08.07.2014 09:35 Malerei mit Hund

Werk der Woche: Stefanie Hödlmoser läßt Menschen und Hunde Platz nehmen

Stefanie Hoedlmoser - das Geraeusch von Strumpfhosen anziehen

Oder abwartend, bis man vor Spannung platzen oder aus der Haut fahren könnte. So bat Stefanie Hödlmoser die zu Portraitierenden darum, an etwas zu denken, bei dem sie aus der Haut fahren würden (c) Stefanie Hödlmoser

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Von: Redaktion/ Florinda Ke Sophie

Stefanie Hödlmoser bittet nicht nur Menschen, sondern auch einen Hund Platz zu nehmen und sich porträtieren zu lassen. So unterschiedlich wie die Gründe zum aus der Haut fahren sein können, sind auch die Gefühle die geweckt werden - wütend, angeekelt oder einfach nur fertig, genervt, resigniert.

Oder abwartend, bis man vor Spannung platzen oder aus der Haut fahren könnte. So wurden die zu Portraitierenden darum gebeten an etwas zu denken, bei dem sie aus der Haut fahren würden. Die Titel der einzelnen Portraits verraten die individuellen Gründe. Der Hund wird gebeten an einen Keks zu denken. Damit ihm das leichter fällt, hält ihm sein Frauchen einen Keks vor die Nase und nimmt ihn dann vorerst wieder weg. Das Frauchen weiß: „Ja, jetzt ist sie richtig genervt“. So entstanden Werke mit ungewöhnlichen Titeln wie "Jetzt gib mir endlich meinen Keks" oder "Das Geräusch vom Strumpfhosenanziehen".

Stefanie Hödlmoser portraitiert Mensch und Tier

Stefanie Hödlmosers Werkzyklus "Aus der Haut fahren" schließt mit der Materialität an die 2013 erstmals auf Müllsack gemalte Serie "plastic people" an. Neu im Schaffen der Künstlerin ist die dezidierte Konzentration und Reduktion in der Malerei auf den Gesichts/Gefühlsausdruck der Portraitierten. Ist in früheren Arbeiten noch das Gesicht Teil der Gesamtkomposition zugunsten eines einheitlichen Eindruckes, so ist er in Hödlmosers Personale der ungeteilte Mittelpunkt der Arbeit. Die Künstlerin schafft an den ersten Müllsack-Zyklus angrenzend neun weitere Ölmalereien auf (neuwertigen) grünen Plastiksäcken, die auf Keilrahmen gespannt sind. Wie eine sehr feine und verletzliche Haut spiegeln die Kompositionen in grüner Transparenz die jeweiligen Antlitze und deren situationsbedingte Emotionalität der Porträtierten wieder. Als Porträtistin erweist sich die Künstlerin als sehr empathisch, denn schon die ersten drei Müllsack-Werke zeigen viel Verletzlichkeit von Menschen, die auf der Straße und dort mit und ebenso aus dem Inhalt von Müllsäcken leben.

Stefanie Hödlmoser, geboren und aufgewachsen in Wels, Oberösterreich, studierte von 2006 - 2010 Industrie Design an der FH Joanneum Graz. 2009 wird ihr das erste Mal ein Künstleratelier im Rondo für ihre Malerei vom Land Steiermark zuerkannt. Nach ihrem Dipl.-Ing. (FH) Abschluss studierte  sie noch zwei Semester Kunstgeschichte an der KF-Uni Graz und machte sich 2012 als Designerin in Graz selbständig.

Mit einem neuerlichen Stipendium ist sie 2013/14 wieder im Rondo vertreten und beschäftigt sich dort mit Kunst und Design. Ihre überzeugenden Arbeiten präsentierte sie erstmals in einer Ausstellung in der Galerie Blaues Atelier.

Text: Florinda Ke Sophie