13.03.2016 11:30 eine phantastische Traumwelt

Werk der Woche: "Photo meets Manga" - Mangas erobern die alltägliche westliche Welt in den Fotografien von Eva Horstick‐Schmitt

Werk der Woche Photo meets Manga

Das Manga, ein Ausdruck der japanischen Popkultur, vereint sich in den Bildern der Fotografien Eva Horstick‐Schmitt mit seiner Umgebung, die das Lokalkolorit des Westens deutlich erkennen lasst.(c) Eva Horstick‐Schmitt/ Arteve

Manga-Fotografien Eva Horstick‐SchmittAm Fenster in New York City - Manga-Fotografien Eva Horstick‐SchmittIsrael Mauer - Manga-Fotografien Eva Horstick‐SchmittKosovo Mauer - Manga-Fotografien Eva Horstick‐SchmittEvas UniversumPortrait der Fotografin Eva Horstick‐SchmittBronx - Manga-Fotografien Eva Horstick‐Schmitt
Von: GFDK - Sophie Blady M.A.

Photo meets Manga ist ein generationsübergreifendes Werk, das in Zusammenarbeit mit der 14-jährigen Tania Schaubhut entstanden ist und erstmals 2005 dem Publikum präsentiert wurde. Die Dortmunder Künstlerin Eva Horstick‐Schmitt entschied nach einer Karriere als Choreografin und Fotografin, sich gänzlich der Kunst zu widmen und ihren Beobachtungen, Gedanken und Träumen durch die Fotografie Ausdruck zu verleihen. Jetzt stellt Eva Horstick-Schmitt Ihre Manga-Werke in Brüssel aus.

Bunt, naiv und frech erobert das Manga die alltägliche westliche Welt in den Fotografien von Eva Horstick‐Schmitt. Malerei und Fotografie treffen in ihren Bildern ebenso aufeinander wie die Kontinente Asien und Europa, doch was macht ihre Kunst tatsachlich so einzigartig, ist doch das Manga derzeit in aller Munde und gibt es doch bekannte, japanische Mangaka, deren Abbildungen ohne Frage an Kunstfertigkeit und Authentizitat kaum zu ubertreffen sind.

Eva Horstick-Schmitt erobert die Welt der Mangas

Nicht ohne Grund entsprechen die Manga in den Bildern Horstick‐Schmitts diesen Darstellungen jedoch nicht, sie gleichen vielmehr einer jugendlichen Neuinterpretation und erinnern teilweise nur noch vage an ihren japanischen Ursprung. Die 14‐Jährige deutsche Manga‐Zeichnerin Tania Schaubhut malte die bunten Figuren in die Fotografien der Künstlerin ein und schuf auf diese Weise ein Sinnbild für eine fremde Kultur in der vertrauten Heimat, da sie selbst Japan bislang nur aus Zeitschriften, Filmen und Spielen kennt.

Auf ganz subtile Weise macht Eva Horstick‐Schmitt mit diesem Kunstwerk bereits 2005 auf die aktuelle sozialpolitische Debatte des Kulturtransfers aufmerksam. In ihren Bildern wird deutlich, dass Kulturen nicht mehr nebeneinander bestehen, sondern miteinander: Grenzen öffnen sich, verschwimmen und lösen sich schlieslich ganzlich auf. Das Manga, ein Ausdruck der japanischen Popkultur, vereint sich in den Bildern Horstick‐Schmitts mit seiner Umgebung, die das Lokalkolorit des Westens deutlich erkennen lasst.

Fotografien von Eva Horstick‐Schmitt

Der transparente Korpus des stark konturierten Mangas nimmt die Oberflächenstruktur des Westens an; so scheint beispielsweise die Gardine eines bürgerlichen Interieurs sowie die Industrielandschaft vor dem Fenster durch das Gewand und den Körper des Mangas hindurch. Ost und West, Asien und Europa vereinen sich zu „Eurasien“: ein neuer Zustand, in dem sich die Form der japanischen Kultur und Tradition mit dem Geist Europas vereint. So tut sich eine phantastische Traumwelt auf, die fernab von Regeln und Gesetzen verzaubern möchte.

Fiktion und Realitat treten in ein beeindruckendes Gefecht, das durch die Intermedialität von Fotografie und Malerei, die fiktive Comic‐ Figur und das reale Abbild der Künstlerin animiert wird: Während das Manga oftmals aus dem Bild heraus in die Realität tritt, indem es dem Betrachter neckisch zuzwinkert oder ihm gar winkt, bleibt die Künstlerin in ihrer Bildwelt meist eingeschlossen.

Mangas sind in Deutschland nicht mehr wegzudenken

Das Manga ist seit den 1990er Jahren auch in Deutschland nicht mehr wegzudenken, bekannte Charakteristika wie die grossen, ausdrucksstarken Augen, das buschig voluminöse Haar und ganz besonders die ausergewöhnliche Themenvielfalt der Geschichten lösten einen regelrechten Manga‐Hype aus. Beachtlich ist jedoch die optische Diskrepanz der Manga zu der japanischen Physiognomie, die besonders in der Augenpartie deutlich wird. Die Übersteigerung des Kindchenschemas ist Ausdruck der Amerikanisierung der japanischen Comicfigur Ende der 1970er Jahre, die zwar dem Schönheitsideal der Japaner entspricht, nicht aber dem Erscheinungsbild der Menschen.

Der Bildtransfer zwischen Asien, Amerika und seit den 1990er Jahren Europa macht das Manga zum interkulturellen Sinnbild unseres Zeitalters, das markante Merkmale wie Flexibilitat, Schnelllebigkeit und Kulturtransfer vereint. So stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch ein japanisches Manga?

Text von Sophie Blady M.A., Gesamtwerk und Fotografien von Eva Horstick‐Schmitt

Die international arbeitende Fotokünstlerin Eva Horstick-Schmitt stellt in der Brüsseler Galerie
Artbeat aus:

aus ihrer Serie
Photo meets Manga 
24 Werke , die zwischen 2004 und 2015 entstanden sind.

14. April bis 14. Mai 2016. Rue de'Aqueduc 104. 1050 Brussels.
Dienstags bis Freitags von 11.30 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 17 Uhr.
Kontakt: 0485893747.
www.art-beat.be

www.arteve.de