27.03.2012 09:15 Der Mensch bildet in diesen Arbeiten den Mittelpunkt

Werk der Woche - Seine Bilder sind für Sebastian Vorein der Weg, Neuland zu beschreiten und dies mit alten Techniken zu verbinden

(c) Sebastian Vorein

Von: Gottfried Böhmer/ Sebastian Vorein - 9 Bilder

Sebastian Voreins Weg zur Kunst hatte einen etwas längeren Weg. Mit 11 Jahren, die Mauer war gerade erst ein Jahr gefallen, begann sein Interesse für die Malerei.

Comics, die es hinter der Mauer eher selten gab, hatten das Interesse des jungen Vorein geweckt. Erste kleine Zeichnungen entstanden und Träume, der große Traum vom Comiczeichner und einer Ausbildung in den USA.

Dieser Traum platzte wie eine Seifenblase als sich herausstellte, dass eine derartige Ausbildung für den jungen Mann nicht zu finanzieren war. Die Malerei liess ihn aber trotz alledem nicht los und so begann er zunächst mit dem Studium für Kunst und Geschichte.

Parallel dazu eröffnete er schon als Student eine Onlinegalerie für junge Künstler www.paintend-art.de. 2002 gründete er mit befreundeten Künstlern die Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden.

Unsere Frage, ob er Vorbilder in der Malerei hätte, kann er klar mit nein beantworten, obgleich er zugibt, dass ihn die Arbeiten von Gerhard Richter nicht nur weil er Dresdner ist sehr ansprechen.

Persönlich sieht sich Sebastian Vorein als Maler und Kunstvermittler, weniger als Lehrer, obwohl ihm die Lehrtätigkeit für Kunst und Geschichte an der HOGA Schloß Albrechtsberg auch sehr am Herzen liegt. Junge Menschen frühzeitig für künstlerisches Schaffen und Kreativität zu interessieren, sowie ihren Sinn dafür zu schärfen, hält Sebastian Vorein für eine lebenswichtige, ja lebensvolle Aufgabe.

Den Schwerpunkt seines künstlerisches Schaffens sieht er in der Grafik und Ölmalerei. Sebastian Vorein meint über seine Arbeit,

"perspektiv-LOS-mensch":

Lange habe ich mich mit der Thematik Mensch beschäftigt. Meine Arbeiten dazu lassen sich in fünf Bereiche teilen. Am Anfang bildeten Studien zur Perspektive den Grundstein meiner Auseinandersetzung. Hierbei stehen Perspektiven, beziehungsweise das Spiel mit ihnen im Vordergrund.

Fragen nach dem „Woher?“ und „Wohin?“ spielen dabei eine große Rolle. Bewußt sind verschiedene Blickpunkte dargestellt. Allerdings beschränkte ich mich in diesen Studien allein auf die Perspektive. Der Mensch rückte dabei noch in den Hintergrund. Dennoch bilden diese Arbeiten eine wichtige Grundlage für die später entstandenen Werke.


Basierend auf den Studien entwickelten sich die ersten Bilder, in denen die menschliche Figur eine Rolle spielte. Hierbei handelt es sich um die Reihe „perspektivlos“. Der Mensch bildet in diesen Arbeiten den Mittelpunkt. Er ist dabei umgeben von einer Vielzahl von Perspektiven. Allerdings ist er seiner Individualität enthoben.

Dieser Ausdruck wird erreicht, indem die menschliche Figur bewußt in der Technik des Hochdruckes ausgeführt wurde. Nur so ist eine fast identische Wiedergabe der menschlichen Figur in den Bildern möglich. Er steht exemplarisch für alle Menschen und die sich öffnenden/ sich schließenden Perspektiven.

Als Technik wurde in den ersten beiden Bereichen Aquarell bzw. eine Mischtechnik aus Aquarell und Hochdruck verwendet. Für die mangelhafte Qualität der Abbildungen bitte ich um Nachsehen.


Den dritten Bereich bilden eine Vielzahl von Werken, die sich dem Thema Mensch (ebenfalls mit der „Ent-Individualisierung“ durch die Hochdrucktechnik) in freierer Weise nähert. Dennoch stehen auch hier Perspektiven in Kombination mit dem Mensch im Vordergrund. Die Techniken wurden erweitert auf Acryl- bzw. Ölfarbe.


Den vierten großen Bereich meiner Arbeiten stellt eine Reihe unter dem Titel „Beobachter“ dar. Anknüpfend an die Werke früherer Zeit spielt auch hier die Perspektive wieder eine entscheidende Rolle. Allerdings tritt der Mensch jetzt bewußter in den Vodergrund.

