neuen möglichen Zusammenhängen, manchmal bissig, manchmal heiter, aber immer mit ironischer Klarsicht, was hinter den Dingen verborgen liegt.

Denn was heißt es denn, wenn beispielsweise die Warenwelt Köpfe besetzt oder besser: ersetzt? Ein Mao-Anzug einen Pichelsteiner Eintopf Dosen-Kopf auf den Schultern trägt, aus dem Volksempfänger ein banales Muschellied rauscht, ein Zeigefinger-Kopf erigiert aus dem Kragen ragt, Sprechblasen mit mehr und Freizeit Köpfe bilden und Body-Kult vorgeführt wird?

Was passiert, wenn bei dem Bild mit dem Werbeslogan: Diese Drei wissen, wie gut Gesundheit schmeckt! nicht nur Werbeversprechen assoziiert werden, sondern unmittelbar  auch die Gesundheitsreform der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt? Worauf spielt dieser sexy Fernseher an?

Mit derselben abgründig humoristischen Betrachtung widmet sich Stephan Widera auch der Kunstgeschichte. Den affirmativen Geist der Pop-Art konterkariert er beispielsweise mit seinen brisanten gesellschaftlichen Bezügen, und Warhols Suppendosen werden durch politische Einsprengel aufgeladen. Den Konstruktivismus, der immerhin auch Gesellschaftsutopie war, lässt er einen leichtfüßigen, virtuosen Freudentanz aufführen.


Wladimir Tatlin und Oskar Schlemmer lassen grüßen. Oder er malt eine Figur, die
einerseits an einen Computer erinnert, aber auch eine auffällige Nähe zu den berühmten Michelin-Männchen des Französischen Autoreifenherstellers aufweist sowie zu Thomas Schütte’s Skulpturengruppe Giganten.

Es fällt auf, dass in Stephan Widera’s Welten Individualisten fehlen. Als Kommentar zu unserer derzeitigen Gesellschaft ist dies durchaus präzise. In einer Gesellschaft, die ausschließlich von wirtschaftlich orientierten Gruppeninteressen gesteuert wird, fällt der Einzelne schließlich nur noch als statische Größe ins Gewicht.

Stephan Widera’s Bilder entlarven die dazu notwendigen Mechanismen der Propaganda und Slogans als Gesellschaft konstituierende Realität. So gesehen betreibt Stephan Widera mit seinen
absurden Bildwelten sowohl aktive Medien- als auch Gesellschaftskritik wie ebenso fundierte Kunstkritik, - und das mit einem sympathischen Lächeln im Augenwinkel.

© Dr. Stefanie Lucci

 

Stephan Widera

geboren 14.03.1962 in Bremen,
lebt und arbeitet in Düsseldorf.

 

Künstlerischer Werdegang

An der Hochschule Niederrhein / Krefeld studierte er Grafik-und Objekt-Design u.a. bei Prof. H. Görtz, Prof. W. Zeiser, Prof. G. Dohr, Prof. Albrecht und Prof. R. Sachsse.
Parallel zum Studium gestaltete er bereits als Auftragsarbeiten grossformatige Wandgemälde in Unternehmen und öffentlichen Gebäuden in Bremen.
Seit seinem Studien Abschluss ist er als freier Künstler und Illustrator tätig

Seine Bilder konnte man bei vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland sehen in Galerien, Museen und auf Kunstmessen.

Mitglied im BBK (Berufsverband bildender Künstler)
Eingetragen im Künstlerverzeichnis der Stadt Düsseldorf

 

Weiterführende Links:
http://www.stephan-widera.de/