15.09.2017 07:57 ritualisiert die versteckte Gewalt zwischen den Figuren

Werk der Woche: Joanna Price behandelt in Ihrer Malerei die Begegnung und Kommunikation unter Männern

Die Maennergruppen in den Werken von Joanna Price scheinen zu schweben, ungeachtet konventioneller Perspektiven

Die Männergruppen in den Werken von Joanna Price scheinen zu schweben, ungeachtet konventioneller Perspektiven. Alle Bilder: © Joanna Price

Isoliert voneinander wirken die Maenner wie kleine Porzellanfiguren

Isoliert voneinander wirken die Männer wie kleine Porzellanfiguren.

Der Handschlag ist keineswegs freundlich sondern verhalten aggressiv

Der Handschlag ist keineswegs freundlich sondern verhalten aggressiv.

Begegnung und Kommunikation unter Maennern

Begegnung und Kommunikation unter Männern.

Werk von Joanna Price

Werk von Joanna Price

Von: GFDK/ Dr. Gudrun Pamme-Vogelsang

Ein wichtiges Thema, das die Londoner Künstlerin Joanna Price in ihrer Malerei verhandelt, ist die Begegnung und Kommunikation unter Männern. Die Künstlerin verallgemeinert und standardisiert, indem sie die Figuren nahezu monochrom in Gruppen zusammenstellt oder auch einzelne Figuren zwischen den Gruppen isoliert.

Die Männerbegegnungen scheinen – einem Tanz vergleichbar - sorgfältig choreographiert. Price untersucht mit malerischen Mitteln Phänomene wie Männerbünde und Kameraderie, Rivalität und Strategie, Intimität und Distanz im privaten und öffentlichen Raum.

Dabei wirken die Berührungen, Gesten oder auch der ausgetauschte Handschlag keineswegs freundlich sondern verhalten aggressiv. Price ritualisiert die versteckte Gewalt zwischen den Figuren – eine Gewalt, die in den unspezifischen, aber beengten, monochromen Bildräumen eine eigenartige Dynamik entfaltet.

Die Männergruppen in den Werken von Joanna Price scheinen zu schweben, ungeachtet konventioneller Perspektiven. Isoliert voneinander wirken die Männer wie kleine Porzellanfiguren. Jede der ´Ming-blauen` Gruppen erinnert zunächst an das Design auf einem Willow Pattern Teller. Doch lassen sich auch Parallelen zur mittelalterlichen Kunst und den Erzählrhythmen z.B. auf Wandteppichen und in der Buchmalerei entdecken.

Als junge Künstlerin war Joanna Price fasziniert von der griechischen Vasenmalerei mit ihren klaren standardisierten Bildprogrammen, den vorbildhaften Geschichten und Heldensagen. Die gemalten Geschichten von Price bleiben aber unklar, die Protagonisten meist unkenntlich. Price studiert Typologien und Verhaltensmuster, die Geschichten hierzu muss der Betrachter selbst erfinden.

Obwohl sich manche Titel der Künstlerin auf Orte wie Millwall beziehen, wo regelmäßig Hooligan Auseinandersetzungen stattfinden, ist Ihre Arbeit ganz und gar nicht dokumentarisch, soziologisch oder gar feministisch anzusehen. Die Gemälde von Joanna Price haben ebenso wenig mit dem Thema Männergewalt zu tun wie Degas Tänzer mit Ballett.

Aufgrund der emotionalen Aufladung und Unmittelbarkeit bevorzugt die Künstlerin die Darstellung von Gewalt gegenüber anderer dynamischer Bewegungsabläufe, wie man sie vom Sport oder Tanz her kennt.

Joanna Price gelingt es in ihrer Malerei Gewalt darzustellen ohne dabei in der Anklage stecken zu bleiben. Ihre einzigartige Bildstrategie führt aus der Betroffenheit heraus und ermöglicht so einen ironisch distanzierten Blick auf ihre Bilderwelten.

Joanna Price wurde 1956 in Irland geboren. Die City and Guilds of London Art School absolvierte sie 1982 mit einem Abschluss als Bildhauerin. Später erhielt sie ein Stipendium für die New York Studio School. Im Jahr 1990 zeigte Joanna Price ihre erste Einzelaus-stellung als Malerin in der Anna Bornholt Gallery in London.

In Deutschland war ihre erste Einzelausstellung 2005 in der Galerie Michael Heufelder, München, zu sehen. Sie beteiligte sich u.a. an den Gruppenausstellungen Migrant Artists Council Biennale, St. Petersburg (2001), Paintings for hospitals, The Saatchi Gallery, London (2002), “Zurück zur Figur", Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (2006).

Werke von Joanna Price befinden sich in öffentlichen Sammlungen, z.B.: Unilever, State Street Bank, Cinven, Hambros Bank, Saatchi Collection, Sierra Serapion, Puerto Rico, Norddeutsche Landesbank, Nancy Balfour Collection, The Inland Revenue, Rugby County Council, Robert Webster, Arthur Anderson, The Arts Council of Great Britain.

Joanna Price, *1956 in Irland
Lebt und arbeitet in London (UK)

Galerie Pamme-Vogelsang

Dr. Gudrun Pamme-Vogelsang

Hahnenstraße 33

D-50667 Köln

T.:  +49 - (0)221 - 80 15 87 63

F.:  +49 - (0)221 - 80 15 87 64

M.: +49 - (0)171 - 86 31 823

info@pamme-vogelsang.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 12 bis 18.00 Uhr

Samstag 11 bis 15 Uhr u.n.V.

1) "Good Form and nice Style", Öl auf Leinwand, 122x122 cm © Joanna Price

2) "Nice Style", Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

3) "Serial Handshake", Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

4) "Good Form and nice Style", 2005, Öl auf Leinwand, 122x122 cm © Joanna Price

5) "Ushering out the Old I", 1997, Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

Weiterführende Links:
http://www.joannaprice.com/