Der Mensch – diesmal in individueller Darstellung und nicht ent-individualisiert wie durch die Hochdrucktechnik – befindet sich zwischen den Perspektiven. Er steht in ihnen, über ihnen und zwischen ihnen. Als letztes ist der plastische Bereich meiner Beschäftigung zu benennen.

Wie in allen Werken der fünf Bereiche stehen die Perspektiven für Wege, die ein Mensch wählen kann bzw. konnte. Da gibt es Perspektiven, die ihn einladen zu folgen. Andere versperren ihm den Weg. Wieder andere führen ihn in die Irre. Doch bei aller scheinbarer Perspektivlosigkeit ist es der Mensch, der letztendlich die Entscheidung über seine Zukunft trifft.

Er findet seine individuelle Entscheidung, wählt seine eigene Perspektive. Im ersten Bereich laufen die Perspektiven ohne den Menschen ab. Dies stellt eine verordnete – ob freiwillig oder unfreiwillig sei dahingestellt – Teilnahmslosigkeit des Menschen dar. Egal ob mit oder ohne ihm, die Zukunft mit ihren verschiedenen Perspektiven drängt in den Bildgrund.


Im zweiten Bereich, der Reihe „perspektivlos“, wird sich der Mensch seiner selbst bewußt. Zwar hat er seine Individualität noch nicht gefunden, denoch behauptet er seinen Standpunkt auf der Fläche. Dies wird unterstützt durch die Farbe Rot. Mit diesen Arbeiten sollen die verschiedenen Möglichkeiten bzw. Perspektiven des Menschen aufgezeigt werden.

Er wird von Ihnen regelrecht bedängt. Trotzdem beharrt er auf seinem Standpunkt. Er entscheidet über seinen Weg. Die schematisierten Häuser bilden hier einen Nachruf auf Werke vergangener Jahre. Das Haus steht dabei für mich als ein Symbol der Heimat.

Gerade in heutiger Zeit ist es schwierig geworden seine Heimat zu finden, bzw. nicht zu verlieren. Ständige Flexibilität ist gefordert. Wenn es der Arbeitgeber will, verliert man seine Heimat, um in einem neuen Job und in einer neuen Stadt eine neue zu finden. Diese Problematik soll allerdings nur eine Perspektive darstellen, die auf den Mensch in meinen Werken trifft.


Im dritten Bereich wird, wie bereits dargelegt, etwas freier mit der Thematik umgegangen. Situationen werden simuliert, Ängste und Befürchtungen dargestellt. Dabei ist es wieder der ent-individualisierte Mensch, der für jeden von uns stehen könnte.


Im vierten Bereich ist es der Mensch als Beobachter, der das Bild dominiert. Im Hintergrund stellt eine Perspektive seinen jetztigen Standpunkt dar. Verdeutlicht wird dies durch die Verwendung der Farbe Orange im Kontext der Felder der Perspektiven. Besonders deutlich wird der Aspekt des „Beobachters“ beim Bild „Reise“.

Hier steht der Mensch am Beginn einer Reise. Seine Habseligkeiten sind verstaut. Er wendet seinen Bick der Zukunft zu und begibt sich, zumindest mental, schon auf den Weg. Noch verharrt er allerdings, während sich am Horizont bereits die Zukunft abzuzeichnen beginnt. Noch beobachtet er, doch bald wird er selbst zum agierenden Subjekt.


Bevor ich als letztes zum plastischen Bereich meiner Auseinandersetzung mit dem Thema komme, möchte ich das Werk „Beobachter VI“ kurz erläutern. Diese Arbeit stellt den bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Thematik dar. Hier kommen verschiedene Bereiche zum tragen.

Zum einen die Perspektive (allerdings in vereinfachter Form), danach der Mensch und zum Schluß die Rolle des Menschen als Beobachter. Der Mensch ist in diesem Bild als videofilmender junger Mann dargestellt. Allerdings ist er seiner Individualität enthoben durch die Wegnahme seines Gesichtes.

Er verkörpert damit für mich alle Arten der Beobachtung durch Medien. Durch diese Arbeit soll eine gewisse Medienkritik zum Ausdruck kommen. Der Beobachter filmt aus dem Bild hinaus (verdeutlicht durch die aus der Kamera tretende Perspektive). Dabei spielt sich in seinem Rücken aber das gerade entscheidende ab.

Dies soll verdeutlicht werden durch den Streifen mit stark expressiven Elementen im linken Bildteil. Hierbei stehen die Farben symbolisch für starke emotionale Elemente (Krieg, Leid, Schmerz, Wut). Doch der Mensch sieht nicht (will es vielleicht nicht sehen), was hinter ihm passiert. Er wendet sich ab vom Geschehen und dokumentiert/ beobachtet nur „Unwichtiges“.

Damit sollen die Medien ebenso wie der Mensch an sich kritisiert werden. Zum einen wegen möglicher einseitiger Berichterstattung, zum anderern durch den Sachverhalt der Verdrängung beziehungsweise des Wegsehens von Seiten des Beobachters.


Mit dem letzten Bereich, dem plastischen Gestalten, möchte ich zum Abschluß meiner Ausführungen kommen. Dieser Bereich stellt die plastische Umsetzung der auf Papier beziehungsweise Hartfaser gebannten Gedanken dar. Auch hier ist es wieder der Mensch, wie in der Serie „Beobachter“ individuell dargestellt, der im Mittelpunkt meiner Arbeit steht.

Zu sehen ist eine angeschnittene Figur, die im Raum agiert. Dabei umgeben sie drei Perspektiven. Eine mögliche Deutung wäre die Identifikation der drei Perspektiven mit den Aspekten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei hält sich der Mensch an der jetztigen Perspektive (Gegenwart) fest, während im Hintergrund eine andere Perspektive zu verschwinden scheint (Vergangenheit).


Das Verschwinden wird verstärkt durch die abweisende Handhaltung der Figur auf dem Rücken. Als letzte Perspektive steht vor dem Mensch die Zukunft. Schier unüberblickbar. Er weiß nicht, was nach ihr kommt! Dies wird verstärkt, durch den suchenden Blick nach oben.

Soviel zu einer kurzen Erläuterung meiner Werke. Ich hoffe ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick in mein Schaffen und meine Gedankengänge ermöglichen. Natürlich können Worte nur in geringem Maße den Deutungshorizont wiedergeben, der den Bildern eigentlich zusteht. Deshalb meine Aufforderung an Sie, sich auf die Bilder einzulassen und sich selbst eine Perspektive zu bilden.

Austellungstätigkeit (Auswahl)

2002
26.07.2002 - 17.08.2002
Beteiligung Werkstattausstellung im "Riesa Efau" Dresden
29.06.2002 - 02.08.2002
Beteiligung Themenausstellung Glas in der "Galerie im Malzhaus"

2003
20.03.2003 - 24.04.2003
Beteiligung Ausstellung Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden
23.03.2003 - 24.04.2003 Einzelausstellung in der Wandelhalle Bad Elster
16.09.2003 - 16.12.2003 Einzelausstellung in der Raiffeisenbank in Plauen

2004
15.03.2004 - 29.03.04 Ausstellung im MDR Fernsehen bei "hier ab vier"
09.07.2004 - 30.07.2004
Beteiligung Werkstattausstellung im "Riesa Efau" Dresden
28.08.2004 - 30.09.2004
Ausstellungsbeteiligung Schlossgalerie Wildeck in Zschopau
04.10.2004 - 11.11.2004
Einzelausstellung in der Raiffeisenbank Hof EG in Hof/Franken

2005
13.01.2005 - 20.02.2005
Beteiligung Ausstellung Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden
06.08. 2005 - 19.08.2005
Beteiligung Ausstellung "10 Jahre Galerie im Malzhaus"

2006
09.04.2006 - 01.07.2006
Einzelausstellung in git-Galerie (Technologie-Zentrum Zittau)

2007
31.03.2007 - 3. 06.2007
Einzelausstellung "Bad Elster - Zeichnung, Radierung, Lithographie"
August - November 2007
Einzelausstellung im Kommunalen Studieninstitut Dresden

2008
27.07.2008
Beteiligung Ausstellung "Gedächtnis der Kunst" in Rehlovice/CZ
13.10.2008 - 17.10.2008
Beteiligung Ausstellung "Mnemosyne & Lethe" in Dresden

2009
25.05.2009 - 24.08.2009
Einzelausstellung in der Galerie des IFW - Dresden
14.11.2009 - 20.12.2009
Einzelausstellung in der Galerie des Neuberinhaus - Reichenbach

2010
07.06.2010 - 13.06.2010
Ausstellungsbeteiligung - Zukunftsvisionen 2010 in Görlitz
11.10.2010 - 20.04.2011
Einzelausstellung "Werksatz - Dresden" - T-Systems Dresden

2011 29.05.2011 - 04.06.2011 Ausstellungsbeteiligung - Zukunftsvisionen 2011 in Görlitz 

Alle Arbeiten sind beim Künstler direkt zu beziehen unter www.vorein.com

Die Preise liegen zwischen 350 und 2.000 €

Kontakt:

Sebastian Vorein
Max-Höra-Str.4
08645 Bad Elster

E-Mail: post/at/vorein.com

Bildbeschreibung/(c) Sebastian Vorein

1-4: "perspektiv-LOS-mensch"

5-8: Illustration - Woyzeck

9: Selbstportrait Sebastian Vorein